Geschichten

Damals mit Andrea




Endlich mal wieder zu Hause, das wurde auch Zeit. Das Heimweh nach meinem idyllischen Elternhaus, in dem meine Mutter allein lebt, wurde langsam schlimm. Ich lebe als Sozialarbeiterin in Afrika und helfe beim Aufbau einer Schule.
Mein Zimmer ist fast unverändert seit meinem Weggehen. Es stehen immer noch die alten Bilder auf der Kommode, von meinem Bruder, Andrea und mir. Andrea ist meine liebe alte Freundin. Wehmütig betrachte ich unser Kinderbild. Wir stehen nebeneinander und liegen uns im Arm, inmitten einer Wiese. Unserer Wiese! Im Hintergrund ist der Stall in dem wir oft waren, um im Heu zu spielen.
Wo ich mir nun unser Bild bertrachte, und mir der Verlust meiner Freundin so recht bewußt wird, kommen mir all die schönen Erlebnisse wieder ins Gedächnis. Wie wir uns abmühen mußten, mit dem riesigen Tor, um in den Stall zu gelangen. Es ist ein großes Brettergbäude mit vielen Ritzen zum durchschauen und vollgeproft mit dem duftende Tierfutter. Was mußten wir niesen. Heute weiß ich das ich damals schon Heuschnupfen hatte.
Das Gras wurde im Sommer mit all den wilden Margeritten, Schlüsselblumen und Gänseblümchen geschnitten. Dazu gesellten sich der Löwenzahn wie auch der wunderbare rote Mohn und die Schafgarbe. Das alles und noch viel mehr bringt den wunderbaren Duft des Heu´s zustande. Herrlich, den Geruch nach Jahrzehnten immer noch in der Nase zu haben. Es duftet nach der Kindheit.
Wie schön es war durch das hohe Gras zu laufen, mit meiner Freundin Hand in Hand. Manchmal stand es so hoch das gerade noch die Schultern und der Kopf hinauslugten. Wir knüpften uns so gerne Blumenkränzchen, die wir uns gegenseitig um die Köpfe richteten. Die Haare zu langen Zöpfen geflochten, damit sie am Abend beim kämmen nicht so ziepten.
So liefen wir jeden Tag mit unseren Kleidchen und den Rüschenschürzen über die Wiese zu unserem Lieblingsplatz am Bach, einer kleinen Senke in der man uns nicht sah. Niemandem erzählten wir von unserem Versteck. Dort beobachteten wir die Forellen und Molche, die wir zu fangen versuchten. Ich muß schmunzeln, natürlich klappte das mit den kleinen Händen nicht. Und trotzdem, immer wieder neue Versuche. Wie wunderbar es war, in dem gar nicht mal so kalten Wasser zu stehen, und zu spüren wie die kleinen Wogen die Beinen umspielten.
Später wußten wir, das sich hier an dem lauschigen Ort die Liebespaare trafen.
Wie lustig war es, wenn ein Fischreiher sich sein Mahl holen wollte, und uns im letzten Moment entdeckte und verdutzt abhaute.
Hier erzählten wir uns gegenseitig unsere Geheimnisse. Manchmal sehr leise und nur hinter vorgehaltener Hand in´s Ohr, so als ob wir belauscht werden könnten.
Der Bach ist umsäumt von kleinen Bäumen und Sträuchern, die im Hochsommer angenehmen Schatten warfen. Das kleine Gewässer sieht auch heute noch unverändert aus. Von den Zweigen die der heftige Wind im Herbst herunter zerrte bauten wir einen kleinen Staudamm, was den Fischen nicht gefiel. Das ahnten wir natürlich nicht. Wir wunderten uns nur, warum regelmäßig nach ein paar Tagen unser kleines Wehr nicht mehr existierte. Der Bauer, dem die Wiese gehörte machte regelmäßig seinen Kontrollgang um nach dem Zaun zuschauen, und räumte dann unsere Konstruktion weg.
Er wird auch gewußt haben welche Biber hier am Werk waren. Er sagte nichts und ließ uns spielen. Die gute alte Zeit eben, als Kinder noch Kinder sein durften.
Warum mir grad so die Erinnerung an damals kommt weiß ich gar nicht ( vielleicht wegen des nahenden Frühlings? ), oder doch das Bild von Andrea und mir? Es macht mich traurig das sie und ich uns aus den Augen verloren haben, und es kommen mir die Tränen. Nach der Schulzeit trennten sich unsere Wege. Ich ging zum Studium weit weg von zu Hause und ließ Andrea zurück. Ein Jahr lang blieben wir in ständigem Kontakt, doch dann brach er ab. Warum weiß ich bis heute nicht. Sie ist mein verloren gegangener Schatz.
Die Ausbildung forderte mich, und ließ mir keine Zeit für Erinnerungen. Nun bin ich nach Jahren wieder zu Besuch in der alten Heimat, und mir fällt die ganze Kindheit wieder ein.
Einmal, bei unseren Streifzügen am Bach entlang, entdeckten wir einen Fuchsbau. Im letzten Moment haben wir ihn noch gesehen, bevor wir hineintraten und bäuchlings im Dreck lagen. Das es die Heimat von Herrn Reineke war erklärte uns später mein großer Bruder. Die Entdeckung war schon ein Abenteuer, und ließ unsere kleinen Herzen kräftig pochen. So schnell uns unsere Beine tragen konnten stolperten wir über die Wiese nach Hause. Wir konnten nicht wissen das es ein verlassener Bau war, das fand mein Bruder einige Tage später heraus.
Nicht auszudenken wenn wir mit der total versauten Kleidung nach Hause gekommen wären. Was hätte die Mutter geschimpft.
Später wußte ich natürlich um die Mühe die Mutter hatte alles wieder rein zu bekommen. Zuerst einweichen, über dem Waschbrett rubbeln und schließlich noch mit der Bürste und Kernseife versuchen die Flecken herauszubekommen. Dann die Wäsche in den großen kupfernen Waschkessel, anschließend alles in das Klarwaschbecken rüberhieven und zum Schluß in die Schleuder, die wir damals schon hatten. Aber den Wäschestampfer kenne ich trotzdem noch. Der quietschte beim zusammendrücken immer, und hakte auch schon einmal. Wenn Mutter nicht in der Waschküche war, habe ich damit gespielt.
Arme Mutter, was für eine Plage!
Dann wieder konnten Andrea und ich stundenlang in der Wiese liegen und die Insekten bei der Futtersuche beobachten. Was das im Gras immer summte und zirpte. Ein geschäftiges Treiben auf unserem grünen Spielplatz. Wie die Bienen fleißig ihren Nektar sammelten und die Hummeln bedächtig ihren Landeplatz anvisierten. Toll das zu beobachten. Ob die heutigen Kinder noch die Möglichkeit haben die Natur zu beobachten?
Nur die Krabbeltierchen waren nicht so prickelt. Ich hasste die Ameisen, ständig dieses Auf und Ab über unsere, der Länge nach liegenden Körper. Das kribbelte ganz schön. Wenn wir mit unserer Naturkunde fertig waren haben wir uns gegenseitig abgeklopft, damit wir später keine Haustiere hatten. Mutter hätte gezetert wenn sie KribbelKrabbel im Haus gehabt hätte.
Ach, was haben Andrea und ich nicht alles erlebt. Fast wie die Kinder in Bullerbü. Wir hatten eine unbeschwert herrliche Kindheit.
Doch das schönste Erlebnis war, wenn wir Schmetterlingsraupen eingesammelt haben um sie in ein Glas auf ein Blätterbett zu legen. Was war das spannend über Wochen zu beobachten wie dann irgendwann der Schmetterling schlüpfte, den wir dann wieder fliegen ließen.
Unbedingt muß ich herausfinden wo ich meine verlorene Freundin wiederfinden kann. Morgen gehe ich mal ihre Mutter besuchen.
Das war eine schöne Reise in zurück in die Kindheit. 

© margret 





Warum es schwer ist eine Frau zu sein oder Margret geht einkaufen



Es ist ein Morgen wie jeder andere. Nur, ich habe mich entschlossen meine Burg zu verlassen. Mich von meinem schönen Hügel auf dem ich throne hinfort zu bewegen um ins nächste Dorf ( 4,5 km entfernt ) zu reisen ... warum ... bääh einkaufen.
Nun gut, um am Leben zu bleiben ist es von Nöten. Also Gedanken sammeln, Einkaufsliste schreiben, Portomonaie überprüfen und dann könnte ich los.
Apropos Einkaufsliste, eigentlich überflüssig .... ich lasse sie sowieso liegen. Aber ich hab sie geschrieben, was solls.
So denn, ein wenig werde ich noch warten müssen. Der Morgenkaffee ist noch nicht so lange her, die Kanne Kaffee fordert ihren Tribut ... laufend muss ich pullern.
Hat was für sich, hält die Beine und den Po stramm, denn ich muss 15 schmale Stufen einer alten steilen fast 100 Jahre alten Treppe hochklettern, und das zumeist im Galopp. Wie fast alle Frauen warte auch ich bis zuletzt, und gehe erst kurz vorm Wasser ausschwitzen zur Toilette, entsprechend rennen muss ich die besagte fast 100Jahre alte Treppe mit den schmalen steilen Stufen, auf die meine Füße so grade passen, hinauf.
Also wie gesagt .... noch warten. Derweil mach ich mir schon mal Gedanken um die Klamotten die ich zum Einkaufen tragen möchte, denn die Zeit bis ich mich ausgepullert habe kann ich ja sinnvoll nutzen und möglicherweise was anprobieren.

Entsprechend der Kleidung muss das MakeUp aussehen. Ich kann ja nicht die Augen pink pinseln, wenn ich Beige an habe, wie sieht das denn aus.
Beim Nagellack hab ich es deutlich einfacher, ich trag keinen. Das Theater mach ich nicht mit, ein wenig abgeblättert, alles wieder neu. Habe ich was anderes an, Nagellack wieder erneuern, neeeee  ohne mich.
Außerdem hab ich Arbeiterhände, denen steht der Lack nicht. Ich trag mit Würde und Stolz meine Schwielen zu meinen krummen Fingern, da trag ich wohl schon mal Schmuck dran, denn Frau muss ja zeigen was sie hat.

So, nun bin ich angezogen. Hose, Blüschen, nur noch Schuhe.

Die ziehe ich immer unten im Erdgeschoss an, ich habe Verbot bekommen oben die Schühchen anzuziehen ..., von meinen Kindern. Mama könnte mit den Hacken am Teppich hängen bleiben, reiner Eigennutz, Mama wird gebraucht.
Gut,also unten Schuhe an. Dazu sitze ich immer auf der untersten Stufe meiner Treppe.
Das Theater beginnt, denn grundsätzlich versuche ich immer die Schuhe mit minimalistisch geöffneten Schnürsenkel anzuziehen, wie immer schimpfe ich vor mich hin weil es nicht geht.
Mensch Margret, mach doch einmal die Schuhe weiter auf … das muss doch möglich sein.
Der erste Hacken ist an. Scheiße, aber die falschen Söckchen, man sieht diese ein wenig unter dem Hosenbein hervorblitzen und die  passen so gar nicht zu Hose und Schuhe.
Treppe wieder hoch, an eine
m Fuß den HighHeel am anderen Fuß nichts. So stakse ich die Treppe kopfschüttelnd und vor mich hin murmelnd hoch. Das Ganze ebenso mit den neuen Socken wieder runter.

Hach, endlich Schuhe an.


Jacke an, Tasche nehmen, kontrollieren ob alles drin ist und ab.
Im Auto bin ich schon mal, bemerke rechtzeitig das ich den Einkaufkorb im Haus gelassen hab. Mist, raus aus dem Auto den Treppenaufgang ( hier sind es 13 Stufen ) bis zur Haustür hoch und wieder rein.
Durch den Flur, durch das Esszimmer zum Vorratsraum. Im Esszimmer jedoch fällt mein Blick in Spiegel, und was ich an meinem Spiegelbild sehe versetzt mir einen Schreck, mir stockt der Atem ... grauenvoll ... !!!!!
Beim anziehen der Hose hab ich nicht bemerkt das sich das Höschen unter der Hose abmalte. So etwas geht mal gar nicht, was folgt ahnt ihr gaaanz sicher.
Da es mittlerweile schon stark auf Mittag zugeht, renne ich die alte steile fast 100Jahre alte Treppe mit den 15 schmalen Stufen in HighHeel´s rauf, fliege förmlich aus den Schuhen und der Hose, entscheide mich nun für ein Schlüpferchen ( Betonung auf … chen ) Hose wieder an, eiligst ein prüfender Blick in den Spiegel. Aufatmen, nun ists perfekt.

Schuhe wieder an, beim Abstieg der Treppe höchste Vorsicht!!!

Jacke wieder an, Lippenstift nachgezogen ( den hatte ich mir im Gefecht von den Lippen abgeleckt ) mit Blick in jenen Spiegel der mir vorhin den Atem stocken ließ.

Rumms die Wohnungstür zu, noch ein Rummmmms, die Haustür zu.

Treppe runter zum Auto, Autotür knallt auch zu, und endlich geht es zum Einkaufen.

Neeeiiiiiin, Einkaufskorb stehen lassen, wieder aus dem Auto raus, die Treppe hoch, Korb geholtund endlich Abfahrt.

© margret


 
Tanz über den Regenbogen 

 
Seit einiger Zeit bin ich allein. Die Kinder sind aus dem Haus und somit hab ich alle Zeit der Welt. Berufstätig bin ich nicht, und daher habe ich mein Hobby, den Garten, zu meinem Ein und Alles gemacht. Er ist wunderschön geworden. Eine kleine Oase der Ruhe, so würde ich ihn beschreiben.
Überall, selbst in den verstecktesten Nischen sind schlichte Dekorationsstücke zu finden. Mal fallen sie sehr eigentümlich aus, mal sehr natürlich und dann wieder alternativ. In der Hinsicht bin ich äußerst kreativ.
In der schönsten Jahreszeit, dem Sommer, beginnt der Tag mit dem Frühstück auf der geräumigen Terrasse. Sie ist groß und mit vielen Kübelpflanzen bestückt.

Sehr zeitig am frühen Morgen lugt die Sonne über die Baumwipfel und taucht meinen Freisitz in ein Meer aus den schönsten Strahlen die "La Sol" zu bieten hat. Erst am Abend, mit dem meist traumhaften Sonnenuntergang, kann man ein schattiges Plätzchen finden. Ansonsten sorgen zwei große Schattenspender für Abkühlung. Ein Traum für alle Sonnenanbeter so eine Terrasse zu haben, die von morgens bis abends mit dem herrlichen Glanz der Sonne geflutet wird.
In sehr heißen Sommern gibt es die Möglichkeit einer wundervollen Erfrischung in meinem Stollen. Die gleichbleibend kühle Temperatur ist sehr wohltuend.
Er wurde zum Schieferabbau für mein Haus vor fast hundert Jahren in den Berg getrieben. Heute ist er immer noch von großem Nutzen für mich, nämlich mein Sommerkühlschrank für die Erfrischungsgetränke am Feierabend.
Ein fast ebenso alter Apfelbaum verdeckt den mit Efeu zugerankten Eingang. Der kleine Baum hat so manchen Sturm überlebt und einen Krieg überstanden. Ein wenig gramgebeugt ist er schon, sehr schief sein Stand, doch er trotz allem.
Ein schöner Sommermorgen ist erwacht, und ich habe mein Frühstück schon auf der Terrasse genossen.
Bevor es an die Gartenarbeit geht möchte ich noch ein wenig in den wundervollen Morgen hinein bummeln. Am besten auf meiner bequemen Hollywoodschaukel. Ein tiefer Seufzer des Wohlergehens kommt aus meinem Herzen und ich lasse mich in die weichen Kissen sinken.
Die herrllich funkelnden Sonnenstrahlen umschmeicheln meinen Körper.
Der Sonnenschein läßt mich blinzeln und so halte ich die Augen geschlossen. Ach wie ruhig ist es so früh. Zartes Vogelzwitschern, sehr leise nur, erlauscht mein Ohr. Der sanfte Wind streichelt mein Haar. Es ist so schön. Ich genieße es! Nichts, rein gar nichts kann mich jetzt stören.
Ruhe. Ich will die Stille hören. Einfach an nichts denken und meinen Herzschlag spüren. In mich hineinlauschen. Es schlägt ganz ruhig, mein Herz. Fast bin ich ein wenig traurig, das ich so allein bin am frühen Sommermorgen. Allein mit den sanften Wogen der Luft und dem Klang der Vögel. Wie schön wäre es wenn noch jemand diese Idylle mit mir erleben könnte.
Etwas schrillere Vogelstimmen lassen mich die Lider wieder öffnen. Meine Hand muß den Augen Schatten spenden, damit ich im grellen Sonnenlicht etwas erkennen kann. Junge Bussarde bekommen ihren Flugunterricht. Ich schaue ihnen ein wenig bei ihrem Treiben zu. Die Eltern sind streng mit ihren Jungen, die Runde um Runde das fliegen lernen müßen. Leider entschwinden sie meinem Blick. Vielleicht zeigen die Vogeleltern ihren Kleinen wie sie ihr Essen erbeuten müßen.
Am Himmel ist nichts mehr los. Selbst der laue Sommerwind nimmt die aufgeplusterten Quellwolken mit sich. Zu sehen ist nur noch das azurblaue Himmelszelt. Welches auch sehr schön zu betrachten ist. Das Tiefblau wechselt an einigen Stellen in ein etwas Helleres über, selbst pastellfarbiges Blau kann mir das Firmament bieten. Die Schattierungen scheinen kein Ende zu nehmen. Ich möchte es abzeichnen können.
Das Bild werde ich mir einprägen, um mich an den wundervoll friedlichen Morgen erinnern zu können. Es reicht nun mit dem Versuch noch etwas anderes an der Himmelskuppel zu entdecken. Noch nicht einmal ein Flugzeug versucht mit seinem Kondensstreifen ein Bild in das Blau des Himmels zu zaubern. Es ist alles so friedlich, dort oben. Den Wunsch des Menschen fliegen zu können kann ich verstehen. Aber wieder zurück zur Erde.
Ich schaue mir ein wenig meinen Garten an und sehe wie sich eine Blumengruppe rythmisch mit dem Wind wiegt. Es sieht sehr harmonisch aus, und ein weiterer kleiner Staudenhain schließt sich an. Und nun kann man einen Tanz erahnen. Die Zweige der Tannen, die am Rande des Gartens stehen, schwingen ein wenig in der leichten Brise. Es scheint als seien sie das Streichorchester mit Klängen einschmeichelnder Musik.
Ich schließe wieder die Augen und stelle mir vor wie Ensembel aus Geigen, Violinen und Cello ihre Melodien spielen. Wunderschöne Klänge.
Doch dann ist mir, als ob die Blumen zu ihrem Tanze singen. Ist es wirklich war? Kann ich sie hören, den Gesang der Blüten?! Ich lausche und lausche. Wirklich..., zarte Töne erheben sich aus dem Garten. Fast glockenrein der Klang.
Es kann doch nicht sein! Bilde ich es mir ein?! Nein..., es ist keine Einbildung. Der Chor der Blumen wird eindringlicher, und lauter. " Komm, komm mit uns " rufen sie mir zu.
"Stimme mit ein. Singe und tanze mit uns".
Erstaunt schaue ich auf. Irritiert über das was gerade passiert schlage ich die Lider wieder auf. Meine Augen sind weit geöffnet. Ich möchte etwas sagen, doch es geht einfach nicht. Kein Laut dringt über meine Lippen. Ich bin fasziniert, wie verzaubert.
Aus dem Nichts schweben viele Elfen mit ihren schillernden Gewändern herbei, und lassen sich auf den Blütenblättern nieder. Ihr Antlitz so schön wie Alabaster. Von irgendwo ertönt himmlische Harfenmusik, es hört sich wie ein Tusch an.
Und richtig, es war die Aufforderung für die Feen sich anzuschließen. Diese zarten Wesen erscheinen nur selten. Sehr vorsichtig und sanft werden sie von einem lauen Lüftchen auf der taufrischen Wiese abgesetzt.
Welch zerbrechliche Erscheinungen sie sind, mit ihren fast weißen Haaren die in Schillerlocken auf die kleinen Schultern fallen. Aus dem fast durchsichtig wirkenden Gesichtern wird die Lockenpracht mit einem goldenen Reif zurückgehalten. Die hauchdünnen Flügelchen flattern unaufhörlich, gar so als ob sie sich Luft zufächern wollten. Um sie herum ist eine kleinen Wolke aus Sternenstaub die sich ständig mitbewegt.
Nun sind alle beisammen und der Reigen kann beginnen. Die engelsgleichen Stimmen ertönen in einem mehrstimmigen Kanon.
Langsam, löse ich mich aus den flauschigen Hüllen meiner Schaukel. Unsicher schaue ich mich um, was soll ich tun? Schon nehmen ein paar schemenhafte Wesen meine Hand und führen mich in ihre Mitte. Geschmückt werde ich mit ihren schönsten Blütenköpfen. Meinen Hals ziert eine Kette aus Kleeblättern. Nur gerade so groß das sie mich nicht stört.
Ich gehe einfach mit. Wohin?! Ich weiß es nicht. Ich lasse mich führen, voll Vertrauen Hand in Hand, die Augen wieder geschlossen, mit den Schönsten aus meinem Garten und den traumhaften Wesen von Nirgendwo.
Ein endlos scheinendes Tanzfest beginnt. Gemeinsam mit den Elfen und Feen in dem Blütenmeer. Das Wiegen in der Melodie bleibt nicht an einer Stelle. Der leise Schall, der manchmal ein Echo hervorbringt, läßt uns voranschwingen. Ich bin gespannt wo er endet und lasse mich mittreiben. Willenlos. Mir ist ganz wohlig ums Herz, die Seele voller Frieden. Die Musik, die fast die der Sirenen aus der griechischen Mythologie gleicht, wird immer leiser.


Das Ziel scheint erreicht zu sein.
Ja, die rythmischen, fast schwebend tänzerischen Bewegungen verebben langsam. Die Klänge sind verstummt. Langsam löst sich meine Hand von der, der Blumen und den nebelhaften Erscheinungen. Was nun?! Die Augen wollen sich nicht öffnen. Zu schön ist das Gefühl! Wie soll ich es beschreiben? Es ist unfassbar, so geborgen wie in Mutters Schoß. Mir ist so federleicht wie in einer Luftblase, gleich zart gebettet, wie auf Engelsflügeln.
Langsam, ganz langsam nur heben sich meine Lider. Ich muß ein wenig meine Augen reiben, doch dann öffnen sie sich weit. Ich kann nicht glauben was ich da sehe. Ein Meer aus Farben, leuchtend schön! Farben, wie ich sie nie gesehen habe. Ich schaue mich ungläubig um. Sogar die Elfen und Feen sind aufgeregter als zuvor.
Der Sternenstaub der Feen wird dichter und funkelt heller als die Sterne.
Welch ein Augenblick!!
Es scheint, als ob es auch für sie ein besonderer Ort ist. Ein Schauer geht durch meinen Körper.
Das ist es...., das muß es sein!!!
Ich bin inmitten meiner Seele. Hier möchte ich bleiben! Wie schön das sie mir den Weg gezeigt haben. Meine geliebten Blumen und ihre Freunde, die märchenhaftensten Gestalten die ich nie gesehen hatte. Alle zusammen haben mir den Weg in meine Seele gezeigt, hinweg über den Regenbogen! Wie dankbar ich ihnen bin.
Doch was ist das für ein Geräusch? Laut und unangenehm. Geh weg, hör auf! Es stört so sehr!! Es wird lauter, immer lauter. Ein Ruck geht durch meinen Körper. Meine Augen öffnen sich und erblicken den blauen Himmel mit der strahlenden Sonne über mir. Ich liege immer noch auf meiner Schaukel in den weichen Kissen. Fast möchte ich weinen, denn... es war nur ein Traum!
© margret
















 
Zauberhaft



Es ist schon spät, langsam neigt sich der Tag dem Ende zu. Die Sonne geht unter und zaubert den  himmlischen Horizont in ein glühend feuriges Rot. Ich schau gebannt hin und kann meinem Blick von der Ferne nicht abwenden. Ich hab das Gefühl etwas zu verpassen. Fast reglos sitze ich auf meiner großzügig und gemütlich angelegten Terrasse mit den vielen üppigen Pflanzen.

Diese Weite wenn ich über das Feld schaue um zum Horizont zu gelangen. Wie besingt es Udo Lindenberg ... “Hinterm Horizont geht´s weiter” ... gern wüßte ich was dort ist. Ich werde es wissen ... irgendwann einmal. Doch bald ist es dunkel und ich sollte rechtzeitig für Licht sorgen. Viele Windlichter tauchen meine Idylle in ein mystisches Licht. Diese Schattenspiele sind wunderschön und gleichzeitig ist es beruhigend die kleinen Flammen bei ihrem Tanz zu beobachten. Sie sind geborgen vor dem lauen Sommerwind in ihrem zarten Glas. Was noch fehlt ist leise Musik, einschmeichelnde Musik die das Wunder des Abendrotes untermalt. 

Weiche sehnsuchtsvoll zärtliche Klänge wären genau richtig an diesem Abend. Spontan denke ich an: “Out of Africa “. Ich sehe das legendäre Video vor mir wie das kleine Flugzeug über die Savanne fliegt und die Tiere aufschreckt. Ich lausche Mozarts wundervoller Musik und halte meine Augen  geschlossen. Ich spüre das Fernweh in mir hochsteigen, es schmerzt schon fast. Wie gern würde ich das Land einmal sehen, es spüren ... doch es wird immer ein Traum bleiben, ein wunderschöner Traum. Ob Mozart von diesem wundervollen Land ahnte? Das Land mit diesem wunderschönen tiefer erscheinenden Himmel, mit der glühenden Sonne die manchesmal einem Feuerball gleicht. Ich denke nicht.

Die Musik ist verklungen, doch ich mag noch nicht aufstehen. Die vom Tau feuchte Kleidung bemerke ich gar nicht, so verzaubert bin ich von der Stimmung.

Noch ein Weilchen bleibe ich, nur ein kleines Weilchen noch. Auch ist eine Neige noch im Glas, wie herrlich. Ich kann also noch gar nicht gehen und genieße ihn noch ein wenig, diesen Abend der nie enden möchte. Doch nun ist es soweit. Das Glas ist leer und der Abschied von diesen traumhaften Stunden naht.

Welch ein Abend ... welch eine sternenklare Nacht. Irgendwo ruft ein Käuzchen und die Fledermäuse ziehen ihre Runde und tatsächlich erscheinen ein paar Glühwürmchen. Vielleicht sagen mir noch Fuchs und Hase gute Nacht, wer weiß. Doch darauf warten will ich nicht. Langsam wird es Zeit ins Bett zu gehen, ich puste die kleinen, aufgeregt zappelnden Flammen aus. Eine Flamme will allein weiter tanzen und weigert sich zu erlöschen.

Schweren Herzens gehe ich nun ins Haus, werfe noch einen wehmütigen Blick zurück und schließe leise die Tür.

Wie schön es war, so allein im Zauber des Abend´s, der Magie der Nacht .

© margret





Ein besonderer Ausflug



So grade ist das Echo noch zu hören … Auuuua, Auuua, Aua. Seltsam, es ist doch sonst eine wohltuende Ruhe in dem kleinen Wäldchen. Einzig der kleine Bach erzählt alte Weisen und der sanfte Windhauch der die Waldgräser streift lässt ein leises Rascheln hören. Sonst herrscht himmlische Ruhe in dem Autal des kleinen Tannenwaldes. Der Bach speist ein kleines Biotop, aus der Richtumg war das Echo zuhören. Es ist alles sehr seltsam, fast schon mysteriös. Wie kann ein Echo ohne Felswände entstehen?! Berge sind hier weit und breit auch nicht. 'Ob Jannis und Laya es auch gehört haben?' überlegt Klaus, ihr Vater. Da kommen die Zwillinge wieder zurück, sie waren ein Stück vorgelaufen um einen schönen Picknickplatz zu finden.

„Papi dahinten ist ein toller Platz, das Gras ist ganz hoch. Wenn wir liegen kann man uns nicht sehen!“ ruft Jannis ganz aufgeregt und fuchtelt mit beiden Händen um sich herum. Laya die neben ihm her läuft muss ständig den Kopf einziehen damit sie kein blaues Auge bekommt.Die Geschwister sind Zwillinge und sehen sich zum verwechseln ähnlich.
„Hey ihr beiden, habt ihr das eben auch gehört?“ „Ja Papi, habe wir.“ keuchen beide wie aus einem Mund. Vom herumrennen sind sie völlig aus der Puste. Erschöpft setzen sich die Geschwister auf den weich bemoosten Waldboden.Der Papa macht es ihnen gleich und nimmt ein Kind rechts und das andere links in den Arm, und kuschelt sie zärtlich an sich. Die Kinder sind sein Ein und Alles seit ihre Mutter tot ist. Karin ist an einer banalen Lungenentzündung gestorben, tragischer konnte es nicht sein. So langsam kehrt die Freude und das Lachen in die kleine Familie zurück.

„Hört mal, sollen wir nicht weiter gehen und nachschauen was das war?“ „Okay, los komm Papa. Los geht´s mit der Suche.“ bestimmt Jannis. Er will immer der Anführer sein. Der Vater schmunzelt in sich hinein und folgt seinem Sohn mit Laya an der Hand breitwillig. So irgendwie hat die Kleine keine Lust und wäre lieber noch sitzen geblieben. In dem Augenblick hören sie ein Rascheln und schauen sich alle drei verdutzt an und bücken sich gleichzeitig. Nun ist Laya Feuer und Flamme für das Abenteuer das sie grade erleben.

„So ein vermaledeiter Mist und Quatsch und Blödsinn zugleich!“ hören die drei eine ganz helle Stimme piepsend schimpfen. Sie können aber immer noch nicht sehen wer da spricht.
Und wieder: „Bockmist, Herrschaftszeiten ich komme einfach nicht los!“ wird nun gestöhnt. 


Da hebt Klaus ein ganz großes Farnblatt hoch und kann nicht glauben was er dort inmitten der Halme sieht. Die Kinder und er schauen sich ungläubig an und reiben sich die Augen. „Kannst du mir mal helfen Klaus? Guck nicht so blöd, komm lieber her!“
Klaus zuckt ein wenig zusammen von dem der barschen Piepsestimme und streckt beide Hände aus. Vorsichtig biegt er die Farnhalme auseinander und sieht eine kleine Figur verheddert dazwischen liegen. Sie ist grade so groß wie sein Mittelfinger.

„Wer bist du denn?“ fragt Klaus zaghaft. Ein wenig zweifelt er an seinem Verstand. Die Kinder hocken hinter ihm und kommen aus dem Staunen nicht heraus.

„Ich bin Karlpieterfranz und habe früher in deinem Garten gewohnt. Ich habe hier im Wald mit
Ottotheoludwig verstecken gespielt und bin über einen Zweig mit Tannennadel gestolpert. Dann bin ich hingefallen und über den Boden hier runter in das Farn gehockelt. Wo mein Freund nun ist weiß ich nicht. Den muss ich suchen. Ich bin ein Kobold und Ottotheoludwig ist ein Troll.Eigentlich dürfen wir nicht zusammen spielen, aber hier sieht uns niemand.“ seufzt der Winzling.

„Wie du hast früher in unserem Garten gewohnt? Ich habe dich aber nie gesehen.“ fragt Klaus verständnislos. 'Das wird ja immer kurioser.' murmelt er vor sich hin. Doch Karlpieterfranz hat es doch gehört. „Wir haben alle bei dir gewohnt. Mein Freund der Troll, die kleine Fee Swieti und dann noch Leana das Elfchen. Herr Specht Morsefritz haben wir hier im Tannenwald kennengelernt. Bei Klopfhännes dem Biber der unten an dem Bach wohnt haben wir Unterschlupf gefunden.“ sagt der Kobold weinerlich. „Weil die liebe Karin gestorben ist und der Garten nun keine Seele mehr hat müssen uns ein neues Zuhause suchen.“ Nun kullern ihm stecknadelkopfgroße Tränen die wie Perlmutt schimmern über die kleinen Wangen.

Klaus streckt seine Hand aus und Karpieterfranz klettert darauf. „Zusammen werden wir deinen Freund den Troll schon finden.“ tröstet Klaus, und seine beiden Kinder nicken heftig mit ihren Köpfen die vor lauter Aufregung hochrot sind. Als ob es das Stichwort gewesen wäre kommt auch schon Herr Specht Morsefritz angeflogen. Sicherheitshalber bleibt er erst einmal in einer Tanne sitzen und schaut sich die Situation an. Als er erkennt wer Karlpieterfranz auf der Hand hat flattert er auf Klaus Schulter.

„Hallo Klaus, wie schön das wir uns wiedersehen!“ freut sich Herr Specht. Die kleine Familie wundert sich über nichts mehr und Klaus erklärt Morsefritz was passiert ist.

„Ach, wir finden Trollchen Ottotheoludwig schon. Kein Problem für uns. Koboldchen war mal wieder ungestüm. Das kennen wir schon von ihm.“ krächzt Morsefritz. Seine Stimme hat ein wenig gelitten. Beim Bau seiner neuen Baumhöhle ist ein wenig Holzstaub in seinen Hals gekommen. „Ich schwirr mal eben los und gebe Elfe Leana und Fee Swieti Bescheid das die Kumpel Kobold und Troll später nach Hause kommen.“ erklärt er heiser und ist schon zwischen den Bäumen verschwunden. „Wir machen uns dann schon mal auf die Suche nach dem Troll.“ ruft Klaus noch schnell hinterher, doch Morsefritz hört es schon längst nicht mehr.

Der Vater dreht jedes Blatt herum, während Karlpieterfranz auf seiner Schulter hockt und sich an dem Hemd des Familienvaters festkrallt. Das ist gar nicht so einfach mit den winzigen Fingern. Die Kinder kommen mutlos und traurig zu ihrem Vater.

„Papi, könnten wir doch zaubern, dann müßten wir nicht so lange nach Ottotheoludwig suchen!“ „Stimmt, dass machte alles einfacher.“murmelt er nur halb zuhörend und sucht weiter.
Wie aufs Stichwort kommen die Elfe und die Fee angeflattert um zu schauen ob es noch lange dauert. „Ihr müßt doch auf den kleinen Hügeln nachschauen, nicht auf dem Boden. Karlpieterfranz ist doch auf den Boden gehockelt.“ raten sie den Menschen wie aus einem Mund sprechend. Ihre Stimmen hören sich wie kleine Weihnachtsglöckchen an. Und schon schwirren sie mit einem lieblichen Rosenduft hinterlassend von dannen.

Folgsam achten sie auf die Maulwurfs – und Tannennadelhügel, immer bedacht sie nicht zu zertreten. Es könnte ja der Troll darauf sitzen. Doch immer noch keine Spur von Ottotheoludwig. Endlich lässt sich Morsefritz mal wieder blicken. Langsam und bedächtig kommt er herangeschwebt und landet sachte vor Klaus Füßen. Die Kinder sehe es sofort und lachen und hüpfen vor lauter Freude zugleich. Herr Specht hatte den Troll gefunden und gleich mitgebracht.
Papa Klaus setzt den Troll Ottotheoludwig ebenfalls auf seine Schultern und schärft dem kleinen Wicht ein sich gut festzuhalten. Natürlich, wie könnte es anders sein, werden die beiden kleinen Gestalten schnell übermütig. Sie lassen leichtsinnig die Füßchen baumeln und wippeln mit dem winzigen Po hin und her. Sie jauchzen und jubeln und piepsen dabei Klaus ständig in die Ohren. Doch für ihn ist ein lustiges Lied und lässt ihn den Kummer um seine verstorbene Frau vergessen.

Auch die Kinder sind fröhlich wie lange nicht und springen quer durch den Wald, immerzu dem Morsefritz hinterher, der den Weg zu Biber Klopfhännes Heim zeigt.
Der Weg dorthin ist mit den schönsten Pflanzen gesäumt die in einem herrlichen Sonnenlicht erstrahlen. Eigentlich seltsam …, sie sind doch mitten im Wald. Ebenso der Duft der hier den drei Menschen bemerken ist nicht der nach Tannen. Es duftet nach dem Garten zu Hause, dem Rosengarten den Karin angelegt hatte. Fragend schauen Jannis und Laya ihren Vater an und kämpfen mit den Tränen.
Morsefritz schreckt die drei aus ihren Erinnerungen auf.“Wir sind angekommen.“ Swieti und Leana stehen schon vor der Tür und erwarten den kleinen Trupp. Wegen dem Besuch haben sie ihre schönsten Kleider angezogen und sehen traumhaft aus. Sogar auf den Feenstaub und Sternenglitzer haben die zwei nicht verzichtet. Für sie ist heute ein Feiertag, der erwartete Besuch ist endlich da. Sie wussten ja alle das der Vater mit seinen Kindern hierher kommen würde. 


In den Zauberwald!

Doch das wissen Klaus und seine Kinder nicht … noch nicht. Denn gerade als es ihnen sehr schlecht ging in der Trauer um die verstorbene Mama hatten die Fee Swieti und die Elfe Leana dafür gesorgt das Klaus den Ausflug mit seinen Kindern hierher unternahm.

Trotz der prächtigen Laune erhalten Otttheoludwig und Karlpieterfranz eine ordentlich Standpauke.
Ständig stellen sie in ihrem Übermut Dummheiten an, dass muss aufhören!

Klopfhännes Haus liegt an einem wunderschön gelegenen Bachufer inmitten einer blühenden vierblättrigen Kleeblattwiese. Gut behütet von riesigen Farnwedeln steht eine dunkelrote Rose ohne Dornen auf der Lichtung. Tautropfen die niemals abtrocknen umsäumen die Rosenblätter der nur leicht geöffneten Knospe. Fast sieht es aus als ob die Rose weint.

Magisch angezogen betrachten Klaus und seine Kinder dieses Wunder im Wald.

Da trifft ein wunderschön golden strahlendes Licht auf die Rose und eine zarte Stimme erklingt:
„Klaus, als ich gestorben bin zog meine Seele hierher in den Zauberwald. Hier werde ich weiterleben, beschützt von den Waldbewohnern. Die Fabelwesen haben dich und die Kinder hierher geholt damit ich dir dies sagen kann. Du wirst eine neue Frau und gute Mutter für unsere Kinder finden, auch wenn du es jetzt noch nicht glauben kannst. Es wird bald soweit sein. Sie wird den Garten zu neuem Leben erwecken und ihm eine Seele einhauchen, sodass alle wieder zurück kommen können. Nur ich nicht. Solange die Tautropfen nicht abtrocknen werde ich hier weiterleben und ihr könnt mich besuchen kommen. Doch eines Tages werde ich fort sein. Wann das sein wird weiß ich nicht.“
Eine Wolke schiebt sich vor den Lichtstrahl und die Rose verstummt.

Klaus fasst seine Kinder tränenüberströmt bei der Hand und wird von all den Geschöpfen aus dem Wald heraus begleitet.
Er kann einfach nicht glauben was Karin ihm zugeflüstert hatte. Die Kinder konnten es nicht hören, sie waren mit dem herumtollen mit Karlpieterfranz und Ottotheoludwig beschäftigt.
Nach einigen Wochen war es dann tatsächlich soweit …, beim einkaufen stieß er mit seinem Einkaufswagen an den von Sabine. Der sprichwörtliche Blitz schlug ein. Das Schönste ist, Sabine ist eine Gärtnerin mit Leidenschaft. Der Fortbestand des verwunschenen Gartens ist gesichert und Switie, Laya, Ottotheoludwig und Karlpieterfranz konnten zurück in ihr altes Zuhause kommen. Ab und an machte Morsefritz Kontrolle und erzählte anschließend Klopfhännes von den Abenteuern die alle in dem Garten zu bestehen hatten.

Nach einigen Monaten, an einem wunderbaren Herbsttag, geht die Familie zu der Lichtung in dem Zauberwald. Klaus wollte seiner neuen Liebe die Rose ohne Dornen zeigen …, doch sie war fort.

Ein wenig wehmütig schaut Klaus zu den weißen Wolken auf, als ob er erwartet die Rose dort leuchten zu sehen.

©margret









Margret und ein Tag wie Dieser




Drrringggg 6.00h Wecker .... statt Hahn bimmelt der. Viel angenehmer, und nicht ganz so früh. Ich habe heute viel vor. Da der Tag nur 24 Stunden hat, und davon nur ein paar im natürlichen Licht will ich früh mein Tagwerk beginnen.
Also ab raus aus den Daunen, Federn pieken so, und lecker frühstücken. Noch ist alles in bester Ordnung. Noch!!

Während des Frühstücks schau ich meine Mail´s durch. Oh prima, ich habe gesehen das es Sonderangebote gibt. Mal fix auf die Seite gehen und durchschauen. Dies und das kann ich noch gebrauchen. Vielleicht bekomme ich eine schicke Jacke, mir fehlt noch eine Übergangsjacke. So heißt das nun mal, auch wenn sich Mario Barth über das Wort lustig macht. Eine dreiviertel Hose wäre auch nicht schlecht. Ich suche und suche. Seite um Seite! Nach einer viertel Stunde komme ich zu dem Schluß das es nur ein Lockangebot war. Alles vergriffen. Gut, wird eben nicht´s bestellt. Ein wenig ist meine gute Laune gesunken. Mmmh.
Brummig mache ich mal eben meine Morgentoilette. Wenn, habt ihr euch schon einmal mit schlechter Laune geschminkt? Geht voll in die Hose! Aus dem Spiegel schaut mich ein katzenähnliches Gesicht mit feurigen Augen an. Was so eine Mail anrichten kann. Alles noch einmal von vorne. Erleichterung, nun sieht mein Antlitz deutlich besser aus. Erst einmal tief Luft holen.... und weiter gehts. Aber vor dem weiter machen schießt mir ein Gedanke durch den Kopf. Eben habe ich gesagt ich mache Morgentoilette .... wie ist das zum Abend? Mache ich da Abendtoilette? Das sollte ich mal recherchieren, in Buch, wo steht. Hoffentlich ist das nicht ausverkauft. So, und nun geht es weiter ... Kuchen backen.
Mein Sohn wünscht sich Kirschstreusel. Der gerät immer. Wenn Sohnemann Feierabend hat ist er abgekühlt und er kann von dem lecker Backwerk naschen. Mal alles herrichten was ich zum backen benötigte.
Na fein, beim herausholen der Zuckerdose zerlege ich diese erst einmal. Gott sei Dank ist nur der Deckel abgegangen, der Zucker ist noch da wo er hingehört. Der Hersteller eines großen namhaften Plastikdosenherstellers hat bei der Anfertigung glaube ich geschludert. Wie kann das denn kaputt gehen, oder sollte meine Grobmotorik heute sehr ausgeprägt sein? Hinterfragen will ich das nicht. Wieder zusammen fentern und gut ist es.
Die Waage macht auch Zicken. Wieso wiegt die nicht so wie ich das will? Immer diese Tasten mit dem Zuwiegen. Netto/Tara..... Drama. Bin ich denn heute blöd!! Naja, hat doch noch geklappt. Zufall, oder Können? Kirschen andicken klappt problemlos. Nun noch den Teig auf den Boden der Form ausrollen und kurz abbacken. Mist, die Backform will nicht passen. Noch einmal probieren, und noch einmal. Irgendwie zweifel ich an mir. Au man, da versuche ich doch tatsächlich den Ring der Backform falsch herum an dem Boden zu befestigen. Puuhhh. Ich bin schon ein bischen niedlich heute, vorsichtig ausgedrückt. Die restliche Fertigstellung des Kuchens klappt vorzüglich.

Und nun geht es zum Einkaufen. Watt mutt, datt mutt. Das sollte fix gehen! Schließlich habe ich heute noch Großes vor.
Auf ins Getümmel, es ist Werbetag im Geschäft. Hoffentlich geht es trotzdem schnell. Ich brauche doch nicht viel. Doch an diesen Tagen, Montags und Donnerstags, kann schon mal der Bär los sein.
Es geht auch wirklich schnell. Die Kassiererin hat auf mich gewartet. Nichts los im Discounter. Hervorragend! Selbstverständlich, wie fast immer, hockelt der Chip für die Einkaufskarre auf den Boden und ich renne hinterher. Wie doof. Ich weiß es doch, wieso passe ich nicht auf?

Ab nach Hause. Während der kilometerlangen Fahrt überlege ich schon einmal wie ich den Einkauf schnellstmöglich weggepackt bekomme. Denn ich will dann sofort zum Außendienst.... Wiese mähen bedeutet das. Es wird lange dauern. Ich muß bei mir, und in der Nachbarschaft auch das überschüßige Grün entfernen. Da achte ich auf ein leer stehendes Haus. Es soll drum herum ordentlich aussehen, eben bewohnt. Tarnung ist alles!! Auch auf dem Land läuft Gesocks herum.

Endlich wieder im trauten Heim. Ach, der Postbote war da. Rechnung, oder Werbung, das ist hier die Frage. Mal schauen. Scheiße, da schneide ich mir doch an dem Kuvert den Finger auf. Man ey!! Wie sagte früher meine Oma: Nudel, nudel, nudel nutt... wenn der Finger blutt, steck ihn die Futt, dann isses wieder gutt. Ich mache aber lieber Spucke dran. Hilft auch. Pflaster drum, mit Tiermotiv, das stimmt mich wieder positiv.




Nun aber den Einkauf wegräumen. Lästig!! Aber viel durch die Gegend huschen muß ich nicht, fast alles kommt in den Vorratsraum. Glas Marmelade kommt in die zweite Reihe . Gesagt getan, und was passiert? Eine klassische Kettenreaktion beginnt. Glas abgestellt, Arm kommt an Obstdose, Obstdose an Eierpackung, Eierpackung auf Fussboden, Margret schreit. Keiner hört es..... ist auch besser so. Nun folgt das große Putzen. Eierwabber wegmachen. Wie heißt das böse Wort welches man in solchen Situationen sagt??! Genau: Scheiße, Kacke, Mist!!!!
Kein Zewa da, und das  Tomatenmark habe ich auch vergessen. Nun gut, nehme ich halt Toilettenpapier. Bäääh, was eine Sauerei. Uuuhhh,  iiiiihhhh, Eiweiß glibbert durch die Finger.
Fertig, alles wieder sauber.

Erst einmal einen Kaffee trinken auf den Schreck. Wie gut das ich nicht kochen muß. Was sollte das nur geben? Ich bin heute aber auch schusselig. Die Reste von gestern aufwärmen wird wohl klappen. Die Mikrowelle bekommt das schon hin.
Der Kaffee tut richtig gut. Baut auf, und bringt mich wieder in Schwung. Und wieder einmal tief durchatmen, rasch die Gartensachen anziehen. Los geht es.

Zuerst schneide ich die Rasenkanten und unter der Hecke mit der benzinbetriebenen Motorsense alles sauber. Die ist ganz schön groß. Größer als ich. Au man.... Schwiegersohn hat mir keinen neuen Faden aufgespult. Der hatte sie sich letztens ausgeliehen. Naja, das gibt Mecker wenn ich den sehe. Faden hervorholen, das Dingen abdrehen und neu aufspulen. Dann mal ran. Kerl, sitzt die Schraube fest. Ich bemüh mich und bemüh mich. Nichts geht.
Da kommt mir die Erleuchtung, ich sage es nur ungern. Ich habe mal wieder vergessen das der Spulenkopf der Motorsense ein Linksgewinde hat. Man, man, man. Aber nun rattert das Ding. Die Krise scheint bewältigt. Die Wiese sprickelt um mich herum, die Nacktschnecken werden in ihrem Versteck ermordet. Da kann ich nicht für verantwortlich gemacht werden. Was verstecken die sich auch so, das ich sie nicht sehe.
Und nun kommt der Rasenmäher zum Einsatz. Mittlerweile ist es sehr warm geworden. Ich schwitze ganz schön. Doch ich kämpfe tapfer weiter und mähe und mähe. Die Knatterkiste macht auf einmal so komisch stotternde Geräusche. Mir kommt da so ein Verdacht. Oh, oh.... nun kommt ein wenig Qualm von der Seite raus. Jetzt macht er tucker, tucker und schweigt. Ich schaue mal nach ob ich noch Benzin drin hab. Ja, ein wenig ist noch drin. Es sollte reichen.
Ein heißer Schauer geht durch meinen Körper, mir wird klar das ich die Kanister verwechselt habe. Ich kippe mal ordentlich Benzin pur in den Tank hinein und versuche den Mäher wieder anzuziehen. Er weigert sich anstandshalber ein wenig, aber dann ist er wieder an und fix weiter machen. Das gute Stück ist Kummer gewohnt. Fertig! Erst einmal rein gehen und ein Kaltgetränk zur Erfrischung holen.
Auf dem Weg zum Vorrat komme ich an einem Spiegel vorbei, ich schaue hinein nund muß lachen. Das MakeUp ist ein wenig verlaufen, und um die Augen sehe ich aus wie Alice Cooper. Macht nichts, mich sieht ja keiner. Und nun noch schnell bei der Nachbarin den Rasen schneiden. Das ist nur zwei Häuser tiefer.
Auch das ist erledigt, und die Nachbarin schaut mich dankbar an. Sie will mir ein Likörchen einschenken. Mmmhh , soll ich, oder soll ich nicht. Die alte Frau schaut mich bittend, fast schon flehentlich an. Ich grinse in mich hinein. So hat die mittlerweile verschmitzt schauende Frau Gelegenheit sich auch ein Gläschen zu genehmigen. Gut, eins kann ich ja trinken. Prost!!
Und ab nach Hause. Ich will noch Unkraut zupfen. Es ist ja erst 16.00h. Eine kleine Pause machen, und schon einmal das Essen für den Sohn in die Micro stellen. Er muß jeden Moment da sein. Und wieder komme ich an dem Spiegel vorbei. Wie gut das ich immer noch allein bin. So hört mich keiner herzhaft lachen. Denn eben noch Alice Cooper, und nun wie Kiss . Mir hängt schon ziemlich die Zunge vor lauter Durst aus dem Mund heraus. Das Mittagessen schnell in die Wunderkiste stellen und eiligst an die Tränke flitzen. Aahhh, was zischt das im Hals. Lecker ISO.
Da ist auch schon mein Prinz. So sage ich schon einmal zu meinem Zweitgeborenen. Und die schnurrt Wunderwaffe, Essen ist heiß. Noch eben pullern gehen. Und ab zum Unkraut zupfen. Bin ich heute fleißig. Trotz der Widrigkeiten die mir bisher passiert sind lasse ich mich nicht entmutigen.

Eimer hervorgekramt, die kleine Handhacke, und ab ins Beet!

Was ja nicht der Brüller ist beim jäten, ist die Haltung in der Hocke. Jetzt wo das so warm ist, ist es immer so unangenehm schwitzig in den Kniekehlen. Ich stehe lieber und bücke mich. Hat der Nachbar auch mehr fürs Auge. Der Oberkörper neigt sich dann mehr , und ihr wißt schon was, ist für den Heiopei der neben mir wohnt, besser zu sehen. Ich wechsel dann mit den Stellungen. Öhhm, ich meine mit dem bückenden Unraut zupfen, und dem in der Hocke. Huch, fast wäre es zu einem Mißverständnis gekommen.



Nun aber an die Arbeit. Den Eimer schön hinter mich, und los geht es. Allzuviel von den häßlichen Gewächsen hab ich nicht zwischen den Pflanzen. Ich rupfe die immer rechtzeitig raus, und bin fix fertig. Gut.... mal hinstellen und die Glieder recken, Wirbelsäule mal grade machen. Ein wenig durch die Weltgeschichte schauen, und dumm gucken. Da sehe ich doch das ich den Eimer hinter mir nicht getroffen hab. Was soll dassss denn ?? Das klappte doch 20Jahre tadellos. Ohne zu schauen den Eimer hinter mir zu treffen. Sollte das Likörchen von der Selma, der alten Nachbarin, vorhin Schuld sein?
Ein Seufzer kommt über meine trockenen Lippen. Den "Unrat" hinter dem Eimer aufsammeln und erst einmal die Lippen mit Sprudel befeuchten. Das zischt.... . Noch die Fussstapfen wieder mittels meiner Harke entfernen und fertig ist das Blumenbeet. Den Gartenabfall entsorge ich immer auf der gegenüberliegenden Strassenseite am Ufer. Dort werte ich das Grundstück des Nachbarn auf. So nach und nach schütte ich ihm den  Abhang gerade. Darf ich!!
Um dort hinzukommen nehme ich den "Geheimweg" über mein steiles Ufer. So haben meine Enkelkinder die Abkürzung getauft. Promt rutsche ich auf der Cotoneaster aus und plumms auf den Poppo.  Tat nicht weh, der ist gut gepolstert. Ich liebe den Bodendecker. Im Herbst bekommt das kriechende Gewächs so schöne rote Beeren. Dazwischen wachsen in Hülle und Fülle Walderdbeeren.
Es ist mal wieder eine Pause fällig. Die nutze ich um meinem Sohn auf den Senkel gehen. Er soll mir einen Kübel an eine andere Stelle tragen. Er hat natürlich keine Lust. Also muß ich quengeln. Klappt immer!!

Und noch immer Pause.

Mein Ableger, er heißt auch schon mal Lümmel, hat alles zu meiner Zufriedenheit gemacht.

Doch dann grinst er mich ein wenig hinterhältig an. Was für ein breites Grinsen, fast ein wenig schadenfroh. Vor lauter lachen prustet er hervor das, das Fräulein Wunderbar, meine Enkelin, meine schöne weiße Haustür mit Stickern noch schöner gemacht hat. Ich schauen ihn fassungslos an und will schon nach der Kurzen brüllen. Sie wohnt ja nebenan. Doch mein Sohn hält mich zurück und sagt das er die Deko schon entfernt hat. Das stimmte mich deutlich milder. Aber lass mir die kleine Madame mal kommen! Ich vergesse das nicht. Hoffentlich nicht!! Auch ich werde älter und vergesse schon mal etwas.
Auweh, der Tag ist noch nicht zu Ende, was wird denn noch alles kommen??  Wenn ich mich ganz still verhalte sollte doch nichts mehr passieren. Oder ?!
Da fällt mir das Lied von den Toten Hose ein ...... "An Tagen wie Diesen" ....... . Doch die besingen irgendwie andere Tage. Nicht meine. Ich meinen natürlich den Tag wie Dieser, den heutigen schicksalhaften blöden es läuft alles schief Tag. Nicht das es schon wieder zu einem Fehldeutung kommen könnte.

So, hier draußen aufräumen, der Außendienst ist beendet. Die Gartengeräte kommen in den Stollen den ich auf meinem Grundstück hab. Da steht meinen Schubkarre wo alles mögliche was ich so für den Garten benötige drin liegt. Sehr hoch ist der Gang in den Berg nicht. Den Kopf sollte man schon einziehen. 








Bong!!!! Es ist passiert.... oh dieser Schmerz. Einen Augenblick kann ich mich nicht rühren. Was wird das schön sein wenn das Aua nachläßt. Die Frage ist : Kopf noch heile oder nicht. Heile!

Nee, ich will nicht mehr. Nasevoll für heute!!

Eigentlich wollte ich noch ein wenig Sport machen. Aber nun nicht mehr. Dabei hatte ich mir neue Sportsocken gekauft die ich ausprobieren wollte. Die Strümpfe sind stellenweise etwas gepolstet. Ich wollte sehen was das für eine Wirkung beim traktieren des Ministeppers in den Schuhen hat.
Verwirrt war ich wohl wegen der eingestrickten L und R Zeichen. Ich habe mir das mit rechts und links erklärt. Aber nun stehe ich da. Was passiert wenn ich die L-Socke an den rechten Fuß ziehe , und wenn ich die R-Socke an den linken Fuß ziehe. Kann ich das wagen oder nicht?!
Aber die Entscheidungsfindung kann ich beruhigt vertagen. Heute wird nicht mehr gesportet. Habe Kopfschmerzen. Hach, schon wieder ein Spruch bei dem es zu einem Dingsda kommen könnte. Irrtum, Margret, das Wort heißt Irrtum, kommen könnte.

Frau hat Kopfschmerzen!! Grins..... .

Ich beschließe für heute Feierabend zu machen.

Auf dem Weg zur Gartentür kommt meine Enkelin über die Wiese. Da war doch noch was .... ich will grade anfangen zu schimpfe da strahlt die Kleine mich an, schlingt ihre Arme um meinen Po und schmiegt sich an mich. Sie schaut an mir hoch und sagt: "Oma, ich hab dich lieb so wie du bist".
Da konnte ich nicht mehr schimpfen. Sie bekam einen zärtlichen Kuß von mir, einen liebevollen Klaps auf den Po und ich schicke sie wieder nach Hause.

Das war mein Tag, ein Tag wie Dieser den man nicht braucht.

© margret






 
Das Geheimnis der Rosenschachtel




Ein Kristall, mit wundervollem Schliff liegt in der funkelnden Sonne und bricht das Licht. Ein herrliches Farbenspiel bringt er hervor. Es tanzen hunderte von bunten Pünktchen in dem Sonnenlicht, einer schöner als das andere. Der alte Bergkristall liegt ganz still auf seinem kardinalroten Samttuch und schaut dem flirrenden Schauspiel in aller Seelenruhe zu. Gespannt was noch passieren könnte.

Aber was ist nun los?

Wie am Schnürchen gezogen schlüpfen die glitzernden Erscheinungen wieder in den Halbedelstein hinein. Ein wenig seufzt er auf: “Ach ja, die Sonne geht unter, nun kann ich schlafen gehen”. Da kommt auch schon Hilde und schlägt den schönen Stein vorsichtig in das Tuch. Fast schon zärtlich legt sie ihn in die Schatulle mit den filigranen Rosenornamenten.

Hilde ist die Gesellschafterin bei Frau Professor Antonia Bornemann. Immer wenn die Frau Professor außer Haus ist holt sie sich den Kristall aus der Schachtel um ihn zu bewundern. Natürlich ist es ihr verboten. Doch immer wenn Hilde den alten Bergkristall in der Hand hält hat sie so ein komisches Gefühl. Schon die Schatulle strahlt eine seltsame Wärme aus, dabei ist es ein altes Behältnis aus schwarzem Marmor. Es steht auf kleinen goldenen Füßchen die an Löwenpranken erinnern. Den Deckel der seltsam aussehenden Dose hebt man mit einem Knauf hoch der einen Karpfen darstellt. Rundherum ist die Heimstatt des Kristalls mit filigran gefertigten Rosen verziert. Merkwürdig ..., ebenfalls schwarz. Doch sie sind matter, die Rosen haben ihren einstigen Glanz verloren. Es scheint als ob sie Trauer tragen.

Kaum ist der prächtige Stein wieder in der Schatulle verstaut kommt Frau Bornemann schon wieder heim. Sie hört das Frau Professor nicht so gerne. Hilde spricht sie aber ab und an so an. Frau Antonia ist keine wirkliche Professorin sondern ihr verstorbener Mann trug den Titel. In der guten alten Zeit wurden die Ehefrauen mit dem Titel ihrer Männer so angesprochen. Da die Gesellschafterin, bevor sie zu Frau Antonia kam in der sogenannten höheren Gesellschaft ihren Lohn verdiente, ist sie derartige Anreden gewohnt.

Sie ist dabei es sich abzugewöhnen. Dabei sieht es Hilde gern wenn Frau Professor argwöhnisch die Augenbraue hochzieht, sobald ihr die Anrede herausflutscht.

Nun muß sie das Abendbrot richten. Frau Antonia war nur kurz in der nahegelgenen Kapelle um für ihren Mann eine Kerze anzuzünden. Wie jeden Abend zum 'Engel des Herrn'. Egal ob es stürmt und schneit, Frau Professor geht zum Gedenken ihres Mannes in die Kapelle. Sie ist über seinen Tod nie hinweg gekommen.

Bestimmt sind darum die Rosen auf der Schachtel sprichwörtlich erblindet.

Beides, Dose und Kristall, brachte Wilhelm von einer Safari aus Kenia seiner geliebten Antonia mit. Wie hatte sie sich über das Geschenk gefreut. Doch auch sie beschlich schon damals ein seltsames Gefühl wenn sie die steinerne Dose in der Hand hielt.

Was mag es nur für ein Geheimnis um die Rosenschachtel geben?!



So vergingen die Jahre. Als Wilhelm starb wurde das marmorne Behältnis in die hinterste Ecke des Vertiko verstaut. Antonia wollte nicht mehr an die glückliche Zeit erinnert werden. Erst als Hilde zu ihr kam, und sie ihrer Gesellschafterin den Haushalt zeigte, kam sie wieder zum Vorschein.

Hilde war sofort entzückt und konnte den Blick nicht abwenden. Doch die Dose mußte wieder in die Verbannung. So kam es das Hilde jede Abwesenheit ihrer Chefin ausnutzte um die mysteriöse Marmorschatulle betrachtete, und den wunderschönen Bergkristall atmen ließ.

Jedesmal wenn der Stein auf seinem herrlich rotem Samttuch liegt hat sie das Gefühl einen Herzschlag zu hören, seinen Herzschlag. So war es auch heute wieder ..., doch es hatte sich etwas verändert. Ein wenig erschrocken war die Gesellschafterin, doch sie kann nicht sagen warum.

Hilde hat ihre Arbeit getan und fragt Frau Antonia nach ihren Wünschen. Sie hat keine mehr, somit hat Hilde für den Rest des Abends zu ihrer eigenen Verfügung. Sie entschließt sich zu einem kleinen Abendspaziergang. Auf dem Heimweg nimmt sie sich von dem kleinen Kiosk an der Ecke noch die Spätzeitung und ihre Lieblingsschokolade mit.

Als sie die Wohnung betritt bemerkt sie das Frau Professor schon zu Bett gegenagen ist. So geht auch sie direkt in ihr Zimmer, es ist sehr gemütlich und liebevoll eingerichtet. Doch die Zeitung legt die Gesellschafterin zur Seite. Der Spaziergang hat sie doch ermüdet, so will sie doch lieber schlafen gehen.

Am Morgen steht Hilde wie gerädert auf. Sie hatte einen Albtraum der von Steinen handelte, es war alles so verworren. Der Bergkristall schien einen wichtige Rolle zu spielen. Ihn sah sie im Traum funkeln, klar und deutlich. Es erschien ihr als würde er leben.

Während sie das Frühstück herrichtet vergißt sie den Traum. Erst als sie ihre Mittagspause hat, die sie wie immer in ihrem Zimmer verbringt kommt er ihr wieder in den Sinn. Hilde versucht sich mit lesen abzulenken und schlägt endlich die Zeitung vom Abend zuvor auf. Zunächst langweilt sie sich beim lesen, bis in dem Kulturteil auf einen interessanten Artikel stößt. Er handelt von einer reichen Familie aus Afrika die in den 1930er Jahren von den Teilnehmern einer Safari bestohlen wurden, und seither nur Unglück hatten. Gestohlen wurde ihnen eine Schachtel mit einem wunderschönen Bergkristall. Als die Gesellschafterin sich das beigefügte Bild betrachtete wurden ihre Augen immer größer. Es ist IHR Kristall der dort abgebildet ist. Der Legende nach, so wie die Familie berichtet, ist er der Beschützer der Generationen bis es keine Nachkommen mehr gibt. Nun sucht der letzte männliche Nachfahre diesen Stein in der ganzen Welt. Er hatte es seinem Vater auf dem Sterbebett versprochen alles dafür zutun das der alte Familienstamm fortgesetzt wird.

Nun kann Hilde sich das wundersame Gefühl erklären, wenn sie den Stein aus seinem Versteck holt. Wie soll Die Zeit ist nun gekommen das sich Frau Professor von dem kistallenen Stein trennen muß. Wie soll sie nur ihrer Chefin beibringen, das ihr geliebter Mann einen Diebstahl begangen hatte. Leise geht Hilde zu dem Vertiko und holt die geheimnisvolle Rosenschachtel heraus um sich den Bergkristall noch einmal zu betrachten. Es wird wohl das letzte Mal sein das sie ihn in der Sonne funkeln sieht. Kaum hat sie den Stein aus der Schatulle herausgenommen, und ihn auf das traumhaft rote Samttuch gebettet, fängt er kräftiger als je zuvor an zu strahlen. Wieder bemerkt Hilde diese wohlige Wärme und spürt das innerste des Steines beben. Es scheint so, als ob der Kristall weiß, dass er nun wieder zu seiner Bestimmung zurückkehren wird.

Rasch verstaut die gutes Seele im Haus Bornemann den wundersamen Stein in die Marmordose und stellt sie wieder in den Schrank zurück. Frau Antonia hat geläutet und möchte ihren Tee einnehmen. Das ist die Gelegenheit ihr von dem Zeitungsbericht zu erzählen. Hilde will es so schnell wie möglich hinter sich bringen. Es gelingt ihr das Gespräch auf die Safaris des Herrn Professor zu bringen, und zeigt dann der Frau Professor den Zeitungsbericht. Diese schaut ihr Gesellschafterin fassungslos an und bricht in Tränen aus. Welch Unrecht hatte ihr Wilhelm begangen, und somit Unheil über die Familie gebracht. Sofort setzt sich die alte Dame mit der Zeitungsredaktion in Verbindung. Der Redaktuer verspicht sofort den rechtmäßigen Besitzer zu informieren. Es vergehen ein paar Tage bis der junge Mann sich telefonisch meldet und seinen Besuch ankündigt. Dann ist der Tag da. Vor lauter Aufregung konnte Frau Antonia keinen Mittagsschlaf halten. Sie kann kaum die Teestunde erwarten, zu der sich der Herr angekündigt hat. Dann ist der Moment da an dem sich die Beiden gegenüberstehen. Galant beugt sie der junge Afrikaner über die Hand und deutet einen Handkuß an. Sie sind auf Anhieb so vertraut miteinander als ob sie sich schon Jahre kennen. Er erzählt von Kenia und seiner angesehenen Familie. Frau Bornemann wundert sich das der Kenianer gar nicht so dunkelhäutig ist wie man es sonst kennt und fragt nach dem Grund. Der Besitzer des Bergkristalls weiß zu berichten, das eine seiner Ahnen eine Liebschaft mit einem Europäer hatte, und ein Kind von ihm bekam. Diese hellere Hautfarbe setzte sich immer wieder fort bei den Familienmitgliedern. Frau Professor ahnte sofort das es sich bei dem Mann um Wilhelm handeln mußte. Er mußte den Stein als Andenken an seine Geliebte mitgenommen haben.

Nun ist die Zeit gekommen das sich die alte Damen von ihrem Andenken trennen muß. Sie holt die geheimnissvolle Rosenschachtel aus dem Vertiko und überreicht sie dem jungen Mann. Kaum ist das geschehen, und der Kenianer hält die Dose in seinen Händen, bekommen erhalten die Rosen ihren Glanz zurück. Voller Freude und Erwartung schaut der letzte des Familienstammes auf seinen verschollenen Besitz. Er verabschiedet sich von Frau Professor und Hilde mit dem Versprechen mit ihnen in Verbindung zu bleiben.

Wie jeden Abend geht Frau Antonia auch heute wieder in die Kapelle. Doch diesmal bleibt sie etwas länger und spricht noch ein Gebet für den jungen Herrn und bittet um Vergebung für das was Wilhelm seiner Familie angetan hat. Ein paar Monate vergehen, dann trifft ein Brief aus Afrika ein. Der junge Mann hat geheiratet und wird Vater. Er lädt beide Frauen zu dem bevorstehenden Fest zur Geburt seines Kindes ein. Lange überlegt die Frau Professor ob sie die anstrengende Reise auf sich nimmt. Doch dann sagt freudig zu. Sehr gern will sie nach Afrika fliegen, um zu sehen wo Wilhelm eine schöne Zeit in seinem Leben verbracht hat. Doch dazu kommt es nicht mehr. Ein paar Tage bevor es nach Afrika gehen sollte ist Frau Antonia in einer Nacht friedlich, mit einem Lächeln im Gesicht, für immer eingeschlafen und zu ihrem Wilhelm gereist. Aus Dankbarkeit für Hildes Fürsorge hatte die alte dame ihr die Wohnung und das Vermögen vererbt. So kann die Gesellschfterin dort wohnen bleiben und muß nicht mehr arbeiten. Sie hat sich vorgenommen im kommenden Winter nach Afrika zu reisen um die junge Familie zu besuchen. 
 

©margret













 
Die schüchterne Laterne


Endlich sind wir da. Überraschenderweise verlief die weite Fahrt problemlos. Ganz da hinten, unter den alten dicken Linden ist unser neues Zuhause. Ein kleines altes Forsthaus mit Sprossenfenstern und roten Fensterläden. Sie hängen ein wenig schief. Lukas, mein Mann ist handwerklich geschickt und wird sie wieder richten. Auch das Dach hat durch den letzten Sturm ein wenig gelitten. Aber es ist nur wenig Schiefer der ersetzt werden muß. Dann noch ein neuer Anstrich und das Häuschen ist wieder ein Schmuckstück. Ich liebe diese alten Fachwerkhäuser, sie haben etwas Mystisches an sich. Dieses Gebälk das beim Sturm am knarzen ist, und die Dielen die bei jedem Schritt knarren. Einfach wundervoll diese Atmosphäre.

Lukas ist der neue Förster hier im großen Wald. Er löst den alten Sebastian ab bei dem sich so einige Zipperlein eingestellt haben. Auch ist er nicht mehr gut zu Fuß, und das Augenlicht hat nachgelassen. Traurig muß Sebastian nun sein Lebenswerk in andere Hände geben. Die Hege und Pflege der Bäume, von denen er viele selbst als kleine zarte Pflänzchen in den feuchten harzigen Waldboden gesetzt hatte. Nun muß er all das einem anderen Menschen anvertrauen. Mein Lukas leitet fortan die Geschicke im Forst. Schon lange habe ich Sebastian nicht mehr gesehen, seit meinem Fortgehen aus der Heimat in die ungeliebte Stadt. Wie habe ich mich gefreut als mein Mann diese Anstellung hier bekam. Die Überraschung in Sebastian´s Augen, als er mich wieder sah. Und als ich ihm erzählte, das ich es bin die demnächst hier wohnt war die Freude noch größer. Lachend haben wir uns erinnert, wie es war wenn er mich auf dem Schoß geschaukelt hat. Ich habe die Geschichten geliebt die er mir dann immer erzählte. All diese wundervollen selbst erdachten Märchen über die Tiere und Fabelwesen die im Wald wohnen. Es ist wohl keine große Überraschung, dass ich sie meinen Kindern auch erzähle. Ich habe all diese geheimnisvollen Erzählungen nie vergessen. Mit goßen Augen und offenen Mündern hören mir meine Kinder gespannt zu wenn ich sie ihnen als gute Nachtgeschichte erzähle.

Leider ist hier vieles vernachlässigt worden, Sebastian hatte niemanden der ihm helfen konnte. Wir bekommen das Kleinod schon wieder hin. Den Garten wieder auf Fordermann zu bringen ist meine Aufgabe. Den Plan wie er aussehen soll habe ich schon im Kopf. Ich möchte verschiedene Beete anlegen, mit den herrlichsten Stauden und den schönsten Rosen. Ich liebe die alte Rosen. Sie sind meist anfälliger für Sternrußtau, und andere Rosenerkrankungen, doch der berauschende Duft entschädigt für alles. Die Beete mit meinen schönen Blumen möchte ich mit Buchs einfassen. Es wird prächtig aussehen! Für Sebastian wird es eine große Überraschung sein wenn er den fertigen Garten sieht.

Die Kinder haben eine riesige Wiese zum herumtollen. Alexander ist ein lockiger Blondschopf mit einer kleinen Stupsnase, die übersäht ist mit lustigen Sommersprossen. Er ist ein quirliger zehnjähriger Junge der den Schalk hinter seinen leicht abstehenden Ohren hat. Er trägt immer ein Basecape auf seinen widerspenstigen blonden Locken. Aufgeschlagene Knie und blaue Flecken sind bei ihm ein Muß. Selten sieht man ihn mit tadellosen Beinen. Er ist halt ein kleiner liebenswerter Wildfang, der einen mit seinem unschuldigen Blick um den Finger wickelt.

Alexander hat eine Schwester, Julchen. Sie ist fünf Jahre alt und steht ihm bestens zur Seite wenn es um Blödsinn machen geht. Sie ist ein keckes kleines Mädchen mit rötlich - blondem Haar, welches immer zu einem lustig wippenden Pferdeschwänzchen zusammengebunden ist. Momentan will Julchen nicht so viel sprechen, sie hat Zahnlücken. Wir müssen uns immer das Lachen verkneifen wenn sie plappert. Das passt unserer vorlauten Juliane, so heißt Julchen eigentlich, überhaupt nicht . Steht doch ihr kleines Schnütchen sonst nie still. Manchmal nervt sie schon, mit ihrem altklugen Wesen. Wo sie das her hat können wir uns nicht erklären. Das ist meine Familie. Ach, unser Hund fehlt noch. Um Gottes Willen hätte ich doch fast vergessen Fortis vorzustellen. Er ist ein kleiner frecher Dackel. Mit seinem Temperament passt er sehr gut in unsere Familie.

Der Umzugswagen hält unter den riesigen alten Linden an, die ihr großes dichtes Geflecht an Zweigen und Ästen bis an das Haus erstrecken, und mit ihrem Blätterwerk ein romatisches Dach über der Veranda vor dem Haus zaubern.

Nun stehen wir vor unserem neuen Zuhause unter dem herbstlich gefärbten Blätterdach der Linden und atmen tief die herrliche Waldluft ein. Diesen Duft nach den alten Tannen und Fichten habe ich so sehr vermisst. Unwillkürlich muß ich bei dem Geruch an Weihnachten denken. Mein Blick richtet sich zum Himmel, und ich sehe einen kleinen Sonnenstrahl der sich vorwitzig durch die sich langsam herbstlich färbenden Blätter mogelt. Am liebesten würde ich mit den Kindern Flieger spielen. Die Arme so weit ausgebreitet als ob wir tatsächlich versuchten abzuheben. Ganz so, wie ich es mit meinen Freunden immer gemacht hatte.

Wie schön es hier ist, so ruhig und friedlich. Hier können die Kinder behütet aufwachsen, so wie ich. Fernab von dem Lärm der Stadt und der schlecht riechenden Luft, die von den Fabriken her rührt. Auch Lukas wird sich hier wohler fühlen als in dem Stadtwald. Schon immer hat er auf diese Chance gewartet. Es war schon eine riesige Überraschung, dass er die Stelle bekommen hat. Ich war nie so glücklich in der Stadt, doch Lukas zuliebe bin ich mit gegangen. Ach bin ich froh endlich wieder in meiner Heimat zu sein. Wie ich mich freue all meine Freunde wieder zusehen. Der Kontakt zu ihnen war nie abgebrochen, aber so, wenn man sich regelmäßig sehen können ist es doch etwas ganz anderes. Wie schön es sein wird über die Streiche die wir gemacht haben gemeinsam zu lachen. Auch Sebastian ist von unserer Bande nicht verschont geblieben. Eigentlich fast niemand im Dorf. Wir waren schon kleine Berühmtheiten damals.

Wer war das noch alles? Da ist Josef mit seinen schielenden Augen..., der Fred, ach ja, das war Einer. Er kam nie so schnell hinter uns her. Ob er heute noch so einen Watschelgang hat? Dann gab es noch die Luise mit ihren feuerroten Haaren, Lukas und ich. Das waren wir, die berüchtigte Fünferbande. Wie schön es sein wird ,sie wieder in die Arme zu schließen. Ich weiß ..., sie sind alle hier im Ort geblieben. Genug in Erinnerungen geschwelgt. Ich hab schon ein breites Schmunzeln im Gesicht wenn ich so an die alten Zeiten denke. Es war eine herrliche Kindheit.

Doch jetzt geht es an die Arbeit, den Umzugswagen ausräumen. Kiste um Kiste. Die Hauptarbeit erledigen die Möbelpacker für uns. Es sollte also recht flott von statten gehen das Haus mit den Möbeln zu bestücken und ihm wieder Leben einzuhauchen. Die Kisten sind beschriftet und somit ist es auch kein Problem diese den richtigen Räumen zuzuordnen. In ein paar Tagen sollte dann alles an Ort und Stelle sein.

Heute ist schon Sonntag, wir sind nun eine Woche in unserem schönen Zuhause. Alles ist mittlerweile aufgeräumt und wir haben uns gut eingelebt. Es ist fast so, als wären wir nie woanders gewesen. Die Kinder sind glücklich und streunen viel im Wald herum, Fortis ist immer mit dabei, wenn er "dienstfrei" hat. Endlich will ich zum ersten Mal auf den Dachboden steigen. Dazu muß ich eine Deckenluke herunter lassen. Lukas will mit den Kindern noch einmal in den Wald gehen, und somit hab ich Ruhe mich einmal dort oben umzusehen. Also her mit dem Hilfsstock den ich in einen metallischen kleinen Ring einhaken muß, um dann kräftig an der Dachbodenklappe zu ziehen. So lasse ich sie langsam herunter. Hach, ich bin ein wenig zu klein und muß mich ordentlich recken. Doch dann habe ich es geschafft. Mit quietschen und knarren kommt die Luke mit samt der Treppe herunter.

Gespannt gehe ich langsam Stufe für Stufe nach oben, ungewiß was mich auf dem staubigen schummerigen Dachboden erwartet. Sicherlich wird es einige Überraschungen auf dem alten Speicher geben. Eigentlich sieht es aus wie auf allen anderen auch. Überall steht etwas herum, es herrscht ein großes Durcheinander. Hier oben ist schon lange Niemand mehr gewesen. Stühle, ein Tisch, ein paar Kisten auch eine alte Truhe kann ich entdecken. Wie schön, ich liebe alte Möbelstücke. Überhaupt mag ich Dinge aus vergangenen Zeiten sehr. Den Rest der hier chaotisch herum liegt und steht muß ich erst einmal aufräumen. Aber nicht heute, dazu benötige ich sehr viel Zeit. Vielleicht kann ich noch etwas gebrauchen. Und ganz hinten bei dem aus roten Backsteinen gemauertem Schornstein, steht ganz allein und versteckt eine alte Laterne. Auch wenn sie ein wenig vor sich hin rostet, und eine Scheibe einen Sprung hat, finde ich sie wunderschön. Ich schaue die Laterne genauer an. Ich habe das Gefühl das sie zurück blickt. Doch auch wenn sie mich in ihren Bann gezogen hat bemerke ich das es hier ein wenig muffig riecht. Schon lange wurde das kleine mit Spinnenweben verzierte Fenster nicht mehr geöffnet. Ich lasse erst einmal frische Luft herein. 
Ich spüre fast wie das alte Gebälk aufatmet. Ich hab den Eindruck als ob sich die Balken weiten, wie bei uns Menschen der Brustkorb beim einatmen, und sich wieder zusammen ziehen beim ausatmen . Auch hör ich ein leises, fast zartes Ächzen. Ich stutze, das kann doch nicht sein. Es ist windstill. Kein Wind, kein Sturm zerrt an dem Haus. Was mag das nur für ein Geräusch sein. Ich verharre reglos, wage nicht zu atmen und lausche noch einmal. Da, da ist wieder dieser seltsame Klang. Ich kann ihn nicht einordnen, was soll das sein? Ich gehe in die Richtung wo ich glaube das es her kommt. Doch ich sehe nichts, und höre auch nichts mehr.

Ach, wahrscheinlich sind es nur meine Nerven die mir einen Streich gespielt haben. Es war viel Stress in der letzten Zeit. Der Haushalt, die Kinder, den Umzug vorzubereiten, all das hat mich viel Kraft gekostet. Kein Wunder das mir die Nerven einen kleinen Streich spielen. Ich lasse es für heute gut sein und gehe ein anderes Mal wieder hier hoch und räume auf. Auch etwas sauber machen kann nicht schaden. Der moderige Geruch geht dann von dem nach Wildblumen duftenden Wischwasser weg.

Es wird auch langsam Zeit das ich das Abendbrot herrichte. Lukas wird mit den Kindern und dem Hund gleich wieder da sein. Kaum ist der Tisch mit den leckeren Broten und warmen Kakao gedeckt sind sie auch schon da. Es ist eine Freude zu sehen wie die Kinder mit großem Appetit ihr Essen vertilgen. Das kommt von der frischen Waldluft. Der Kakaorand umrahmt ihre kleinen süßen Lippen und ich möchte sie am liebsten sauber schlecken. Es sieht so niedlich aus. Lukas muß über die verschmierten Mündchen lachen und macht ein Foto. Auch Fortis hat Spaß an den Kindern. Er wedelt mit dem Schwanz und springt ein wenig hin und her. Es sieht aus wie ein Freundentanz, eben seine Art zu lachen.

Nun wird es Zeit für Alexander und Julchen ins Bett zu gehen. Morgen ist schließlich wieder Schule. Nach der obligatorischen Gute Nacht Geschichte, Sebastians alte Geschichten, schlafen sie auch rasch ein. Der Hund macht es ihnen gleich und trottet auf sein Schlafkissen und fängt auch sogleich an zu schnarchen. Auch er ist vom herumtollen müde.

Nun herrscht Ruhe im Haus. Lukas und ich geniessen es. Wir setzen uns noch ein Stündchen bei einem Glas Wein zusammen auf die Couch. Da hör ich es wieder! Dieses leise, fast zarte Ächzen. Das kann doch nicht sein, ich frage Lukas ob er es auch hört. Er verneint. Mmmhh, ich spinne doch nicht. Hatte ich die selben Töne vorhin noch unter dem Dach gehört. Lukas beschwichtigt mich und sagt :"Du bist noch ein wenig durch den Umzug angespannt". Gerne glaube ich ihm. Es ist spät und wir gehen auch zu Bett. Ich schlafe unruhig, wälze mich hin und her. Immer habe ich diese komischen Laute im Ohr. Wie gerädert stehe ich am nächsten Morgen auf. Schnell läßt mich der straffe Tagesablauf dieses spukende Geräusch vergessen.

Doch als die Stille herein bricht, kein Kinderlachen mehr durch das Haus schallt höre ich es erneut. Ich bin allein, was soll ich machen. Da ist es keine Überraschung das sich leichte Angst in mir breit macht und mir Gänsehaut verursacht. Lukas ist nicht da und Fortis schnarcht vor sich hin. Mein Mann ist noch einmal kurz in den Wald gegangen. Ich kann es kaum erwarten bis er wieder da ist. Sollte ich es ihm sagen? Lieber nicht, er macht sich sonst nur Sorgen. Das möchte ich nicht. Dann ist er endlich da, er streift sich vor der Haustür die verschmutzten Stiefel von den Füßen. Ein paar Tannennadeln mogeln sich doch mit ins Haus und verströmen ihren typischen Duft. Ich mag das sehr. Liebevoll nimmt er mich in den Arm und gibt mir einen zärtlichen Kuß auf meine leicht zitternden Lippen. Er bemerkt meine Aufregung nicht. Ich beschließe ihm nichts zu sagen. Wir gehen auch zeitig zu Bett. Ich schlafe den beschützenden Armen meines Mannes ein.

Doch mitten in der Nacht schrecke ich wieder hoch. Zuerst habe ich an einen Traum geglaubt. Da ist es wieder, das leise, fast zarte Ächzen. Das kann doch nicht sein. Ich bin wach, ich träume nicht! Vorsichtig streife ich die Bettdecke weg und stehe langsam auf, damit Lukas nicht wach wird. Er arbeitet hart und braucht seinen Schlaf. Auf dem Flur angekommen muß ich erst einmal horchen von wo das Geräusch kommen könnte. Doch es ist auf einmal alles ruhig, schon fast beängstigend ruhig.

Ich geh wieder ins Bett und kuschel mich ganz nah an meinen Beschützer ran. Ich fühle mich neben ihm sicher und geborgen. Zu meiner Überraschung schlafe ich schnell wieder ein.

Am nächsten Tag haben die Kinder schulfrei.

Wir wollen zu der verwunschen gelegenen kleinen Lichtung mitten im Wald. Alexander und Julchen haben sich ein Picknick gewünscht. Ich habe schon alles vorbereitet. Ein paar Früchte, ein wenig Käsebrot und selbstgemachter Saft. Heute gibt es Holunder / Kirschsaft. Es fehlt nur noch der Picknickkorb. Der steht auf dem Dachboden. Rasch geh ich hoch um ihn zu holen. Er befindet sich ganz hinten auf dem Tisch, ich muß quer über den Dachboden gehen. Doch um zu dem Tisch zu gelangen wo der Korb steht, muß ich an dem Schornstein vorbei. Hier steht auch die rostige alte Laterne mit der gesprungenen Scheibe. Kurz stockt mein Schritt und ich schau zu der Laterne herunter. Sie reicht mir bis knapp an die Knie. Wieder schauen wir uns wie gebannt an. Fast könnte man glauben das sie mit mir sprechen möchte. Doch ich höre nur diese merkwürdigen Laute. Ja spinne ich denn jetzt?! Auch habe ich das Gefühl das sich die schöne alte Laterne erschrocken hat. Fast sieht es so aus als zuckte sie zurück. Eine Laterne will mit mir sprechen?? Nein, das kann nicht sein!! Schnell schnappe ich mir den Korb und verlasse eiligst den Dachboden. Ich bin total verwirrt und muß mich kurz sammeln, bevor ich zu Julchen und Alexander in die Küche gehe.

Die fröhlichen Kinder, und unser der Hund lassen mich das Erlebnis vergessen. Wir haben einen wundervollen Tag auf der lichtgefluteten, sonnigen Lichtung. Sie ist übersät mit den schönsten Blumen. Für andere ist es Unkraut, aber ich liebe den Fingerhut mit seinen Blüten die fast wie Glocken aussehen. Wie schön er sich sich dem Himmel empor streckt und seinen langen Hals immer in Richtung der Sonne biegt. Dann die kleine Färberkamille die den Wegesrand zur Lichtung säumt. Und geschützt im lichten Schatten steht ganz allein das Knabenkraut. Was habe ich diese Idylle vermisst.

Auch am Abend ist alles prima. Diese Nacht schlafe ich richtig gut.

Erfrischt wache ich am nächsten Morgen auf. Ich habe total verschlafen. Lukas hat die Kinder allein fertig gemacht und sie zur Schule gebracht. Julchen geht mit ihren fünf Jahren auch schon in die Schule. Noch einmal nach Hause gekommen ist Lukas nicht, er hat heute viel zu tun. Er muß nach den Wildschweinen schauen. Sie haben sich zu stark vermehrt. Ein Jagdpächter geht mit ihm zusammen auf die Pirsch. Sie sind frohen Mutes ein paar Sauen zu erlegen. Gemütlich sitze ich derweil in der Küche und genieße meinen Morgenkaffee. Verträumt beobachte ich Zweige die sich im sanftem Wind biegen. Da schreckte ich aus meinen Gedanken hoch. Nein, ich will es nicht hören. Nein! Ich versuche das lauter werdende Geräusch zu ignorieren. Ich wende meinen Blick nicht ab, und schaue angestrengt weiter nach draußen. Ich suche mir ein neues Ziel welches ich beobachten könnte, nur um nicht auf das Geräusch zu achten. Ich schaue ein paar Blättern zu wie sie tänzelnd zu Boden schweben.

Doch ich kann mich nicht mehr darauf konzentrieren. Das leise, fast zarte Ächzen nimmt überhand, es nimmt fast Besitz von mir. Heftig stelle ich die Tasse Kaffee auf dem Tisch ab und verschütte ein wenig auf die Tischdecke. Doch es stört mich nicht. Wie in Trance gehe ich auf den Dachboden. Und da stehe ich vor ihr. Vor der wunderschönen alten, ein wenig vor sich hin rostenden, kniehohen Laterne die einen Sprung in der Scheibe hat.

Ich gehe in die Hocke um ihr näher zu sein und beuge mich zu ihr hin. Vorsichtig, schon ein wenig ängstlich, strecke ich meine Hand aus und fasse sie an. Ganz langsam berühre ich ihren Deckel und streife mit der anderen Hand vorsichtig an ihr herunter, um die Tür mit einem leisen, fast zarten Ächzen zu öffnen. Das ist der Moment auf den die Laterne gewartet hatte. Sie will sich in meine Hände drängen, doch sie zuckt wieder zurück. Ich hatte mich die Tage also nicht getäuscht . Die Laterne will mit mir sprechen, doch sie ist schüchtern. Wie soll sie auf sich aufmerksam machen, außer mit ihrem komischen Tönen.

Ich nehme sie mit hinunter, in die sonnenhelle Wohnung die so herrlich nach dem Tannenwald duftet. Liebevoll, fast zärtlich putze ich die Laterne blitzblank. Selbst der häßliche Rost, der die Laterne ein wenig enstellte, ist verschwunden. Nur das gesprungene Glas muß noch ersetzt werden, aber es stört nicht. Trotz der kaputten Scheibe bleibt die Anmut der alten Laterne erhalten. Auch eine Kerze habe ich zur Hand. Es ist eine rote Kerze, so kräftig rot wie unsere Fensterläden. Ich stelle sie in die wunderschöne alte Laterne hinein. Kein leises, fast zartes Ächzen ist mehr zu hören. Die entzündete Flamme funkelt und zaubert der Laterne ein helles Strahlen in ihr altes schüchterne Gesicht.

Das flehende, hilfesuchende Geräusch ist verstummt. Die alte Laterne wollte nicht mehr allein auf dem Dachboden sein.

Als meine Familie nach Hause kommt bestaunen sie die wunderschöne, alte strahlende Laterne. Sie hatte auf sich aufmerksam gemacht weil wieder Leben im Haus war. Sie wollte nicht mehr allein sein. Fortan erleuchtet sie jeden Abend unser wundervolles Zuhause, so wie es in längst vergangener Zeit ihre Aufgabe gewesen war. Am nächsten Tag bin ich zu Sebastian geeilt um ihm von meinem Dachbodenfund zu erzählen. Der alte Mann war nur einmal auf dem Dachboden gewesen und hatte die alte schüchterne Lampe nie gesehen. Er riet mir diese seltsame Geschichte um die seufzende Laterne aufzuschreiben.

©margret


Margret muß Babysitten


Es ist schon spät am Abend als mir meine Tochter Bescheid gibt das die Kleine, meine Enkelin, morgen nicht in den Kindergarten kann. Vera hat eine schlimme Erkältung. Damit sie die anderen Kinder nicht ansteckt, soll sie besser daheim bleiben. Genau, lieber ein, zwei Tage zu Hause , dann wird es wieder gehen.
Was liegt näher als die Oma zu bitten aufzupassen.  Ich wohne ja gleich nebenan. Nur eben über die Wiese und ich bin da. Meine Tochter hat einen großen Vorteil den ja viele Berufstätige nicht haben. Eine Oma, die immer Zeit hat. Unbezahlbar. Nun gut, also geht es  Morgen ans Fräuleinchen hüten.

Ich hab ja Übung. Wenn Ferien sind kommen beide Kinder jeden Morgen zu mir. Vera hat noch einen großen Bruder.
Naja, dann geht es halt morgen Früh eher aus den Federn. Meine Tochter muß immer 7.30h los. Ich möchte natürlich dann fix und fertig, geschniegelt und gestriegelt, rüber gehen.
Man weiß ja nie was passieren könnte, vielleicht kommt ein Prinz des Weges, oder der Postbote klingelt. Aber hier bimmelt er nur einmal, nicht zweimal. Ja gut, erst noch eine Nacht drüber schlafen.
Der nächste Morgen ist da, erst einmal in Ruhe Frühstücken und dabei ein wenig chatten. Ich habe ja Zeit. Obwohl..., muß schon aufpassen, denn ich trödel doch immer. Erst mal einen Kaffee, zwei Scheiben Toast mit Marmelade, lecker. Mist... Marmelade ist auf dem Shirt. Genau zwischen rechts und links, den Beiden, ihr wisst schon wo ich meine.  Wie gut das ich noch nicht fein bin. Ich warte immer erst das Frühstück ab und ziehe mich dann für den Tag ordentlich an. Selten bekomme  ich die erste Mahlzeit des Tages unfallfrei hin. Aber bis zum Abend, mit jedem was ich essen, bekomme ich mehr Übung und versaue mich weniger. Ich trödel rum, ich klecker rum. Ach ja, so bin ich nun einmal.

Vorsichtshalber schon einmal auf die böse Uhr schauen, alles noch im grünen Bereich. Na dann erst einmal Füße hoch legen, nächsten Kaffee einschütten und weiter chatten. Herrlich, so ohne Hetze den Tag zu beginnen. Aber trotzdem nicht vergessen zwischendurch auf die Zeiger schielen.
So, nun wird es langsam Zeit. Eigentlich hab ich ja noch Kaffee in der Kanne, aber ich hab mich verquatscht. Wo? Im Chat natürlich. Nun muß ich mich doch ein wenig sputen. Was ich anziehe weiß ich. Kurze, luftige Klamotten, es ist jetzt schon warm. Vielleicht können Klein Vera und ich  ein wenig an die Luft gehen. Mal schauen wie es ihr geht.
Wenn ich Pech habe quengelt sie herum.  Das kann sie nämlich gut. Wenn die kleine Madame krank ist, dann leidet sie fast schlimmer als Männer. Hui, ist dann immer was los! Ich höre sie schon: Omaa, Omaaaaaa....
Jetzt aber mal Margarete! Ab in´s Obergeschoß und flott,flott! Wie gut das ich nur über die Wiese muß. Wenn ich durch die Gegend juckeln müßte ,würde es mal wieder eng werden. So ist noch alles gut, so grade.
Das aufrüschen für meinen Babysitterdienst geht fix. Doch das Näschen pudern, das wird mal wieder dauern! Es wird immer schwieriger die Altersflecken, das sind diese vielen kleinen braunen Flecken die sich wie Sommersprossen tarnen, zu überdecken. Zu meinem Leidwesen werden es immer mehr. Und da sie Altersflecken heißen, bedeutet es das ich alt werde. Immer älter, weil  immer mehr. Mist!! Und wieder fällt mir hier, wie so oft, ein Musikstück ein. Es ist von einer  80er Jahre Band Aphaville  : " Forever Young ". Eigentlich hasse ich die Musik aus den 80er, doch vereinzelte Stücke mag ich.  Es gibt ein wunderbares Video zu dem Song. Da werde ich immer so sentimental wenn ich es sehe.

Aber schlimmer als die "Sommersprossen" sind die kraterähnlichen Falten. Jeden Morgen eine Heidenarbeit diese unter dem Make Up zu verstecken. Aber nichts ist unmöglich... ( nicht Toyota, sondern Margret macht´s).
Die Lachfalten sind ja schön anzusehen, sie kringeln sich lustig um meine Augen. Doch die Runzeldinger auf meiner Stirn, die sogenannten  Zornesfalten,  hui, hui, hui.... die machen Arbeit. Die sehen fast aus wie eine Fuge, die es gilt mit einem Spachtel zu füllen. Aber auch das schaffe ich, immer wieder.
Dann noch die "Spinnenbeine" zaubern, die Wangen in ein zartes rose´ färben und die Lippen  erröten lassen. Fertig ist das Margaretchen.  Ach so, die "Spinnenbeine", das ist ein alter Begriff für getuschte Wimpern.
Die Haare sind sehr pflegeleicht zu richten, eben durchwuscheln und gut ist es. Hätte ich ja auch gar keine Zeit dazu irgendeine aufwändige Frisur zu kreieren, wegen dem Verstecken der vielen Makeln in meinem Antlitz. Also, so wenig Getue wie möglich um die Haarpracht. Gepflegter Minimalismus!!
Mittlerweile ist es Zeit rüber zu gehen. Meine geliebten High Heel noch an und los. Über die Wiese zu staksen ist auch so was. Schöön die Absätze hoch halten, sonst ist der Acker mit samt der Wiese  aufgespießt.  Das sieht immer recht lustig aus, wie ich in dem Watschelgang versuche mit möglichst sauberen Schuhen drüben anzukommen.  Anstatt das ich mir für den kleinen Weg Latschen anziehe... nein.
Meine Tochter gibt mir eben den Stand der Dinge, was das Mäuschen anbelangt, und rauscht auch schon von dannen.

Prüfend schaue ich Vera an, noch sieht sie aus als ob sie kein Wässerlein trüben kann. Alles Tarnung!! Sie liegt auf der Couch und ist schacht matt. Sie hat schlecht geschlafen, also wird sie wohl gleich ein Nickerchen machen und ich kann mich derweil um meine Kübelpflanzen kümmern. Ich muß sie gießen. Da es viele Blumen sind dauert es meist eine gute Stunde. In der Pflege meiner geliebten Topfschönen auf der Terrasse bin sehr pingelig.  Außerdem spreche ich mit jeder Pflanze ganz kurz. Eben guten Morgen sagen, und sie danken es mir mit reichlicher Blüte.

Gut, frühstücken will Vera nicht, wohl aber einen Tee. Welcher? Fencheltee hätte sie gerne. Wird gemacht. Die Teesorte ist hervorragend... beruhigt unter anderem. Klasse Nebenwirkung, eine beruhigte Vera kommt mir sehr entgegen. Oje.... da kräht sie schon: Omaaaa....

Sofort bin ich zur Stelle. Dieses Minenspiel, herrlich! Ein wenig gequält, und zugleich flehentlich. Ich bin gespannt was da kommt. "Oma, mit einem ganz langezogenem ....a.... , kann ich KiKa??
Gut, ich bin gnädig. Soll sie ein wenig Kinderkanal schauen. Ich denke mir so ... Fencheltee in Kombination mit Fernseher ... und grinse in mich hinein bei der Vorstellung, macht müde. Und wie ich nur einen Moment später sehe, richtig. Das "Schiff" ist versenkt. Vera schläft. Um sie nicht aufzuwecken, gehe ich nun nach draußen um mich um meine Blumen zu kümmern. Wie gesagt, das dauert. Und schön aufpassen, das ich mit den waffenscheinverdächtigen Absätzen nicht zwischen die Pflastersteine trete.

Und praktisch wie ich bin , nehme ich immer nur die 5l Gießkanne, und habe somit, wenn ich alle  60 Kübel gegossen habe, auch sogleich mein Fitnessprogramm hinter mir.
Aber erst einmal einen kurzen Moment in der Sonne sitzen. Das Gesicht dem schönen, strahlenden Stern, der sich von der allerbesten Seite zeigt, entgegen strecken und ein wenig bräunen. Herrlich!! Die Schuhe für einen kurzen Augenblick ausziehen damit es keine Streifen gibt. Heute trage ich Heel´s die über der Frist ein Riemchen haben. Die Sonne würde also einen "Leuchtstreifen" zaubern. Das sieht dann nicht so toll aus. Also..., beim Sonnen alles weg damit es nicht zu dieser Nebenerscheinung kommt.

Ach, was hör ich denn da....,  meinen kleinen Frosch. Mit einem wohlklingenden Quaken hat er sich anwesend gemeldet. Eigentlich ist es kein Frosch, sondern eine Erdkröte. Zu Gesicht bekomme ich sie nicht oft. Die runzelige Tarnfleckenhaut fällt zwischen den Steinen in meinem kleinen Tümpel nicht auf. Oft stehe ich am Teichrand und versuche die Kröte zu erblicken um auch ihr, ganz wie meinen Blumen, ein freundliches Hallo zu sagen.
Und nun brüllt Vera. Sie kann sehr stimmgewaltig sein, so klein sie auch noch ist. Also fix in die Schuhe und rüber gewatschelt, ohne die Wiese zu durchlöchern. Man stelle sich mal vor ich würde richtig zutreten, mit den Hacken versinken. Es würde mich aus den Tretern hauen.

Fräulein Ungnädig hat Hunger. Sie weiß aber nicht was sie will. Alle Vorschläge die ich mache lehnt sie vernichtend ab. Was nun?! Da kommt mir die zündende Idee. Madame isst gerne hart gekochte Eier mit Maggi darüber geträufelt. Für mich bäääh. Mal schnell welche kochen. Die Idee kommt prima an. Puh, schwitz, das  Kind ist erst einmal zufrieden. Es schmeckt ihr auch hervorragend. Sogleich noch etwas Trinken hingestellt, vorsichtshalber wieder den Fencheltee, der Beruhigung wegen.  Ab geht es wieder nach draußen. Ihre Erlaubnis, sie kurz zu verlassen,  habe ich mir vorher eingeholt. Sie will ein wenig schminken üben. Von wem sie das nur hat. Sie nimmt aber dazu die Puppe, nicht ihr eigenes Gesicht. Grins! Da störe ich sowieso nur. Also endlich gießen gehen.
Ich werde zwischendurch mal nach ihr schauen. Nun aber..., Blümchen sprechen gehen und ihre Köpfe ein wenig mit Wasser abkühlen. Die Idylle wird ein wenig von dem Baulärm des Autobahnbau´s, einige hundert Meter weiter von mir, gestört. Es hält sich aber in Grenzen, nur die Sprengerei war unangenehm. Das Haus wackelte dann schon einmal.  Der Autobahntourismus war wohl nervig. Unserer Strasse,  die sehr schmal ist, wurde fast für eine Autobahn gehalten. Soviel Verkehr herrschte plötzlich. Denn hier ensteht die höchste Autobahnbrücke von NRW. Fast ein Monumentalbau.
Die Hälfte der Töpfe sind  gegossen, als Vera mal wieder einen Wunsch hat. Mal schauen was ihr Begehr ist. "Oma, darf ich eine Süßigkeit?" Es gibt kein überlegen für mich, Oma`s sind dazu da die Kinder zu verwöhnen. Ein wenig Schokolade und sie ist zufrieden.

Wieder an dem Wasserfass angekommen, mit meiner kleinen blauen 5l Gießkanne in der Hand, höre ich ein Auto vorfahren. Ich denke mir nicht´s dabei . Es wird öfter mal bei mir vor dem Haus gedreht, und mache mit dem Blumen gießen und sprechen weiter. Und wieder das Autogeräusch. Ich schaue kurz hoch, und sehe doch einmal durch die Hecke aus Lebensbäumen. Es fährt Lieferwagen die  Auffahrt zum Haus meiner Tochter rückwärts wieder herunter.  Im Glauben das der Lieferant bei mir anhält und die Ware hier abgibt wird erst einmal weiter gegossen und  warte auf das klingeln. Ich bin ja pfiffig und habe mir extra eine Gartenklingel zugelegt.
Mein Schwiegersohn hat einen Maler - und Lackierbetrieb.

Es kommt öfter mal vor das bei mir angeschellt wird. Da ich der Meinung bin das Klingeln überhört zu haben beeile ich mich zur Haustür zu kommen. Doch Niemand ist da. Ahnungsvoll gehe ich zu Vera um sie zu befragen. Das Mädchen sitzt mittlerweile am Tisch und bearbeitet den Nintendo, oder heißt es das Nintendo, weiß ich jetzt nicht.
Als ich sie frage was los war sagt sie:
 "Oma, da war Einer an der Tür, aber ich hab gesagt das ich nicht weiß wo du bist".

Also beschließe ich, im treuen Glauben das es sich um ein wichtiges Paket für die Firma meines Schwiegersohnes handelt, hinterher zu rennen. Ich sehe auch in einiger Entfernung das rückwärts fahrende UPS Auto. Komisch, wieso hat der Fahrer nicht gedreht ? Ich sprinte los.  Wild gestikulierend versuche ich auf mich aufmerksam zu machen.
Oma Margret rennt und rennt.  Ich sehe nicht so sportlich aus wie die Lola aus dem Kinofilm .
Nein, der Babysitter hat Stöckelschuhe, Röckchen und eine wehende Bluse an. Denn der gebotenen Eile wegen habe ich darauf verzichtet ein Sportdress anzuziehen.
Der Zusteller bemerkt  von dem verzweifeltem Versuch ihn anzuhalten nicht´s und entschwindet. 


Es ist wohl ein Bild für die Götter, mich über die Strasse flitzen zu sehen. Umsonst!!

Gemäßigten Schrittes, mit leichter Schnappatmung, gehe ich die Strasse wieder hoch und verschnaufe neben meiner Enkelin auf dem Stuhl. Vielleicht sollte Oma Margret mal etwas für ihre Kondition tun. Aber es ist auch eine Prüfung besonderer Art in Hacken hinter einem Auto her zu sausen.... ohne zu stolpern. Nicht wahr?!
Diese schaut mich an und sagt: "Oma, ich hab das Paket da vorn hingestellt, es ist ganz leicht und biegsam ". Ich schaue sie fassungslos an. Nur ihr zauberhaft entwaffendes Lächeln hielt sie am Leben!!
Vera kann gar nicht verstehen warum ich fix und fertig bin, und ich mich erst einmal auf der Couch ausruhen muß. Kurze Zeit darauf kommt meine Tochter nach Hause. Es war nicht viel los und sie konnte schon eher Feierabend machen. Sie arbeitet als Arzthelferin, und offensichtlich war heute kaum Jemand krank. Als ich ihr meinen Babysittermorgen erzählte mußte sie schallend lachen. Und sie bekam bei der Vorstellung wie ich die Strasse herunter spurte einen minutenlangen Lachkrampf, sodass ihr die Tränen die Wangen herunterliefen.

Später hat sie uns einen Kaffee  gekocht und wir bekamen das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Ich möchte wetten das sie es in ihrer Theatergruppe erzählt, und es in die Karnevalssitzung als Sketch mit eingebaut wird.

© margret






Margret muß zur Autowerkstatt



Heute Mittag wollte ich Auto fahren , wie immer ( seit genau 34Jahren ) stecke ich den Schlüssel in´s Zündschloß ( natürlich nicht 34J. lang in das selbe Zündschloß ) es gab ein kurzes Geräusch, dann das große Schweigen
Noch einmal versucht, noch einmal, und dann, in einem Zwiegespräch beschlossen ... "Finger von de Dinger " .
In größter Geduld verharrte ich bis mein Sohn nach Hause kam und berichtete ihm von dem Malheur. Auch bei ihm seltsame Geräusche, nicht bei meinem Sohn sondern bei dem Motorstartversuch. Nach mehrmaligem Üben sprang der Motor dann an.

Und wie es so ist  mit den lieben Kinderchen ... Sohn keine Zeit ... Mama ab zur Werkstatt.



Dort angekommen gab ich dem Meister mein Problem, und ob der komischen Geräusche meine Vermutung kund.

Er hörte mir auch verständnisvoll und sehr geduldigt zu, und ging zur Motorhaube um sie zu öffnen. Es mißlang. Ich stand daneben  und mir fiel erst nach einer gefühlten Minute ein, das es ja eine " Besonderheit " an der Öffnung der Motorhaube gab. So flitzte ich zum Handschuhfach und kam bewaffnet mit einem Schraubendreher und einer HighTech Taschenlampe die meinen alternden Augen gerecht wird zurück, und erklärte dem irritiert schauenden Automechatroniker wie er die Motorhaube zu öffnen habe. Nun gut  es klappte, doch ich treffe diese kleine versteckte Loch, welches ich erst einmal durch den Kühlergrill finden muß nicht immer  Schon mal kommen dann während eines Selbstgespräches unflätige Kommentare ... Ausdrücke fallen dann die wohl jeder kennt .

Gut, Motorhaube endlich auf. Interessiert inspiziert er den Motorraum. Schaut hier nach , guckt sich jenes an. Ich steh daneben und wippel hin und her, gespannt was da kommen mag. Dann macht er mich auf ein Löchlein in irgendwelchem Abdichtungsgedöns aufmerksam , welches für mich wie Glaswolle aussieht , und sagt das gefürchtete Wort .... Marderspuren .... jau ey , lass das Tierchen doch, solange es sich nur an der Wolle verlustigt .
Hat wohl hoffentlich nicht´s mit meinen Startproblemen zu tun.  Nee, hatte es auch nicht wie die Überprüfung der Kabel erwies.
Gut, wenden wir, eigentlich der Mechaniker  uns wieder der Ursachenforschung zu. Ich steh immer noch da, hab nicht´s zu tun und weiß nicht wohin mit mir. Ablenken will ich den guten Mann auch nicht. Boah, ist das langweilig ....

Da richtet er das Wort an mich und erschrecke kurz. Ich war doch mit meinen Gedanken bei der weiteren Tagesgestaltung.
Er schaute mich an, erst einmal genau prüfend von oben bis unten .Dann fragte mich welche Geräusche es gegeben hätte , ..... bei dem Motorstartversuch. Nun war ich es die den Mechaniker irritiert anschaute und es kam ein kkkkkkrrrrrsssssssschhhh, ein kkkkkrrrrrhhhh und ein cccccchhhhhhh aus meinem Mund. Wie blöd ist das denn, ein Motorengeräusch nachzumachen.
Ich vermute mal das der Mechaniker ein inneres Freudenfest hatte, als er meine Geräusche vernahm. Was soll´s, ich lass ihm sein Erfolgserlebnis eine in dieser Hinsicht hilflose Frau vor sich zu haben. Dann fragte er mich : Was kam nach den Geräuschen ?

Ich schaute verträumt , und sagte : Schweigen

Daraufhin grinste der Mechaniker mich an und sagt : B a t t e r i e muß neu . Hab ich nicht vorrätig bestelle ich , und zur Vorsicht etwas abschüßig parken um im Notfall den Wagen anrollen zu lassen damit die altersschwache Batterie den Motor starten läßt.

© margret



Ein letztes Abenteuer




Jörg atmet auf. Endlich ist es soweit, der Weg in die Freiheit und Schwerelosigkeit kann beginnen. Er hat seinen Pilotenschein soeben bestanden. Nach monatelangem Lernen und den oft schwierigen Übungsflügen, an denen auch sein Fluglehrer so manches mal verzweifelte, ist es geschafft.

Fast andächtig schaut er zum Himmel hinauf. Wie hat er die Adler um ihre eleganten Flugmanöver beneidet, nun kann er es ihnen gleich machen. Ein neues Abenteuer in seinem Leben kann beginnen.


Als Jörg auf die Idee kam den Pilotenschein zu machen hatte Eva nichts dagegen, fast schon war es ihr egal. Wie so vieles was junge Mann in letzter Zeit so machte. Es scheint als ob Eva lebensüberdrüssig ist. Morgen hat sie einen Termin beim Nervenarzt. Ob Jörg sie begleitet weiß er noch nicht. Auch ihm ist es fast egal was Eva treibt. Im Grunde leben sie nur noch nebeneinander her. Dabei hatten sie sich so geliebt, und alle Steine die Eva´s Eltern ihnen in den Weg gelegt hatten beiseite geräumt. Nichts konnte sie trennen. Und nun das, plötzlich ist alles anders. Eva hatte sich so verändert. Sie hatten viel Spaß zusammen gehabt, und seit ca.1Jahr hat Eva sich vollkommen zurück gezogen. Sie sprechen kaum noch miteinander. Was sie noch zusammenhält wissen sie eigentlich nicht. Wohl die Gewohnheit, und das Geld das Eva mit in die Ehe brachte. Sonst hätte Jörg den Pilotenschein nicht finanzieren können. Er verdient wohl sehr gut als PR – Manager, doch seine Frauen kosten ihm auch eine Stange Geld.

Da muss Jörg, der Schwerenöter, grinsen. Wie gut das Eva nichts von seinen Abenteuern ahnt, die er neben seiner Ehe mit ihr zu bestehen hat. Auch er hatte sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Niemals hätte er gedacht das er zum Ehebrecher werden würde. Dabei war ihm die Treue immer heilig gewesen. Was sollte er machen, ist er doch auch nur ein Mann.Mit dem Gedanken beruhigt er immer wieder sein Gewissen. Da gibt es momentan Sybille, ein total gegensätzlicher Typ als seine Angetraute.
Er sieht aber auch gut aus, fast schon zu schön für diese Welt und erst recht für nur eine Frau. Somit hat er keine Schwierigkeiten Damenbekanntschaften zu machen. Sie laufen ihm regelrecht hinterher.

Nun will er aber mal seinen Damen endlich Bescheid geben, dass er nun „Herr der Lüfte“ ist.

Sybille ruft er nur an, ihren Luftsprung am Telefon konnte er förmlich sehen. Sie freut sich schon riesig auf ihren ersten Ausflug in die Wolken. 
Eva wird es gleich erfahren wenn er zu Hause ankommt. Seine Frau wartet in dem wundervoll angelegten Garten auf Jörg. Sie scheint ein wenig aufgeregt zu sein, als sie ihn kommen sieht. Das merkt Jörg daran das sie ihr mit Spitzen umhäkeltes Taschentuch durch die Finger gleiten lässt.

Er kann es fast nicht glauben, dass sie ihm aufgeregt zuruft: „Und? Hast du bestanden?“ Dabei trippelt sie sogar, ein wenig wie ein kleines Kind, auf der Stelle. 'Was ist denn nun los.' denkt Jörg verwundert.
„Los, erzähl schon. Wie war es? Was musstest du alles machen?“ Eva will alles ganz genau wissen. Jörg erzählt ihr enthusiastisch von den Flugmanövern, und das der Himmel zum greifen nah war. 







Sehnsüchtig schaut Eva Jörg an, so als ob sie auf ein liebes Wort wartet. Er bemerkt es und wird verlegen. Was soll er machen, soll er sie in den Arm nehmen? Leben sie doch schon seit einiger Zeit wie Bruder und Schwester zusammen.
Will er überhaupt noch das sie sich wieder annähern? Kann nicht alles beim Alten bleiben? Doch wie fremdgesteuert geht er auf Eva zu, nimmt sie in den Arm und küsst sie. Eva rinnen ein paar Tränen die Wangen herunter, die Jörg liebevoll wegwischt. Nun bemerkt er das er Eva doch noch liebt. Zärtlich flüstert er ihr ins Ohr: „Ich nehme mir morgen frei und begleite dich zum Arzt.“
Erleichtert nickt Eva ihm zu und geht ins Haus. Jörg will ihr sofort folgen, lässt es dann aber doch sein weil in dem Moment sein Telefon klingelt. Er sieht das es Sybille ist, die ihn wohl schon vermisst. Mit einem kleinen Zögern drückt er sie weg und geht zu Eva.

Am nächsten Tag sind sie schon zeitig unterwegs zu Eva´s Arzttermin in der neurologischen Ambulanz. Trotz des Termins haben sie eine lange Wartezeit. Die nutzt
der junge Mann um seinen besten Freund anzurufen der ein kleines zweimotoriges Flugzeug besitzt.

„Hey Daniel, geschafft. Hab den Schein mit Bravour bestanden. Wann kann ich in die Luft?“ „Oooh super, hört man laut und deutlich aus dem Hörer. Übernächstes Wochenende kannst du Lotte haben“.
„Du, Daniel. Ich muss nun Schluss machen. Wir sprechen noch. Ich bin mit Eva bei einer Untersuchung und muss nun wieder zu ihr. Bis die Tage.“
Über den Namen von Daniels Flugzeug muss Jörg immer schmunzeln. Lotte heißt nämlich auch Daniels Schwiegermutter. Es ist aber eine ganz Liebe, deshalb hat der Freund sein Flugzeug auch so getauft.

Gerade noch rechtzeitig ist Jörg wieder im Warteraum angekommen. Eva wird aufgerufen. Nach den Untersuchungen steht fest das Eva einen Gehirntumor hat. Somit lässt sich die Wesensveränderung von Eva erklären. Der Arzt rät zu weiteren stationären Untersuchungen und macht sofort einen Termin. Es soll so schnell wie möglich geklärt werden um was für eine Geschwulst es sich handelt.

Nach einigen Tagen ist das Ergebnis da. Die  Raumforderung im Kopf ist gutartig und kann leicht entfernt werden. Der Tag an dem die OP stattfinden wird steht auch schon fest. Einen Tag nachdem Jörg seinen ersten Alleinflug machen will.

Schon wieder versucht Sybille ihn zu erreichen und schreckt ihn aus seinen Gedanken auf.

„Was ist?“ herrscht Jörg seine Geliebte an. Wie gut das er nicht sehen kann wie ungläubig Sybille das Handy anschaut. „Ich warte schon seit Stunden.Wir sind doch verabredet. Wo bleibst du?“
Sybille ist es nicht gewohnt zu warten, und schon gar nicht das Jörg in dem Ton mit ihr spricht.
„Es ist etwas mit Eva“, entgegnete er nur kurz. „Wir sehen uns dann morgen, wie immer“. Schnell legte er auf bevor Sybille noch etwas sagen konnte und  schaltet das Handy ab. So hatte er seine Ruhe um nachzudenken. Die Annäherung an Eva vor einigen Tagen hatte ihn aus der Bahn geworfen. Zeigte sie ihm ganz deutlich das er seine Frau noch liebte.

Wie soll er nun Sybille beibringen das er Schluss macht. Er will es ihr morgen sofort sagen.

Endlich ist der Morgen da! Jörg hat sehr unruhig geschlafen. Albträume quälten ihn. Er sah Eva allein im Krankenbett sterben, während Sybille ihm eine Szene machte.

Noch bevor er zur Arbeit geht schaut er schnell bei Eva vorbei, sie strahlt  ihn liebevoll an. Die Kranke hatte so früh nicht mit ihrem Mann gerechnet. Jörg ist erleichtert und geht beruhigt ins Büro. In der Mittagspause ist er mit Sybille beim Italiener verabredet. Böses ahnend geht er hin. Und richtig! Als er ihr von seinem Entschluss erzählt kommt es zu der zuvor geträumten Szene.
Wutschaubend rennt die einstige Geliebte aus dem Restaurant. Erleichtert geht Jörg wieder zur Arbeit. 'Wie konnte er nur Eva so hintergehen?' sinniert er am Schreibtisch.
'Wie gut das seine Frau von seine Eskapaden nichts mitbekommen hat. Nun will er ganz für seine Eva da sein, die doch so gar nichts für ihre Veränderung konnte. Heute kann er sein handeln  nicht mehr verstehen.

Endlich ist Wochenende … der große Tag ist da!

Aufgeregter kann Jörg nicht sein. Daniel hat schon angerufen um ihm Bescheid zu geben das Lotte, sein zweimotoriges Flugzeug, schon vollgetankt vor dem Hangar  bereit steht und auf ihn wartet.
Dort angekommen gibt Daniel ihm eine ausführliche Einweisung, doch vieles kennt Jörg schon. Er weiß gar nicht wie oft er schon mit Daniel Himmelsausflüge gemacht hat.

„Einen guten Flug Jörg, und viel Spaß beim Wolken zerschneiden.“ verabschiedet sich Daniel. „Danke mein Freund, bis später.“ ruft Jörg ihm winkend hinterher.

Fast ehrfürchtig klettert er ins Cockpit und checkt das Armaturenbrett und meldet sich abflugbereit  beim Tower. Er bekommt auch sofort grünes Licht zum Start.
Langsam rollt die Maschine an und er hebt lehrbuchmäßig ab. Jörgs Herz macht Freudensprünge. Herrlich ist es die Freiheit und Schwerelosigkeit zu spüren. Die unendliche Weite zu sehen und dem Horizont entgegen zu fliegen.
Ein wenig kreist er über der Stadt und schaut sich die Landschaft an. Beeindruckend wie klein alles ausschaut, und er sich als Herr der Lüfte mächtig vorkommt. Immer größere Kreise zieht er und kommt langsam über die See.

Wie herrlich das Wasser in der Sonne glitzert und wie friedlich es aussieht! Das Meer liegt still unter ihm. Es sind keine Wellen da die Unruhe hineinbringen, wie bei ihm am Himmel, keine Wolken da die das Himmelsblau verdecken. Lustig pfeifend fliegt er immer weiter über das große Wasser. Er steigt ein wenig höher mit der Lotte, und lässt sich wieder abfallen. Jörg wird immer leichtsinniger. 

Da schießt im ein Gedanke durch den Kopf … Looping … .

Gedacht – getan, Jörg holt Anlauf und geht in den Steilpflug. Doch so sehr er sich auch abmüht, er kann nicht genug Gas geben und bleibt einfach hängen. Die Augen weit aufgerissen begreift er das er das Flugzeug nicht mehr kontrollieren kann! Lotte gerät ins trudeln und stürzt ab.

„Eva!“ schreit Jörg in dem Moment als das Flugzeug den Wasserspiegel zerbricht. Niemand hört ihn, und Eva ahnt in ihrem Krankenbett nicht das sie soeben ihren Mann an den Tod verlor.

©margret








Fremder Mann      oder      Eine seltsame Begegnung




Eines Tages sah ich die Fotographie eines Mannes. Eine Aufnahme im Halbprofil, in diffusem Licht aufgenommen. Sehr interessant! Den Kopf leicht zur Seite gebeugt. Die Augen schauten ein wenig traurig in die Kamera. Das Anlitz hatte etwas geheimnisvolles.

Es war ein Schwarz/Weiß Bild.

Die Präsentation schien mir professinell gemacht worden zu sein, und wirkte auf mich schon mystisch.
Doch wer er war, wie sein Name .... keine Ahnung.
Eigentlich schade. Ich hätte gern mehr gewußt. Wie kommt es, ich bin doch nicht so kontaktfreudig. Werde ich in diversen socialen Netzwerken angeschrieben ist das etwas anderes. Ich antworte, und oft kommt ein Gespräch in Gang. Doch von mir aus geschieht das äußerst selten. 





Diesmal hätte ich es getan, ich hätte von mir aus die Initiative ergriffen, hätte ich das Konterfrei in einer Community gesehen. Zu sehr faszinierte mich das Abbild. Warum bloß dieser,  schon fast ins Leere gehende Blick, der eine deutliche Traurigkeit spüren ließ. Mich spüren ließ!  Vielleicht bin ich empfänglicher als andere Menschen für solche Stimmungen. Wahrscheinlich weil ich mich selbst manchmal in der Melancholie verliere.
Was war da los! Die Mimik des Fremden ließ mich spüren das etwas passiert war.
So vergingen Tage. Langsam verblasste der Gedanke um das Foto.
Bis zu dem Tag an dem ich eine E - Mail las. Eine Nachricht von dem Mann dessen Bild mich tagelang beschäftigt hatte.
Er hatte mein Bild irgendwo gesehen und beschreibt das Gleiche das ich in ihm gesehen habe.

Seltsam!!

Ist das Zufall?!

Glaube ich doch nicht an Zufälle!

Bestimmung?!  Vorsehung?! Schicksal gar ?!

Wie kommt es das wir uns über den Weg gelaufen sind??  Für Manches gibt es keine Erklärung!

Auch will man die gar nicht. Wozu immer alles hinterfragen wollen. Einfach hinnehmen und gut ist es.
Es enstand eine Kommunikation die recht seltsam war. Fast auf einer esotherischen Ebene.
Zunächst sagte ich ihm, das ich die gleiche Traurigkeit in seinem Gesicht sah wie er vermeindlich in meinem. Er bestritt dies vehemend. Doch ich ließ nicht locker. Später gab er zu den Tod seines Vaters, der nur wenige Wochen her war, noch nicht verschmerzt zu haben. Das war also die Erklärung für den verlorenen Blick. Wohl weil er seinen Vater vor Augen sah. Den geliebten Menschen den er verlor.

Wie sagte er dann einmal zu mir:
'Menschen mit einem gleichen Seelenschmerz finden sich untereinander'.
Ein Satz der mich zweifelsohne beschäftigte. Denn ich sah ja das Gleiche wie er.
Auch ich verlor doch den geliebtesten Menschen den man nur verlieren kann. Meinen Mann!!
Somit war der Satz für mich sehr nachvollziehbar.

Der weiteren Unterhaltung konnte ich noch eine Weile folgen. Doch dann wurden die Gedanken von seiner Seite aus recht dunkel und mysthisch. Fast verstand ich die Welt nicht mehr.

So muß Gehirnwäsche sein!!

Das war alles was ich noch denken konnte. Was dann kam hätte ich mir in meine künsten Träumen nicht vorstellen können. Ohne jegliche Vorwarnung, ohne jedes Vorwort schickte er mir eine Abhandlung zu die mir Angst machte.

Sehr große Angst sogar!!

Es war ein Aufruf.... Ein Regelwerk sondergleichen. Ein Diktat ....
Zwei , drei Absätze habe ich quergelesen und dann sofort dieses unglaubliche Verfassung , ich würde sagen die einer Sekte, sofort gelöscht.
Daraufhin zurück geschrieben hatte ich nur: 'Ich will das nicht lesen'.
Antwort: 'Das muß Du entscheiden'.

Seitdem habe ich nie wieder etwas von dem Fremden gehört.

Auch das sind die unergründlichen Weiten des WWW, passt man nicht auf sich auf kann einem sonstwas widerfahren, in welcher Art und Weise auch immer.

Nur ein klein wenig Labilität oder geringeres Selbstbewußtsein, ein getrübter Blick für die Wirklichkeit und der Rutsch ins Nirvana kann beginnen.

© margret
















Erlebnisse im Alltag  oder  Die Nachbarin Rosi


Montag, ein ganz normaler Wochenanfang im Hochsommer. Obwohl ich den Start in die neue Woche für gewöhnlich sehr relaxt beginne, habe ich mich entschlossen Hausputz zu machen. Genau heute habe ich Lust darauf. Wie schön es ist wenn alles wieder blinkert und glänzt. Es ist ja nicht so, dass es dreckig bei mir wäre, aber so blöde Arbeiten wie Schränke ausräumen, Türen abwaschen oder das Treppengeländer einer gründlichen Reinigung zu unterziehen macht man dann doch nicht so häufig.



Ach wer ich bin?Mein Name ist Rosi, und ich bin mit Ralf verheiratet. Mein Mann war einmal der Schwarm aller Frauen, die Betonung liegt auf war. Doch irgendwie ist unsere Beziehung ein wenig trist geworden. Ich weiß auch nicht woran es liegt, an mir ganz bestimmt nicht. Ich habe lange schwarze Haare, mit denen man schön spielen kann, feurige dunkle Augen mit irre langen Wimpern und einem vampähnlichen Lidaufschlag. Mein Schmollmund hat glutrote Lippen und wenn ich küsse hat man das Gefühl die Welt geht unter. So sagt Man(n). Jedenfalls weiß mein Ralf meine Vorzüge nicht mehr zu schätzen, ich möchte schon wissen, woran das liegt.
Gut, also heißt es für mich heute Frustabbau beim Hausputz. Zuerst einmal sollte ich meine Putzmittel überprüfen, ob auch alles da ist. Nicht, dass ich mit meinem Eimer Wasser da stehe und erst noch zum Supermarkt laufen muss. Das wäre nicht gut wenn mein Tatendrang Großes zu vollbringen derart gebremst würde. Ich müsste mich wieder umziehen, fürs Einkaufen adrett kleiden, um anschließend noch einmal die Kleidung zu wechseln Mit abschließendem Fazit, das mir die Lust zum Wienern vergangen ist.

Und das bei der Wärme!!

Aber Gott sei Dank habe ich alles im Haus. Laminatreiniger, extra Pflegemittel für das Treppengeländer, Glasreiniger, selbst Meister Proper steht zur Stelle und zwinkert mir mit einem Auge zu. Mit dem anderen schielt er zu meinen langen Beinen, die mit einem knappen Rock ein wenig bedeckt sind. Manche würden sagen, dass der Rock eigentlich ein breiterer Gürtel sei. Es ist schließlich warm, da kann ich nicht wie Frau Flodder in der Kittelschürze herumlaufen. Mit einem Zigarrenstummel im Mund, das könnte ich mir noch überlegen. Allerdings sollte dann das richtige Kraut eingewickelt sein. Das brächte zusätzlichen Spaß, habe ich mir sagen lassen.

Vorsichtshalber habe ich mir eine weißes Shirt mit Spaghettiträgern angezogen, wohlweislich. Bei soviel Körpereinsatz den mir das Putzen abverlangt wird es mir sehr warm werden, dazu noch die Hitze draußen.... der Schweiß wird schnell über die Stirn und sonstwo noch rinnen. Warum ich mir die Putzerei bei dem Wetter antue weiß ich nicht. Doch ich will die Gunst der Stunde gute Laune zu haben nutzen. Meinen Kreislauf wird es garantiert in Schwung bringen. Schließlich geht es hoch und nieder, hin und her. Huch, da kommt mir doch so ein Gedanke in den Kopf.... ein Bauch, Beine, Po Kurs ist es nicht. Oder doch? Oder nicht? Ich verfolge den Geistesblitz mal besser nicht weiter. Kommt nichts Gutes bei raus, oder doch? Oder nicht?

Nun aber mal bei der Sache sein, und alles was ich so benötige hervor kramen. Sonst wird das nichts mehr mit mir und dem Großen, welches ich vollbringen möchte. Kochen kann ich dann aber nicht! Es geht nur eins.... putzen oder kochen. Wenn mein Mann dann nach Hause kommt, werde ich ihm schon irgendwie beibringen, am besten in der Küche lasziv an den Tisch gelehnt, das ich nicht gekocht habe. Irgendwo habe ich doch noch einen Hauch von Nichts, man sagt auch das "Kleine Schwarze". Das werde ich dann tragen, wenn mein Mann nach Hause kommt, der Hunger wird dann schnell verflogen sein, hoffe ich. Dafür aber ist alles keimfrei. Schon wieder so ein Gedanke, der mich ablenkt und mir einen wohligen Schauer durch den Körper wallen läßt. Ich könnte doch mal schauen, wo das Dingen ist, na das Dingen, wenn das Geräusch nicht wäre. Grrrrrhh, deshalb weiß ich auch nicht, wo ich es hingepackt habe.

Also.... nun wird es aber wirklich Zeit mich mit dem Reinigen von Diesem und Jenem abzulenken. Warm ist mir jetzt schon, ohne etwas getan zu haben. Das katholische Ich ruft mich gerade zur Ordnung. Ab und weg mit den seltsamen Gedanken in die hinterste Schublade und ran an den Putzlappen. Gesagt getan, der Eimer steht da. Wasser kommt noch rein und los geht die Putzorgie. Putzorgie bitte schön, und nichts anderes!!! Zuerst einmal fix die Fenster, wenn ich die Außenscheiben reinige, kommt mir auch frische Luft entgegen und bläst mir das Hirn von den sündigen Gedanken wieder frei. Für den nötigen Durchzug sorge ich schon. Es sind bodentiefe Fenster, da können die Nachbarn auch prima reinschauen. Gardinen habe ich nicht davor, nur Seitenschals. Die ziehe ich aber kaum zu. Dem Nachbarn gönne ich schon ein wenig Kino. Mit Sicherheit bekommt er gleich mit, wenn ich bei meiner hoch und nieder, streck und bück Gymnastik bin. Herr Kaminski bekommt alles mit! Er wäre einmal ein prima Zeuge für die Polizei.

Beim Strecken rutscht das Shirt ein wenig hoch und lässt nackte leicht gebräunte Haut von meinem durchtrainierten flachen Bauch hervorblitzen. Beim Bücken zu dem Wassereimer hingegen, olala, da braucht der kleine alte Mann ein Fernglas um beste Sicht auf den wohlgeformten knackigen Po zu haben. Seine Brille wird sicher beschlagen bei dem heißen Atem, den er bestimmt aus sich entweichen lässt. Die Schnappatmung ist garantiert. Seiner Aufregung sei Dank, der Nachbarin beim Putzen zusehen zu können. Und mit viel Glück hat der Enkel des Herrn eher Schulschluss und kann seinen Platz im Nachbarzimmer belegen. Der Knabe ist im besten Teenageralter wo die Wissbegierde um das weibliche Geschlecht am größten ist. Er sitzt somit im Heimkino in der ersten Reihe. Und der Lappen fällt mir dann halt zweimal mehr unbeabsichtigt aus der Hand. Nett wie ich bin. Und richtig, ich wusste es doch!! Als ob ihm jemand Bescheid gesagt hätte, steht Herr Kaminski schon an seinem Aussichtsposten. Beim zweiten Fenster hat er mich bemerkt. Aus den Augenwinkeln sehe ich ihn etwas seitlich an seinem Fenster stehen und mich beobachten. Mir scheint, dass er mit einem Feldstecher bewaffnet ist um hervorragenden Blick auf seine Hauptdarstellerin zu haben. Ich muss schon sehr schmunzeln. Er scheint den ganzen Tag nichts anderes zu tun zu haben, als darauf zu warten das er mich sieht. Ich tu mal so als ob ich nichts merke.

Hach wie lustig, da kommt auch der Jüngling um die Ecke gebogen. Seinen Blick nach oben, zu meinem Glasscheiben, versucht er mit einer linkischen Handbewegung zum Kopf zu kaschieren. Bei dem Anblick muss ich lauthals lachen. Schnell halte ich mir die Hand vor den Mund damit kein Laut zur Straße herunter dringt. Natürlich hat er mich so luftig bekleidet beim Scheiben putzen gesehen, und rennt schon fast ins Haus. Keine fünf Minuten später hat auch er seinen Posten bezogen. Der Film kann starten. Zwei Fenster muss ich noch reinigen. Das sollte für unser aller Amüsement reichen. Mein Gott, ständig muss ich den Lappen im Wassereimer auswaschen, immer dieses Bücken und den Pöppes, der wohl einen Slip trägt, doch diese Bezeichnung nicht verdient ...., bedeckt er doch nur das Nötigste .... extra weit heraus strecken. Und während ich das Sicherungsgeländer reinige, die am Fenster angebracht sind, muss ich mich sehr weit darüber beugen um die Streben zu säubern. Perfekt für den Einblick ins üppige Dekolleté.

Es macht mir schon Spaß die Herren zum schwitzen zu bringen. Da die dort drüben aber nur halbhohe Fenster haben, sehe ich zwangsläufig nur ihre Oberkörper. Schade! Vielleicht hätte ich sonst Reaktion und Aktion sehen können. So, Fenster fertig. Filmriss .... und Ende im Gelände für die männlichen Nachbarn. Fast wie ein Coitus interruptus. Erst einmal eine Tasse Kaffee trinken und über die Gaffer schmunzeln, dabei überlegen wie es nun weiter geht. Ich werde die Schränke ausräumen, und das darin stehende Geschirr säubern. Das erledigt die Spülmaschine für mich, somit kann ich mich von der Körperertüchtigung beim Fensterputzen erholen. Hier in den hinteren Räumen gibt es auch keine Stalker, die es gilt zu unterhalten.

Doch da bimmelt es an der Haustür. Ein Bekannter kommt des Weges und möchte ein Pläuschen halten.

"Hallo Stefan, dich habe ich lange nicht gesehen." Ein wenig verlegen schaut er zur Seite, so als ob dort noch Jemand stehen würde. Er bekommt tatsächlich rote Wangen während er antwortet: "Ja, ich weiß. Doris hat Stress gemacht. Ich musste mich immer beeilen von der Arbeit nach Hause zu kommen. Heute habe ich Zeit, meine Frau ist zum Shoppen weg. Du weißt ja, das dauert." Ich gehe einen Schritt zurück, um die Tür weiter zu öffnen, so dass er hereinkommen kann. Eigentlich habe ich eine stinken Wut auf ihn. Sich einfach nicht mehr zu melden ist keine Art und Weise. Aber er schaut mich doch so treu an, und mein Ärger auf ihn schmilzt dahin. Erstaunt schaut er sich um. "Was machst du denn?"
"Ja, nach was sieht das schon aus?" antworte ich ein wenig schnippisch. "Vor lauter Langeweile mache ich Hausputz!" Stefan schaut mich noch ergebener an und meint: "Vielleicht kann ich dir ein wenig zur Hand gehen." Stirnrunzelnd und ein wenig entgeistert guck ich ihn an: "Was du schon unter zur Hand gehen verstehst, hahahaaa. Die Art zur Hand zu gehen hatten wir schon einmal. Dann kam das lange Schweigen, bis eben, wo du wieder auf der Matte stehst." Und plötzlich sind die lustigsten Bilder vor meinen Augen. Ich muss grinsen.
"Doch Stefan, du kannst mir helfen. Halte bitte die Leiter fest, während ich die Seitenschals abnehme."

Gesagt, getan die Leiter steht am Platz und ich klettere hinauf. Prompt kommt es auf der vorletzten Stufe zu einem Wackler und Stefans Hand landet zum Abstützen auf meinem Po. Ich drehe mich um und schaue ihn dankbar an. Er missdeutet meinen Blick, kommt eine Stufe höher und umfasst mit beiden Händen meine Hüfte. Zuerst will ich abwehren, doch nein, ich will die starken Männerhände noch ein wenig genießen. Hatte ich doch eben die Nachbarn zufriedengestellt, so will ich es nun auch haben. Doch mehr kommt für mich nicht mehr in Frage. Nicht mehr mit Stefan. Erst Vergnügen haben wollen und sich dann nicht mehr melden. Was kann ich dafür, wenn Doris Lunte riecht. "Fertig junger Mann. Nun kannst du mich wieder loslassen."
Da schaut er mich entsetzt an. Wusste ich es doch, er hat mit mehr gerechnet. Dabei sollte der Knaller mich doch kennen. Ich bin hart und erbarmungslos. Ich schaue an ihm runter und mein Blick fällt auf die Stelle, an der die Hose ein wenig ausgebeult ist. Ein inneres Freudenfest beginnt bei mir. Doch vor lauter Schadenfreude achte ich nicht auf meinen sicheren Stand in der Leiter. Doch Stefan, der mittlerweile wieder vor dem Haushaltsgerät steht, fängt mich sicher auf. Rumms liege ich in seinen Armen. Mmmhh, er riecht gut. Nein, Mädchen du hälst deine Sinne beieinander und wirst nicht wieder schwach. Da spüre ich wie eine Hand sich unter meinen Rock verirrt. Ich zucke zusammen und hüpfe schnell aus seinen Armen. "Was ist denn!!" blafft Stefan mich an. "Nun hab dich doch nicht so, sonst hat es dir doch gefallen!"
"Ich will kein Lückenbüßer mehr sein, nur weil Doris ständig Kopfschmerzen hat", schrei ich zurück. Such dir eine Andere!" und halte ihm bei meinen eindeutigen Worten die Wohnungstür weit auf. Er stobt meckernd, ohne mich eines Blickes zu würdigen, an mir vorbei. Ich knall die Tür zu. Zur Beruhigung schütte ich mir ein Glas Sekt ein, und dann noch eins. 'Der Schluck tat richtig gut, nach der Aufregung grad, sinnier ich so vor mich hin. Dann geht es mal wieder an die Arbeit und hoffentlich ohne Störung und Zuschauer. Oh, mein Kreislauf wird ganz schön angeregt, und der kurbelt meine komischen Gedanken wieder auf Anfang.

Da ist es: Kopfkino ......

Und schon wieder wird mir ganz warm ums Herz. 'Wo habe ich nur das Ding', der Gedanke daran keimt wieder in mir auf. Ganz fix zum Treppengeländer reinigen gehen, das wird mich schon ablenken. Die Treppe führt zum Obergeschoss. Das Geländer besteht aus 17 Stäben und dem Handlauf. Die Streben, sind in der Mitte gedrechselt und haben dort eine Kugel, ansonsten laufen sie konisch zu. Sehr schön anzusehen, in der Pflege jedoch aufwendig. Mit dem Handlauf ist es eine einfache Sache, drüber wischen und fertig. Doch die verschnörkelten Stangen wollen mit der zarten kleinen Frauenhand sanft angefasst werden. Die exakte Reinigung wird durch ruhige auf und ab Berührungen, die nicht hektisch werden dürfen, und gleichzeitig eine kreisende Bewegung innehaben, gereinigt. Grübel.... genauso eine Ausführung kenne ich doch irgend woher. Nur zu gut! Huch, da kommen mir so Einfälle. Was für Ideen Frau so beim Putzen hat!! Das Heimkino bei Rosi hat heute Überlänge. Wie soll ich das nur in den Griff, öhmm, mit den Stangen, ich meine diesem Treppengeländer bewältigt bekommen. Ständig diese Bilder im Kopf!! Und dann diese Hitze, drinnen und draußen, die das Blut in Wallungen bringt, und die Unruhe steigen läßt. Mmmhh, blöd Stefan, habe ich vorhin rausgeschmissen. Die Hormone fangen an verrückt zu spielen. Vielleicht, wenn ich meinem Mann heute am Küchentisch lässig stehend erkläre das ich nicht kochen konnte. Meinen berühmten Wimpernschlag benutze, ja vielleicht dann.... Wer weiß! Einen super Mini hab ich ja an, das Shirt könnte ich noch ein wenig zurechtrücken, und dann!

Jetzt aber erst einmal den Rest Arbeit verrichten, damit ich noch ein wenig relaxen kann, bevor Ralf auf der Bildfläche erscheint. Beim Putzen sitzen, wie herrlich das ist. Schön verträumt die gedrechselten Stangen mit der Auf- und Abwärtsbewegung säubern, ein wenig vor sich hin trällernd. So macht putzen Spaß. Bei der Hälfte des Geländers klingelt es erneut. Wer stört denn nun wieder? Vor lauter Schreck komme ich an den Putzeimer und kippe ihn um. Das Wasser schwappt an meine Brust und ich sehe aus wie ein WetGirl. Da ich ein weißes Shirt an habe ist dies nun durchsichtig. Da klingelt es auch schon wieder. 'Man wer hat das denn so eilig?!'
Pudelnass mit bestem Blick auf den BH aus dünner Spitze muss ich die Tür öffnen. Zaghaft mache ich auf und strecke nur den Kopf nach draußen. "Hallo, ich würde gern den Strom ablesen", höre ich eine warme Stimme. "Moment", krächze ich zurück und schaue hastig an mir herunter. Es bleibt mir nichts weiter übrig als den ungebetenen Gast hereinzulassen. Den ungläubigen Gesichtsausdruck des RWE-Mitarbeiters, der den Stromzähler ablesen will, werde ich wohl nie vergessen. Es steht ihm auf der Stirn: 'Dies ist mein Tag!' glaube ich lesen zu können.

In meinem Kopf rattert es gleichermaßen: 'Er ist ja schon ein Schnuckelchen!'

Ich lasse ihn an mir vorbei gehen, ohne die Tür noch weiter für einen bequemen Durchgang zu öffnen. So ist er gezwungen sich sehr dicht an mir vorbei zu schlängeln. Sehr dicht sogar. Ich spüre seinen Atem in meinem Gesicht. Für eine Sekunde nur schließe ich meine Augen und genieße die körperliche Nähe des markanten südländisch aussehenden Mannes. Wow, was für ein Mann, der so verheißungsvoll aussieht.
"Dort ist der Stromzähler" und zeige mit dem Finger an die gegenüberliegende Wand von der Treppe.
"Wenn es ihnen nichts ausmacht wische ich das Wasser schnell von den Stufen", erklär ich ihm.
"Zum Ablesen brauchen Sie mich ja nicht" und wende mich meiner nassen Treppe zu.
"Nein, es wird schon gehen. Sie bekommen ja einen Beleg", hör ich mit einer etwas unsicheren Stimme.

Ich drehe mich nicht um, sondern kümmere mich darum, dass meine schöne aus Buchenholz gefertigte Treppe keine Wasserflecken bekommt. Die nasse Kleidung stört mich nicht. Im Gegenteil, sie sorgt für eine willkommene Abkühlung. Mittlerweile ist es ein ganz schön warmer Sommertag geworden. Dazu kommen noch meine Hormone, die das Blut fast auf Fiebertemperatur ansteigen lassen. Aus der rassigen, schwarzhaarigen Rosi mit den glutroten Lipen, ist ein heißblütiger Vamp geworden. Einzig die Nippel habe ich trotzt der fast glühenden Luft nicht unter Kontrolle. Das sieht schon erregend aus.
Die Tür vom Stromkasten höre ich noch klappern, dann ist Stille. Das kümmert mich zunächst nicht. Doch dann drehe ich mich etwas um, und sehe den männlichen Traum auf zwei Beinen hinter mir stehen. Fasziniert schaut er mir zu wie ich am putzen bin. Kein Wunder!! Der Rock ist hinten etwas hochgerutscht und lässt somit einen großzügigen Blick auf meinen Po zu. Ich richte mich auf und gehe bis auf die zweitunterste Stufe herunter, und stehe so auf gleicher Höhe vor ihm. Seine erwartungsvollen braunen Augen gehen an mir herunter und bleiben an meinem nassen T-Shirt genau an der Stelle an der mein Spitzen-BH durchscheint. Er schaut mich fragend an. Ich schaue mit leicht zuckenden Augen zurück. Unsere Blicke sprechen Bände.

'Jetzt oder nie' schießt es mir durch den Kopf. Und wieder sind diese wollüstigen Bilder vor meinen Augen.
Vorsichtig streckt er seine Hände in meine Richtung aus, und ich komme ihm zaghaft, aber doch bestimmt, entgegen. Nur einen Augenblick des Zögerns noch. Auch er verharrt in der Bewegung und dreht den Kopf ein wenig herum. Ein Geräusch schreckt uns aus der Einstimmigkeit auf.

Mist!!

Ich habe die Zeit vergessen und Ralf steht im Flur. Irritiert schaut er von Einem zum Anderen. Hoffentlich bemerkt er mein leicht erhitztes Gesicht nicht. Puuh, war das knapp!! Schnell verabschiedet sich der Strommann, der tatsächlich unter Strom stand und sicherlich noch zusehen muss, dass der Stromabfluss gewährleistet ist.
Da steht nun mein Ralf, und so wie er dreinschaut, ahnt er dass er im rechten Augenblick gekommen ist. Er sagt aber nichts, schaut mich nur von oben bis unten an. Dann fällt sein Hauptaugenmerk genau auf die Stelle, an der der nette Mitarbeiter der RWE eben auch hängen blieb. Wie ein Raubtier kommt mein Mann langsam und geschmeidig immer näher. Was seit Wochen nicht mehr war, wir haben Körperkontakt!
Ausweichen kann ich nicht, hinter mir die Treppe und vor mir Ralf. Aber ich will das auch gar nicht. Er nimmt mich in den Arm und küsst mich mit einer Leidenschaft wie lange nicht. Langsam lassen wir uns auf die Treppe gleiten und steigern unsere Lust aufeinander solange, dass wir es kaum noch aushalten können. Ich freue mich, ich habe meinen Ralf den Frauenschwarm wieder.

© margret







Margret fährt Bus





Das Telefon bimmelt und schreckt mich aus meinem vor mich hin Dusseln auf.  Lieselotte ruft an, sie hat Sehnsucht nach mir. Unsere letzte Verabredung zum Kaffee trinken liegt auch schon ein Weilchen zurück. Recht hat sie, unbedingt müssen wir uns mal wieder treffen.

Lieselotte ist um einige Jahre älter als ich. Sie ist ein quirliges Persönchen mit einer modisch gekleideten mütterlichen Figur. Die schwarzen glatten Haare mit dem kecken Kurzhaarschnitt sind das  I - Tüpfelchen .  Ihre Augen strahlen und sie hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Sie ist einfach perfekt.
Es macht Spaß mit ihr zusammen zu sein, wir haben uns immer etwas zu erzählen. Wir lachen zusammen und beobachten die Menschen.
Manchmal betreiben wir regelrechte " Feldstudien ".
Soviel zu Lieselotte . Doch ich muß grad lachen. Ich stelle mir vor wie andere Menschen uns sehen . Rein äußerlich sind wir wie Pat und Patachon .Ich seh´ total ander´s aus. Bin schlank, einen Kopf größer und trage immer High Heel´s. Das einzige was wir gemeinsam haben ist die Kurzhaarfrisur und den Humor.
Wir haben uns nicht gesucht, aber irgendwie gefunden.
Die Verabredung steht. Die Frage ist nun, wie komme ich in die Stadt. Mein Auto ist ständig mit meinem Sohn unterwegs. Doch manchmal darf ich auch damit fahren. Will ich das, dann muß ich morgen´s meinen Sohn zur Arbeit bringen und ihn zwangsläufig wieder abholen.Dann kann ich mich für den Nachmittag aber nicht verabreden. Die Zeit ist dann zu kurz. Lieslotte kann aber nicht anders. Also habe ich mich entschieden mit dem Bus in die alte Kreisstadt zu reisen.

Was für ein Gedanke .... Margret will Bus fahren. Wann war das zum letzten Mal??

Oje, das ist schon über 40 Jahre her. Kann ich das wohl noch? Wie ist der Fahrplan? Fragen über Fragen. Doch ich stell mich der Herausforderung.
Nun ist es soweit, fein herausgeputzt, so wie es sich gehört wenn ich in die City fahre, fällt mein Blick auf die Uhr. Meine Augen sehen mit Entsetzten das es kurz vor knapp ist. Wie immer. Margarete hat getrödelt!! Ach herrje, ob ich das rechtzeitig zur Bushaltestelle  schaffe ? Weit ist es ja nicht. Rennen mit HighHeel?! Nun gut, tief Luft holen und zur Haustür raus. Ahh, welch wundervoller Anblick. Meine Tochter fährt in diesem Moment mit dem Auto an meinem Haus vorbei, ich brülle hinter ihr her . Sie hört mich noch so grade und hält an.  Gern nimmt sie mich bis zur Haltestelle mit.
Kaum stehe ich dort, da kommt auch schon der Bus. Puh, das war knapp. 




Die Tür öffnet sich mit diesem altbekannten Gräusch. Was einem so in Erinnerung bleibt, es ist doch schon Jahrzehnte her das ich das letzte Mal in einen Bus gestiegen bin. Ist doch prima ...Langzeitgedächnis funktioniert also. Beim Einsteigen fällt mir auf das ich gar nicht hineinklettern muß. Der Einstieg ist fast ebenerdig , wie schön . Die Fahrerin schaut mich fragend an, ich sie auch. Ach so, Fahrkarte .... " nach Meschede bitte " .
" Fahren Sie auch wieder zurück"? werde ich von der geduldigen Dame gefragt.
" Ja sicher, irgendwann ". antworte ich. Für mich eine komische Frage. Will ich doch wieder nach Hause?! Und schüttel innerlich den Kopf.
" Gut, dann gebe ich Ihnen sofort mit Rückfahrt. 6,20 € bitte ". Ich schaue die immer noch verständnisvolle Fahrerin erstaunt an, bezahle ohne Kommentar, denke mir aber: boah was teuer 12,40 DM ( ich rechne doch immer noch in meine geliebte alte Währung um ).

Während ich bezahle schaue ich mich schon einmal nach einem Sitzplatz um und entscheide mich für den ersten sofort seitlich neben der netten Chauffeurin.
Mit einem kleinen Ruck fährt die Frau auch sofort los. So ganz standfest ist man bei so einer unerwarteten Ruckelei auf High Heel´s nun nicht , und ich plumpse auf den Sitz.  Bequem ist der ja nicht , und ich werde ganz schön hin und her geschaukelt. Also wirklich, ich rutsch ein wenig auf dem Polster hin und her, aber es ändert sich nichts. Unbequem bleibt unbequem.
Eine " Sauerlandrundfahrt " beginnt. Nix da, auf direktem Weg in die Stadt. Nein, nein, immer erst die nächsten Umwege fahren. Macht nicht´s, ich hab ja ausreichend Zeit . Extra hab ich einen Bus früher gewählt, als Lottchen und ich verabredet sind, so bleibt für Shopping noch etwas Zeit, wo ich doch schon einmal in der großen Welt bin. Ist doch praktisch gedacht , finde ich.
Ich bin beeindruckt wie die  Busfahrerin das große Gefährt um die Kurven chauffiert. Sie bewältigt problemlos kleine Biegungen die ich nur ungern mit meinem Auto fahre.
Von dem erhöhten Sitz hat man den Eindruck das die Sträucher und alles was da so rum steht bedrohlich nahe kommen . Aber alles bleibt heile. Imponierend!! Ich könnte das nicht . Schon den Führerschein machen hat bei mir was gedauert.  Ich hab zwei Fahrstunden allein nur mit Auto gerade halten verbracht, weil die eine Hand nicht wußte was die Andere tat. Mein Lehrer war so verzweifelt das er mir das Einhändige fahren beigebracht hat. Die andere Hand mußte ich unter den Po stecken. Fortan klappte es auch, mit dem Auto und mir.

Während meiner Reise kann ich  Dinge beobachten, die man als Autofahrer gar nicht so sieht. Auch mal ganz schön. Aber mein Blick streift erst einmal duch den Bus . Während ich mich so umschaue meldet sich mein kleines Näschen, naja, frische Luft wäre mal nicht schlecht. Mit mir sitzen hier viele Schüler die offensichtlich Sportunterricht gehabt hatten . Wie gut das ich mich eingedieselt hatte. Ich drapiere meinen nach Channellle, nicht 5, sondern Allure, duftenden Schal ein wenig höher und gut ist es.
Und wieder schaue ich mich in dem Gefährt um, und mein Augenmerk fällt auf die vielen Schilder die in dem Bus angebracht sind. In der Summe gleichen sie fast einem Regelwerk.
Indem ich mir die erste Regel durchlesen möchte hält die Busfahrerin an einer Station an, und ich werde erst einmal abgelenkt. Ich schaue einer älteren  Dame beim Einsteigen zu. Das Fahrgeld hat sie schon in der Hand und möchte eine " Viererkarte " haben.
Sie fragt die Frau ob sich der Preis erhöht hätte, welches unsere Chauffeuse verneint und gibt der Dame das Rückgeld. Doch es ist weniger als die Seniorin dem vermeindlichen Fahrpreis nach zu bekommen hätte und sie schaut die Fahrerin erstaunt an. Die wiederum sagt: " Die Karte ist seit dem ersten August teurer geworden ".
Ich grinse in mich hinein und denke: auch ein bischen wirr. Sie macht es aber durch ihr freundliches Wesen wieder wett.

Und weiter geht die Fahrt ....

Ich kann mich nun wieder den vielen Schildern widmen und stelle fest das ich schon einmal gegen eine Regel schon verstoßen habe.
Ich bin nicht nach hinten durchgegangen, sondern hab mich sofort auf den ersten Sitz gesetzt. Nee, ich bin ja drauf geplumpst.
Nun komm ich in´s Grübel;  was bitte sind Gelegenheitsfahrten, so steht es auf einem dieser kleinen lustigen Schildchen. Die Lenkerin  frag ich besser nicht steht doch in einer weiteren Regel:
Während der Fahrt ist mit dem Fahrer nicht zu sprechen. Ich halte mich besser dran, obwohl ich Fragen über Fragen hab. Während ich über diese nachdenke hör ich ein komisches Geräusch. Pling!! Es geht ein leichter Ruck durch den Bus und die nette Frau die mich zur Stadt schuckelt hält an. Es steigen ein paar von den müffelnden Schülern die ja offensichtlich Sportunterricht hatten aus. Aahhh,  nun erklärt sich mir das Geräusch. Es ist das Zeichen für den Fahrer das er an der nächsten Busstation anhalten muß. Das war früher nicht. An jeder Haltstelle wurde ohne Wenn und Aber angehalten.
Da fällt mir plötzlich ein Spruch ein den eine Bekannte früher immer gesagt hatte. Sie wohnte damals in Wallen. Das ist ein kleines Kaff gelegen zwischen zwei Dörfchen. Calle und Berge. Und sie sagte immer:  Einmal Calle Wallen Berge und zurück bitte. Es hörte sich  lustig an weil sie sehr schnell sprach. Dieser Satz entwickelte sich zu einem " Running Gag ".  Ich muß schmunzeln. Jede Menge Erinnerungen  kommen mir grade in den Sinn, nur weil ich Bus fahre. Ich bin stolz auf mich und mein super Langzeitgedächnis.

Während mir meine Erlebnisse von früher so durch den Kopf schießen spricht mich die nette Chauffeuse  auf einmal an. Mmmhh, es steht doch geschrieben: Nicht mit dem Fahrer sprechen.Sie darf also, die Fahrgäste aber nicht . Stirnrunzeln. Ich halte mich dran und antworte nicht. Siehe Regel Nummer zwei.

Und weiter geht die Fahrt, zwar nicht in´s Abenteuerland, aber nach Meschede zu meiner Verabredung mit Lieselotte. Ich freu mich schon sehr und überlege schon einmal welches Stück Kuchen ich haben möchte. Dann dauert es vor dem Kuchenbüffettte nicht so lange mit meiner Entscheidung. Ich bin durchaus in der Lage den Betrieb aufzuhalten, meiner stetigen Unendschlossenheit wegen.
Mein Blick fällt auf ein neues Schild in diesem Regelwald. Es ist verboten zu rauchen. Hervorragend!!! Ich bin eine passionierte Nichtraucherin.
Doch ein weiter Hinweis.  Was ich nicht darf während der Busfahrt ist: Eis schlecken! ! Das ist nicht nett. Überhaupt nicht! Was machen die Kinderchen wenn sie es nicht rechtzeitig geschafft haben ihre Waffeltüte voll  mit dem leckeren Eis weggeputzt zu haben. Das sollte einmal besprochen werden, dieses Verbotsschild.

Bald ist es soweit, wir sind schon am Ortseingang der alten Kreisstadt angelangt. Ich hab noch etwas Zeit mir das letzte Hinweisschild von dem umfassenden " Regelwerk " des Verhaltens im Bus anzuschauen. Hier wird mir erklärt wie ich mich an der Haltestange festhalten muß sollte es keinen Sitzplatz mehr geben. Gut zu wissen : eine Hand mit dem Daumen nach rechts zeigend, und eine Hand mit dem Daumen nach links zeigend.
Nun sind wir fast an der Endstation wo ich aussteigen muß angelangt. Und wieder hält die freundliche Chauffeurin an, ich könnte hier schon aussteigen.Ich weiß aber nun nicht ob ich gegen eine nicht extra ausgewiesene Verhaltensregel in dem Bus verstoße. Ich hab doch eine Fahrkarte bis zum Bahnhof, wo die letzte Bushaltestelle ist, gelöst. Ach, ich fahre halt bis zur Endstation Bahnhof ( ... nicht Hoffnung , ich muß an den Film " Wir Kinder vom Bahnhof Zoo " denken ) mit und lauf das Stück wieder zurück. Da bin ich auf der sicheren Seite. Gesagt getan.

Nur noch ein kleines Stückchen fahren und ich bin mit meiner ersten Busfahrt nach gut 40 Jahren in Meschede angekommen. Hurra!!

© margret





Meine Nacht

 

Es ist schon spät. Mitternacht ist längst vorbei, und immer noch wälze ich mich in meinem Bett hin und her. Warum kann ich nur nicht schlafen? Es ist Vollmond! Ich starre unter die von dem Mond schummerig erleuchtete Decke, und hänge noch ein wenig meinen Gedanken nach. Das Schattenspiel sieht geheimnisvoll aus, sogar ein wenig gespenstisch.
Mit viel Fantasie lassen sich die verschiedensten Figuren erkennen, aber auch schreckliche Schatten! Erinnerungen!! Nun bin ich hellwach und entschließe mich zu einem nächtlichen Spaziergang. Ich spüre es, dies wird die wichtigste Nacht in meinem Leben sein.
Wie gut das ich am morgens nicht früh raus muß. Ich habe endlich meinen wohlverdienten Urlaub.
Als ich aus dem Mehrfamilienhaus auf die Strasse komme schwappt mir die schwüle Luft entgegen. In meiner klimatisierten Wohnung sind immer wunderbare 19°C.
Es ist eine schöne Sommernacht. Immer noch ist emsiger Betrieb auf den Strassen. Es ist einfach zu warm zum schlafen, und die Leute halten sich draußen auf. Ziellos schaue ich mich um.

'Ach, ich könnte Richtung Stadion gehen, da ist nicht soviel Menschenlärm der immer noch in den Biergärten und vor den Lokalen herrscht' und schlender los. Ab und an kommen mir fröhliche Pärchen entgegen, die Arm in Arm bestens gelaunt nach Hause gehen. Ein wenig wehmütig schaue ich ihnen hinterher.
Seit kurzem bin ich wieder Single. Es klappte mit Jürgen und mir einfach nicht, wie so oft mit den Männern. Die Arbeitszeiten waren so unterschiedlich das wir uns kaum gesehen hatten. Dazu noch mein Karrieresprung, wodurch ich noch weniger Zeit hatte. Und wenn ich dann noch an das Erlebnis denke, sollte es mich eigentlich nicht wundern, daß es nicht klappt eine Beziehung einzugehen.
Schnell die aufkeimenden Gedanken daran beiseite schieben.

Leichter Wind kommt auf, und ich atme tief ein und aus, wie, wenn man vor einer großen Herausforderung steht. Ich mache mir Mut!
Das Stadion mit dem angrenzenden Park kommt langsam in Sicht. Wie schön, dort kann ich eine Weile die Ruhe der Nacht, auf einer Bank unter den Laubbäumen genießen. Sicher kommt jetzt, in den späten Nachtstunden kein Hundebesitzer mehr vorbei. Schrecklich diese Kläffer, die mich regelmäßig stramm stehen lassen. Seit mich ein Hund einmal angesprungen und leicht gebissen hat habe ich Angst davor, doch noch größere vor dem Besitzer.

Und wieder schiebt sich eindringlich die schreckliche Erinnerung nach vorn.

Mein Herz fängt an zu pochen. Bumm, bumm ... . Ich sollte wieder nach Hause gehen, doch ich will es schaffen! Da ist eine Bank, dort werde ich ein wenig verweilen. Es nutzt doch nicht immer wieder davon zu laufen. Vor dem Gedanken daran!
Hoffentlich ist es bald vorbei, ich will wieder frei sein!

Die Bank ist erreicht, endlich sitzen. Es ist schön hier im Park, aber auch sehr einsam in der Vollmondnacht ... doch ich bin mutig.
Ein Geräusch läßt mich aufmerksam werden. Ich schaue in die Richtung und halte den Atem an. Mein Herz klopft wie wild, sodass es im Hals schon schmerzt. Ich schaue genauer hin, und muß den Kopf schütteln. Ein großes Aufatmen und eine riesige Erleichterung gehen durch meinen Körper. Fast sacke ich ein wenig hilflos ineinander, doch ich gebe nicht auf. Niemals! Zu schlimm sind die letzten Monate gewesen.
Die Stille und Einsamkeit der Nacht nutzt ein Pärchen für ein Rendezvous. Der Mond und ich schauen unbemerkt zu.

Ein wenig neidisch bin ich schon. Könnte ich nicht auch einmal so nächtliches Tete - a´-Tete haben? Irgendwann wird es klappen, ganz sicher.
Doch erst einmal will ich mich nur meinem Beruf als Fremdsprachenkorrespondentin widmen. Er lenkt mich ab, von dem Geheimnis das ich vor allen verberge.
Ich bin doch die starke, taffe Frau! So denken alle, doch weit gefehlt. Niemand sieht mir mein Leid an, welches ich schon lange Zeit mit mir herumschleppe.
Trotz der warmen Sommernacht beginne ich nun zu frösteln. Es ist die Vergangenheit die, die Kälte in mir aufsteigen läßt. Gut, ich werde besser nach Hause gehen. Es fängt auch langsam an zu dämmern, und es wird nun wirklich Zeit für mich ins Bett zu kommen.

Der Heimweg führt mich nun quer durch den Park, vorbei an dem immer noch schmusenden Paar, und mitten durch das kleine dunkle Wäldchen. Nun ängstige ich mich doch, und mein Schritt wird ein wenig schneller. Wäre ich doch den anderen, etwas längeren und erleuchteten Weg gegangen. Noch nicht einmal der Mond schafft es sein Licht durch die Baumkronen zu schicken.
Wieder fängt mein Herz mit seinem Trommelwirbel an ... bumm, bumm, bumm ... immer heftiger und heftiger. Angst ... !
Ich fange an zu laufen, endlich bin ich wieder auf den belebten Strassen wo der morgendliche Berufsverkehr beginnt.

Aufatmen!!

Ich sehe das Mietshaus in dem ich wohne auch schon. Erleichterung ..., gleich bin ich daheim.
Mit einem leichten Zittern schließe ich die Haustür auf, renne die Treppe hoch und schnell in meine Wohnung. Mit einem leichten Knall fliegt die Tür hinter mir zu. Ein wenig erschöpft lehne ich mich für einen kurzen Moment an meine Wohnungstür, und gehe dann in meine Küche um mir einen Tee zu kochen.
Wie mit meinem Therapeuten verabredet schreibe ich meine "Mutprobe" auf, lasse meinen Spaziergang durch die Nacht Revue passieren. Ein großer Schritt für mich in meine Zukunft, um endlich wieder Beziehungen eingehen zu können.

Es ist ein Befreiungsschlag für mich. Ich bin stolz auf mich das ich es schaffte; es schaffte mich allein in die Nacht herauszutrauen, um endlich anzufangen meine Vergewaltigung zu verarbeiten.

Mein Geheimnis, welches ich nie jemandem erzählen werde. Nun werde ich sicher besser schlafen können.

© margret





















Ein kleiner Engel  




Ludwig, der kleine vierjährige Bub, will mit seiner Mami zu dem Spielplatz gehen. Mit seinen herrlich blonden Locken und den roten Pausbäckchen sieht er wie eine Putte aus. Man möchte ihn immerzu knuddeln.
Es ist ein schöner sommerlicher Tag. Voll Vergnügen hüpft er in seiner kurzen roten Lederhose neben Elisabeth her. Durch das herumtoben des kleinen Schlingel ist sie ein wenig abgewetzt, so wie Lederhosen aussehen müssen.

Wie niedlich die kleinen Haferlschuhe aus dem brauen Glattleder mit der roten Biese aussehen. Die selbstgestrickten beigen Strümpfe mit der blauen Borte sind ein wenig herunter gerutscht. Das kleinkarierte grüne Hemd mit den aufgekrempelten Ärmeln ist noch ein wenig zu groß, doch das stört nicht. So springt er lebhaft vor seiner Mutter über das alte Kopfsteinpflaster.
"Ludwig, komm von der Bordsteinkante weg" ermahnt die Mutti ihn liebevoll.
Der Junge schaut sie ein wenig mürrisch an, folgt ihren Worten nur zögerlich. Besser ist es der Mama zu gehorchen, bevor sie zu schimpfen beginnt. Doch schnell vergißt er die Ermahnung und hüpft fröhlich wieder vor ihr her.

Ludwig hat seinen Lieblingsball in den kleinen Ärmchen. Wie lustig bunt der große Spielball ist. Prall aufgepumpt springt er prima auf und ab. Hier auf dem Fussgängerweg hat die Mama das Spielen untersagt. Das gefällt dem kleinen Ludwig gar nicht.
Ist es doch bis zu dem Spielplatz noch weit. Wie gerne würde er dem Springball hinterherhüpfen.
Doch es ist an der Strasse viel zu gefährlich. Der Lausbub weiß das noch nicht. Zu klein ist er noch um die Gefahr einschätzen zu können. Um sich die Zeit ein wenig zu vertreiben fängt er an zu singen. Es hört sich mit seinen kleinen Sprachfehlern lustig an. Manchmal kann Elisabeth den Junge nicht verstehen, dann lacht sie weil es sich so drollig anhört.
Ludwig macht das nichts aus, er fängt dann einfach wieder von vorne an. Er singt gerade sein Lieblingslied: 'Alle meine Entchen'. Er ist mit seinen Gedanken bei dem Lied, damit er es richtig hintereinander bekommt.
Er achtet nicht auf den Ball der aus seinen Armen gleitet.
Schreck!!!
Er rollt auf die Strasse ... Reifen quitschen ... . Dann ist für einen Moment Stille ...
Ein gellender Schrei , der sich überschlägt zerschneidet die beklemmende Stille. Elisabeth rennt auf die Strasse zu ihrem Kind.

Ludwig ist angefahren worden!

Er wollte doch nur den Ball wieder einfangen und hat das Auto nicht kommen sehen. Die Mama hat doch noch gerufen. Der Junge hat sie nicht gehört. Er hatte nur noch Augen für den bunten Ball der auf die Fahrbahn hockelt.
Nun liegt er da, der kleine Kopf blutet sehr. Die Rufe der Mutter hört er nicht. Die kleinen Lider sind geschlossen, und die einst roten Backen sind ganz bleich.
Elisabeth bettet den kleinen Kinderkopf in ihren Schoß. Verstört steht der Unglücksfahrer daneben. Er stammelt immer wieder:
"Ich konnte nicht mehr bremsen, ich konnte nicht mehr bremsen ... ".
Doch das hört Ludwig´s Mutti nicht. Sie hat nur Augen für den Jungen, streichelt ihm vorsichtig über die Haare und bittet ihn die Augen aufzuschlagen.
Mittlerweile hat sich einen Menschenmenge um die Drei angesammelt. Hilflos stehen sie nur herum. Doch einer der gaffenden Leute hat die Polizei verständigt. Von weitem hört man das Martinshorn von dem Krankenwagen heulen. Der Notarztwagen kommt schon angerast.
Der Arzt springt aus dem Auto und ein Rettungssanitäter bringt den Erste Hilfe Koffer hinterher.
Mittlerweile ist der Krankenwagen auch angekommen. Die Sanitäter eilen mit der Bahre herbei.

Der Arzt ist dabei das Herz des kleinen Kindes abzuhorchen. Er kann es nicht mehr hören.

Ludwigs Herz schlägt nicht mehr!

Der Notarzt ruft den Sani´s zu das er den Defibrillator braucht. Er zerreißt das Hemd. Höchste Eile ist geboten. Er versetzt dem kleinen Kinderherzen einen Stromstoß, und noch einen, und noch einen. Doch umsonst .
Ludwig ist gestorben.
Elisabeth hockt reglos und stumm daneben, sie will das Kind nicht loslassen. Die Mutter möchte ihr Kind beschützen. Der Knabe spürt es nicht mehr.
Eine Frau kommt zu ihr, nimmt sie in den Arm und führt sie zu dem Krankenwagen. Doch die verzweifelte Elisabeth reißt sich los und rennt wieder zu ihrem Kind. Der Arzt hat den Körper des Kindes mit einer Decke eingehüllt. Kein Blick der gaffenden Menschen soll die Ruhe des Kindes stören.
Die vor einer kurzen Weile eingetroffene Polizei schickt die Menschenmenge weg. Einzig der Fahrer des Unfallauto´s, der Arzt und die Mitarbeiter müssen bleiben. Sie kümmern sich um die völlig apatische Mutter des toten Kindes die nun wimmernd im Krankenwagen liegt.
"Was ist mit meinem Kind. Was ist mit Ludwig" fragt sie fortwährend. Doch noch bekommt sie keine Antwort. Die Rettungssanitäter schauen die wie espenlaub zitternde, völlig aufgebrachte Elisabeth nur betreten an. Langsam bekommt die junge Mutter eine Ahnung. Ein herbeigeeilter Seelsorger bringt ihr die traurige Nachricht schonend bei.

Plötzlich ist die trauernde Mama ganz ruhig und fragt den Pfarrer was nun mit der Seele des Kleinen geschehen wird. Sie sprechen über den Neuanfang an dem Ludwig nun steht. Der Beginn eines anderen Leben. Vielleicht der eines Engels, oder gar eines kleinen Schutzengels, der seine Hände über Frau hält die ihn einst als kleinen Jungen gebar. Die ihn hütete und pflegte wie ihren Augapfel, bis zu jenem kurzen Moment ... vorhin als die Reifen quitschten.

Doch die Bestimmung die Ludwig hatte konnte sie nicht abwenden. Er sollte nur vier Jahre alt werden.

Inzwischen ist der Bestatter gekommen, mit einem kleinen weißen Sarg in den der Knabe vorsichtig gebettet wird, gar so als ob er noch Schmerzen empfinden könnte. Sanft wird er in die Kissen gelegt und fortgebracht.
Elisabeth kommt zur Vorsicht, wegen ihres Schocks, über Nacht ins Krankenhaus. Sie weigert sich nicht, sie läßt alles willenlos mit sich geschehen.
Damit sie schlafen kann bekommt sie ein starkes Beruhigungsmittel. Dankbar schaut sie den Arzt an der sie versorgt. Auch er hat großes Mitleid mit der armen Frau die nun ganz allein mit ihrem Kummer ist. Es gibt keinen Mann an ihrer Seite der mit ihr trauert, der ihre Tränen trocknet. Ludwigs Vater hatte sie noch während ihrer Schwangerschaft verlassen und sich nie wieder gemeldet. Tapfer hatte sie den Buben allein großgezogen. Er war ihr ein und alles. Ein fröhliches Kind, immer am lachen und toben. Nun ist es still.

Die Spritze die der Arzt ihr gegeben hatte beginnt zu wirken und die Trauernde schläft ein. Trotzdem wirft sie sich unruhig hin und her. Im Schlaf laufen ihr die bitteren Tränen über das Gesicht.
"Mami ... Mami" es ist fast nur das Hauchen einer Kinderstimme. Und noch einmal "Mamilein" es scheint als ob Elisabeth es hörte. Sie wird ruhiger.
"Mama es ist so schön, komm doch auch. Es hat mir nichts weh getan als ich gefallen bin. Nur als das Auto an meinen Kopf gekommen ist, da hat es gerummst und dann bin ich auf die Strasse geflogen. Und dann hast du geschrien, aber da war ich schon hier. Dann kam der Doktor mit dem Dingen. Warum weiß ich nicht. Hier sind viele Kinder und Große, die haben gesagt das wir alle Engel sind. So wie du mir immer von dem Himmel erzählt hast. Vielleicht kommst du auch bald. Ich warte solange. Bring mir aber meinen Ball mit. Tschüß Mami".



Als Elisabeth am Morgen erwacht hat sie ein friedliches, fast verklärtes Gesicht. Sie sagt nichts von der Begebenheit die sie im Schlaf hatte. Als sie dem Arzt versicherte das alles in Ordnung ist kann sie auch nach Hause gehen.
Nachdem sie sich ein wenig in ihrem trostlosen Heim ausgeruht hatte geht sie zu der Stelle wo ihr kleiner Ludwig gestorben ist. Dort im Rinnstein liegt der schöne bunte Ball, sie hebt ihn auf und trägt das Spielzeug nach Hause.
Für den Nachmittag hatte sich der Priester für ein Gespräch bei ihr angemeldet. Mir ihm spricht sie über das Geschehen in der Nacht. Elisabeth weiß nun das es ihrem Kind gut geht, sie hat ihren Frieden. Sie weiß das es Engel wirklich gibt.

© margret




Brief an das Brautpaar   



„Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ … so heißt es einem sehr
bekannten Lied.

Eine neue Liebe IST ein neues Leben, so habt ihr es, Laura und Nina erfahren. Wie ihr beide wisst gilt es sie zu pflegen und zu hüten wie den sprichwörtlichen Augapfel. Ebenso werdet ihr euch gegenseitig versprechen: Für immer! Auch werdet ihr wissen was diese beiden Worte bedeuten … Unendlichkeit …, und manchmal über den Tod hinaus.

Ich freue mich für euch das ihr euer Glück gefunden habt, und denke sehr oft an einen Spruch den ich einmal gelesen habe:

"Die Zeit ist ein Schlüsselloch... Manchmal bücken wir uns, um hindurchzusehen. Und der Wind, den wir dabei im Gesicht spüren - der Wind, der durchs Schlüsselloch bläst -, ist der Atem des gesamten lebenden Universums."
 Stephen King

Es hat seine Zeit gebraucht um euch zu finden, Vertrauen zueinander zu haben und um zu lieben, sich sicher zu sein das ihr zusammen bleiben wollt. FÜR IMMER!

Wie sagte einmal J. Osiak: „Vertrauen entsteht dort wo man bereit ist sich selbst aufzugeben.“

Doch muss man sich selbst aufgeben um vertrauen zu können, und was bedeutet Selbstaufgabe?!

Vertrauen zu haben, vielleicht sogar grenzenloses Vertrauen ist etwas wunderbares und einzigartiges. Es bedeutet sich auf Jemanden verlassen zu können …, ohne wenn und aber.
Dazu gehört es sich ein wenig selbst aufzugeben, die Verantwortung die man für sich selber hat vertrauensvoll in die Hände eines Anderen zu geben. Dem Menschen der das Vertrauen das ich in ihn setze pflegt und schützt …, ohne wenn und aber.

Das bedeutet sein GLÜCK gefunden zu haben.

Ich wünsche euch das ihr es niemals verliert …, euer Glück. Selbst dieses Wort allein, wenn man es sich anschaut, es sieht doch schön aus, vielversprechend und verheißungsvoll.

„Das Einzigartige und Kostbare in uns zu entfalten, so wie die Blume ihre Blüte entfaltet, unsere Träume aufblühen zu lassen, mit all ihren köstlichen Düften und all ihren leuchtenden Farben, das ist GLÜCK.“ ( der Verfasser dieser Zeilen ist leider unbekannt )

Ja, das ist Glück. Für jeden bedeutet es etwas anderes ..., und jeder möchte es haben. Doch leider weiß man oft erst was Glück ist wenn man es verloren hat. Ich wünsche euch beiden von ganzem Herzen das ihr euer Glück niemals verliert. Haltet es mit beiden Händen fest, und kämpft darum sollte eure Liebe einmal Karussell fahren.

In tiefer Verbundenheit eure Tante

©margret






Margret geht putzen 


Es ist Freitag, und ich schaue nicht ... 'Und ewig grüßt das Murmeltier' ..., sondern gehe wie immer zu meiner Tochter rüber ins Haus zum putzen. Das Kind ( es ist und bleibt 'das Kind' ) ist trotz Firma noch halbtags als Arzthelferin berufstätig. Und wie alle modernen Mama´s ist sie der weltbeste Terminplaner ihrer Kinder und ein noch besserer Chauffeur dieser Beiden. Außerdem muß Fräuleinchen ja in diversen Grüppchen, Vereinen, und was sonst noch alles sein, in die sie sich gewissenhaft einbringen kann. Nun gut, ich gebe ja zu, es kommt ihrer Maler und Lackíerfirma zugute. Es ist also eine moderne Form der Kundenaquiese.

Das habe ich begriffen und unterstützte meine Kinder wo ich nur kann. Entweder mit Babysitting, aber das Wort sollte ich mir mal abgewöhnen, es sind ja keine Babys mehr. Mittlerweile sind sie in ihrer Erfolgsleiter aufgestiegen, und sind nun Kinder. Also heißt es ab nun : Kinder hüten. Ansonsten wie ihr ja wißt erledige ich Botendienste für die Firma und vieles mehr. Das fällt mir jetzt nicht so ein, was ich sonst noch alles mache. Ich werde doch alt und vergesslich, daß wißt ihr doch auch schon.

Da frage ich mich gerade ... was wißt ihr eigentlich noch nicht?!

Ach, irgendein Geheimnis habe ich bestimmt noch, es sei denn mein Tagebuch plaudert mal wieder etwas aus.

Also gehe ich heute morgen mal wieder mit meinen Utensilien rüber. Außer dem Putzeimer nehme ich lieber meine Läppchen und den Schrubber mit, da weiß ich wie sie putzen. Was soll ich denn mit so einem unhandlichen Bodenwischer, wo ich den Wischiwaschi nie eingeklemmt krieg. Das ist doch ein zeitraubendes Theater mit diesen Mops. Da bin ich mit meinem Aufnehmer zehnmal schneller. Aber ich bin dennoch so modern und benutze MikrofaserLappen. Eine wunderbare Erfindung. Doch bei dem Putzmittel bin ich wieder stur, da benutze ich das gute Alte. Ich muß diesen teuren Quatsch nicht haben. Meine Wunderwaffe heißt Schmierseife. Klappt seit Jahrzehnten bestens.

Auch die Blumenpflege habe ich übernommen. Wie sagte einmal meine Tochter zu mir: 'Komisch Mama, bei mir wollen keine Blumen wohnen, die gehen immer ein.' Gut, gieße ich auch noch die Pflanzen. Dabei hat sie nur drei Orchiedeen und einen Ficus Benjamini. Wo bitte ist die Schwierigkeit?

Ficus gießen ...

Erste Orchidee in´s Tauchbad, in der Zwischezeit staubwischen.

Zweite Orchidee in´s Tauchbad, staubsaugen.

Dritte Orchidee in´s Tauchbad, wischen.

Das staubwischen allerdings ist eine Herausforderung ... was ein Krempel überall. Überstehe ich wie immer tadellos, allerdings mit vor mich hinschimpfen.

Und da geht das Telefon. Ich melde mich auch schön, so wie es mir beigebracht wurde und schreibe alles sorgsam auf.

Nun das staubsaugen. Damit ich die Klingel auch höre, habe ich den Staubsauger immer auf der Flüstereinstellung. Und trotzdem ist es für den Geier, der hier auch noch wohnt zu laut. Das verstehe ich gar nicht, wo doch hier Kinder wohnen. Komme ich an dem Käfig vorbei, flattert er wie bekloppt und alles ist voller Federn. Als ob ich nichts anderes zutun hätte als hinter ihm her zu saugen. Mistvieh! Er heißt Bubi und ist ein Wellensittich. Ein Erbstück von der verstorbenen Schwiegermutter meiner Tochter. Ja gut, ich sehe es ihm nach, schließlich hat er ein Trauma.

Und wieder das Telefon, dem Flüsterton sei Dank gehört ... schnell ran, verwählt.

Wenn das so weiter geht, bin ich erst fertig wenn Frau Habkeinbockzuputzen zu Hause ist. Gut, fairerweise muß ich dazu sagen das sie mir eine Kleinigkeit dafür bezahlt. Willen wollte ich das nicht, aber es beruhigt ihr Gewissen. Auch gut, ich mache ja alles für die Kinder, warum nicht auch das Gewissen beruhigen.

Grade will ich mir das Wischwasser machen, schon wieder Telefon. Verstehe ich nicht, es gibt doch eine Rufumleitung. So langsam komme ich mir vor wie eine Sekretärin. Freundlich wie ich bin sage ich wieder meinen Text auf. Ein Mann ist dran und stottert vor sich hin. Offensichtlich irritiert um die Frauenstimme. Geduldig wie ich bin warte ich ab bis ein zusammenhängender Satz kommt, und schreibe geflissentlich sein Begehr auf. Kaum das ich aufgelegt habe kommt mein Schwiegersohn kurz rein, und erklärt mir das ich soeben mit einem pansionierten Pfarrer gesprochen hatte.

Nun hier unten fix wischen, und dann ab nach oben. Da ist unter anderem das blöde Bad. Das zu reinigen ist immer eine Prüfung sondergleichen. Das hebe ich mir immer bis zuletzt auf, und fordert meinen Wortschatz an unflätigen Beschimpfungen für Dusche und Badewanne aufs Höchste heraus.

Jedesmal das Selbe ... ich stehe in der Dusche, wischel verträumt die Wandfließen komme ich an den Griff ... Brause geht an ... Margret´s Füße ein nass. Aber ich habe ein wenig gelernt, noch nicht alles, aber ich habe schon einmal nur Gummischläppchen ohne Socken an. Und da ich die Brause immer in diesem noch blöderen Körbchen für die Körperpflegemittel ablege, werden auch nur die Füße nass, und nicht die ganze Margaret. Haha ...

Nur wenn ich die Handbrause wieder in das Gestänge hänge muß ich sie vorher gut auströpfeln lassen, sonst sind die Scheiben der Duschabtrennung wieder voll gesprickelt. Da denke ich auch nicht immer dran, und da kommen dann meine Worterfindungen die ich dann vor mich hinsage wieder. Aber heute klappt es tadellos.

Dafür geht schon wieder das Telefon. Wie schön das im Obergeschoß auch eins ist. Früher mußte ich immer runter flitzen. Das stellt euch mal vor was das für ein Zirkus war. Da stehste in der Dusche, Schlappen nass, eierst zur Treppe, Schlappen aus, ich will ja nicht auf die Schnute fliegen, Treppe runter ... Telefon bimmelt nicht mehr. Allerdings muß ich mir nun alles merken, bis ich wieder unten bin um es aufzuschreiben. Und das in meinem Alter ... merken ... ich!!

Bewaffnet mit meinem grünen Lappen und argwöhnischem Blick geht es nun der Badewanne an den Kragen. Mal schauen was mir heute für ein Wort für dieses Körperreinigungsaccessoire einfällt. Enweder ist die Wanne zu tief und zu breit, oder ich einfach zu klein. Fakt ist, ich muß zum putzen immer da rein klettern. Und stellt euch den Moment mal vor, wenn dann das Telefon klingelt, oder jemand an der Haustür ist. Nun erklärt sich euch die grüne Farbe meines Putzlappens. Nämlich die Reinigung unbeschadet zu überstehen und ich gefeit vor Störungen bin. Grün ist doch die Farbe der Hoffnung. Zu allem Überfluß steht die auch noch unter der Dachschrägen, es hat dann auch schon mal an meinem Köpfchen gerumpelt.

Doch heute geht alles gut, keine Störungen mehr, mein Gemecker hält sich auch in Grenzen. Die Waschbecken sind fertig, schnell wischen, und ab nach Hause.

The same procedure as every friday .... 
 

© margret 
 












Der verlorene Zauber




Mit einem lustigen Lied auf den Lippen, und einem leisen Rauschen zwischen den kleinen hauchdünnen Flügeln flattert Lyra zwischen den Wolken hin und her. Sie hat Langeweile und ist auf der Suche nach ihrer Freundin.
Symphonie ist aber noch mit ihrer Arbeit, dem Wünsche erfüllen auf der Erde bei den Menschen beschäftigt. Sie hat viel zu tun, bekannterweise hat ja jeder drei Wünsche frei.
Lyra hingegen muss Träume verteilen, doch sie hat keine Lust. Wozu soll sie auch jede Nacht zur Erde tingeln um die blöden Menschen träumen zu lassen.
Viel lieber will sie mit Sym, so nennt sie ihre Freundin Streiche aushecken. Es macht einen Heidenspaß die anderen Feen oder Himmelsbewohner zu ärgern. Ab und zu werden sie von dem Sandmann erwischt und bekommen eine Strafarbeit aufgebrummt.
Einmal mussten sie den Regenbogen putzen! Das war vielleicht eine tagelange Plage den zu wienern, damit er wieder in den herrlichsten Farben schillern konnte. Denn nur so kann er sich den Menschen am Himmel in aller Pracht zeigen.

Mittlerweile ist Lyra bei Wolke7, die ganz toll in rose´gefärbt ist angekommen. Hier hofft sie auf Uriel zu treffen. Der hat eine sehr wichtige Aufgabe, nämlich die Liebe zu verteilen, und sein bester Freund Orbi ist für die Hoffnung zuständig. Beide Wolkenhüpfer sind sehr unbeständig mit ihrer Arbeit und werden von den Feen oft zur Ordnung gerufen. Die Menschen bekommen das oft genug zu spüren. 



Diese vier Freunde sind Geschöpfe die die Menschen nie zu Gesicht bekommen, obwohl sie ihre geheimen Wünschen,Träume und Gefühle an sie weitergeben. 

Lyra entschließt sich erst einmal so laut sie kann zu rufen. In dieser rose´Wolke kann sie Uriel nirgends entdecken. Aber er muss da sein, Uriel und Orbi können ja nur hüpfen, und die nächste Wolke ist noch zu weit weg, dazu auch noch sehr grau. Da geht sowieso keiner hin. Wer will schon auf einer Regenwolke hocken.

„Hallo, halloho! Wo seit ihr denn?“ ruft Fee Lyra mit ihrem zarten Stimmchen, das dennoch in jeder Ecke der Wolke gehört wird. Feenstimmen verursachen nämlich von ganz alleine ein Echo.

„Echo, Echo!“ neckt der Urielhüpfer zurück und freut sich diebisch das man ihn nicht sehen kann.
„Komm sofort aus deinem Versteck, ich werde gleich ärgerlich!“wettert Lyra ihm entgegen und schaut sich dabei verzweifelt um. 'Wo ist der Blödmann nur?' schimpft sie vor sich hin.

Kaum ausgedacht hört Fee Lyra ein dumpfes Geräusch hinter sich und dreht sich erschrocken um. Uriel und Orbi, die beiden unzertrennlichen Wolkenhüpfakrobaten, sind gleichzeitig aus der 2. Etage des unendlich großen Himmelszelt hinunter gehüpft und rummsend hinter der Fee gelandet. Uriel hat sich nämlich gedacht das es besser sei Orbi zur Unterstützung gleich mitzubringen. Dann gibt es nicht ganz soviel Schimpfe weil er die gute Fee geneckt hat.
Vorwurfsvoll schaut Lyra die Jungs aus ihren leuchtende Sternenaugen an, doch schnell ist der kleine Ärger vergessen. Die lustig aussehenden Sommersprossen in den kleinen spitzbübisch grinsenden Gesichtern scheinen um die Wette zu hüpfen. So kann Lyra nicht anders, als mit den beiden Kollegen in einen Lachkanon einzustimmen. Das Gejuche ist so laut das Symphonie es bis zur übernächsten Wolke hört und angeflattert kommt, kaum das sie dem letzten Wunsch für diese Nacht erfüllt hat.

„Hallo ihr drei!“ kräht sie vergnügt. „Was ist denn mit euch los?“ Sym ist ein wenig verstimmt weil sie nicht mitbekommen hat warum die anderen so lachen. „Du musst doch nicht immer alles wissen“. zieht Lyra ihre beste Freundin auf. Die schaut mittlerweile immer bedrohlicher aus der Wäsche, und der Feenstaub verdunkelt ihr Gesicht immer mehr. Es wurmt sie das Lyra nichts sagt, wo sie doch so neugierig ist. Uriel und Orbi stubsen sich schon gegenseitig an. Auch sie wissen um die Gefährlichkeit von Sym´s Feenstaub. Man muss nämlich aufpassen das kein Staubkörnchen durch ihre Augen in die Seelen der Feen gelangt. Dann ist all ihr Zauber zunichte und sie können ihre Arbeit bei den erst einmal Menschen nicht mehr verrichten. Der Sandmann wird dann sehr böse und sie bekommen für eine Weile Hausarrest in einer dunklen Regenwolke  von ihm aufgebrummt.
So hat jede Fee eine Eigenart auf die man achten muss wenn sie sich gegenseitig ärgern.

Lyra erkennt bei ihrer Freundin den ernst der Lage und flitzt schnell zu ihr um ihr einen Feenschmatzer der nach Erdbeersorbet schmeckt auf die Wange zu geben. Gerade noch rechtzeitig!  Die kleine Staubwolke löste sich nämlich schon aus den blonden Schillerlocken. Das ist auch so eine Eigenart, alle Feenmädchen und Feenjungs sind blond. Nur das die Jungen kurze Locken haben und die Mädel lange Schillerlocken, die mit  einem kleinen Ringen, die der Saturn vor vielen Jahren verloren hat, aus den kleinen fast weißen Gesichtern zurück gehalten werden.

Der Sandmann hatte sie auf der Wolkenstrasse gefunden und konnte sie nicht zurückbringen. Er hatte doch soviel mit dem Schlaf verteilen auf der Erde zu tun, sodass er den Weihnachtsmann den er nur einmal im Jahr trifft verpasst hatte. Der sollte nämlich die Ringe dem Saturnstern auf seinem fliegenden Rentierschlitten zurückbringen. Das Jahr darauf war es zu spät, denn in der Zwischenzeit hatte der Saturn seine Ringe neu angeordnet und brauchte die verlorenen nicht mehr.
So kam es das der Sandmann die Saturnringe den Feen  für die lustigen Schillerlocken gegeben hatte.

„Was wollen wir denn nun machen? Bald ist schon wieder Nacht und wir müssen arbeiten!“ quaken Uriel und Orbi die Feenmädchen gelangweilt an. Lyra und Symphonie waren so vertieft in ihre Mädchengespräche das sie die Jungs total vergessen hatten. Erschrocken schauen sie die beiden an.
„Ach herrjee, ist es denn schon wieder so spät?“ fragt Sym und schaut Lyra erstaunt an. Lyra guckt  schnell zur Sonne. „Wir haben noch zwei Stunden Zeit, das reicht uns doch.“ beruhigt sie die zwei Wolkenhüpfer. „Wir könnten dem Mann im Mond einen Streich spielen. Was haltet ihr davon wenn wir ihm die Sichel verstecken, dann kann er nicht mehr abnehmen und bleibt so kugelrund wie er ist.“ schlägt Uriel aufgeregt vor. „Jau, dass machen wir!“ freut sich Orbi und hüpft wie Rumpelstielzchen von einem Bein auf das andere. Auch die Feenmädchen sind Feuer und Flamme.

„Mmmhh, und wie kommen wir zu dem Mond? Die Wolken sind heute so weit auseinander.“ richtet sich Sym fragend an die Wolkenhüpfer. 
Auch Lyra zweifelt, denn soweit können sie nicht fliegen. „Ach, das ist doch ganz einfach. Wir müssen doch nur einen Windstoß abwarten der uns nah heran bringt.“ vertreibt Orbi die Bedenken der kleinen Fee. An den Kollegen Wind hatte sie gar nicht gedacht, denn er ist nicht unbedingt der Freund der Feenmädchen. Ab und an rüttelt er sie bei ihren kurzen Spazierflügen durcheinander. Einmal war es so schlimm das es Symphonie so übel mitgespielt wurde das sie für den Rest der Nacht krank war und nicht arbeiten konnte. So kam es das einige Menschen keine Wünsche mehr hatten.

Uriel schreit:“Aufgepasst, der Wind kommt dahinten bei der grauen Wolke um die Ecke. Gleich geht es los.“ Ein wenig ängstlich halten sich Lyra und Sym an den kleinen Händchen die an Spinnenbeine erinnern fest. Die durchscheinenden hauchdünnen  Flügel bewegen sich aufgeregt auf und ab. Werden sie es schaffen auf der wattebäuschchenweichen Wolke zu landen? Ausgerechnet auf der blaue Wolke soll sie zu dem Mondstern bringen. Weil es die blaue Wolke gibt, entstand auf der Erde der Begriff: blauäugig sein.
Als  die Feenjungs die Angst der beiden Mädels sehen eilen sie schnell zu ihnen hin. Jeder nimmt eins in den Arm und hält es bei dem Sprung fest. Die Flügelchen flattern taktlos durcheinander, sodass sie bestimmt nach unten auf die Gewitterwolke gefallen wären. Was das bedeutet wissen alle Himmelsbewohner die über einen Zauber verfügen. Sie werden allesamt entzaubert!

„Geschafft!“ jubeln die Vier und klatschen sich ab. „Puhhh, dass war knapp. Ob wir das noch einmal schaffen?“ stöhnt Sym und schaut dabei Lyra zweifelnd an. „Ach klar!“ zerstreuen die Feenjungs Syms Bedenken großspurig.
„Nun aber ab zum Mann im Mond, es wird mal so langsam  Zeit das wir zu Potte kommen. Schließlich haben wir, wenn er anfängt aufzugehen, noch genug damit zu tun Wünsche und Träume zu verteilen.“ mahnt Lyra die Bummelanten.
„Achtung, versteckt euch schnell hier hinter dem kleinen Wolkenhügel. Da hinten kommt der Sandmann mit seinem Schlaf im Sack den er über die Erde streuen will.“ warnt Uriel die Anderen. Gerade noch rechtzeitig, denn so alt der Sandmann auch schon ist erstaunt es immer wieder das er noch so flott auf den Beinen ist.
„Boah, das ging noch einmal gut!“stöhnt Orbi. Mir seinem kleinen Bäuchlein das er vor sich herschiebt ist er nicht der aller schnellste. „Nun aber mal schnell, bevor der Mann im Mond in seinen Schuppen geht um die Sichel zu holen. Dann haben wir uns umsonst abgemüht mit der Wolkenhüpferei.“ erinnert Sym.

Schon setzt sich der kleine Tross in gebückter Haltung in Bewegung, die ein wenig an die niedere Gangart der Rekruten erinnert. Man will ja nicht gesehen werden!
Endlich angekommen sehen die Freunde das der alte Mann seine Pfeife auch noch  nicht am qualmen hat, dass bedeutet: Er ist noch nicht aufgestanden, Zeit genug um in den Schuppen zu gehen um die Sichel zu mopsen. Doch wer traut sich denn nun in den Schuppen, wo auch noch der kalte Vollmond und der blasse Neumond ihre Zeit abwarten müssen, bis der Mann im Mond ihnen Bescheid gibt das sie dran sind.. Die Vier schauen sich nur stumm an und spielen in Gedanken „Schmick – Schnack – Schnuck“. Keiner getraut sich zu den besten Freunden vom Mann im Mond zu gehen. Sie haben schon viele Schauermärchen von Vollmond und Neumond gehört. Die Zeit drängt!
„Ich gehe, „hört Lyra sich sagen und hält sich selbst erschrocken den kleinen Mund mit ihren blutroten Lippen zu. Ungläubig gehen die Köpfe der Anderen zu ihr herum. „Super“, staunt Uriel, Du bist ja auch die Schlaueste und Vorsichtigste von uns. Wir drücken dir die Daumen.“

Schon schleicht sich die kleine Fee ganz allein und äußerst vorsichtig von hinten an den Verschlag heran und äugt durch die kleine Fensterscheibe. Erleichtert atmet sie auf als sie sieht das die Kumpel Vollmond und Neumond tief und fest am schlafen sind. Zum Glück ist die Tür nicht verschlossen, doch das heftig pochende Herz rutscht ihr in die Hose als sie die Tür  mit einem lauten Knarren öffnet. Ihr blondes Köpfchen mit den blonden Schillerlocken schnellt zu den Schnarchenden herüber … puuuh, keine Regung der Beiden. So lautlos es geht flattert sie zu der Sichel die auf einem blauen Wolkenkissen liegt. Es klappt, die Sichel ist stibitzt. Schwer ist sie Gott sei Dank nicht und Lyra kann sie mühelos abtransportieren.

Fast ehrfurchtsvoll bestaunen Uriel, Orbi und Sym die Heldentat. Das hätten sie von der stillen Lyra, die doch nur Träume verteilt, nie gedacht. Wie sagen die Menschen: Träume sind Schäume! und gehen doch kaum in Erfüllung. Trotzdem müht sich Lyra Nacht für Nacht ab.
Sie sind so vertieft mit der Sichel bewundern, dass sie nicht bemerken wie die Mondwolke sich langsam von ihrer Wolke entfernt. Erst als ein wenig mehr Wind aufkommt und es ruckelt schauen sie auf und erschrecken sehr. „Schnell, schnell wir müssen rüberspringen!“ schreien Uriel und Orbi wie aus einem Mund. „Da kommt auch noch der Sandmann um die Ecke.“ Stocksteif stehen Sym und Lyra vor lauter Angst am Mondwolkenrand und können sich nicht rühren. Wenn der Sandmann sie erwischt, dann gibt es wieder eine gesalzene Strafe. Es bleibt sicher nicht beim Regenbogen putzen. 






In heller Aufregung nehmen die Feenjungs jeder wieder ein Mädchen in den Arm. Doch sie können
wegen der Eile nicht richtig zielen. Und so passiert das Schreckliche! Bei der Landung auf der Heimwegwolke fallen alle Vier hin. Lyra und Sym purzeln von der Wolke herunter und landen eine Etage tiefer auf der unteren Milchstrasse. Weh getan haben sie sich nicht, sie haben nur so ein komische flaues Gefühl. Es schwant ihnen Böses. Verzweifelt schauen sie nach oben, wie sollen sie hier bloß wieder weg kommen. Da ist auch schon der Sandmann bei den Wolkenhüpfakrobaten die so jämmerlich versagt haben angekommen. Eine donnernde Strafpredigt ergeht über die Feenjungs. Er verweist sie auf die hinterste Wolke wo sie ganz allein tagelang Löcher hinein stechen müssen damit der Regen sich über die Erde ergießen kann. Betreten schauen sich Uriel und Orbi an und wagen nicht zu widersprechen.

Danach schwebt er zu den Feenmädchen herunter und erklärt mit großer Entäuschung das die beiden nun auf die nächste Sternschnuppe warten müssen die sie wieder mit nach Hause nimmt. Zur Strafe haben sie ihren Zauber verloren und müssen sich ein Sternenjahr lang bewähren um wieder an ihre Arbeit gehen zu können. Entsetzt fangen Lyra und Sym an zu weinen. Doch es hilft nichts, der Sandmann bleibt hart. „Strafe muss sein!“ schimpft er mit den Beiden und geht seiner Arbeit mit dem Schlaf verteilen weiter nach.

Ein letztes Mal versuchen noch Lyra und Sym nach ihren Freunden zu rufen, doch selbst das Echo ihrer zarten Stimmen ist verstummt. So warten sie nun auf die Sternschuppe die ihren Wunsch erfüllen soll und sie wieder nach Hause bringt.

©margret




Brief an Nick


Ich fühle nicht´s. Keinen Schmerz, keine Freude, keine Trauer und schon gar kein Glück. Da ist nicht´s. Es scheint alles so sinnlos zu sein! Wann habe ich das letzte Mal gelacht, richtig unbeschwert gelacht. Einfach so, ohne über den Sinn nachzudenken? Wann nur?! Es scheint mir Jahre her zu sein. Irgendwann schlich sich diese Monotonie zu mir. Sie gab mir die Hand und ließ sich neben mir nieder. Wir wurden Freunde, beste Freunde sogar. Wir konnten gute Gespräche führen, nächtelang. Doch lachen konnten wir zusammen nicht, schon längst keinen Blödsinn aushecken, so wie damals mit dir lieber Nick.

Manchmal fehlst du mir so sehr, dass ich mir wünschte ich könne zu dir. Ich verstehe nicht das du mich allein lassen musstest. Deinen Blick werde ich nie vergessen. So voller Schmerz und Trauer. Keine Umarmung, kein Abschiedskuss einfach nicht´s mehr. Nur noch Stille.

Es war eine schöne Zeit, ein Leben lang, dein Leben lang hast du mich begleitet.

Gefunden hatten wir uns im Sandkasten. So kitschig wie es klingt, es entstand die sprichwörtliche Sandkastenliebe. Was warst du ein frecher Junge, mir einfach das Förmchen und Schüppchen wegzunehmen. Wie gemein! Wir rauften uns zusammen und wurden unzertrennlich. Ich das kleine Mädchen mit den blonden Zöpfen und du der kräftige Junge mit den schwarzen Locken. Stritten wir uns, hast du mich an den Zöpfen gezogen, das tat weh. Ich habe nicht geweint, so wie ich jetzt auch nicht weine. Als Revanche bekamst du Sand in deine Locken geschmissen. Die Klingelstreiche waren immer so lustig, wenn wir uns hinter den Büschen versteckten und die Leute hin und her schauten, uns aber nicht entdeckten. Oder die Äpfel die wir aus Nachbars Garten mopsten, wie sind wir dann gerannt wenn er uns schimpfend erwischte.

Nick, nie solltest du meine Tränen sehen!

Zusammen lernten wir das Fahrrad fahren. Darin war ich geschickter, du tröstetest mich wenn ich aufgeschlagene Knie hatte. Ich sehe uns heute noch die Straße hinunter sausen. Hui, was wehten meine Zöpfe wenn wir um die Wette fuhren. Wie oft flog ich in der Kurve hin. Autsch, und immer wieder an der selben Stelle. Weißt du noch, wie dumm du schautest als ich einmal Sieger war? Gut, ich gebe zu du warst durch mein Lachen abgelenkt, und wahrscheinlich hast du mich auch gewinnen lassen.

Als unsere Schulzeit begann ging sie sehr turbulent zu. Argwöhnisch schautest du auf die anderen Jungs in der Klasse, tatest alles damit mir niemand zu nahe kam. Dabei konnte dir niemand deinen Rang streitig machen. Niemals! Verstanden hast du das erst viel später.  Mit deiner Eifersucht warst du  in der Lage alles zu zerstören. Trampeltest in meinem Herzen herum, und zerbrachst fast meine Seele. Bis zu dem Moment der dir die Augen öffnete und du das Wesentliche erkanntest …, als ich durch den Autounfall beinahe gestorben wäre, damals auf dem Heimweg unserer Abschlussfeier.  Ich spürte deine Tränen wie sie auf meine Hand tropften die in deiner lag. Deine Wärme und Liebe, deine Stimme die ich hörte bewogen mich zur Rückkehr von der Reise in die Ewigkeit.

Du hast mich begleitet, dein Leben lang und nie solltest du meine Tränen sehen!

Für kurze Zeit trennten sich unsere Wege. Ich studierte Medizin, du wurdest Architekt. Selten trafen wir uns noch zu Hause, trotz das wir Nachbarskinder waren und nur drei Häuser auseinander wohnten. Es war wie in dem Lied mit den Königskindern die nicht zusammen konnten. Die Zeit ohne dich war trostlos, obwohl ich genug Ablenkung durch Freunde hatte. Mit einer Akribie die ihresgleichen sucht hatten wir stets zu verschiedenen Zeiten unsere Ferienzeit zu Hause. Mir fehlte dein Lachen und die Streiche die du mir spieltest. Dann trafen wir uns wieder! Es war so banal, dass es in einem Groschenroman nicht besser hätte stehen können. Hätten wir doch bloß voneinander gewusst das wir in der selben Stadt wohnten. Bei unserem Zusammentreffen, eigentlich war es ja ein Zusammenprall, war so als wären wir nie getrennt gewesen. War das lustig in dem Discounter als wir mit den Einkaufwagen voreinander stießen. Du kamst um die eine Ecke und ich um die andere gebogen. Unsere Blicke sprachen Bände, ungläubiges Staunen! Doch da war sie wieder, die Vertrautheit zwischen uns wie wir sie seit dem Sandkasten kannten. Deine Fürsorge um mein Wohlergehen und die Zärtlichkeit die ich so lang vermisste.

Wir erkannten das ist Liebe!

Schnell stand fest das wir für immer zusammen bleiben wollen, unser Leben lang, dein Leben lang.  Eine glückliche Zeit begann. Keiner von uns ahnte, dass das Schicksal wieder anders plante. Wie gut das man nicht in die Zukunft schauen kann. Wie gut das wir beschlossen hatten unser Leben und die Liebe zu genießen! Nur wir zwei, denn auch hier hatte die Vorsehung etwas anderes vor. Kinder, die unsere Liebe und unser Glück vervollkommnet hätten konnten wir nicht bekommen. So sehr wir es uns wünschten. Es war auch gut so, wir hatten unsere anstrengenden Berufe. Du entwarfst ständig Gebäude und ich war viel in der Klinik. Die Freizeit sollte nur uns gehören, um uns zu lieben und unser Glück festzuhalten.

Weißt du Nick, wenn ich so an die Zeit zurückdenke weiß ich das ich nie wieder so glücklich sein werde. Will ich das überhaupt? Vielleicht würde es bedeuteten dich nicht mehr so deutlich in Erinnerung zu haben. So, als kämst du jeden Augenblick mit deinem Lachen und einem neckenden Spruch durch die Tür. Ich würde deine Umarmungen und Küsse nicht mehr so deutlich spüren. Dein Gesicht würde dem eines Anderen weichen. Nein, dass will ich nicht! 

Und ebenso will meine alte Freundin, die Monotonie,  nicht mehr sehen, nie mehr mit ihr sprechen. Keine durchwachten Nächte mehr. Ich will wieder lachen, mit dir lachen und ganz nah bei dir sein. In will wieder in deinem Arm liegen, mich an deine Brust schmiegen und deine Küsse spüren.

Du hast mich begleitet, dein Leben lang bis es zu Ende war.

Du wirst mich wieder begleiten ... sehr bald!

Deine Lena

©margret




Margret geht ins Fitnessstudio

Eines Tages habe ich beschlossen: 'Jetzt ist es genug! Es wird Zeit etwas für Leib und Seele zu tun'. Damit meinte ich natürlich nicht Essen und Trinken, sondern --- S P O R T --- .

Wie ich finde, ein mutiger Entschluss!!

Das Wort kann ich perfekt schreiben, doch wie ich es in die Tat umsetzen soll, das weiß ich nicht.
Ich weiß gar nicht für was ich überhaupt geeignet bin. Sport, welch eine Idee! Ich schwitze jetzt schon, und das Atmen fällt mir plötzlich auch schon schwer. Was soll das nur geben wenn ich in Aktion trete.

So richtig Sport machen, das ist etwas anders als die Hausfrauengymnastik. Gut, die Entscheidung steht. Jetzt muss ich nur noch wissen was mir 'liegt'.

Joggen --- da bekomme ich Schnappatmung! Fällt aus.

Walken --- mit den Stöckern durchs Geplänke traben? Ist mir zu blöd.

Rad fahren --- da könnte es mir zu kalt werden, bei dem Fahrtwind! Mache ich nicht.

Aquagymnastik --- da soll man im Wasser schwitzen. Was soll das denn?! Fällt auch aus.

Ich hab´s: 'Ich gehe in ein Fitnessstudio'. Da kann ich so einiges ausprobieren. Ich kann meinen etwas vernachlässigten Körper wieder in Schwung bringen. So einige Übungen, ich glaube fast alle, kann ich im Sitzen machen. Ich habe wohl schon einmal davon gehört das man da auch irgendwelche Hüpfkurse machen kann. Vielleicht ist das auch etwas für mich. Mal schauen.

Es könnte sein, dass ich Freundin Andrea überzeugen kann mitzugehen. Zu zweit macht die Körperertüchtigung noch mehr Spaß. Wir könnten auch einen kleinen Wettstreit ausüben: 'Wer erzielt schneller Erfolge'. Ich rufe sie mal an. Gute Ideen soll man sofort umsetzen.
"Hey Andrea, ich habe eine ultimative Idee", ein wenig grinse ich so vor mich hin, während ich das sage. Andrea hat noch weniger mit Sport im Sinn als ich. Ganz nach dem Motto 'Sport ist Mord'.

"Ach Mäggi, wenn du das schon sagst. Auwei!" kommt mir skeptisch von dem anderen Ende entgegen. Und sehr bedenklich das sie Mäggi sagt, dann hat sie mich immer besonders lieb.

"Andrea Schatz, was hälst du davon wenn wir mal etwas Sport machen?" flöte ich liebenswürdig zurück. Diesen Tonfall hört sie gern, dann kommt sie bestimmt mit.

"Häää, was soll ich machen? Sport?! Du meinst die Sache mit dem Schwitzen und aus der Puste sein? Nää, mache ich nicht!" entrüstet sie sich.

Als ob ich ihr was wollte.

"Ach komm, das macht zu zweit richtig Spaß. Außerdem sind da auch Männer!" halte ich mit einem breiten Grinsen dagegen. Andrea flirtet doch gerne.

Und Männer im Sportdress sehen doch sexy aus. Unbestritten! Wie sie so mit dem verschwitzten Shirt und dem Handtuch um dem Hals am Gewichte stemmen sind. Ab und an ein extra Posing für die Damen, die auf dem Laufband ihr Bestes geben. So habe ich das einmal im Film gesehen.

'Das wird doch wohl auch in echt so sein' denke ich mir.

"Meinste da sollten wir hin? Mmmh …", kommt noch ein wenig zögerlich von der trägen Andrea zurück.

"Sicher, wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Wir tun was für unseren Body und gleichzeitig kannst du ein wenig Männer gucken. Also, was ist nun?" frage ich bestimmter.

"Außer kannst du dich, wenn du keinen Bock mehr zum Training hast, an die Theke setzen und Kaffee trinken", schiebe ich noch schnell hinter her.

"Gut, wir können es ja mal ausprobieren", stimmt Andrea zu.

Aahhh, das scheint ausschlaggebend gewesen zu sein ... das Päuschen machen mit einem Kaffee in der Chillecke, lern mir doch einer Andrea kennen.

"Supi, ich freue mich Andrea Schatz. Wann gehen wir hin?" Bei Andrea Schmücker muss man sofort Nägel mit Köpfen machen, sonst wird sie wankelmütig.

Gut, Samstag wird Sport gemacht.

Der Samstag ist da. Sehr motiviert, ich wohl mehr als Andrea, fahren wir zu dem BodyFormStudio. Hoffentlich ist Nomen das Omen. An mir soll es nicht liegen. Ich will! Zumindest sagt mir mein Körper ... 'Margarete, es wird Zeit'. .... , mein Kopf sagt ... 'Oh,oh.'

Noch schweigt der Schweinehund in mir. Mal sehen was er nach dem ersten Körpereinsatz sagt.

Zielstrebig gehen wir in das Studio zur Rezeption, es gilt sich zuerst einmal anzumelden. Das ist ja so eine Sache, mit diesem Vertrag, mache ich ja nicht gerne. Aber ohne geht es nun mal nicht. Freundlich werden wir von einer attraktiven, recht durchtrainierten jungen Frau begrüßt. Was hat die für eine Figur, traumhaft. Nur die Hälfte von ihr und ich bin zufrieden.

Andrea schaut sie von oben bis unten an. So als ob sie sagen wollte 'pahhh, meine Figur ist doch fast genauso'. Jaja, meine Andrea, ich kenne sie gut. Schließlich sind wir Sandkastenfreundinnen. Die Studioangestellte stellt sich als Yvonne vor und erklärt uns den Vertrag, den wir dann auch unterschreiben. Danach zeigt sie uns die Umkleide und die Gemeinschaftsdusche für Frauen. Huch, daran habe ich gar nicht gedacht, gemeinschaftlich nach dem Training duschen. Naja, mir macht das nichts aus, ich gehe ja auch in die Sauna, aber Andrea?! Sie sagt nichts dazu, was mich ein wenig wundert. Sie geniert sich doch sonst, ich bin mal gespannt.

Die Trainerin geht weg und wartet dann im Geräteraum. Wir ziehen uns in Ruhe um. Andrea war erst noch neue Sportklamotten kaufen. Sie hat das Modernste an. Ich bin da schmerzfreier, mir reicht das was ich habe. Praktisch muss es sein. Ich geh ja nicht zur Modenschau. Aber so ist sie, die flotte Andrea. Hübsch ist sie ja, das muss ich schon sagen.

Nun geht es in den Geräteraum zum Body stählen. Ich fange tatsächlich schon an zu schwitzen, nur wo ich die vielen Foltergeräte sehe. Yvonne steht schon bereit und lächelt uns vielsagend an.

Warum bloß?!  




Komischerweise hat sie ein Stethoskop um. Wozu das denn? In der Hand hat sie so einen schwarzen elastische Gürtel mit einem Dingen dran. Mmmhh, sehr mysteriös.

"So, ihr Zwei, bevor es an die Geräte geht machen wir einen Belastungstest. Wer möchte zuerst? Für den Test müsst ihr auf das Fahrrad und so lange strampeln wie es geht. Es wird unter anderem auch das Bergauf fahren simuliert. Wie nach dem Test Euer Puls ist und wie schnell ihr Euch wieder erholt, danach richte ich den Trainingsplan aus. Also ... auf geht es" und sie grinst so süffisant.

Ich nehme zuerst auf dem Belastungsrad platz. Yvonne hat mir den Gürtel mit diesem Dingen, was die Herzfrequenz aufzeichnet, angelegt.

Und los geht es ...

'Och, das geht doch erst einmal leicht.' und ich triumphier fast.

'Bin ich fit.' Doch kaum habe ich das ausgedacht, dreht die Trainerin am Knöpfchen und ich muss leicht bergauf fahren. Es geht noch. Doch der Kreislauf kommt schon mal in Schwung. Ich schaue meinen Fitnessguru an, sie grinst nur und sagt nichts. Ich sage auch nichts und beiß die Zähne zusammen. Oje, sie dreht noch etwas weiter. Nun muss ich einen Steilhang hochfahren.

'Hexe.' warte ab, denke ich mir. So schnell kriegst du mich nicht klein. Mein Ehrgeiz ist bis aufs Äußerste geweckt.

Kleinhirn an Großhirn ... nicht aufgeben! Großhirn an Beine und Lunge ... gebt Alles!!

Wie gut, dass in dem Fitnessraum aufpeitschende, recht laute Musik läuft die einen nur so mitreißt. Das Adrenalin bringt mich zur Höchstform, und lässt meinen Kopf rot anlaufen. Der Schweiß rinnt über mein Gesicht, ich hatte das Jane Fonda GedächnisStirnband (kennt ihr noch ihre legendären Aerobicvideos?) zu Hause vergessen.

Yvonne merkt, dass ich kurz vor dem Herzkasper stehe und bremst mich aus. Ich aufgeben? Freiwillig? Nie!!!!

Der Herzfrequenzmesser sagt aber aus, dass ich recht belastungsfähig bin. Ich erhole mich auch recht schnell von dem anstrengenden Gestrampel. Der Fitnessqueen hat mein Ehrgeiz imponiert. Nun ist Andrea dran. Was das wohl gibt, die fällt sicher nach kurzer Zeit vom Sattel. Sie raucht, sie trinkt schon mal ein Likörchen, auch schon mal zwei. Ha, ich nicht. Ich bin grundsolide.

Was sag ich..., Andrea streikt nach ein paar Minuten schon. Sie ist noch nicht einmal die imaginäre Straße entlang gefahren. Mrs. Body muss laut lachen über das Gezeter von Freundin Andrea.

Aber wie immer hat sie die Aufmerksamkeit auf ihrer Seite. Alle die am trainieren sind schauen zu ihr. Zack stellt sich meine Andi, wie ich sie auch schon einmal nenne, in Positur. Bauch rein, Brust raus ... . Schließlich sind auch körpergestählte Männer anwesend. Sie weiß schon wie es geht. Wie immer wenn Madame so eine Schau abzieht, muss ich schmunzeln.

Nun geht es an die Geräte. Den Muskelkater spüre ich jetzt schon!




Wir sollen an einer langen Stange Gewichte hochziehen. Klappt ... oh wie schön, aber bitteschön hinter dem Kopf her, geht auch. Doch wenn man wieder hoch geht, muss man aufpassen. Nicht dass es ruckt und die Arme hochfliegen und der ganze Körper hinterher. Rücken schön grade halten, Bauchmuskeln anspannen. Also das Multitasking wird hier ganz schön gefordert. An all das gleichzeitig denken. Das mit dem graden Rücken bekomm ich hin, auch das Aufpassen mit dem Herablassen der Gewichte klappt auch. Aber Bauchmuskeln ... habe ich nicht, kenn ich nicht. Krieg ich die?!

Bei Andi, alles wie immer, wir lachen. Kleine Seufzer kommen aus ihrem Mund. Aber sie macht mit. Nun geht es zur Beinarbeit. Ach herrje, da gibt es ungeahnte Muskeln merke ich.

Da spricht das Großhirn wieder zu den Muskeln ... 'Hallo ihr da ... arbeiten ... zackig.'

Muskeln weigern sich ... Kraaampf ... . Aua!!

Yvonne zeigt mir eine Dehnungsübung, langsam wird es besser. Andrea bekommt große Augen und will die Übung eigentlich nicht machen. Die Trainerin kann sie aber doch noch überzeugen nicht aufzugeben. Aus den Seufzern wird nun Gestöhne. Ähnlich wie bei dieser Tennisspielerin, die immer so laute Geräusche von sich gegeben hatte.

Dann kommen leichtere Übungen, bis es zu der letzten geht. Die hat es in sich. Auf einer Bank liegen, mit dem Rücken in Schräglage und mit dem Oberkörper immer hochkommen. Andi macht die Übung nicht mehr. Ich ja ... doch ich übertrumpfe Andreas stöhnen. Nun bin ich im Mittelpunkt des Fitnessstudios.Ähnliche Geräusche gab es bei der Geburt meiner Kinder.

Fast falle ich von der Bank runter. Wie gut, dass es keine Körperformübung mehr gibt. Ich hätte nun auch gestreikt. Doch Mrs. Body sagt, dass wir uns tapfer geschlagen haben.

Ab zum duschen ... in die Sauna könnten wir auch noch gehen. Doch für heute wollen wir es gut sein lassen. Ab unter den Strahl, gemeinsam mit Andrea und noch zwei Frauen. Meine Freundin kommt anstandslos mit, zickt nicht rum. Ich wundere mich schon. Wieder in der Umkleide erzählt sie mir, dass sie mit einer Bekannten einfach mal in der Sauna war.

Dann kommt das Schönste ... bei einem Erfrischungsgetränk ein wenig in der Chilllounge abhängen.

Das war mein erster Tag im Fitnesscenter. Ich gehe wieder hin. Ob Andi wieder mitkommt? Bestimmt, zum chillen und flirten. Sicher nicht zum BodyForming.

© margret






Der Entschluss zur Freiheit

Es ist schon September, langsam werden die Tage kürzer und die ersten Blätter verlieren ihr sattes Grün und zeigen ihre Wandelbarkeit. Egal wo ich hinschaue gucken mich die verschiedensten Farben des Herbstes an. Eigentlich eine Jahreszeit zum verlieben. Stundenlang könnte ich den zu Boden schwebenden Blättern zuschauen. Manchesmal mutet es wie ein wundervoller Tango an. Langsames sich fallen lassen, um dann wieder mit dem Windstoß zusammen die turbulentesten Drehungen zu zelebrieren. 




Ja, einen Jahreszeit zum verlieben!

Wie schön wird es in ein paar Wochen sein auf einem raschelnden Blätterteppich spazieren zu gehen. Die Hände tief in die Manteltaschen vergraben und mit den Füßen, die in  Boots stecken die, bunten Blätter aufzuwirbeln. Ich liebe dieses typische Rascheln des trockenen Blattwerks. Früher, als Kind habe ich die Blätter verschiedener Bäume aufgesammelt und zwischen den Seiten dicker Bücher gepresst. Liebend gern hatte ich im Herbst Tannenzapfen aufgesammelt. Mutter hat sie zum Ofen anfeuern benutzt. Eine heimelige Wärme durchzog das Haus und  das knackende Feuer hörte sich beruhigend an.

Das erste das ich anschaffte, als ich mein kleines Haus bezog, war ein Kaminofen. Wie gerne hätte ich so einen alten Küchenherd wie wir ihn früher hatten gehabt. Leider war keiner aufzutreiben. Ich liebe die Nostalgie und die Erinnerungen an meine unbeschwerte Kindheit. Das wir nicht viel Geld hatten ließen mich meine Eltern nie spüren. Aufgewachsen bin ich in der Zeit des deutschen  Wirtschaftswunder der 60er Jahre.
Mein Gott ..., ich werde schon 60. Wo ist nur die Zeit geblieben?! In Gedanken hüpfe ich doch immer noch das Hüppelkästchen, und real sehe ich zu das ich unbeschadet durch´s Leben komme. Allein!

Wie ist es nur dazu gekommen das ich keinen Partner gefunden habe, der mit mir zusammen das Herbstlaub tanzen lässt? An Möglichkeiten hat es nicht gemangelt, ich bin hübsch, so sagt man jedenfalls, und auch recht klug. Vielleicht zu klug?! Als Dozentin an der Universität für philosophische Anthropologie bin ich recht erfolgreich. Außerhalb der Uni halte ich Diskussionsrunden ab, die gut besucht werden. Liegt es vielleicht daran nie Jemanden gefunden zu haben? Ich weiß es nicht. Nun ist nicht nur der kalendarische Herbst da, sondern auch mein persönlicher.

Es ist eine Jahreszeit sich zu verlieben!

Nun sitze ich hier bei einem Glas Wein, und nur das Kaminfeuer bringt schmeichelndes Licht in den Raum. 



Schatten tanzen an der Wand zu der knisternden Musik des Feuers. Es ist ein aufregendes Spiel das die Flammen zeigen. Sie locken mit aller Macht, und gebannt schaue ich ihnen zu. Ich bemerke gar nicht wie Stunde um Stunde verrinnt, bis ich erschrocken feststelle das es Zeit ist zu Bett zu gehen.

Am Morgen sehe ich, dass es leichten Frost gegeben hat. Die Wiese ist mit Raureif überzogen und sieht traumhaft schön aus. Doch eine seltsame Kälte schleicht sich in meinem Körper hoch und lässt mich erschauern. Ich werde mir einen heißen Kakao mit einer dicken Sahnehaube machen. Lecker! Zuerst löffel ich genüsslich die Sahne weg, bevor ich einen Rest unterrühre. Schon als Kind habe ich den Kakao so genossen. Merkwürdig das ich im Moment soviel an meine Kindheit denke, und eigentlich mein ganzes Leben überdenke. Bin ich unzufrieden? Ist es weil ich alleine bin? Das war doch bisher nicht so. Liegt es an der immer dunkler werdenden Jahreszeit, an dem baldigen Auftakt zum Winterblues? Das kann nicht sein, wir haben doch erst den bunten, in allen Farben glänzenden Herbst.

Eine Jahreszeit um sich zu verlieben!

Der nächtliche Frost und die unheimliche Kälte, die mich nicht loslässt, kurbeln meine gestrigen Gedanken wieder an. Es ist gut das Wochenende ist, so kann ich in aller Ruhe darüber sinnieren was ich noch vom Leben erwarte. Wie will ich meinen Herbst gestalten! Die Jahreszeit lässt für sich keine Möglichkeit zu, sie muss Platz machen für den Winter. Doch ich habe es in der Hand etwas zu ändern. Mit 60Jahren kann ich in den Vorruhestand gehen. Eine tolle Gelegenheit wieder mehr Zeit für sich zu haben, vielleicht um Herbstlaub zu pressen. Keine Zwänge mehr zu haben und aus der Tretmühle des Alltags entfliehen. Ich könnte endlich reisen um längere Zeit andere Kulturen kennenzulernen, die schöne Welt zu erkunden um sie mir mit all ihren prächtigen Farben anzusehen. Einfach aussteigen!
Gerne möchte ich irgendwo stranden, wo es immer warm ist. Die Sonne den Körper erwärmt und das Feuer im Herzen zum lodern bringt, um mit einem klitzekleinen Funken ein Freudenfeuer zu entfachen das die Seele zum strahlen bringt.
Ja, das werde ich tun! Der Entschluss ist gefasst, ich werde in meine Freiheit reisen, dem Sommer entgegen um zu lieben. Die Zeit ist reif.

©margret




Samstag Nacht 





Es ist ein schönes Wochenende im Sommer. Wie jedes Jahr findet wieder das Treckertreffen statt. Ein Fest wo sich fast das ganze Dorf versammelt. Es ist auf einer großen Wiese mitten im Wald. Dort wurde vor vielen Jahren eine Schutzhütte errichtet, mit einem prächtigen Grillplatz und der Möglichkeit ein Lagerfeuer zu entfachen.

Sogar aus der weiteren Region kommen Interessierte um sich die alten Traktoren anzuschauen. Neben den Schleppern, so heißen die Trecker im landwirtschaftlichen Jargon, gibt es auch andere Oldtimer zu bestaunen. Es ist eines der letzten Freiluftveranstaltungen des Jahres. Das Fest erstreckt sich über zwei Tage, wobei am Sonnabend das "Andieseln" das Schönste überhaupt ist. Es heißt deshalb so, da zu dem Zeitpunkt des Festes zum ersten Mal das typische Motorengeräusch der Traktoren zu hören ist. Das muß halt entsprechend, mit dem ein oder anderen Getränk gewürdigt werden.
Am Nachmittag kann man sich die Zeit bei Kaffee und Kuchen vertreiben. Für die Kinderbelustigung ist eine Hüpfburg aufgebaut und es besteht die Möglichkeit sich einige Tiere in dem Streichelzoo anzuschauen, und wer sich traut, auch zu berühren. Was ganz besonders ist, dass die Kleinen auf Eseln reiten können. So kommt für die Mädel´s und Jung´s keine Langeweile auf, während die Eltern sich die Gefährte betrachten und fachsimpeln.

Der Abend wird von einer hervorragenden Band mitgestaltet. Sie versteht es gut Stimmung zu machen. Das abendlich, wärmende Feuer trägt bestens zur Feierlaune bei. Es wird in einer riesengroßen Feuerschale entzündet. Diese hängt an großen, dicken Ketten welche an kahlen Baumstämmen verankert sind.
Wie schön das Feuer anzusehen ist. Die Holzscheite knacken und der Funkenflug bezaubert durch seinen lustigen Tanz. Es sieht aus als hätten sich hunderte von Glühwürmchen versammelt. Bei der malerischen Stimmung stört der Qualm überhaupt nicht, sobald der Wind sich dreht. Der typische Geruch des glühenden Holzes hat etwas heimeliges an sich. Diese Lagerfeuerromantik ist durch nicht´s zu überbieten. Man fühlt sich in die Kinderzeit zurück versetzt. Weg von zu Hause in der Ferienfreizeit zum Zelten, am nächtlichen Feuer sitzend, um zu Gitarrenklängen aus der Mundorgel zu singen. Dazu noch das Stockbrot über den Flammen backen ..., lecker. Das war schön!
Später wenn das Feuer weit genug abgebrannt ist werden Kartoffeln in die Glut gelegt. Wie gut sie schmecken, dazu gibt es verschieden zubereitete  Kräuterbutterarten. Sogar selbst eingelegte Sahneheringe kann man dazu genießen. Was will man mehr?! Getränke natürlich, die fehlen noch. Die bekommt man an einem Biertempel. Außer dem Gerstensaft, oder wie man hier sagt Hopfenkaltschale, gibt es noch andere Erfrischungen.
Pünktlich 20.00h beginnt die Band mit ihren stimmungsvollen Liedern. Einige kennt man gut und singt bestens gelaunt mit.  Ausgelassener kan die Atmosphäre nicht sein. Angelockt von dem Trubel kommt ein Waldarbeiter mit seinen Rückepferden auf ein Bier vorbei. Er hat Feierabend gemacht. Die Tiere sind stämmige, kraftvolle Kaltblüter und ideale Arbeiter für den Wald. Sie werden in unwegsamen Gelände eingesetzt. Auch den Ackergäulen scheint es zu gefallen.  Die aufgerichteten Ohren wippeln hin und her. Durch den Geruch der Rösser wurden die Mücken aus ihrer Nachtruhe geweckt und stürzen sich hungrig auf die zu erwartende Mahlzeit. Die Gäste? Sie fangen an um die Köpfe herumzuwedeln damit die Störenfriede von ihnen ablassen.
Endlich führt der Waldarbeiter seine Pferde nach Hause und die Mücken entschwinden mit ihm. Und wieder herrscht Ruhe vor diesen Blutsaugern die schrecklich juckende Beulen hinterlassen können.
Mittlerweile haben sich Gruppen gebildet wo gescherzt und gelacht wird. Schön anzusehen wie sich zugeprostet und zur Musik getanzt wird.

Neben einer Gruppe von drei Frauen und zwei Männern ist der beliebte "Hau den Lukas" aufgestellt. Eine der Frauen bin ich. Dort versuchen eine handvoll Teenager den Hammer auf den Bolzen zu donnern. Dieser saust durch die Wucht des Schlages an einer Stange hoch und soll eine Glocke zum ertönen bringen. Die verzweifelten Versuche der jungen Wilden amüsiert die Gäste. Ebenso versuchen sich einige mutige Frauen an diesem Spiel. Sie scheitern kläglich. Den Hammer zu schwingen ist schon schwer, denn er hat ein beachtliches Gewicht. Den Halbstarken wir es irgendwann zu langweilig und hören auf. 


Zu den späten Gästen gehören auch ein paar größere Kinder die das Fest nutzen um sich das Taschengeld ein wenig aufzubessern. Sie ziehen regelmäßig ihre Runden und sammeln leere Gläser ein. Auf Wunsch bringen sie auch gefüllte Gläser zurück.
Amüsante Zwischenfälle tragen zur Erheiterung bei. So manchesmal wird schallend gelacht. Die Party findet ja auf unebenem Glände statt, und somit gerät der Ein oder Andere schon einmal in´s Straucheln. Doch zu Schaden kommt Niemand, außer ein weing verschmutzer Kleidung. Aber wer so eine rustikale Geselligkeit besucht hat entsprechende Kleidung an. Man muß schließlich mit allem rechnen, auch mit einem Biersegen. Kann passieren.
Die Festivität scheint langsam zum Höhepunkt zu kommen. Viele Menschen haben sich vor der Bühne der Musikgruppe versammelt. Sie klatschen und schunkeln im Takt der Lieder mit. Auch leuchten bei einfühlsamen Klängen die Feuerzeuge auf. Ein schönes Bild das sich einem bietet.

Nur unsere Gruppe ist an ihrem Platz geblieben. Wir wollen uns lieber unterhalten, was direkt bei der Band nicht möglich ist. Dort ist es einfach zu laut.
Es ist mittlerweile schon spät in der Nacht. Und nach einigen Hits der vergangenen Jahre spielen die Musiker:  "Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für uns zu gehen ....".
Doch wir Fünf stehen immer noch zusammen und bemerken das nahende Ende des Festes nicht. Wir lachen und scherzen weiter.
Plötzlich sagt Jemand aus unserem lustigen Ründchen: "Schaut mal hoch, es ist sternenklar ... ich  sehe nicht einen einzigen Stern. Ich schau sie doch so gerne, diese kleinen funkelnde Pünktchen dort oben.
Auf einmal lautes Stimmengewirr! Der Biertempel will schließen. Statt der letzten Zigarette die vorhin besungen wurde gibt es nun das letzte Getränk. Einer von uns holt den Absacker und dann ist das Fest zu Ende. Leider!

Wenn es am Schönsten ist soll man gehen, so heißt es doch.

Das Glas ist geleert, wir Fünf treten nun den Heimweg an. Zu Fuß... bis zum Dorf hinunter ist es weit. Ein Marsch von einer guten Stunde.
Es ist kein ungefährlicher Weg. Er führt über einen kleinen schmalen Pfad entlang, der parallel zur Straße verläuft. Einen Trennzaun oder eine andere Abgrenzung zu der Landstrasse gibt es nicht. So wandern wir hintereinander durch die dunkle Nacht. Es sieht aus wie bei der Entenmama hinter der die Kleinen watscheln. Eine Strassenbeleuchtung gibt es auch nicht. Jeder hat eine Taschenlampe zur Sicherheit dabei. So werden wir gut von Autofahrern gesehen.
Mittlerweile ist es kälter geworden. Die Kleidung ist vom Tau klamm. Langsam fang ich an zu frieren. Der Schritt wird hastiger. Es ist noch weit bis zum Dorf.
Uns fallen einige Oldies wieder ein die vorhin gespielt wurden. Irgendeiner stimmt ein Lied an, und wir singen alle mit. So hebt sich unsere föstelnde Stimmung wieder und wir kommen gut voran.
Dann ist das Dorf endlich in Sicht. Hier trennen sich unsere Wege. Ich muß noch ein weites Stück laufen. Allein!
Die Strecke die führt mich über einen geschotterten Fußweg fernab der Strasse. Er ist nur spärlich beleuchtet. Angst verspür ich nicht. Warum auch, werde ich doch beschützt. Über mich wacht der liebste Mensch den ich vor einiger Zeit verlor, und welcher nun mein Schutzengel ist.

So trotte ich mutig mitten in der Nacht nach Hause.

Bald hab ich es geschafft, es ist nicht mehr weit. Von Ferne höre ich laute Musik, und langsam nähere ich mich dem Ort von wo sie her kommt. Es ist kleines Haus, in dem gefeiert wird. Es stehen viele Leute draußen rauchend und unterhalten sich. Ich verweile einen Moment und schau ihnen unbemerkt zu und gehe dann weiter.
Ah, da ist die kleine Brücke. Hier bleibe ich gerne stehen und schaue hinunter zu dem kleinen plätschernden Bach. Er führt nur wenig Wasser und ist für die Kinder ideal sich darin zu vergnügen. Sie bauen kleine Staudämme und versuchen Steine über das Wasser flitschen zu lassen. Manchmal fangen sie kleine Forellen. Das kleine Gewässer ist umsäumt mit den verschiedensten Sträuchern und kleinen Bäumen, die im Sommer Schatten spenden. Es ist schön am Ufer entlang zu spazieren. Sogar eine kleine Bank steht auf einer Wiese, ganz in der Nähe des Ufer´s. Sie ist ein gern gesehenes Ziel für Spaziergänger.
Doch heute schaue ich nicht nur hinunter zu dem kleinen Flußlauf, sondern mein Kopf neigt sich in den Nacken. Warum ..., ich weiß es nicht. Plötzlich habe ich es nicht mehr eilig nach Haus zu kommen, obwohl ich es schon fast sehe. Ich bleibe hier und  betrachte den Himmel. 




Nun sehe ich sie!  Da sind meine Sterne.  Es ist wundervoll sie anzuschauen.  Einer noch heller als der andere. Man denkt sie führen einen Wettstreit aus. Welcher funkelt und blinkert am schönsten und hellsten.
Und natürlich ist er auch da, der größte und hellste Stern, geschaffen von meinem Schutzengel.
Hier stehe ich nun auf der kleinen Brücke und höre den Bach ein kleines Gute Nacht Lied murmeln. Die  Stimmung kann man nicht erklären ... der leise singende Bach und das dazu betrachten der Sterne. Der große Wagen ist deutlich zu erkennen. Und direkt über der langen Deichsel zwinkert mir mein Stern zu.

Und dann ist da der Himmel ....

Die Gestirne zu schauen ist so wundervoll ..., so unglaublich die Unendlichkeit zu spüren. Zu ahnen was es in der Glaxy noch geben könnte. Zu glauben was in dem Himmel existiert.

Man sieht die Himmelskörper so herrlich und manchmal zum greifen nah. Die Gebilde die ER schuf. ER der vielfältige Namen hat und göttliches vollbrachte.

Und ich stehe hier unten auf der Erde, so klein und unbedeutend. Unwichtig im Universum.

Ich denke jeder kennt solche Momente. Die  Momente der tiefsten Zufriedenheit, der Einigkeit und Ruhe in sich selbst. Nun ist es aber genug, es wird wirklich Zeit zu gehen, so wie die Musiker es besangen, in ihrem Lied vorhin.

Da ist mein Haus. Nur noch ein paar Minuten dann liege ich in meinem weichen Bett.

Schon bald bricht der neue Tag an, doch noch ist Nacht ....meine Samstag Nacht.

© margret
















Einsatz

Karl ist ein junger Mann. Das Ruhrgebiet ist sein zu Hause. Seine Schulzeit verbrachte er in einem Internat, wo er seinem Hobby fröhnen konnte, dem Rudern. Mit seiner Mannschaft konnte er einige Erfolge erzielen.
Diese schöne Zeit war nun zu Ende. Wie alle Jungs muß er seinen Wehrdienst absolvieren. Schon während der Grundausbildung macht er sich Gedanken zu welcher Einheit er möchte. Karl entschließt sich Pilot zu werden.

Während einem seiner Wochenendurlaube in der Heimatstadt Essen lernt er Luise kennen. Getroffen haben sich die Beiden in einem Cafe´. Das Fräulein stand an dem Kuchenbüffet, und Karl stolperte auf dem Weg dorthin über einen kleinen Teppich und rempelte die junge Dame an. Beflissentlich entschuldigte sich Karl, und die Beiden kamen so ins Gespräch. Er nahm sogleich die Gelegenheit beim Schopf und lud Luise auf den Kaffee und einem Stück Schwarzwälder Kirsch Torte ein.
So enstand die große Liebe zwischen den verschiedensten Menschen die man sich nur denken kann.
Das hübsche brünette Mädel ist bei einer angesehenen Familie der Stadt in Stellung. Dort regelt sie als Hausdame die Geschicke in der Villa.
Luise, die kleine Flotte mit den kinnnlangen glatten Haaren die zu einem Bob geschnitten sind, und Karl der die Hauswirtschafterin um zwei Haupteslängen überragt. Ungleicher kann ein Paar nicht sein. Es ist Liebe auf den ersten Blick.
Sie sind nicht nur äußerlich so verschieden, sondern auch zwei total unterschiedliche Charaktere.
Luise ist Raucherin, eher ein stiller Mensch und mag Zweideutigkeiten gar nicht. Hört sie etwas dergleichen ziehen sich die schön geschwungenen Augenbrauen ein wenig in die Höhe. Sie sagt aber nichts dazu. Doch ihr permanentes Schweigen sorgt stets für Unbehagen. Also wird bei Gesprächen, wenn Luise anwesend ist, aufgepasst was man sagt.
Ebenso verabscheut Karls Freundin Alkohol. Was in geselliger Runde schon einmal ein Stirnrunzeln bei ihr verursacht, trinkt sie doch nur Wasser oder Säfte. Eigentlich ist sie eine Spaßbremse. Aber er liebt sie nun mal.

Wo die Liebe so hinfällt!

Karl hingegen ist das genaue Gegenteil. Er ist ein blonder großgewachsener Mann und seine Haarpracht ist mit dem typischen Kurzhaarschnitt versehen. Grundsätzlich verabscheut er Raucher, doch bei seiner Luise nimmt er es klaglos hin. Da er ja Sportler war kam das gar nicht in Betracht. Jedoch ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren. Auch Leute verkohlen, oder sich irgendwelche Späße einfallen lassen konnte er gut.
Während er innerhalb der Schulzeit die Strenge des Internats zu spüren bekam, was im sehr mißfiel,  wurde es mit den Jungs beim Bund sehr lustig. Alles was zur Erheiterung während des Wehrdienstes beitrug, das macht der junge Mann aus dem Kohlenpott mit.
Doch wo alle zukünftigen Soldaten, die das Land verteidigen sollen nicht mit rechnen ist, dass sie auch in andere Länder zu dem Kriegsdienst berufen werden könnten.  Aber daran verschwendet kein Wehrdienstleistender einen Gedanken.

Das Wort Krieg kommt in deren Wortschatz erst einmal nicht vor, obwohl sie sich mit ihrer Ausbildung doch darauf vorbereiten. Im Ernstfall Land und Leute verteidigen. Aber auch den Feind zu bekriegen und gar zu töten.
Mittlerweile hat Karl seinen Grundausbildung hinter sich und möchte eine berufl.Laufbahn bei der Wehrmacht beginnen. Er verpflicht sich. Es stellte sich für ihn nun die Frage zu welcher Einheit er möchte. Er überlegte nur kurz und entscheidet sich fürs fliegen. Die Schwerelosigkeit der Vögel fand er von Kindesbeinen an imposant. Den Wunsch selber fliegen zu können hatte er schon immer.
Nun kann er sich bald die Erde von oben betrachten, es den Vögeln gleich tun und fliegen.
Doch auch hier denkt er nicht daran einmal Bomben auf Länder, Städte, Dörfer .... und auf Menschen werfen zu müssen. Im Krieg!! Hauptsache fliegen.

Luftwaffe!

Unwillkürlich kommen einem die alten Bilder aus den Filmen des 2.Weltkrieges vor Augen. Die Stukaflieger, und ebenso die Kamikazeflieger.
All das ist nicht sehr real für die jungen Soldaten. Das ist nur im Schulunterricht gezeigt worden. Nur vergangene Geschichte.

Wir haben doch keinen Krieg.

Die Tests für die Ausbildung zum Piloten besteht Karl mit Bravour. Der einstige Sport hatte ihn gestählt. Die Grundvoraussetzung zum Fliegen ist erfüllt. Er freut sich darauf mit Mach - Geschwindigkeit durch den Himmel zu schießen, die Wolken zerschneiden zu können und eine sichtbare Spur in der Luft zu hinterlassen. Und erst nach dem Kondensstreifen kommt der Donnerhall mit dem er seine Anwesenheit als Held der Lüfte kundtut.
Er denkt immer nur an die Leichtigkeit und Schwerelosigkeit in der Atmosphäre, aber nicht an den Zweck, den er irgenwann einmal mit seinem Flugzeug erfüllen muß.

Nämlich mit seinem Tornado in den Krieg zu fliegen!!


Doch die Schulung zum Flieger der Kampfjets findet in Amerika statt.
Da schluckt Karl zum ersten Mal. Fort von Deutschland. Fort von der geliebten Frau. Als er es Luise beichtet fängt sie an zu weinen. Steht doch die Trennung kurz bevor. Das Karl nur an Wochenenden nach Hause kam da konnte sie mit leben.

Doch nun ... über das große Wasser?! So weit weg ... !!!

Große Angst macht sich breit. Die Lehrzeit dauert ein Jahr. Wird das die Liebe verkraften, diese lange Zeit der Trennung??
Doch Luise sagt was Karl insgeheim gehofft hat : "Ich komme mit"!

Doch n u r als Freundin kann sie nicht mit. Als Ehefrau ja. Es gab kein Überlegen. Das Liebespaar heiratet.
Die harte Zeit der Ausbildung beginnt. In dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in Florida.
Die Beiden sehen Dinge die es so in Deutschland nicht gibt. Alles ist größer und im Überfluß da. Das Wetter ist immer gut. Doch mit der Mentalität der Amerikaner kommen sie nicht so gut zurecht. Sie sind nun mal Deutsche.
Das eine Jahr ging schnell vorüber. Karl hat fliegen gelernt, hat  Bomben werfen gelernt. Er hat Krieg "spielen" gelernt.
Es ging wieder zurück nach Old Germany. Hier wurden Einsätze simuliert, Manöver geflogen. Tiefflüge geprobt. Sichtungsflüge geübt, ebenso Abfangmanöver trainiert.

Aber es ist kein Krieg.

Alles ist einfach, ein bischen durch die Lüfte fliegen. Jahrelang. Bis das eine Jahr kommt.
Karl muß zum ersten wirklichen Einsatz. Er soll  wirklich Bomben werfen. Soll  tatsächlich alles was er trifft in Schutt und Asche legen. Der Mensch Karl soll andere Menschen töten.
Karl schluckt zum zweiten Mal. Ein dicker Kloß sitzt in seinem Hals. Hat er doch nicht wirklich damit gerechnet.

Karl muß in den Krieg!

Luise ist erschüttert. Hat Angst! Karl beschwichtigt sie. "Ich bin doch in der Luft". Natürlich weiß Luise um das Flagfeuer dem Karl ausweichen muß. Sie weiß um die Abwehrraketen. Doch das Paar schweigt über die Angst die sie haben. Jeder macht seine Ängste und schlimmsten Träume mit sich aus. Blendet Verwundete und Tote aus. Sieht das Schlachtfeld das es real gibt nicht.
Zunächst scheint alles "harmlos" zu sein. Karl bringt nur Versorgungsgüter ins Krisengebiet und macht Aufklärungsflüge. Doch die Luftabwehr funktioniert gut. Kritische Momente sind während dieser Flüge die Regel. Zum Ausweichen verläßt der Tornado wie oft durch stetes auf und ab die Flugbahn. Oder was wie ein Winken des Flugzeuges aussieht ist in Wirklichkeit ein gewolltes seitliches Kippen um dem Flagfeuer oder Abwehrraketen zu entgehen.

Von alledem bekommt Luise nichts mit. Wie gut. Kontakt haben die Zwei kaum. Wenn Karl einmal die Möglichkeit hat Luise anzurufen, so sprechen sie nicht über den Krieg, sondern planen die Zukunft.
Und eines Tages steht er aus dem Nichts, ohne vorher etwas zu sagen wieder vor ihr. Karl war krank geworden und als fluguntauglich aus dem Kriegsdienst entlassen worden.  Vor lauter Freude ihren Karl unversehrt wieder zu haben wird die kleine stille Brünette fast ohnmächtig. Doch der Kriegsveteran hält sie mit seinen starken Armen fest. Stundenlang liegt die Fliegerfrau in seinem Armen und weint sich die Angst die sie um ihn hattte von der Seele.
Auch der Flieger, der einst naiv zu seinem Wehrdienst ging ist ernster geworden. Zuviel Leid und Tote hat er gesehen. Und wieder spricht er nicht mit seiner geliebten Frau darüber. Er will sie schonen. Er will nicht über die Nebenwirkungen des Krieges sprechen. Karl behält  das Trauma das er davon getragen für sich.

Jetzt beginnt für das Ehepaar eine schöne Zeit. Für den einstigen blonden Spaßvogel, der durch den Einsatz im Kriegsgebiet zu einem  gereiften, ein wenig ergrauten Mann geworden ist, ist der Krieg vorüber.
Seine Aufgabe ist es nun den Neuankommlingen in der Luftwaffe das Fliegen beizubringen. Die jungen Männer, die Soldaten werden wollen, auf den Krieg vorzubereiten.
Seine Erfahrungen weiterzugeben. Dazu gehört auch den Jungspunten von dem Leid der Menschen erzählen, und von den vielen Toten die er gesehen hat zu berichten.


Den jungen Draufgängern ist nicht klar was es bedeutet im Krieg zu sein. Zu zerstören und töten zu müssen, denn Karl spricht aus Erfahrung.


Er erklärt den Burschen ... So geht Krieg!!!

© margret









Margret geht putzen


Es ist Freitag, und ich schaue nicht ... 'Und ewig grüßt das Murmeltier' ..., sondern gehe wie immer zu meiner Tochter rüber ins Haus zum putzen. Das Kind ( es ist und bleibt 'das Kind' ) ist trotz Firma noch halbtags als Arzthelferin berufstätig. Und wie alle modernen Mama´s ist sie der weltbeste Terminplaner ihrer Kinder und ein noch besserer Chauffeur dieser Beiden. Außerdem muß Fräuleinchen ja in diversen Grüppchen, Vereinen, und was sonst noch alles sein,  in die sie  sich gewissenhaft einbringen kann. Nun gut, ich gebe ja zu, es kommt ihrer Maler und Lackíerfirma zugute. Es ist also eine moderne Form der Kundenaquiese.
Das habe ich begriffen und unterstützte meine Kinder wo ich nur kann. Entweder mit Babysitting, aber das Wort sollte ich mir mal abgewöhnen, es sind ja keine Babys mehr. Mittlerweile sind sie in ihrer Erfolgsleiter aufgestiegen,  und sind nun Kinder. Also heißt es ab nun : Kinder hüten. Ansonsten wie ihr ja wißt erledige ich Botendienste für die Firma und vieles mehr. Das fällt mir jetzt nicht so ein, was ich sonst noch alles mache. Ich werde doch alt und vergesslich, daß wißt ihr doch auch schon.

 Da frage ich mich gerade ... was wißt ihr eigentlich noch nicht?!

Ach, irgendein Geheimnis habe ich bestimmt noch, es sei denn mein Tagebuch plaudert mal wieder etwas aus.

Also gehe ich heute morgen mal wieder mit meinen Utensilien rüber. Außer dem Putzeimer nehme ich lieber meine Läppchen und den Schrubber mit, da weiß ich wie sie putzen. Was soll ich denn mit so einem unhandlichen Bodenwischer, wo ich den Wischiwaschi nie eingeklemmt krieg. Das ist doch ein zeitraubendes Theater mit diesen Mops. Da bin ich mit meinem Aufnehmer zehnmal schneller. Aber ich bin dennoch so modern und benutze  MikrofaserLappen. Eine wunderbare Erfindung. Doch bei dem Putzmittel bin ich wieder stur, da benutze ich das gute Alte. Ich muß diesen teuren Quatsch nicht haben. Meine Wunderwaffe heißt Schmierseife. Klappt seit Jahrzehnten bestens.

Auch die Blumenpflege habe ich übernommen. Wie sagte einmal meine Tochter zu mir: 'Komisch Mama, bei mir wollen keine Blumen wohnen, die gehen immer ein.' Gut, gieße ich auch noch die Pflanzen. Dabei hat sie nur drei Orchiedeen und einen Ficus Benjamini.  Wo bitte ist die Schwierigkeit?

Ficus gießen ...

Erste Orchidee in´s Tauchbad, in der Zwischezeit staubwischen.

Zweite Orchidee in´s Tauchbad, staubsaugen. 

Dritte Orchidee in´s Tauchbad, wischen.

Das staubwischen allerdings ist eine Herausforderung ... was ein Krempel überall. Überstehe ich wie immer tadellos, allerdings mit vor mich hinschimpfen.
Und da geht das Telefon. Ich melde mich auch schön, so wie es mir beigebracht wurde und schreibe alles sorgsam auf.
Nun das staubsaugen. Damit ich die Klingel auch höre, habe ich den Staubsauger immer auf der Flüstereinstellung. Und trotzdem ist es für den Geier, der hier auch noch wohnt zu laut. Das verstehe ich gar nicht, wo doch hier Kinder wohnen.  Komme ich an dem Käfig vorbei, flattert er wie bekloppt und alles ist voller Federn. Als ob ich nichts anderes zutun hätte als hinter ihm her zu saugen. Mistvieh! Er heißt Bubi und ist ein Wellensittich. Ein Erbstück von der verstorbenen Schwiegermutter meiner Tochter. Ja gut, ich sehe es ihm nach, schließlich hat er ein Trauma.

Und wieder das Telefon, dem  Flüsterton sei Dank gehört ... schnell ran, verwählt.

Wenn das so weiter geht, bin ich erst fertig wenn Frau Habkeinbockzuputzen zu Hause ist. Gut, fairerweise muß ich dazu sagen das sie mir eine Kleinigkeit dafür bezahlt. Willen wollte ich das nicht, aber es beruhigt ihr Gewissen. Auch gut, ich mache ja alles für die Kinder, warum nicht auch das Gewissen beruhigen.
Grade will ich mir das Wischwasser machen, schon wieder Telefon. Verstehe ich nicht, es gibt doch eine Rufumleitung. So langsam komme ich mir vor wie eine Sekretärin. Freundlich wie ich bin sage ich wieder meinen Text auf. Ein Mann ist dran und stottert vor sich hin. Offensichtlich irritiert um die Frauenstimme. Geduldig wie ich bin warte ich ab bis ein zusammenhängender Satz kommt, und schreibe geflissentlich sein Begehr auf. Kaum das ich aufgelegt habe kommt mein Schwiegersohn kurz rein, und erklärt mir das ich soeben mit einem pansionierten Pfarrer gesprochen hatte.
Nun hier unten fix wischen, und dann ab nach oben. Da ist unter anderem das blöde Bad. Das zu reinigen ist immer eine Prüfung sondergleichen. Das hebe ich mir immer bis zuletzt auf, und fordert meinen Wortschatz an unflätigen Beschimpfungen für Dusche und Badewanne aufs Höchste heraus.

Jedesmal dasselbe ... ich stehe in der Dusche, wischel verträumt die Wandfließen komme ich an den Griff ... Brause geht an ... Margret´s Füße ein nass. Aber ich habe ein wenig gelernt, noch nicht alles, aber ich habe schon einmal nur Gummischläppchen ohne Socken an. Und da ich die Brause immer in diesem noch blöderen Körbchen für die Körperpflegemittel ablege, werden auch nur die Füße nass, und nicht die ganze Margaret. Haha ...
Nur wenn ich die Handbrause wieder in das Gestänge hänge muß ich sie vorher gut auströpfeln lassen, sonst sind die Scheiben der Duschabtrennung wieder voll gesprickelt. Da denke ich auch nicht immer dran, und da kommen dann meine Worterfindungen die ich dann vor mich hinsage wieder. Aber heute klappt es tadellos.
Dafür geht schon wieder das Telefon. Wie schön das im Obergeschoß auch eins ist. Früher mußte ich immer runter flitzen. Das stellt euch mal vor was das für ein Zirkus war. Da stehste in der Dusche, Schlappen nass, eierst zur Treppe, Schlappen aus, ich will ja nicht auf die Schnute fliegen, Treppe runter ... Telefon bimmelt nicht mehr. Allerdings muß ich mir nun alles merken, bis ich wieder unten bin um es aufzuschreiben. Und das in meinem Alter ... merken ... ich!!

Bewaffnet mit meinem grünen Lappen und argwöhnischem Blick geht es nun der Badewanne an den Kragen. Mal schauen was mir heute für ein Wort für dieses Körperreinigungsaccessoire einfällt. Enweder ist die Wanne zu tief und zu breit, oder ich einfach zu klein. Fakt ist, ich muß zum putzen immer da rein klettern. Und stellt euch den Moment mal vor, wenn dann das Telefon klingelt, oder jemand an der Haustür ist. Nun erklärt sich euch die grüne Farbe meines Putzlappens. Nämlich die Reinigung unbeschadet zu überstehen und ich gefeit vor Störungen bin. Grün ist doch die Farbe der Hoffnung. Zu allem Überfluß steht die auch noch unter der Dachschrägen, es hat dann auch schon mal an meinem Köpfchen gerumpelt.

Doch heute geht alles gut, keine Störungen mehr, mein Gemecker hält sich auch in Grenzen. Die Waschbecken sind fertig, schnell wischen, und ab nach Hause.

The same procedure as every friday ....

© margret




Ahörnchen geht auf die Reise


„Halt mich, halt mich doch fest. Ich falle runter! Was geschieht nur mit mir?“ fleht das kleine gelbgrüne AhornBlatt seinem Blattkollegen zu. Der hört es nicht, denn er ist mit sich selber beschäftigt und droht ebenfalls abzustürzen. Da ist es passiert, das kleine Blatt hält sich die Augen zu und fällt hinab. Beeindruckt das ihm nichts passiert ist rappelt sich das kleine AhornBlatt  auf und hüpft schnell zur Seite. Gerade noch rechtzeitig! Mit einem kräftigen Plumps landet der große Blattkollege neben ihm.

„Da hast du aber Glück gehabt Kleiner.“ tönt ihm die sonore Stimme von dem alten Blatt entgegen.

„Ich zittere immer noch wie unsere Nachbarn, das Espenlaub“. wirft KleinAhörnchen ihm entgegen. „Ich kann doch nicht dafür das ich zu so später Jahreszeit unter dir noch gewachsen bin. MamaAst hat mich einfach herausgezogen ohne zu merken dass es schon Herbst ist. Somit hatte ich keine Zeit zu so einem großen Ahornblatt heranzuwachsen wie du. Gott sei Dank bin ich flink genug gewesen  zur Seite zu springen.“


„Stimmt, ich habe mich auch gewundert als du plötzlich unter mir erschienen bist. Es ist aber auch noch recht warm in den letzten Wochen gewesen, und VaterStamm hatte alle Hände voll zu tun das Wasser für uns alle herbeizuschaffen und hat nicht aufgepasst was MamaAst für einen Blödsinn macht, um diese Jahreszeit.“ erklärt das weise alte Blatt dem Junior.
„Nun liegen wir hier und können zusehen wie wir fertig werden. Es ist jedes Jahr derselbe Zirkus.“stöhnt der Alte gelangweilt. „Im Frühjahr fängt VaterStamm an, nach dem langen Winterschlaf, seinen Durst zu stillen und weckt  alle mit seiner Schlürferei auf. MamaAst wiederum hat keine Lust auf uns aufzupassen und schickt uns bei schönem Wetter nach draußen. Wenn dann der Herbst den Sommer ablöst wollen die Eltern uns wieder loswerden und schicken uns mit dem FreundWind auf die Reise.“

„Ach so ist das, und wohin fahren wir?“will das JuniorBlatt wissen. „Das weiß nur der Wind, und der lässt es immer eine Überraschung sein wo die Reise uns hinführt und wo sie endet.“erklärt der Senior dem Kleinen. „Und was machen wir jehetzt?“ fragt KleinAhörnchen genauso neugierig wie die Menschenkinder und zappelt ein wenig auf der Wiese herum.
„Wir warten dort drüben auf unsere Kollegen und halten solange ein Nickerchen bis sie da sind.“zeigt das alte AhornBlatt dem unerfahrenen KinderBlatt. „Dort, ganz nah am Stamm fällt selten ein Blatt hin, komm jetzt endlich. Ich will ein wenig schlafen nach dem anstrengendem Plumps.“
„Jaaaha, ich komme ja schon.“ bummelt Ahörnchen hinterher.

Ein kleines Lüftchen hat den Beiden geholfen ein wenig schneller an ihr schattiges Ruheplätzchen zu kommen. Obwohl es mitten im Herbst ist hat die Sonne noch erstaunlich viel Kraft den Tag zu erwärmen. Das ist sehr kräftezehrend für das eh´schon greise und trockene Blatt, im Gegensatz zu dem jungen AhornBlatt das noch in Saft und Kraft ist.
Kaum am schützenden Stamm angekommen schnarcht der Greise auch schon vor sich hin, Ahörnchen hat Mühe es im gleich zu tun, so aufgedreht wie er ist. Doch irgendwann ist auch er im Traumland angekommen.

„Hoppela, was ist denn nun los? Mir dreht sich ja alles und mir wird übel!“ schimpft das sowieso schon kleine AhornBlatt vor sich hin. Durch den Aufschrei wird der Alte unsanft geweckt. „Was lärmst du hier so herum?“ meckert er. „Ja schau doch mal, wir haben uns doch dicht an den Stamm gelegt gehabt, und wo sind wir nun?“empört sich das KinderBlatt. „Ach, das lernst du noch kennen Kleiner.“ winkt das greise Blatt ab und dreht sich wieder herum um weiterzuschlafen. „Du“stupst das junge Blatt den Alten an. „Was meinst du damit?“ Mit einem tiiiefen Seufzen und knistern am ganzen Blatt wälzt er sich wieder um und stöhnt: “Kannst du Quälgeist nicht solange warten bis ich ausgeschlafen habe? Ich muss mich ausruhen bevor es auf die Reise mit dem Wind geht, und erst recht wenn der Herbststurm mit seiner Blaserei und dem Geheule anfängt. Nun gut, ich erkläre dir den Kreislauf den wir jedes Jahr aufs Neue machen.“ Erwartungsvoll hat sich das kleine AhörnchenBlatt neben das weise alte Blatt geschmiegt und schaut ihn mit großen Augen an. Aufmerksam und wissbegierig lauscht er den Worten seines väterlichen Freundes.


„Weißt du mein Kleiner, du hast ja bemerkt das du nicht so groß geworden bist wie ich ..., weil  MutterAst dich zu spät raus geschickt hat.
Jedes Frühjahr wenn VaterStamm aus seinem Winterschlaf erwacht und mit seine Wurzeln sehr durstig wieder Wasser aus dem Boden bis hoch oben in die Baumkrone schlürft, ist dass das Zeichen für MutterAst uns langsam an die frische Luft zu schicken. Wir wachsen heran und zeigen uns im Sommer in voller Pracht, bis langsam der Herbst heran naht und wir einfach vor uns hinwelken. Irgendwann kann MutterAst uns nicht mehr festhalten und wir fallen herunter. Eine Weile bleiben wir noch am Leben und machen mit dem Wind eine Reise.“

„Und wohin geht die Reise?“ Ahnungsvoll blickt Ahörnchen den Greisen an. „Das weiß niemand. Schau mal, du hübsches gelbgrünes Blatt. FreundWind kommt schon herbei. Unsere Reise beginnt! Halt dich ein wenig an mir fest, bis du weißt wie man fliegt.“ Kaum ausgesprochen hebt der Wind die Beiden hoch und lässt sie über die Wiese tanzen. AhörnchenBlatt bestaunt die vielen kleinen Blumen, die ihm schnell noch zurufen das sie die Gänsblümchen sind. Der Alte hat seine Freude an dem jungen Kollegen und bemerkt das der Kleine den Dreh zum fliegen heraus hat, und kann es etwas langsamer angehen lassen. „Juchhhhuuuu ...“ hüpft das junge Blatt voll Vergnügen auf und ab. Es hat keine Zeit sich nach dem Greisen  umzuschauen. Einen Moment hat er nicht aufgepasst und bleibt hängen. „Auaaa, was ist das denn?“ schreit er auf und muss zwangsweise warten bis sein Lehrmeister völlig außer Atem bei ihm angekommen ist. „Schneller, es tut so weh! Irgendwas hat mich aufgespießt!“ kräht das unerfahrene Blatt dem alten Freund entgegen. Schmunzelnd kommt der an und tadelt sogleich: „Tja, ein wenig aufpassen musst du schon mein Lieber.“ Das ist eine Kastanienschale die deinen Übermut gebremst hat. Halt still, ich mach dich wieder los.“

Geschafft! Der Kleine ist wieder befreit, ohne irgendwelche Blessuren. Glück gehabt, die Reise hätte hier schon enden können. Dabei gibt es doch noch soviel was er noch nicht gesehen hat.

„So, nun ruhen wir uns ein wenig aus!“ befiehlt das alte Blatt. Kleinlaut und bedrüppelt folgt das AhörnchenBlatt dem weisen Alten an ein windstilles Plätzchen. „Hier bleiben wir ein Stündchen und nehmen erst eine der nächsten Windböen um weiter zu reisen,“ rät er. Müde von der Strapaze schlafen Beide schnell ein. Doch die Ruhe dauerte nicht lange. Eine heftiger Sturm kommt auf und treibt die beiden Blätter vor sich her. Auf und nieder geht es, über Hügel und Täler hinweg sausen sie in einen kleinen Wald hinein. Endlich liegen sie, völlig außer Atem, aber geschützt unter den hohen Tannenkronen auf einem Ameisenhügel. Schön weich gebettet auf tausenden von Tannennadeln beschließen sie hier zu bleiben und sind glücklich darüber das kein Windstoß sie erreichen kann. Doch wie soll ihre Reise dann weitergehen ohne einen Windstoß? Erleichtert das sie ihre Karussellfahrt heil überstanden haben wollen sie sich darüber noch keine Gedanken machen und halten ein wohlverdientes Nickerchen.

Nach einigen Stunden erwachen Beide gleichzeitig. „Duhuuu“, stupst das kleine Blatt den arg in Mitleidenschaft gezogenen Alten an. „Ich bin wach, du auch?“ „Ja“, knurrt das alte AhornBlatt zurück. „was willst du? Mir tut alles weh!“stöhnt er schlechtgelaunt. „Dieser vermaledeite Sturm hat uns weit von unserer Reiseroute weggetrieben.“ klagt das schrumpelige Blatt den Kleinen an, als ob er daran Schuld wäre. Automatisch duckt sich AhörnchenBlatt hinter den Ameisenhügel, vor lauter Angst das er Schelte bekommt. Dabei weiß er doch gar nicht was passiert ist. Erschrocken sieht der Greise die Angst in Ahörnchens Augen und entschuldigt sich. Erleichtert kommt das junge Blatt wieder hervorgekrochen und fragt mit zitternder Stimme was los ist.
„Ach mein Junge, wir müssen sehen das wir in Kürze hier aus dem Wald wieder herauskommen. Doch hier kann uns noch nicht einmal ein noch so kleiner Windhauch erreichen. Die Baumkronen haben ein zu dichtes Dach und hier gibt es keine Luftbewegung. Die brauchen wir aber um fliegen zu können“.

„Qh jemineeee, was sollen wir nur tun?!“ jammert KleinAhörnchen.

„Keine Sorge, mir fällt schon etwas ein“. beruhigt der Greise seinen Zögling. „Eine Weile ruhen wir uns hier noch aus, und dann sehen wir weiter.“ schlägt er aufmunternd dem Kleinen vor. Kaum hat er es ausgesprochen bekommen sie Besuch von einem Kastanienblatt.
„Hallo ihr Zwei, ich habe mich verirrt, könnte ihr mir weiterhelfen?“ „Aber ja,“sagen die AhornBlätter wie aus einem Mund. „Wir sind schon eine Weile unterwegs und der Sturm hat uns hierher getrieben,“erklärt das junge AhörnchenBlatt dem neuen Kollegen. „Mein Freund hier weiß ganz genau wie die Reise weiter geht. Wir wollen uns noch einen Moment ausruhen, und dann geht es weiter. Du kannst ja dann mitkommen.“ schlägt das junge Blatt dem Neuankömmling vor.

Raschelnd vor Freude und Erleichterung stimmt das große braune KastanienBlatt dem Vorschlag zu.

Unterdessen hat das greise AhornBlatt einige Ameisen mobilisiert die schon in Reihe und Glied parat stehen um alle drei Blätter auf die Schultern zu nehmen. So kommen sie ohne Schwierigkeiten an den Waldrand. Dort müssen sie nur noch auf FreundWind warten der sie wieder mit auf die Reise nimmt.
Mit Leichtigkeit setzen die freundlichen Ameisen das Dreigespann auf dem immergrünen erfrischend feuchten Moos ab. Was für eine Wohltat für die Blätter wieder heraus aus dem dunklen und windstillen Wald zu sein.
Von weitem sehen sie auch schon ein paar Wolken herannahen. Das bedeutet, dass der Wind nicht mehr lange auf sich warten lässt.

Und schon ist es so weit …

Eine Windböe nimmt sie wieder mit hoch in die Luft. Heissa, hussassa ein lustiger Tanz beginnt. Ahörnchen und Kastanie tragen einen kleinen Wettstreit aus und lassen das alte Blatt weit hinter sich. Immer weiter und höher sausen sie dem Himmel entgegen und bemerken das Zurückbleiben ihres väterlichen Freundes erst spät. Schnell kehren sie wieder um.

„Kleiner, meine Reise endet nun hier.Ich bin zu alt und schon sehr geschwächt von der langen Fahrt durch die Lande. Ich habe dir verschwiegen das ich dich nicht bis zum Ende begleiten kann. Du bist noch voller Elan und hast eine neue Begleitung gefunden. So kann ich mit ruhigem Gewissen hier mein Leben beenden und auf das Frühjahr warten. Du erinnerst dich daran das ich die von unserem Kreislauf erzählte. Doch dazu gehört auch unser Sterben, das sagte ich dir vor unserem Reisebeginn nicht. Für mich ist es nun soweit. Setzt ihr nun euer Abenteuer fort. Wir sehen uns im Frühjahr wieder. Am selben Baum!“ verabschiedet sich der Greise von seinem jungen Weggefährten.

Das wenige Wasser das AhörnchenBlatt noch gespeichtert hat rinnt ihm nun als Tränen am herunter

Herzerreißend schluchzt er und kann sich kaum beruhigen.

Einziger Trost ist sein neuer KastanienFreund, der ihn mit seinen vielen Blattfingern in die Arme nimmt. Viel Zeit zum traurig sein hat Ahörnchen nicht.

Ein Sturm kommt auf und die Beiden haben alle Hände voll zu tun sich in den vielen Luftwirbeln nicht zu verlieren
Atemlos fallen sie in einen kleinen Fluß auf dem sie in einen See schwimmen und landen in einer Fischreuse. Sie sind gefangen! Der eine spricht dem anderen Mut zu und müssen drei Tage in ihrem  nassen Gefängnis verharren bis von einem kleinen Jungen befreit werden. „Papa, schau einmal was hier für wunderschöne Blätter drin sind. Ein tolles gelbgrünes kleines AhornBlatt und ein schönes braunes KastanienBlatt.“ „Du hast recht, mein Junge, das sind sehr schöne Exemplare die uns die Natur zur Verfügung stellt. Wir nehmen sie der Mama mit. Sie wird sich sicher freuen wenn sie es von dort oben sieht." wehmütig schaut der Vater zum Himmel hinauf. "Weißt du noch mein Junge, wie Mama sie in ein Buch legen durch das pressen haltbar gemacht hat?“ „Stimmt Papa, und später wurden sie eingerahmt.“ erinnert sich der Junge. „Ganz genau, auf diese Art und Weise hat Deine Mutter schon tolle Bilder gezaubert. Komm, es wir Zeit nach Hause zu fahren. Auf dem Weg machen einen Abstecher zum Friedhof und legen sie der Mama auf das Grab."

Interessiert haben die beiden BlattFreunde zugehört, und wissen nun das auch ihre Reise hier ein Ende hat.

©margret



Der verirrte Eiskristall



Es ist mitten in der Nacht als ein hilflos klingendes Jammern in dem Dunkel ertönt. Es hat Neuschnee gegeben.  Nur die Dorle streunt herum. Dorle ist eine junge Katze die kein Zuhause hat. Ihre Ohren, die eben noch ein wenig mutlos herunter hingen stehen bei dem ungewohnten Geräusch strack.

'Wo kommt das nur her?'

Sie schaut sich um, kann aber nichts entdecken. So kämpft sie sich weiter durch den zentimeterhohen Schnee, auf der Suche nach einem warmen Plätzchen.
Sie war einmal bei einer jungen Familie mit drei Kindern zu Hause. Heissa hussa,  war das dort lustig. Es ging recht turbulent zu, die Kinder hatte allerlei Blödsinn im Kopf. Doch eines Tages wurden alle sehr traurig . Der Vater hatte seine Arbeit verloren. Nach einigen Wochen jedoch kam das Aufatmen. Der Mann hatte eine neue Anstellung in einer Fabrik gefunden. Doch sie mußten in eine andere Stadt umziehen. Weit weg von hier, und die kleine Katze durfte nicht mit in die neue Wohnung.

Schweren Herzens sollte sie ins Tierheim gebracht werden. Dorle hörte die Unterhaltung zwischen den Eltern und ist ausgebüchst.

Mittlerweile kennt sie sich hier gut aus. Gleich um die Ecke ist die Firma wo der Familienvater einmal gearbeitet hat. Es gibt direkt daneben einen alten Bretterschuppen. Die Tür steht immer einen Spalt auf. Dort wärmt sie sich auf und kann schlafen.
Diese Nacht ist Vollmond und sternenklar. Und immer noch, mit dem Seufzen im Ohr, kommt die kleine Katze endlich in ihrem neuen Zuhause an. Sie zittert am ganzen Körper, es ist bitterlich kalt. Das bunte Fell ist nass, hoffentlich bekommt sie keinen Schnupfen. Doch die Menschen sagen ja ... Katzen mit buntem Fell sind Glückskatzen ... . Stimmt, Glück hat sie mit ihrem neuen Unterschlupf, und eine Erkältung wird sie sicher auch nicht bekommen.
Sie schüttelt den Schnee von Bauch und Pfoten ab, und legt sich auf die weichen Lumpen zum schlafen.
Am nächsten Morgen wacht Dorle wie gerädert auf. Das Gräusch vom Abend ging ihr immer wieder durch den Sinn

'Was war das nur?'

Sie verdrängt den Gedanken daran und  macht sich auf Futtersuche. Der tiefe Frost hat den neuen Schnee gefrieren lassen und mit jedem Schritt ist ein leichtes Knirschen zu hören.
'Scheiß Wetter, wäre der Winter doch bald vorüber' ärgert sich das junge Katzenmädchen. Hätte sie Gesellschaft könnte es ja ganz lustig sein. Aber so ... .
Da hört sie Kinderlachen. 'Ach, da hinten ist ja schon die Schule.' Einige Schüler machen eine Schneeballschlacht und seifen sich mit dem Schnee ordentlich ein. Andere rollen riesige Kugeln um einen Schneemann zu bauen.
Es macht Spaß den Kindern zuzusehen. Da kommt ein Schneeball auf Dorle zugerollt, und sie hört das selbe Jammern wie am Abend zuvor. 'Komisch, was ist das nur, und so nah.' Aber die Katze kann kein Kind oder ein anderes Tier entdecken, alle Schüler zum Unterricht rein gegangen.

Sie schüttelt verständnislos mit dem Kopf und spielt ein wenig mit dem Schneeball. Da hockelt die Kugel gegen eine Mauern und bricht auseinander.
Und was sie da hörte ließ Dorle an ihrem Verstand zweifeln. Aus dem klagenden Jammern wurde ein lautes ...  "Juchuuuuuuhh"!!!
Die kleine Dorle flitzt zu der Mauer und schaut nach. Da steht tatsächlich ein kleines Wesen was sie noch nie gesehen hat. Erstaunt fragt sie: "Wer bist du denn?" "Ihich??"kommt noch fragender zurück. "Ja, du! Ich bin eine Katze und heiße Dorle".  " Ich bin ein Eiskristall und heiße Friedolin." antwortet er ein wenig mürrisch.

Friedolin ist noch ein wenig k.o. von der Schneeballschlacht. Als er den erstaunten Blick von Dorle sieht erklärt er noch schnell: "Ich habe mich verlaufen, und dann haben die Kinder mich in der Schneekugel gefangen".
"Ach sooo, wie furchtbar. Wo wolltest du denn hin?" fragt Dorle verständnisvoll.
"Ich bin von zu Hause weggelaufen, weil ich ins Tierheim sollte." seufzt Dorle dem kleinen Friedolin zu. Dieser kommt mit seinen kleinen gezackten Beinchen schnell zu Dorle und schmiegt sich tröstend an sie. Nach nur einem kleinen Moment schreit er auf, und zuckt von der Katze zurück.

Dorle schaut ihn erschrocken an: "Was ist los?" "Schau mal, was ist das denn?" Friedolin guckt entsetzt an sich herunter. Dorle blickt auf den Boden und sieht ein wenig Wasser und erklärt: "Ach herrje ..., Friedolin!! Du schmilzt, ich bin zu warm. Komm schnell, und leg dich in den Schnee". ruft sie ihm zu.
Gesagt ... getan. Eine Weile wälzt sich der kleine Eiskristall im Schnee, und alles ist wieder gut.
Arme sind wieder schön gezackt, ebenso die kurzen Beine, und der Kopf sieht aus wie ein Minikranz aus Eiszapfen ... Friedolin ist wieder ein wunderschöner Kristall.

Beide atmen auf. Das ist noch einmal gut gegangen!

"Wo wolltest du denn hin?" fragt Dorle. "Ich wollte zum Christindlesmarkt nach Nürnberg, wo das Christkind heute den Markt eröffnet, und das Christkind ist doch immer so schööön". schluchzt Friedolin. "In Nürnberg bist du, und zur Markteröffnung haben wir noch genug Zeit um hinzukommen. Das ist gar nicht weit von hier, das schaffen wir rechtzeitig" tröstet Dorle den kleinen Eiskristall.
"Wirklich? Dort will ich mich mit ein paar Freunden treffen." erklärt Friedolin und ist erleichtert das er rechtzeitig zum 'Christkind' kommt.
 "Komm wir gehen schon mal los, ich muß mir noch was zu essen besorgen. Auf dem Weg zum Markt kommen wir an einer Metzgerei vorbei. Die stellen die Abfälle immer nach draußen. Da kann ich mich stärken." sagt die hungrige Katze bestimmend.

Wäre es nicht so kalt wäre würden die beiden auf ihrem Weg ein Liedchen anstimmen. Friedolin braucht ja die Kälte, aber Dorle bibbert schon ein wenig.  So erklärt Friedolin ihr wie er zu einem Eiskristall wurde und läßt Dorle die Kälte vergessen. Und ruckig zuckig sind sie auch schon bei der Metzgerei und die kleine Glückskatze kann sich den Bauch ordentlich vollschlagen.
"Aahh, das war lecker. Wir gehen auch besser sofort weiter. Es sind nur noch zwei Strassen bis zum Christkindlesmarkt. Dann kannst du in Ruhe schauen wo deine Freunde  sind." schlägt Dorle besonnen vor.
Endlich ist das seltsame Gespann am Marktplatz angekommen. Viele Menschen stehen schon dort und warten geduldig auf das erscheinen des 'Christkindes'.
"Da ... da hinten sind sie." ruft der kleine Eiskristall  aufgeregt der Katze zu. Dorle schaut in die Richtung wo Friedolin mit seinem wundervoll gezackten Arm hinzeigt. Hoch oben auf der Stromleitung sitzen seine Freunde und lassen ihre Beinchen baumeln. Sie haben besten Blick auf den Balkon der Frauenkirche wo nachher das Christkind den Weihnachtsmarkt eröffnen wird.
"Wie komme ich da hoch?" fragt Friedolin fast weinend. Tja ..., auch Dorle ist ratlos.

Als ob der kalte Ostwind es gehört hätte. Er frischt ein wenig auf und trägt den federleichten Friedolin zu seinen Freunden hoch. Jauchzend vor Freude winkt er Dorle zum Abschied zu, und achtet auf den Moment, wo er sich an der Stromleitung festklammern muß.

Geschafft!!

Gerade noch rechtzeitig wo das 'Christkind' die Empore betritt, und nach frenetischem  Applaus mit ihrer berühmten Ansprache beginnt:"Ihr Herren und Frau´n, die ihr einst Kinder wart ..." den Weihnachtsmarkt eröffnet.
Voller Ergriffenheit rücken die Eiskristallfreunde eng zusammen und bilden gemeinsam den schönsten Eiszapfen den Dorle je gesehen hat.



Auch Dorle kannte die Eröffnung des 'Christkindlesmarktes' noch nicht, und ist begeistert um den 'Geist der Weihnacht' der deutlich zu spüren ist.
'Wie schön das ich den Fridolin gefunden habe, und ich dieses wundervolle Erlebnis mit ihm teilen konnte. Nächstes Jahr komme ich wieder her um mir die Eröffnung des 'Chriskindlesmarktes' anzuschauen.' sinniert die kleine bunte Katze die wirklich bisher viel Glück hatte.

© margret





Ein Tannenbaum muss her  



„Nun komm endlich! Ich hab die Axt schon aus dem Keller geholt. Außerdem wird mir langsam warm in dicken Klamotten hier. Los jetzt, es ist fast Mitternacht. Die beste Zeit in den Wald zu gehen um uns einen schönen Baum zu schlagen.“ mahnt Alfred. „Ja doch, ich muss nur noch einmal zur Toilette und Schuhe und Jacke anziehen. Weißt du denn wo meine Handschuhe und der Schal sind? Ich kann die nirgends finden.“ antwortet Julia gelassen und denkt bei sich: ´Immer diese Hetzerei, wir haben doch noch die ganze Nacht Zeit um die schönste Hallelujastaude zu finden.´

Bei den Kremers ist das irgendwie anders herum. Alfred steht auf das WeihnachtsDrumHerumGedöns während  Julia sich eher dem Minimalismus, was die Weihnachtsdeko angeht, verschrieben hat. Ganz nach dem Motto … weniger ist mehr … oder noch besser … gar nicht.
Das kommt wohl daher weil ihre Mutter eine DekoQueen war und Julia froh war dem Ganzen entfliehen zu können, als sie mit Alfred zusammen zog.

„Was ist denn nun. Kommst du mal endlich?!“ so langsam wird Alfred stinkig. „Ja, da in ich doch,“ schmunzelt Julia ihren Alfred an. Gestiefelt und gespornt baut sich Julia vor ihrem Freund auf und tut so als ob sie kein Wässerlein trüben könnte. Wie gut das Alfred nicht ahnt das Julia ihn nur aufziehen wollte mit ihrer Bummelei. Dieser blickt wieder versöhnlich drein und fragt den Dekokretin´ Julia ob sie die Taschenlampe hat. „Ja, mein Lieber hab ich“. Mit einem
 Rumms knallt die Haustür zu und die Beiden stapfen durch den knirschenden Schnee. Väterchen Frost gibt alles und zaubert aus dem Schnee knisternde Firnis und lässt den Atem als kleine Nebelgebilde sichtbar werden. Ebenso können Julia und Alfred dem legendären „Red Nose“ Rentier Konkurrenz machen, denn genauso rot leuchten ihre Nasen. Und das so ganz ohne Glühwein.
Weit ist es bis zu dem kleinen Wald nicht. Eigentlich ist es ja gar kein Wald wo die den Tannenbaum pflücken wollen, sondern ein WeihnachtsbaumAnbauFeld. Doch um dort hin zu gelangen müssen sie einen kleinen Hain durchqueren. Das Paar wohnt in einer Region in der es viele solcher Tannenfelder gibt, und wer etwas auf sich hält kauft keinen Baum, sondern klaut ihn sich. Später gibt man dann bei den geselligen Adventssonntagstreffen, die in dem Freundeskreis reihum gehen, seine Geschichte um den Baumklau zum besten.
Das ist eine sehr lustige und glühweingeschwängerte Angelegenheit auf die man sich das ganze Jahr über freut.

Dieses Mal findet das Treffen bei Julia und Alfred statt. Also muss es einfach der allerschönste Weihnachtsbaum ever werden. Alfred war schon im Keller und hat die Kisten mit dem Weihnachtsschmuck parat gestellt, denn gleich morgen will er die Wohnung wie in einem Weihnachtsmärchen verwandeln. Für Julia ist es immer eine harte Prüfung wenn sie das Werk begutachten muss. Sie hat sich, wie jedes Jahr, vorgenommen mit ihrer Freundin derweil auf ShoppingTour zu gehen und somit ihrem Freund freie Bahn zu lassen.

Während die Beiden in friedlicher Eintracht nebeneinander im Schnee ihre Spuren hinterlassen, Alfred mir der Axt über die Schulter und Julia mit der Taschenlampe den Weg erhellend in der Hand, hören sie ein Geräusch das so eigentlich nicht in den Wald gehört. Sie verharren wie eingefroren in der Bewegung und schauen sich verdutzt an. Keiner sagt etwas, sie warten einen Moment ab und schleichen weiter. Nichts ist mehr zu hören. Nach ein paar Metern wagt es Julia die gespenstische Stille zu durchbrechen und flüstert was von … habe Angst.
„Keine Sorge mein Liebling, das wird nur ein Reh gewesen sein das sich um unsere Anwesenheit hier gewundert hat. „ beruhigt er seine Freundin. „Der Förster war es ganz sicher nicht, der hätte uns was zugerufen. Außerdem liegt er zu dieser nachtschlafenden Zeit neben seiner Frau im warmen Bett.“ weiß Alfred. „Na gut, komm, wir wollen uns beeilen. Da vorn sind ja auch schon die Tannenbäume.“ Kaum das sie es ausgesprochen hat ist da wieder so seltsames Töne. Diesmal etwas anders. Reflexartig leuchtet Julia in die Richtung aus der sie es hörte und sieht nur schemenhaft irgendetwas. Ein Reh war das nicht, die Augen des Tieres hätten reflektiert. Sie stupst Alfred aufgeregt an, doch der war mit Weihnachtsbaum gucken beschäftigt und hat nichts gesehen.

„Ach, was du nur hast. Das wird wieder irgendein Tier gewesen sein das auf Nahrungssuche ist“ tut Alfred mit der Hand winkend Julias Bedenken ab. „Schau mal, was hälst du von dieser Tanne?“ lenkt er die ängstliche Julia ab. Diese beleuchtet den Baum von oben bis unten und meint das er krumm ist.

„Und diese?“ „Nee, das ist doch eine Blautanne. Die reihert schon kaum das die Adventszeit um  ist.“ quengelt sie. „Dann guck endlich mal mit!“ entgegnet Alfred barscher als er es eigentlich wollte. Julia geht ihm langsam mit diesen ominösen Geräuschen und der Kritik an jedem Tännchen auf den Geist. „Ja, aber da war doch ...“ versucht Julia zu widersprechen. „Hör endlich mal auf damit!“ will Alfred befehlen und schrickt zusammen.
Ganz nah hinter ihnen ein Knacken! Beide schnellen herum. Außer den Bäumen voller Schnee und Eiszapfen, die sehr mystisch in der Nacht aussehen, ist  einfach …, NICHTS. Nur Dunkelheit die durch das helle Taschenlampenlicht ein durchbrochen wird. Ratlos schauen sich die Beiden an. Sie haben das doch nicht geträumt! Das Paar schaut sich noch einmal absichernd um, doch Niemand ist da, noch nicht einmal andere Spuren sind im Schnee zu sehen. Nur ihre eigenen, das ist mehr als merkwürdig!

„Los komm Julia, wir nehmen hier diese Nordmanntanne und hauen ab“. Mittlerweile ist es auch Alfred nicht so ganz geheuer hier in der nächtlichen Landschaft. „Ja gut, beeil dich“. Julia ist erleichtert endlich hier weg zu kommen. Wer weiß wer hier herumschleicht!
„Verflixt nochmal, leuchte den Stamm gescheit an. Ich sehe doch nicht´s!“ herrscht Alfred seine Freundin an. Diese zuckt zusammen und richtet den Lichtschein besser auf die Tanne. Er hat ja recht, umso schneller kommen sie hier weg.
Es ist, als ob sich der Weihnachtsbaum sich nicht fällen lassen wolle. Alfred rinnt der Schweiß trotz der Kälte über die Stirn. „Vermaledeit, was soll das denn?!“ brummelt er vor sich hin. „Ich bin doch nicht zu blöd den Stamm durch zuhauen.“ und schaut Julia ratlos an. „Einen Versuch noch, wenn es nicht klappt gehen wir eben ohne Baum nach Hause.“ meint Alfred und fühlt sich ein wenig in seiner Ehre gekränkt und holt zu einem kräftigen Schlag aus.
Krachend fliegt die Axt in den Stamm und endlich ist die widerspenstige Tanne erlegt, und der Tannendieb liegt im Schnee. Er hatte nicht damit gerechnet das die Axt endlich wie Butter durch das gefrorene Holz geht und ist mit dem Schwung neben ihr in der weißen Pracht gelandet. Erleichtert und lachend schaut Julia zu ihm runter und mahnt ihn zur Eile. Sie will nur noch weg von diesem merkwürdigen Ort.

Alfred rappelt sich wieder auf, gibt Julia die Axt und schleift den Baum hinter sich her. Das Tannenfeld haben sie schnell durchquert und sind wieder in dem Tann angekommen. Doch Meter für Meter, den sie auf dem Nachhauseweg sind wird der Christbaum immer schwerer. Zunächst sagt Alfred nichts da er der Meinung ist dass das Fällen doch arg kräftezehrend war. Aber dann beschleicht in so ein merkwürdiges Gefühl, so als ob sich Jemand auf den Baum gesetzt hätte. Doch umschauen mag er sich nicht. Er bekommt auch langsam Schiss. Das kann er Julia gegenüber doch nicht zugeben.

Da … schon wieder! Das Paar guckt sich verzweifelt an und die Köpfe schnellen herum. Nichts! Woher kommt das denn? Die Laute kamen doch direkt hinter ihnen her. Wieso sehen sie denn nichts. Der Lichtschein reicht bis weit nach hinten. Man müsste doch den Verursacher sehen können. Einzig der einsetzende Schneefall ist in dem Lichtkegel zu sehen. Unter normalen Umständen ein romantischer Moment sich die tanzenden Flöckchen in der sternenklaren Nacht zu betrachten, doch so denken sie nur ans nach Hause kommen, und das so schnell wie möglich. Als hätten sie sich abgesprochen lässt Alfred den Tannenbaum fallen, rennen aus dem Wäldchen heraus und kommen atemlos in ihrem warmen Heim an. Erschöpft gehen die Beiden zu Bett und verbringen eine unruhige von Albträumen geplagte Nacht.

Beim Frühstück beschließt das Paar nachmittags zum Weihnachtsmarkt zu gehen um sich ihren Tannenbaum ganz ordentlich wie alle Anderen auch zu kaufen.

Je länger sie drüber nachdenken steht für Julia und Alfred fest das es der Geist der Weihnacht gewesen sein muss der an ihr Gewissen appelliert hat. Kaufen statt klauen! Auch wenn es in ihrer Region ein Volkssport ist sich auf diese Art und Weise einen Christbaum zu besorgen.
Gemeinsam beschließen sie das die Geschichte um den versuchten Tannenklau nicht zu toppen ist, obwohl noch zwei Paare an der Reihe sind ihre Geschichten um den Klau der Hallelujastaude zu erzählen.


© margret
















Eine Erinnerung


Die Halde ist hoch aufgeschüttet, eigentlich schon ein kleiner Berg und mit den Jahren hat sich die Natur ihren Platz zurück erobert. Bäume, Sträucher und Gräser haben das Anthrazit der Steine zuwuchern lassen. Lange Brombeertriebe, die an die Tentakeln eines Oktopus erinnern versperren den Weg. Schlehenzweige mit ihren spitzen Dornen vervollkommnen das Bild. So muss die Dornenhecke um Dornröschens Schloss einst ausgesehen haben.
Der Abraum, aus dem die Halde wuchs entstammt tief unten aus dem Berg. Die Steinbrocken wurden heraus gebrochen um an den begehrten Schiefer zu gelangen. Für uns heute unvorstellbar die Arbeit mit den langen schweren Eisenstangen, die mit einem Fäustel  in den Stein hineingetrieben wurden, um Löcher für die Sprengungen vorzubereiten.

Hart ist der Fels!

Die ewige Dunkelheit wurde nur von einem Laternenlicht erhellt. Eine Qual sich so sein tägliches Brot zu verdienen ..., damals vor über hundert Jahren.

Franz kommt erschöpft nach Hause und hockt sich in der warmen Küche auf den Hocker. Seine Haut ist kohlrabenschwarz und riecht etwas moderig. Rasch setzt Elisabeth Wasser in einem blechernen Kessel auf den kleinen Herd und holt noch etwas Holz zum feuern herein. Schnell ist das Wasser heiß und sie schüttet es in die weiße Emaille Schüssel und hilft Franz beim reinigen. Der feine Staub sitzt tief in den Poren und lässt sich nur mühselig mit der Kernseife entfernen.

Tag für Tag dieselbe Prozedur.

Doch in dieser harten Zeit ist das Paar froh ihr karges Leben bestreiten zu können. Lange genug mussten sie hungern, so sind sie froh das Franz in Lohn und Brot kam. Ab und zu konnte Elisabeth ein wenig dazu verdienen. Sie ging dann zum Bauern und half die Kühe melken. Dafür bekam sie eine Hand voll Kartoffeln und ab und zu etwas Speck sowie einen Liter Milch. Doch das ist vorbei, eine Seuche hat das Viehzeug dahingerafft. Tränen rinnen der jungen Frau über die Wangen sobald sie an den Verlust denkt. Sie braucht doch die fette Milch und den Speck ..., denn sie erwartet ein Kind. Franz weiß es noch nicht. Morgen will Elisabeth zur Hebamme gehen um sich ganz sicher zu sein das die Hochzeitsnacht nicht ohne Folgen geblieben ist.

Franz schreckt sie aus ihren Gedanken auf. Er hat Hunger, doch Elisabeth hat vor Sorgen vergessen die dünne Kartoffelsuppe warm zu machen. Gemeinsam und schweigend nehmen sie ihr kärgliches Nachtmahl ein. Eine kleine Petroleumlampe sorgt  für Licht in der Küche. Es ist gerade hell genug um ausreichend sehen zu können. Da Franz während der vielen Stunden unter Tage in spärlichem Licht schuftet möchte er es zu Hause besser haben und greift nach der Lampe um sie heller zu drehen. Doch Elisabeth mahnt zur Sparsamkeit, denn Petroleum und Docht sind sehr teuer. Kaum dass sie mit essen fertig sind steht Franz auf und schlurft in die Schlafkammer. Sie ist gerade groß genug das ein Bett mit Nachtkasten und einem Stuhl Platz hat. Elisabeth bringt schnell die Küche in Ordnung und legt sich zu Franz in das schmale Bett. Beide liegen noch lange Rücken an Rücken wach. Jeder macht sich um den geliebten Partner Sorgen und hofft auf bessere Zeiten. Franz macht sich Vorwürfe das er seine Elisabeth kaum versorgen kann, und Elisabeth wiederum weiß nicht wie sie Franz von ihrer Schwangerschaft berichten soll.

Der nächste Morgen ist da. Schon früh müssen sie aufstehen um ihr Tagwerk zu beginnen. Franz geht mit dem ersten Hahnenschrei schon los zum Schieferbau und fährt unter Tage ein. Elisabeth geht sobald es hell ist in den Wald um Holz und Tannenzapfen zu sammeln. Es ist eine mühselige Arbeit, denn die junge Frau muss alles in Arm und zusammen geraffter Schürze nach Hause schleppen. Eine Kiepe für den Rücken, worin sie das Brennmaterial nach Hause bringen kann, hat sie nicht. Endlich ist es geschafft, und sie kann das Feuer in dem alten gusseisernen Herd schüren um das kleine Haus zu erwärmen und sich einen Tee aufzusetzen. Am Waldrand hat sie Kamille gefunden, und der Tee daraus wird ihr gegen die Übelkeit gut tun. Dann macht sie sich auf den Weg zur Hebamme. Nach einer kurzen Untersuchung bestätigt die erfahrene Geburtshelferin Elisabeth ihren Verdacht.

Mit gesenktem Haupt geht Elisabeth langsam nach Hause. Eigentlich sollte sie sich über das Baby freuen, auch Franz wünscht sich ein Kind. Doch sollte es erst später kommen, wenn sich die Zeiten gebessert habe.  Lange noch dauert es bis ihr geliebter Mann nach Hause kommt, den sie sehnsuchtsvoll erwartet.

Knarzend geht die alte Holztür auf und ihr treusorgender Ehemann kommt noch müder und leichenblass in die Stube. Besorgt eilt die junge Frau ihm entgegen und geleitet ihn stützend zu dem Lehnstuhl der direkt neben dem warmen Herd steht. Fast schon fällt Franz auf den alten Stuhl den er noch von seinem Vater hat und murmelt kaum noch verständlich was von Schmerzen. Mit Mühe und Not hatte er sich noch nach Hause schleppen können. Doch nun haben ihn seine Kräfte verlassen und er sackt in sich zusammen. Wie kopflos steht Elisabeth daneben und weiß nicht was sie tun soll. 'Der Doktor muss kommen!' schießt es ihr durch den Kopf. Doch wovon soll sie ihn bezahlen? Sie hat weder genug Geld, noch ein Stück Schinken oder Huhn das sie ihm als Bezahlung geben könnte. Ein Zucken geht durch ihren Körper und sie weint bitterlich. Franz sieht zum Gott erbarmen aus und ringt nach Luft.

In ihrer Not läuft sie zum Pfarrer. Der verspricht ihr sofort zum Dorfarzt zu eilen. Elisabeth hastet nach Hause und kommt dort völlig außer Atem an. Verwundert sieht sie geöffnete Haustür und den Arzt vor Franz stehen dessen Gesicht blau angelaufen war. Der Doktor war auf dem Weg in die Praxis und hatte die Tür sperrangelweit auf gesehen. Nach kurzem Zögern und sich wundern ist er in das Haus eingetreten und hat den bewusstlosen Franz am Boden liegen sehen. Elisabeth hatte in ihrer Eile die Eingangstür nicht versperrt. Nach einer kurzen Untersuchung stand fest das er für den jungen Ehemann nichts mehr tun konnte.

Betreten schaut er die abgehetzte junge Frau an und schüttelt vielsagend mit dem Kopf. Diese formt den Mund zu einem lautlosen Schrei und wird fast ohnmächtig. Bevor sie zu Boden fallen konnte ist auch schon der Arzt bei ihr und nimmt sie tröstend in den Arm und führt sie ihrem Franz. Stumm hockt sie sich neben ihm und legt vorsichtig seinen Kopf in ihren Schoß und streicheln ihn zärtlich, wissend das ein Abschied für immer sein wird.
Die Nähe und Liebe spürt Franz und schlägt noch einmal die Augen auf. Ganz dicht geht Elisabeth an sein Ohr und flüstert ihm das sie schwanger ist. Ein letztes Strahlen und Lächeln geht über Franz Gesicht bevor er die Augen für immer schließt und in Elisabeths Armen stirbt.

Später erklärte der Dorfarzt Elisabeth das Franz an der gefürchteten Staublunge gestorben ist und schon sehr lange krank gewesen sein musste. Elisabeth hatte nichts davon bemerkt. Seinen Husten hatte Franz immer mit einer Erkältung abgetan.


© margret




Der vierte Advent  


Nun brennt schon die vierte Kerze und in ein paar Tagen ist Weihnachten. Kurt schaut ein wenig traurig auf den schlichten Kranz. Er ist zwar erst 6Jahre alt, doch er weiß das die Eltern kein Geld haben. Die Mutter hat den Kranz aus Stroh gebunden und ein wenig Tannengrün, das sie von einer Kiefer beim Nachbarn abgeschnitten hat umwickelt. Das Stroh ist nur spärlich bedeckt und lugt zwischen den Kiefernadeln hervor. Schleifen hat der Kranz auch nicht. Er hat nur die vier Kerzen die mit Nägeln in dem Kranz gehalten werden. Ein paar Kiefernzapfen liegen zur Zierde in der Mitte des Kranzes.
Früher waren die Adventskränze immer toll. Kurt kann sich noch gut erinnern. Leuchtend rote dicke Schleifen verzierten jede Kerze, und kleine Engelchen thronten auf dem dichten Tannengrün. Strohsterne hatten sie abends gebastelt und Lieder dazu gesungen ..., bis die Sirenen die weihnachtliche Stimmung zerstörten. Ungläubig schauten sich die Eltern damals an. Der Vater nahm den Jungen auf den Arm und sie rannten los.

Ein Fliegerangriff!

Es ist das Jahr 1943, mitten im zweiten Weltkrieg. Viele Häuser liegen schon in Schutt und Asche. Hoffentlich wird ihr Heim nicht zerstört. Immer diese Angst nicht mehr nach Hause zu können, kein Zuhause mehr zu haben.
Bei einem der letzten Flugangriffe passierte es dann. Mitten in der Nacht musste die kleine Familie erneut um ihr Leben rennen. Viele Menschen trafen sich in dem nahen Schutzbunker und schickten Stoßgebete in den Himmel. Stunde um Stunde harrten sie in den unterirdischen Räumen aus bis Entwarnung kam.
Es war eine sehr dunkle Nacht. Damit die Bomber ihr Ziel sahen schmissen vorausfliegende Piloten Leuchtmittel ab die wie brennende Christbäume aussahen. Es galt alles zu zerstören! Bei einem der letzten Angriffe der Nacht wurde auch das Haus, indem die jungen Familie lebte zerbombt. Mit Tränen in den Augen standen die Bewohner davor. Wo sollten sie nun in der bitterkalten Nacht bleiben. Sie hatte nichts mehr, nur noch das was sie am Leib trugen. Der Weg zur Notbaracke fiel ihnen schwer. Sie ist überfüllt! Hunderte von Menschen auf kleinstem Raum, Kranke wie auch die Gesunden. Epidemien sind vorprogrammiert. Schnell entschlossen sich Vater und Mutter die zerstörte Heimat zu verlassen, wo kaum ein Haus noch stand.
Irgendwie bekam es der Papa hin einen kleinen Handkarren zu bauen und für Frau und Kind das Nötigste zu erbetteln. So machten sie sich auf den beschwerlichen Fußmarsch in die neue Heimat.

Wohin? Sie wussten es nicht!

Irgendwann erreichten sie nach tagelanger Reise ihre neue Heimat. In dem Ort an dem sie strandeten fanden sie das Paradies. Nichts war zerstört worden. Das kleine Dorf liegt ein wenig versteckt zwischen den Bergen. Hier wollten sie bleiben. Herzlichst wurden sie von den Dorfbewohnern aufgenommen, und ein Jeder gab das ab was er entbehren konnte.
Doch Arbeit gab es hier für den Familienvater nicht. So blieb ihm nichts anderes übrig sich als Tagelöhner in der nahegelegenen Stadt zu verdingen. Sie hatten gerade genug um sich über Wasser zu halten.

An das alles muss Kurt denken als er die 4..Kerze brennen sieht und darauf wartet das sein Papa endlich von der Arbeitsuche nach Hause kommt. Er ist noch ein kleiner Junge, doch der Krieg hat ihn zu einem kleinen ernsten Erwachsenen gemacht der das Lachen verlernt hat.
Trotz des Krieges, der traurigen Erlebnisse und der Armut in der er aufwächst freut er sich auf Weihnachten. Einen Wunschzettel hat er nicht geschrieben, und dennoch wird ihm sein sehnlichster Wunsch erfüllt werden. Vielleicht schon zu Weihnachten ..., denn Kurt wird in den nächsten Tagen ein Geschwisterchen bekommen. Sein eigenes Christkind! Er freut sich unsäglich darauf. Das ist nämlich das schönste Geschenk für ihn endlich ein großer Bruder zu sein.
Doch ein zweites „Geschenk“ bekommt er dennoch. So wie seine Eltern ihm sagten wirft das Kriegsende seine Schatten voraus. Die Zeit der jahrelangen Angst um Leib und Leben, wie auch Hab und Gut wird endlich ein Ende haben, und die Hoffnung auf immer währenden Frieden wir geschürt.

© margret




 
Das scheue Blümchen


Es war einst eine kleine Blume, sie stand ganz allein auf einer schönen grünen Wiese.

Auf einmal musste die kleine Blume niesen, ihr weißes Blütenkleidchen wippt auf und ab. Es erinnert an ein zartes Tütü, genauso leicht und luftig. Das Blüschen der kleine Blume ist aus einem leuchtend gelben chiffonähnlichem Stoff, sehr gewagt für das Blümchen das ganz allein auf der Wiese stand.

Kein Wunder das vor Aufgeregtheit das Köpfchen der kleinen Blume für einen Moment ein wenig errötete. Ein Moment, der nur so lang wie ein Wimpernschlag war wurden die Wangen, die dem pastellfarbenen Regenbogenrot gleichen, auf einmal blass. Kerzengerade stand die kleine Blume da und verharrte stocksteif in der eben noch grazilen Bewegung. Schnell hält sie den schwingenden Rock mit ihren dünnen grünen Ärmchen an dem schlanken Röhrenkörper fest. Keines ihrer scheuen rehbraunen Augen gingen hin und her ..., nein niemals würde sie sich bewegen wollen. Ihr Schreck ist groß!

Doch warum nicht? Was ist bloß los?

Eine lustig summende Honigbiene ist im Anflug und will sich auf dem hübschen Köpfchen niederlassen um an ihm zu saugen ... sie will Nektar sammeln. Die kleine Blume musste an das letzte Mal denken als die dicke Biene auf ihr landete, es kam einem Erdbeben gleich. Ihr ganzer Blumenkörper wurde durchgerüttelt und geschüttelt. Die Blätter waren zerzaust und das Blütenkleid musste gerichtet werden. Doch das war noch nicht einmal das Schlimmste. Die Honigbiene hatte beim Nektar sammeln nicht aufgepasst. So entging ihr, dass die Pollensäcke schon längst gefüllt waren und sie den Blütenstaub über die ganze Blume verstreute.  Das war vielleicht eine Sauerei auf ihrem Blütenkopf und ihrem wunderschönen Kleidchen, sodass sie vor Zorn die Farbe vom unschuldigen Regenbogenrot zum knalligen Klatschmohnrot wechselte.

Denn nun musste das kleine Blümchen auf den Regen hoffen der es wieder sauber wusch.

Die dicke Biene hatte das Drama um die besprickelte Blume nicht bemerkt und schwirrte zufrieden von dannen. Allerdings musste sie sich arg plagen und drohte immer wieder unsanft auf der grünen Kleewiese zu landen zu müssen. Dann endlich hatte sie es mit hängen und würgen geschafft und lud die wertvolle Fracht in der Honigwabe ab. Erleichterung! Kaum war sie fertig mit befüllen der kleinen Kammern sah sie den Imker mit seiner fürchterlich stinkenden und qualmenden Pfeife kommen. Nix wie weg!! Eigentlich wollte sich die Honigbiene nach dem anstrengenden Flug ausruhen. Doch den Räuchermann kann sie gar nicht leiden. Da fällt ihr das Margeritenfeld wieder ein das sie eben überquert hatte.

Es sieht so wundervoll aus, sodass sich die Honigbiene zu einem Rundflug entscheidet. „Summ, summ, summ Bienchen summt herum.“ Auch Honigbienen kennen das Kinderlied, und mit dem Takt der Melodie in den kleinen zerbrechlichen Flügeln will sie Ausschau nach einer neuen Margerite zum Nektar sammeln halten.
Da hat sie auch schon eine im Blick. Eine wahre Schönheit! Das strahlend weiße Blumenkleid der Margerite ist so reich gefächert das es an einen Lorbeerkranz erinnert. Der prächtig gelbe Blütenkopf leuchtet so wundervoll wie die aufgehende Sonne.
Voller Freude glänzen ihre Facettenaugen auf und schillern wie ein Kaleidoskop. Schon ist sie im Landeanflug und legt ausnahmsweise mal eine bravouröse Punktlandung hin …, inmitten des Blütenkelches. Doch welch eine herbe Enttäuschung! Es war vor ihr schon ein anderer Honigsammler da gewesen.

Was soll sie nun machen?

Nach kurzem hin und her überlegen entscheidet sie sich wieder nach Hause zu fliegen. Vielleicht ist  der Luftverpester schon fertig mit dem Honig schleudern.
Diesmal nimmt das Bienendickerchen eine andere Route als auf dem Hinflug zu dem Feld mit den herrlichen Margeriten. Sie hofft auf einen anderen Leckerbissen. Wieder ein kleines Liedchen vor sich hin summend, doch diesmal ist es ein Bienenkinderlied das so ähnlich geht wie das Lied bei den  Menschen … „Ein Plumpssack geht um“ . Dabei muss die dicke Honigbiene vor sich hin kichern. Wie passend das Liedchen doch ist. Sie landet doch nicht elegant im Blütenkelch, sondern plumpst immer hinein, weil sie doch so pummelig ist.

Doch was ist da?!

SimSamSummsend erblickt sie mit Entzücken ein herrlich blühendes Rapsfeld, was für eine Leckerei! Sie erhöht aufgeregt des zu erwartenden Festmahls den Takt ihrer Flügelschläge und hätte sich fast bei der schnellen Landung überschlagen. Gerade noch rechtzeitig konnte sie sich auf den Po drehen um mit den ausgestreckten Beinen sich abzufangen. Um ein Haar wäre sie auf der anderen Seite durch die Blütenblätter wieder herausgeschleudert worden. Puuuhhh Glück gehabt!

Flugs schwingt sie sich wieder auf ihre Beine und schüttelt erst einmal den Pollenstaub von sich und sieht zu das sie ihre zugeschmierten Augen wieder sauber kriegt. Das ist ein schwiriges Unterfangen, hat sie doch nur ihre Beine. Die Flügel wären ja perfekt, doch die kann sie nicht so weit herumbiegen. Einmal hat sie bei einem Kamikazeflug vor die Windschutzscheibe eines Autos die Scheibenwischer gesehen  sowas wäre nun perfekt.
So, wieder sauber und nun ran an den Nektar. Mmhhh, wie lecker. Doch so lecker wie bei dem kleinen Blümchen das ganz allein auf der Wiese steht ist auch das hier nicht. Ein wenig bedrückt ist die fleißige Honigbiene nun schon, irgendwie hat sie Sehnsucht nach dem Blümchen. Sie stopft sich schnell die Pollensäcke voll und macht den Abflug nach Hause. Wenn der Imker ja schon weg ist, dann ist sie mit ihrer Arbeit,dem Waben befüllen schnell fertig und kann die scheue Blume noch besuchen gehen.
Perfekt, der qualmende Mensch ist schon weg. Nun geht alles ganz schnell. Die Wabe ist ruckig zuckig befüllt, und das ohne zu kleckern. Nun noch schauen ob ihre Haare ordentlich liegen, der Rüssel sauber ist und ihre Pollensäcke an den Beinen schön anliegen. Ja, alles palletti, und ab geht es auf Besuch zu der hübschen Blume, von der die Pummelbiene den Namen gar nicht weiß.
Ganz schön aufgeregt wirbelt der Honigsammler durch die Landschaft bis die Biene bei der saftig grünen Wiese, auf der die bezaubernde kleine Blume steht, ankommt.

Doch wo ist sie? Er kann die Blume nicht finden. Vergeblich sucht er die ganze Wiese ab … Nichts!

Traurig macht er sich auf den Heimweg, als er plötzlich herrlich weiße Blätter verstreut auf der Wiese liegen sieht und ganz zum Schluss entdeckt er den schlanken Röhrenkörper der wunderschönen Blume und ahnt was mit ihr passiert ist. Denn auf einmal fällt ihm ein das er schon oft Menschen gesehen hat die genau solchen Blumen wie dieser die hübschen weißen Blätter abreißen und irgend etwas vor sich hin murmeln. Andere wieder haben aus ganz vielen Kolleginnen dieser schönen Blume Kränze um den Kopf geflochten. Doch den Namen weiß er immer noch nicht. Er hofft eines Tages wieder so eine zarte Blume, die an eine Ballerina erinnert zu finden.

© margret













Margret wird gefoltert


Morgen ist es soweit! Ständig sage ich mir das. Morgen, morgen, morgen … Dieser verdammte innere Schweinehund, eine kaum zu überwindende Hürde. Wieso legt der die Messlatte immer so hoch?! Warum kann die nicht auf der untersten Stufe liegen, ähnlich wie beim Limbotanz. Da würde ich elegant drüber hüpfen, aber so. Merkwürdige Charaktereigenschaften werden auch noch gefordert, die Willensstärke zum Beispiel. Damit verhält es sich recht seltsam, der Wille ist nämlich da, es hapert nur an der Stärke. Dann noch das Durchhaltevermögen, oh je. Leichter fallen mir da die Abbrüche um das Durchhaltevermögen, da bin ich sogar gut drin.

Leicht macht es mir meine Familie auch nicht grade. Ständig das besserwisserische Grinsen und Tuscheln hinter vorgehaltener Hand, und meinen ich bekäm das nicht mit. Sie warten ja nur auf dem Misserfolg. Wie heißt es in einer Redewendung oder sogar bei dreien:

Man sieht sich zweimal im Leben! – Meine Stunde wird kommen! – Die Rache ist mein!

Doch das aller, allerschlimmste sind die Begegnungen quasi dritter Art, die auch noch mit mir sprechen. Leise flüstern sie hinter mir her: Kauf mich, kauf mich. Eine Aufforderung der ich kaum widerstehen kann, denn meine Willensstärke ist ja nicht so berauschend, und wie ferngesteuert greift oftmals mein Arm zu einer liebevollen Umarmung der „Aliens“ in die Auslage. Kommt es dann zu der besagten Liebelei folgt alsbald ein Befehl derselben, die eine Allianz mit meinem teuflischen Schweinehund geschlossen hat, und die keinen Widerspruch duldet. Aus dem leisen Flüstern wird ein Schreien, sogar ein ganz lautes, und nicht wie bei Munch ein stummer Schrei, denn das würde ich elegant übergehen können.
 
„Iss mich, iss mich, so iss mich schon!“ brüllt mir die Kommune entgegen.

NEIN!! Ich will doch abnehmen! Lasst endlich das Foltern sein ihr Leckereien!!

© margret




Mit Kraft der Gedanken


Lisa sieht nur rot. Es ist ein wunderschönes Kardinalrot, das sattes Grün sucht auf das es sich vornehm betten möchte. Doch so ein Grün wie man es vom Moos kennt, das in nur lichtem Schatten heranwächst ist schwer zu entdecken, denn das prunkvolle Rot bevorzugt lichtdurchflutete, von der Sonne alles überstrahlende offene Räume um sich voll entfalten zu können.Wie sollte sonst die Schönheit, und von der Natur verschwenderisch kreierte Farbe, zur Entfaltung kommen? Und nun soll es in die Niederungen der Farbenwelt von seinem fürstlichen Thron herabsteigen um die geeignete Ruhestätte zu finden. Würdevoll, mit gemäßigtem Eifer streift das Rot der diffusen Welt entgegen. 
Kaum dass das glanzvoll barocke Rot und das erdverbundene MoosGrün sich gefunden haben fangen beide Farben an sich zu vermischen, jedoch nur zaghaft und recht zögerlich. Soll ich oder soll ich nicht …, das majestische Rot ist unentschlossen und versucht ein Eigenleben zu entwickeln. Doch hat das KardinalRot nicht mit der Kraft des gefestigten und bodenständigem MoosGrün gerechnet und begibt sich in dessen Obhut. Eine prachtvolle Vereinigung beginnt.

Doch halt! Welche Eintönigkeit, es kann nicht sein … nur zwei Farben? Heraus aus der Monotonie!

Wie auf ein Kommando gesellt sich ein herrliches Sonnenblumengelb mit einem ganz leichten Ockerton voller Elan und Esprit dazu und malt zierliche, sich fast zärtlich anschmiegende Ränder um die beiden anderen Farben. Das ist der Auftakt einer berauschenden Sinfonie der Farben. Doc das Ensembel ist noch sehr unvollständig. Es gesellen sich noch das tiefe und raumfordernde AzurBlau und das märchenhaft unschuldige Weiß dazu. Das Bildnis fängt an zu leben, zunächst nur langsam und scheu. Was wird es werden, naive oder abstrakte Malerei. Lisa weiß es noch nicht. Die Vorstellung um das beginnende Werk benimmt sich noch wie ein Kaleidoskop, es dreht sich und dreht sich immerzu. Fast wird ihr schwindelig um die vielen Momente die sich ihr vor dem geistigen Auge zeigen. Sie atmet tief ein, ganz tief in den Bauch und versucht so das Zentrum ihrer Vorstellungskraft zu finden. Kreise ziehen ihre Gedanken, immer größere und weiter entfernte. Sie ebben gleichmäßig durch ihren Körper und hinterlassen rhythmisch anzusehende Spuren in ihrem Bewusstsein. Lisa´s Meditation geht langsam zu Ende. Fast wie in Trance beginnt sie die inneren Bilder die sie sah auf der Leinwand festzuhalten ihr:

                                               ...Wunderwerk der Gedanken ...

© margret



Die Unbekannte

'Huuu, brrrrr, ist das kalt. Ich muß zusehen das ich den Ofen anbekomme' , hofft Birte bibbernd. Es ist klirrend kalt, und sie muß aufpassen das die Wasserleitungen in ihrem alten Häuschen nicht einfrieren. Gestern zog der Kamin überhaupt nicht gut, so herrlich die  Wintersonne auch schien, aber sie  drückte gewaltig auf den Abzug. So schlurft Birte in den viel zu großen Stiefeln ihres verstorbenen Mannes über den kleinen Hof zum Holzschuppen, um ein wenig Anmachholz zu spalten. Natürlich besitzt die junge Witwe eigene  Stiefel, doch Ulrich machte immer die Scheite, und der lieben Erinnerung wegen trägt sie gern seine Schuhe. Besorgt schaut sie auf ihren Holzvorrat, viel ist es nicht mehr.



'Oje, das wird bis zum Frühjahr nicht reichen' murmelt sie fast weinend vor sich hin. Wo soll sie neues Holz her bekommen, und noch schlimmer ..., wie soll sie es bezahlen. Die Rente ist nur klein , und Arbeit hat sie keine. Birtes Einkommen reicht gerade aus um über die Runden zu kommen. Ersparnisse hat sie auch nicht. Was soll nur werden! Warum war das Schicksal so unfair zu ihr!
Mittlerweile sind die kleinen Holzstückchen fertig, und das Feuer zündet wider erwarten  gut. Ein Stein fällt ihr vom Herzen. Noch ein kleines Weilchen, dann ist es mollig warm in der Stube. Der Ofen, der ihr kleines  Zuhause wärmt ist ein wunderbarer uralter Herd mit einer Stange rundherum. Er steht auf kleinen geschwungenen Füßchen die wie Löwentatzen aussehen. Ein Relikt aus der "Guten alten Zeit", so wie ihr kleines Gehöft auch. Mittlerweile hat Birtes Heim fast 200Jahre auf dem schiefen Gebälk. Trotz das es bei Stürmen unheimlich ächzt und wackelt will sie ihr Zuhause nicht verlassen. Zu sehr haben sich ihr geliebter Mann und sie gequält um es bewohnbar zu machen.

Ulrich und Birte hatten das verlassene Kleinod bei einem Spaziergang entdeckt und sich darin verliebt. Er brachte Himmel und Hölle in Bewegung um herauszufinden wem es gehörte, und ob es zu erwerben wäre. Ulrich wollte sich aus den unsteten Künstlerkreisen zurückziehen, um sich  in Ruhe seiner Malerei widmen zu können. Leider wurde der junge Mann krank und starb sehr schnell.
Der Ofen bollert vor sich hin, und gibt eine wohlige Wärme ab. Das schöne knisternde Gräusch, welches Birte so liebt, ist bis ins Obergeschoß zu hören.

Die junge Witwe steht gerade vor dem Herd und will sich einen Kakao zubereiten, als es an der hölzernen Eingangstür klopft. Verwundert schaut sie zur Tür und zögert einen Moment bevor sie vorsichtig , nur einen kleinen Spalt weit, öffnet. Zu selten verirrt sich ein Gast hierher in die Einsamkeit. So ist Birte, seit sie allein ist vorsichtig wenn es dann doch einmal an der wunderschönen, mit Intarsien verzierten Holztür pocht.


Birte erblickt eine halberfrorene junge Frau. Ihre Kleidung ist von dem mittlerweile heftig eingesetzten Schneefall durchnässt worden, und teilweise sogar schon steif gefroren. Schnell macht sie die Holztür weit auf und hilft der entkräftete Frau hinein.

'Mein Gott, was ist nur passiert' überlegt die Birte entsetzt, während sie die arme Frau beginnt auszukleiden.

Diese läßt alles willenlos, und ohne etwas zu sagen, mit sich geschehen.

Die Witwe versucht vorsichtig etwas über die verstörte Frau in Erfahrung zu bringen, und weiß schon einmal ihren Namen: Julia ... mehr nicht.
Birte merkt das Julia nicht sprechen will, und läßt es erst einmal gut sein. Sie gibt ihr den heißen Kakao, der für sie selber gedacht war, und packt die wie Espenlaub zitternde Frau ins warme Bett. Der Schlaf wird ihr gut tun.
Mittlerweile ist es schon spät am Abend und Julia schläft immer noch. So geht auch Birte in ihr schönes Bett. Es ist ein altes Möbel das sie auf dem Dachboden gefunden hat, und Ulrich so  liebevoll hergerichtet hatte. Doch Birte schläft unruhig. immer wieder kommt ihr Julia in den Sinn. So steht sie früh auf und bereitet das Frühstück vor. Ein wenig freut sie sich auf die Gesellschaft bei der Morgenmahlzeit.
Da kommt Julia auch schon die Treppe herunter. Sie scheint deutlich erholt zu sein. Mit einem fröhlichen Lachen begrüßt Birte die schüchtern wirkende Julia: "Komm her, laß uns erst einmal gemütlich Kaffee trinken und erzähl mir wie du hierher gekommen bist".
"Ich weiß es nicht", erwidert Julia mit den zuckenden Schultern. So, wie Birte eben noch Julia anlachte , so erschrocken ist sie nun.
"Du meinst, das du nichts mehr weißt?" vergewissert sich Birte enstetzt. "Auch nicht wo du her kommst"?
Julia verneint ratlos. "Das wird schon wieder", meint die junge Künstlerwitwe und denk bei sich was nun werden soll.  Wie soll sie zwei Bäuche stopfen, wo sie doch allein kaum zurecht kommt. Doch das läßt sie sich nicht anmerken.

Mittlerweile sind schon zwei Tage vergangen, und Julias Gedächnisverlust hat sich nicht gebessert.

"Julia, ich muß ins Dorf zum Einkaufen, willst du mit?"
"Nein, geh' nur allein. Ich achte darauf das der Ofen nicht ausgeht", antwortet Julia.
So fährt Birte allein in das ein paar Kilometer entfernte Dorf um Lebensmittel zu besorgen.
'Hoffentlich gibt es gute Angebote', seufzt Birte vor sich hin.
'Wie gut das Julia keine Erkältung bekommen hat. Wie hätte ich die Medizin bezahlen sollen'.

Während ihrer Überlegungen hat sie auch schon das Dorf erreicht und bekommt direkt vor dem Supermarkt einen Parkplatz. Lust aus dem schönen warmen Auto auszusteigen hat sie nicht gerade.  Schon beim öffnen der Autotür sieht sie die auffallenden Zettel an der Schaufensterscheibe kleben, einer nach dem anderen. Immer nur dergleiche! Sie geht hin und schaut sie sich interessiert an.
Was sie da liest läßt sie ihre Augen weit öffnen. Steht doch da, daß eine junge Frau gesucht wird, deren Beschreibung und Zeitpunkt des Verschwindens genau auf Julia passt.
Die angegebene Telefonnummer ruft Birte sofort aufgeregt an. Der Mann, der kaum das es geklingelt hatte dran war, war noch aufgeregter als sie und wolle sofort zu ihr ins Dorf fahren. Er wohnt nur eine viertel Stunde von hier in einer Stadt. Birte erledigt währenddessen ihren Einkauf. Der Mann steht auch schon zappelnd wie ein Teenager vor dem ersten Date wartend neben seinem  Auto als Birte aus dem Supermarkt heraus kommt und stellt sich als Baron Alfons von Breitstein vor.

Viel zu schnell fahren die Beiden über die verschneite schmale Landstrasse zu Birtes Haus. Dort angekommen reißt Baron Alfons seine Wagentür auf und rennt ohne den Motor abzustellen zu dem Haus. Julia hatte die Autos kommen sehen und öffnet die alte knarrende Tür.
Alfons schließt die verdutzte Julia ungestüm in seine Arme und stammelt: " Endlich hab ich dich wieder"! Tränen der Erleichterung rinnen ihm die Wangen herunter. Und als ob ein Schalter umgelegt würde fängt  auch Julia an zu weinen und beginnt sich zu erinnern.
Sie hatte eine Freundin besucht, und kam auf eisglatter Fahrbahn ins schleudern und landete im tiefen Strassengraben. Julia konnte mit Mühe und Not die Autotür aufstemmen.  Sie wußte sich nicht anders zu helfen als zu Fuß ziellos durch die Gegend zu irren. Unterdessen hatte  eine Schneewehe das Auto unter sich begraben. Kein Mensch konnte so das Autowrack entdecken. Die Suche die Alfons gestartet hatte blieb durch diesen unglücklichen Umstand ohne Erfolg.

Überglücklich führt Baron Alfons von Breitstein seine Julia ins Auto und bittet Birte am nächsten Tag zu seinem Schloss zu kommen.
Ein wenig aufgeregt fährt die junge Witwe am nächsten Tag dorthin und wird sehr freundlich von der Hausdame empfangen. Neugierig schaut Birte sich ein wenig um. 'Wie prächtig es hier ausschaut, was die Unterhaltung wohl kosten mag', sinniert sie vor sich hin. Kaum ausgedacht sind Baron und Baronin auch schon da. Birte weiß nicht wie sie zu Julia sagen soll. Die Baronin scheint Gedanken lesen zu können und nimmt ihr die Entscheidung vorweg.
"Ich bin und bleibe Julia für dich", lacht sie Birte an. Alfons schließt sich dem Wunsch von Julia an und möchte auch beim Vornamen genannt werden.
"Liebe Birte, du hast meine Julia ohne Wenn und Aber aufgenommen, obwohl du selber nur das Nötigste hast. Ich kann es dir kaum wieder gut machen was du für meine Frau getan hast. Julia hat sehr wohl bemerkt das du Sorgen hast, auch wenn du versucht hast es dir nicht anmerken zu lassen. Als kleines Dankeschön bekommst du von mir jeden Winter ausreichend Holz, und wenn du magst kannst du hier im Schloss als zweite Hausdame aushelfen. Du sollst großzügig entlohnt werden, wir suchen schon länger noch eine helfende Hand".

Ein wenig fassungslos schaut die Künstlerwitwe das Ehepaar an und willigt überglücklich ein.

Endlich ist sie ihre Sorgen los. Sie kann unbesorgt in ihre Zukunft schauen, und muss ihr schönes Zuhause mit all den Erinnerungen an Ulrich nicht verlassen.

© margret



Ein trauriger Schneemann



Der herrlich blaue Himmel ist verheißungsvoll und die Sonne schickt ihr schönstes Lachen aus ihrer Heimat zu uns herunter. Sie sieht bezaubernd aus und nichts lässt vermuten das der Sommer längst vorbei ist. Nur der Blick auf das Außenthermometer verrät … es ist die Wintersonne.

Der Herbst hatte zwar laut Kalender versprochen rechtzeitig das Zepter an den Winter abzugeben, doch hatte er seine Arbeit noch nicht völlig beendet. Einiges Laub und viele Fruchtmumien bleiben an den Bäumen hängen, als der Winter mit seinem forschen Schritt die Welt vereinnahmt und sie in einer innigen Umarmung gefangen hält.
Mit seiner eisigen Atemluft weckt der Winter seine alte Tante. Frau Holle reckt und streckt ihre müden Glieder und kommt mit einem tiefen Seufzer unter ihrer Decke hervor gekrochen. Lange war es ihr zu warm um einen Blick aus einem ihrer vielen kristallenen Öffnungen des prächtigen Schneepalastes zu werfen. Doch endlich ist es soweit! Herr Winter´s Geduld ist vorbei und hat endlich den kleinen Herbst in seine Schranken verwiesen. Frau Holle hat nun das Nachsehen und muss flugs die Verspätung wieder aufholen. Sie eilt von Fenster zu Fenster und betrachtet sich kopfschüttelnd das unvollendete Werk des Herbstes.

'Der muss noch viel lernen'! grummelt sie in sich hinein und schlurft erst einmal zu ihrer Eistheke, die in einem tollen Oval in ihrer Küche von vielen kleinen Helferlein errichtet worden ist.
'Auf den Mist den Herbst da unten auf der Erde verzapft hat trink ich erst einmal leckeres Halbgefrorenes.
'Mal schauen was vom letzten Jahr noch da ist.' schimpft Frau Holle in sich hinein. Wie gut das niemand sie hören kann. Um diese Uhrzeit ist selbst der Kollege mit seiner sibirischen Kaltfront noch im stillen Kämmerlein. Glück gehabt, denn er lässt die Welt mit allem drum und dran erstarren und so könnte die kinderliebe Frau Holle nicht in Ruhe planen wie sie es schneien lassen will! Die Ruhe ist dazu nämlich bitter nötig, damit sie an das magische Zeit denkt. Oft genug vergisst sie es in der Weihnachtszeit, und noch schlimmer, an Weihnachten schneien zu lassen. Auch wenn sie weit weg von der Erde wohnt, so hört sie doch das enttäuschte Gemurmel der Menschen wenn um die Jahreszeit der Schnee fehlt.

'Prost', lacht sie dem winterliche Morgenrot entgegen und schreitet schwungvoll in ihre Stube an den Schreibtisch um einen vorläufigen Beschneiungsplan zu entwerfen. Ihr morgendlicher Drink verleiht ihr einen ungeahnten Energieschub, sodass ihr eine kleine Schneeflocke entfleucht ... und noch eine, und noch eine.
Vor lauter Schreck lässt sie fast ihren köstlichen HimbeerDrink mit gestoßenem Eis fallen. 'Es ist doch noch viel zu früh!' meckert sie mit sich selber. 'Nun mal mehr Konzentration!' mahnt sie sich und begibt sich an ihren Schreibtisch. Dieser besteht aus tausenden von Eiskristallen der auf glasklaren Eiszapfen steht, und der im hereinfallenden Schein der aufgehenden Morgensonne in allen erdenklichen Farben glitzert. So einen Schreibtisch findet man im ganzen Himmel nicht noch einmal.
'So, nun aber mal an die Arbeit.'spornt die Herrscherin über die Schneeflocken sich selber an.

Endlich ist der Tag da, es schneit und schneit und schneit. Frau Holle hört gar nicht mehr auf die Betten aufzuschütteln. So einen Spaß hat sie an dem freudigen Gejohle der Kinder. Wie wagemutig sie mit ihren Schlitten die Wiesen herunter sausen. Manche haben noch alte Holzschlitten und andere diese Rutschdinger aus Plastik. Sogar kleine Sprungschanzen haben sie sich gebaut.
Doch am allerschönsten findet Frau Holle die Schneemänner die die Kinder mit viel Mühe gebaut haben, einer schöner und größer als der andere.


Während sich Frau Holle das lustige Treiben betrachtet stutzt sie über ein merkwürdiges Geräusch das sie noch nie gehört hat. Und das in ihrem Alter! Eigentlich sollte sie doch alles kennen, doch das Geräusch und ihr Alter kennt sie nicht. Frau Holle ist halt schon immer da.

Da ist es wieder, fast wie eine knarzende alte Holztür die über den steinernen hochgefrorenen Fußboden schleift. 'Komisch', denkt sie und lehnt sich mal weiter aus einem ihrer Fenster und betrachtet sich die schneebedeckte Erde. 'Die kleine runde Kugel sieht einfach traumhaft aus.Wie herrlich die Schneekristalle glitzern.' gratuliert sich Frau Holle selber zu ihrem gelungenen Werk. Sie muss schon ganz genau hinschauen um die seltsame Spur in dem tiefen Schnee zu erkennen. Dieser folgt sie mit ihren alten Augen und bleibt an einem dicken, ein wenig schiefen Schneemann hängen. Sie beobachtet ihn ein Weilchen und sieht das seine runden Schneemaschultern ein wenig zucken. 'Mmmhh, grübelt Frau Holle, das kann doch nicht wahr sein. Der Schneemann lebt?!' Sie eilt an ein weiteres Fenster um den Schneemann von vorne anzuschauen. Und was sie da sieht erschüttert sie sehr. Der Schneemann weint! Viele kleine Eistränen rinnen aus den schwarzen Kohlenaugen das pausbäckige Schneemanngesicht herunter und bilden an der Möhrenase einen langen Eiszapfen.

'Was soll ich nur machen? fragt sich Frau Holle deren weiches Herz sich bei dem Anblick zusammenkrampft. 'Ich werde ausnahmsweise mal Himmelpforten verlassen und zur Erde hinuntergleiten.' nimmt sie sich vor. Gesagt getan und ist auch schon bei dem Schneemann. Der hat sie noch gar nicht bemerkt, zu sehr ist er damit beschäftigt mit seinem langen gestrickten Schal die Tränen zu trocknen.

„Warum weinst du so herzzerreißend?“spricht Frau Holle mitfühlend den Schneemann an. Dieser erschrickt sich sehr und schaut erstaunt Frau Holle an. „Wer bist du denn?“fragt er misstrauisch. Frau Holle schmunzelt ihn milde an. Sie sieht ja auch merkwürdig aus, so mit ihrem dicken langen Kleid, der Rüschenschürze davor und dem nach hinten verknotetem Kopftuch das ihre langen Haare darunter birgt.
„Ich bin Frau Holle aus Himmelpforten. Ich lasse es aus den Wolken schneien. Wegen mir können die Kinder Schlitten fahren oder eine Schneeballschlacht machen. Doch am liebsten bauen die Kinder Schneemänner, genauso einen wie dich.“ erklärt die alte Frau Holle dem schluchzenden Tropf. „Nun sag mir warum du so weinst.“
„Ich bin doch ganz alleine, und wünsche mir so sehr eine Schneemannfrau.  Also bin ich auf die Suche gegangen. Doch niemand ist mir bisher auf meinem Weg begegnet der mir sagen konnte wo ich eine finde.“


„Tja, das weiß ich leider auch nicht. Ich bin nur für den Schnee verantwortlich. Vielleicht weiß ja die Eiskönigin Rat. Die müssen wir suchen.“ schlägt Frau Holle vor. Endlich versiegen bei dem Schneemann die Tränen die sofort zu kleinen Eiskugeln gefrieren wenn sie aus den schwarzen Kohleaugen herausrinnen.


Erst löst Frau Holle vorsichtig den Eiszapfen von der Möhrenase und dann machen sie sich auf den Weg um die Eiskönigin zu suchen. Kaum ist der Schneemann in Bewegung erklingt auch wieder dieses seltsame Geräusch. „Nein, das kann ich mir nicht die ganze Zeit anhören. Bleib mal stehen!“bestimmt Frau Holle und haucht den Schneemann von oben bis unten an. Der Atemnebel befeuchtet den Schneemann ein wenig, sodass die Schneekugeln aus denen er besteht, nicht mehr so aufeinander knirschen. Ein Probeschritt, und tatsächlich kann es geräuschlos weiter gehen.

Schon lange sind sie über die Schneefelder gezogen, doch umsonst. Die Eiskönigin weit und breit nicht zu finden. Noch nicht einmal ihre besten Freundinnen, das sind nämlich die entzückenden Eisblumen, konnten den beiden sagen wo sich die eiskalte Frau aufhält.
Missmutig macht das seltsame Gespann erst einmal eine lange Pause. Der Schneemann fällt sogar in ein kleines Nickerchen und schnarcht ein wenig. Er scheint zu träumen. Ab und an huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Frau Holle beobachtet ihn grinsend. Bestimmt erscheint ihm im Traum seine Schneemannfrau.




'Nun wird es aber langsam mal Zeit weiter zu gehen. Schließlich habe ich auch noch zu tun.' überlegt sie und stupst die träumende Schnarchnase an. „Huch, habe ich etwa geschlafen?“ entschuldigt sich der Schneemann. „Ja, und sogar geschnarcht.“lacht Frau Holle ihn an. „Komm wir müssen weiter.“ rät die weise Frau.
Kaum das sie ein paar Meter gegangen sind kommen sie an eine Weggabelung. Ratlos schauen sich die beiden an. In welche Richtung sollen sie sich wenden? Welches ist der richtige Weg?! Frau Holle entscheidet sich für den rechten Pfad. Sie kommen in ein schwieriges Gelände. Der Schneemann hat seine Mühe und Not heil über die Buckelpiste zu kommen. Immer wieder droht er zu stürzen und kann sich aber im letzten Moment noch abfangen. Doch es scheint sich gelohnt zu haben.

„Schau mal Frau Holle, dort hinten. Was ist das? Siehst du auch das flimmern?“ schreit er aufgeregt Frau Holle an. Diese blickt hoch und sieht ebenfalls die glitzernde Luftverwirbelung, die aussieht wie ein großer Strudel im Wasser. „Komm Schneemann, dort müssen wir hin. Endlich scheinen wir den Ort wo sich die  Eiskönigin aufhält gefunden zu haben.“

Als sie bei der geheimnisvollen Erscheinung ankamen stellten sie fest das sie durch irgend etwas gehindert werden weiter zugehen. Sie stehen vor einer unsichtbare Wand. Was ist nun zu tun?! Ratlos schauen sich die beiden an. Schneemanns Schultern fangen vor Enttäuschung an zu zucken und sogleich strömen die Tränen wie bei einem Wasserfalls das Gesicht herunter. Ein paar Tränen sammeln sich an seinem dicken Bauch und wieder entsteht ein Eiszapfen, doch schöner und größer als je zuvor. Gleichzeitig beginnt von der Erde aus ein Eiszapfen in die Höhe zu wachsen. Der Schneemann und Frau Holle staunen nicht schlecht. Und sofort ist Frau Holle klar was da passiert und flüstert zum Schneemann:“Du, ich glaube das muss so sein. Hör bloß nicht auf Tränen zu vergießen. Bestimmt öffnet sich die unsichtbare Wand sobald die beiden Eiszapfen sich treffen.“ Eifrig nickt der traurige Schneemann und weint und weint und weint, was ihm gar nicht schwer fällt. Seine Gedanken drehen sich doch sehnsuchtsvoll um eine liebe Schneemannfrau für ihn.


Und richtig!

Nachdem der Schneemann ordentlich und aus tiefster Seele geweint hat treffen sich die Eiszapfen und die Wand beginnt sich zu öffnen, gerade nur soviel das die beiden durchpassen. Geschwind huschen Frau Holle und Schneemann hindurch. Kaum das sie auf der anderen Seite angekommen sind schließt sich die Wand mit dem gleichen funkelnden Luftstrudel wieder den sie beim Ankommen schon gesehen hatten.

Ein wenig unheimlich ist ihnen schon. Vorsichtig und mit den Augen blinzelnd schauen sie sich um. Hier ist es so hell das sie ihre Augen mit der Hand ein wenig schützen müssen. Überall schwirren Eiskristalle geschäftig durch die Luft die in den schönsten Farben funkeln. Je nach Lichteinfall schimmern sie traumhaft. An einer Stelle ist es besonders schön, dort ist funkelt es so schön wie kein Mensch die Facetten eines Brillanten besser schleifen kann. Eine Fontäne aus  Pulverschnee wird gerade verschossen und die Eiskristalle hören mit ihrem Glitzerflug auf und lassen sich auf einer wundervoll schimmernden Schneewiese nieder. Ganz still ist es, fast schon gespenstisch still. Auf einmal wird ein Luftzug als einen klaren stahlblauen Nebelhauch sichtbar. Als er sich verflogen hat sehen die beiden das die Eiskönigin aus dem Nichts erschienen ist und in ihre Richtung blickt. Sie deutet Frau Holle und dem Schneemann zu ihr zu kommen. Ehrfurchtsvoll kommen sie der Aufforderung nach und bleiben in einem respektierlichem Abstand stehen.

„Was ist euer Begehr, warum sucht ihr mich?“ richtet die Eiskönigin mit einer sehr hellen glockenreinen Stimme das Wort an die Eindringlinge. Beide stehen stocksteif vor der Königin und bringen kein Wort heraus. Die Eiskönigin sieht sehr majestätisch aus und ist wunderschön. Es umgibt sie eine Aura die nicht zu beschreiben ist.



„Wir suchen eine Schneemannfrau für den traurigen Schneemann.“ übernimmt Frau Holle das Wort für ihren neuen Freund. „Wir sind weit gereist, und ich dachte wir sollten dich um Rat fragen. Deshalb haben wir dich gesucht, liebe Eiskönigin.“
Die Eiskönig lächelt milde. Denn sie hat ein weiches und warmes Herz und ist gar nicht so wie sie in Märchen immer dargestellt wird. „So so, ihr sucht eine Frau für den Schneemann damit er nicht mehr so alleine ist. Da kann ich euch tatsächlich helfen. Seht euch einmal um. Ihr seit hier in meinem Reich, im ewigen Schnee und Eis. Dort hinter der Schneelawine ist der Ort an dem viele Schneemänner und Schneefrauen wohnen. Da wird der traurige Schneemann ganz sicher eine Frau finden. Doch hört gut zu! Verlassen kann er diesen Ort nicht mehr wenn er eine Frau für sich gefunden hat.“erklärt die Eiskönigin den Zweien. „Ohne eine Frau kann der Schneemann wieder mit zurück gehen, doch bedenkt, hier lebt der Schneemann zufrieden mit seiner Frau für immer. Doch sobald er mein Reich wieder verlassen hat wird er in ein paar Wochen wenn es wärmer wird sterben.“

Frau Holle und der Schneemann beraten nur einen kurzen Augenblick. „Liebe Eiskönigin, gerne will ich für immer hier bleiben, wenn ich nur endlich eine Frau finde.“ erklärt sich der einsame Schneemann einverstanden und wendet sich Frau Holle zu. „Frau Holle, immer werde ich an dich denken, ohne deinen Schnee den du über die  Erde sendest gäbe es mich gar nicht. Schick noch ganz viel davon damit die Kinder sich einen neuen Schneemann bauen können.“
Ein letzte Umarmung noch von den beiden und Frau Holle muss das Reich der Eiskönigin verlassen, ansonsten würde sie zu Eis gefrieren und könnte nicht mehr nach Zuhause zurück. Das wäre sehr schlimm, denn es würde nie mehr schneien.

© margret

















Margret fährt ein Bergrennen  
 


Wie kommt die Jungfrau zum Kind ..., man weiß es nicht. Genauso weiß ich nicht wie ich zum Rennfahrerteam kam, auf einmal war ich da. Mitten drin in einem Haufen Verrückter. Es war schon seltsam was da alles passierte, manches verstand ich nicht wirklich. Wollte ich aber! Ein kleines Beispiel:
So verpönt wie die Handybenutzung während einer Unterhaltung auch ist, umso wichtiger schien sie bei den Motorsportbegeisterten zu sein. Wie kann man denn da sitzen, jeder ein Handy in der Hand, um Autobilder zu bestaunen. Ich verstand es nicht, dies besserte sich aber im Laufe meiner Dazugehörigkeit ein wenig.
Anfangs saß ich nur dumm rum und beschränkte mich aufs Zuhören. Was sollte ich auch sagen? Ich weiß das man den Zündschlüssel in das dafür vorgesehene Loch steckt, herumdreht und der Motor läuft ..., in der Regel. Wie Gas geben, bremsen und kuppeln geht weiß ich auch … meinem Fahrlehrer sei dank.

Danke Herr Niggemann!

Was hatte der gute Mann für eine Engelsgeduld mit mir, ganze 32 Fahrstunden lang. Hui, hui, hui, wenn ich an die ersten fünf denke muss ich schon sehr lachen. Ich denke ich bin der einzige Fahrschüler gewesen der einhändig das Auto steuern erlernt hat. Wirklich!
Nach zwei Stunden Schlangenlinie fahren, weil die eine Hand nicht wusste was die andere tat, war er es leid. Fortan sollte ich eine Hand unter den Oberschenkel legen. Ich entschied mich für die Linke, und oh Wunder, Margret war in der Lage das Auto auf der richtigen Straßenseite zu halten.
Schwierig wurde es noch einmal an der Steigung anzufahren und das Auto mittels schleifender Kupplung am Berg zuhalten. Kann ich heute prima! Auch einen Burnout bekomme ich hin, den hat Herr Niggemann mir aber nicht gelernt. Soviel zum Auto fahren lernen.
Doch wie kam ich nun dazu plötzlich in einem Rennauto auf dem Beifahrersitz mit der Stoppuhr in der Hand zu sitzen?!

Es war an einem Abend als der harte Kern des Teams zusammen saß und Cheffe so beiläufig erwähnte: „Wenn ihr Lust habt fahrt ihr beim Sauerland -Bergpreis mit. Ihr seid dann unser Damenteam.“ Milla und ich schauten uns ungläubig an, und sagten wie aus einem Mund: „Ist das dein Ernst? Und wer fährt?!“ „Das macht unter euch aus.“ lacht er uns an. Ach herrjeee, für mich war schnell klar dass, das noch hellere Blondchen fahren soll. Also Milla … sie hat wenigstens Erfahrung was so ein Auto der Historic – Bergserie angeht. Ihr Lebensgefährte ist ebenfalls einer dieser Wahnsinnigen die so eine Knatterkiste fahren, und Milla unterstützt ihn so gut sie kann. Ich habe noch nicht einmal in so einem Auto gesessen. Das wird was werden! Um Auto, Sponsoren ect. was wir zukünftige Rennprominenz brauchen mussten wir uns nicht kümmern. Einfach nur gut aussehen reichte. Den großen Rest erledigt der Chef. Sogar Autogrammkarten bekamen wir in die Hand gedrückt die reißenden Absatz fanden. Selbst das tolle Auto, ein Golf2 16V, bekamen wir von ihm gestellt. Es gab nur ein Manko damit … es hat die falsche Farbe. Wie kann es schon anders sein ziert den Golf das typische 70er Jahre Orange. Es kam dann auch wie es kommen musste, die elegante Schönheit des Golf schnitt im Gegensatz zu dem „CrazyWoman“ Pink schlecht ab.



Gut üben können wir ja mal … irgendwann. Ist ja noch Wochen Zeit. Was ich bis dahin noch nicht ahnte ist, dass der Teamchef beschlossen hatte mich als Beifahrer zu seinem eigenen Rennen mitzunehmen. Gesagt – getan. Was hat der mich den Berg hinauf geschuckelt. Brummm, quieeetsch Schikanen umfahren ( drum herum ist gemeint ) und ich sollte mich auf die Stoppuhr konzentrieren. Hat aber geklappt und ein Video habe ich nebenher auch noch zu seiner Verwunderung gedreht. Tjahaa, Margret kann.
Wenn ich auch zu blöd bin zu merken wann eine Autoscheibe bis oben hin gedreht ist, aber schissig bin ich nicht. Wie sagte ich völlig ahnungslos bei der Autoscheibensache: „Man was geht die Scheibe schwer hoch.“ und versuchte immer weiter zu drehen. Da kam ein Lachen von dem Fahrersitz: „Gleich haste die Scheibe oben aus der Tür herausgedreht.“ Häää … Ich schaute den Teamchef verständnislos an, guck wieder auf die völlig geschlossene Scheibe und packe mir vor den Kopf und pruste laut lachend los. „Typisch ich!“

Es gibt so einige Anekdoten aus dem Fahrerlager zu erzählen. Hier ein paar …

So reiste ein anderer Teamzugehöriger mit seinem sehr jungen Eleven in einem Wohnwagen an. Als es dunkel war wurde der Wohnwagen mir einer Lampe erleuchtet wie es in gewissen Vierteln üblich ist, natürlich nicht ahnend das es zu Verwechslungen kommen sollte. Später erfuhren wir von dem Youngster das in der Tat einige Herren um Einlass baten.

Dann verlor doch tatsächlich einer der Bekloppten einen Kamm aus der Gesäßtasche, das ist soweit ja noch in Ordnung …, doch der Mann hat eine FastGlatze … mmhhh.

Des weiteren unterhalten sich Zwei über die verschiedensten Bergrennveranstaltungen und der Eine kannte einen ziemlich prominenten Ort nicht. Da sagte der Ältere zu dem Jüngeren, und dieser Satz hat sich in meinem Gedächtnis manifestiert: „Wenn du Oberjoch nicht kennst, dann kennst du auch Grete Weiser nicht.“ Das ist deshalb so lustig gewesen und sorgte für einen RunningGag, da der Jüngere in einem Alter ist wo er die GrandDame des Schauspiels gar nicht kennen kann, ergo … genau …

Ein Anderer wiederum rennt ständig mit einem alten Fensterleder, das eine nicht sehr vertrauenerweckende Farbe hat, ihn schon seit Jahrzehnten begleitet, und ledert sein Auto trocken sobald auch nur ein Mückenpiss sein Auto trifft.
Doch das alles ist nichts gegen den Klöpper den ich mir geritten hab. Bürste vergessen! Zu spät bemerkt! Haare nass! Fön in der Hand und suche und suche und suche... negativ! Was glaubt ihr wohl wie schwierig es ist sich mit einem Wimpernbürstchen die Haare zu richten!!
Das alles kurz bevor es zum Start ging und der Schutzhelm auf die mühselig in Ordnung gebrachte Frisur kam. Wozu also die Arbeit?! Wie sagt immer ein Veteran der Szene … Weiber!!

Dann war es endlich soweit. Ohne jemals vorher das Zusammenspiel Fahrer – Beifahrer – Stoppuhr – Strecke geübt zu haben mussten wir unseren Trainingslauf absolvieren. Irgendwie hatten wir keine Zeit. Nicht das ihr denkt wegen dem Outfit kaufen für das Rennen hätten Zeitmangel gehabt … nein, nein! Wir gehen ja auch noch einem ordentlichen Beruf nach, zumindest teilweise. Also wie gesagt, nun war es soweit.

Milla und ich knatterten los, zunächst in die Startaufstellung, zum Vorstart um dann endgültig am Start zu stehen. Alles prima … bisher. Die Startuhr zählt herunter, die roten Lichter sind an und werden grün … START… und nichts. Auto ist abgebockt! Milla orgelt und orgelt … endlich. Der Golf 2 16V läuft endlich und ruckelt los.Doch nur bis zur ersten Kurve um dann vollends zu sterben. Nix iss mit der einstigen Werbung zum Volkswagen und er läuft, und läuft und läuft. Und natürlich hören wir wegen des fehlenden Motorgeräusches, das wie Musik für uns Verrückte ist, den Moderator was vom Frauenklischee und Blondinenbonus faseln. Hahahaaaa …. denn wie wir später lernten hatte das Auto „Dampfblasen“. Dampfblasen ..., ich kenne wohl eine Dampfsauna und Blasen kenne ich auch. Aber diese beiden Wörter zusammengesetzt, als Fachausdruck, das musste mir erst einmal langatmig erklärt werden und wie sich heraus stellte ist es im Grunde eine ganz einfache Kettenreaktion. 
Es war an dem Tag sehr heiß – Sprit wurde auch heiß – es entstanden ganz einfach in der Benzinleitung heiße Luftblasen ( die Dampfblasen ) die dazu führten das der Motor keinen Sprit bekam. Dadurch wiederum, dass der Motor nicht lief wurde es Milla und mir auch heiß, denn wir waren ja, wie es sich dann  auch bestätigte, in Erwartung des Spottes.Ein Anderer meinte wir hätten uns beim tanken vertan und statt des üblichen Benzin´s Känguruhsprit, wegen der Hoppelsprünge, getankt. Blödmann!  Soviel zu der umfassenden Kettenreaktion die der Unterhaltungswert für die Zuschauer erster Güte war.

Doch was nun! Den Referenzlauf, bei dem wir ja unsere Zeit bestimmen mussten, haben wir nicht absolviert. Das kam einer Disqualifikation gleich!

Dazu noch die liebevolle Häme unserer Kollegen, die da fragten ob wir Kängurusprit getankt hätten. Das verstand ich erst einmal wieder nicht. So involviert in die Fachsprache bin ich nun auch wieder nicht. Was hatten die wieder Spaß um meinen irritierten Blick und ließen mich erst einmal im Regen stehen. Kann ich ja wieder nicht haben wenn ich was nicht weiß. Später wurde mir dann erklärt das man das so sagt wenn ein Auto so vor sich hin hoppelt.

Wir hatten es schon schwer. Unserer Rennen war schon zu Ende obwohl es noch gar nicht begonnen hatte! Was tun? Uns blieb nichts anderes übrig als Bittsteller zu den Veranstaltern zu gehen. Gesagt, getan und nach dem bezaubernsten Lächeln und dem traumhaftesten Wimpernaufschlag die wir als Waffe bei den Verantwortlichen einsetzten wir durften nochmals antreten. Doch die Rennkommissare schauten sich erst einmal in aller Ruhe den Motor an und fragten mich, man bedenke es … mich die noch nie in einem Rennauto gesessen hat …, ob der Motor halten würde. Natürlich hält der! Also ab dafür und wieder hinten anstellen. Herrlich! Bergrennen die Zweite, wir kommen. Und wer kam mit?! Zu jedem Lauf! Unser Teamleiter mit seinem 17er Schlüssel und schraubte bei jeder Gelegenheit die sich ihm bot an dem Motor. Und die Karre hielt! Und wir hielten auch durch, genau zwei Läufe lang.


Wir bestätigten bis auf nur 0,42 sek. unsere gesetzte Zeit und waren mit einem Mal ernst zunehmende Konkurrenz. Bis ..., ja bis der nächste Lauf kam.
Wir waren viiiiel zu schnell und bekamen 4 Strafsekunden aufgebrummt, und das Fiasko nahm seinen Lauf! Der Nächste war dann wieder zu langsam. Dann kam der Durchgang den ich in meinem Leben nie vergessen werde.  Asche über mein Haupt … Margret und die Stoppuhr waren sich uneins. Ein Bedienfehler meinerseits katapultierte uns in Sphären die ich nicht kannte. Wir mussten den Lauf nach Gefühl fahren. Wie macht man das denn?? Ich habe keine Gefühle für ein Auto! Milla und ich schauten uns an, das tapfere Mädel ließ mich ihre Wut, tief in ihrem Inneren auf mich nicht anmerken und sagt: „Ist nicht so schlimm, fahren wir eben so.“ und gibt ordentlich Gas, denn sie will Spaß. Den wir dann bei der Bergauffahrt dann auch hatte. Sie schuckelte mich den Berg hoch was das Zeug hielt. Zu verlieren hatten wir ja nichts mehr, der Pokal den wir schon von weitem haben leuchten sehen hatte wir schließlich selbstlos und gönnerhaft weiter gereicht.
Bei der Rückführung legte sie dann für die Fan´s einen Burnout hin der jedem männlichen Teilnehmer das Wasser reichen konnte. Bravo Milla!



Doch über die anschließende Platzierung nach meiner Schusseligkeit möchte ich nicht sprechen …, grins.

Nur soviel, die fast erreichten höheren Sphären wurden getauscht gegen die Untiefen und waren sang und klanglos unter gegangen. Doch als „Dreamteam“ Team wurden wir immer noch gefeiert. 
Unsere Fans in der SauerlandNordschleife blieben uns bis zum Schluss treu und johlten was das Zeug hielt wenn wir an ihnen vorbei kamen.

Wie sagt man so schön: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen! Jawoll, ich werden es wieder tun … irgendwann.

© margret




Der Geburtstag


Erwartungsvoll zappelt die kleine Raupe hin und her. Obwohl es noch recht kalt ist erwacht sie langsam aus ihrer Winterstarre. Sie reckt und streckt sich erst einmal. Ihre klitzekleinen Füßchen kann man gut sehen. Und weil sie sich so streckt entdeckt der aufmerksame Beobachter die kleinen Fresswerkzeuge und sogar die winzigen Augen. Sie rekelt sich sich in größtem Wohlgefühl, denn sie spürt das etwas Wundervolles passieren wird … ihre Metamorphose beginnt in Kürze.

Noch liegt sie geschützt in der Erde. Selbst als Raupe schaut sie wundervoll aus. Ihren kleinen Rücken ziert ein verwässert gelbliches Grün und der Bauch ist fast cremeweiß. Groß ist sie nicht, doch was bedeutet schon die Größe gemessen des Wunders das die Natur mit ihr vor hat.
Und immer weiter gräbt sich die Larve aus der Mutter Erde die den ganzen Winter ihre schützende Hand über die sie gehalten hat. Bald ist es geschafft und sie kann das erste warme Licht spüren, und auch sehen. Darauf freut sich schon der ungeduldige Wurm. 


Sehr bald veranlasst die Sonnenwärme sie sich an einer prächtigen Pflanze einzuspinnen. Wohl geborgen in einem seidigen kleinen Sack wird sie geduldig auf ihre Geburt warten, die an einem sonnig warmen Frühlingstag ist. Wiedergeboren werden wird die Larve als wunderschöner Schmetterling und heißt Zitronenfalter.

An einem herrlichen Tag befreit sich der kleine Falter dann aus dem Seidengespinst, um die Natur mit seiner bestechenden Einfachheit zu bereichern. Er ist zwar nur einfarbig, doch betrachtet man ihn sich näher bemerkt man seine elegante Vollkommenheit.
Aufgeregt wird er an seinem Geburtstag hin und her flattern und Ausschau halten nach jenen Blumen die ihm ihren Nektar schenken werden.

Die Geburtsstunde des Schmetterlings ist das Erwachen des Frühlings hervorgezaubert durch das immer wärmer werdende Licht.

© margret




 
Ein Novembertag im Februar



Merkwürdig, die Tage sollten doch heller werden. Schließlich schreitet das Jahr voran, scheinbar nur zögerlich. Kalendarisch haben wir über die Hälfte des Februar schon geschafft, sogar die fünfte Jahreszeit läuft langsam zur Hochform auf.
Doch da kommt der Novembertag, mitten im Februar und mischt sich ein. Mit einer Leichtigkeit die einen erschrecken lässt färbt er die Welt in die verschiedensten Grautöne ein. Grau in Grau wabbert leichter Nebel über die Aue. Die noch schlafende Natur wird getränkt mit Nieselregen.
Doch von irgendwoher durchdringt lautes Geschrei den Nebelschleier, der fast wie ein Walhalla vor mir liegt. Der Blick geht in die Höhe, doch er vermag nur schemenhaft etwas erkennen. Ein wenig mysteriös schaut es schon aus. Dunkle Schatten zerschneiden das Novembergrau das sich am Himmel festklammert. Ein wenig muss ich an Vampire denken. Ich schüttel über diese verrückte Idee schmunzelnd den Kopf, denn die Natur verrät sich. Ein kleiner Lichtstrahl durchbricht die Nebelbank und lässt mich die ersten Wildgänse erkennen die scheinbar wieder auf dem Weg nach Hause sind.

© margret





Das Ritual

Ein verführerischer Duft umschmeichelt meine Nase. Sie kräuselt sich unwillkürlich und schnuppert mit leisen Geräuschen in der Luft herum. Mmmhhhh, riecht das gut! Mit geschlossenen Augen genieße ich den Geruch der all meine Sinne geweckt hat. Nein, noch öffne ich sie nicht. Ich warte hier in meinem daunenweichen Bett mit bordeauxroter Satin Bettwäsche auf ihn. Feine Seidenwäsche umspielt meinen Körper der nach Magnolien duftet.

Gleich wird er die Treppe herauf kommen, mit dem Frühstückstablett in der Hand. Es wird eine Tasse himmlisch duftender Kaffee darauf stehen, der liebevoll von Hand aufgebrüht ist mit einer Messerspitze Kakao und einer kleinen Prise Salz darin. Daneben liegt ein selbstgebackenes Croissant mit meiner Lieblingskonfitüre bestrichen. Stets erfreut mich eine kleine Rose, deren reich gefächerte Blütenblätter ein traumhaftes Dunkelrot ziert. Der krönende Abschluss meines Frühstücks ist eine Champagnerpraline aus meiner Lieblingspatisserie. Eine wahre Gaumenexplosion, und jeden Morgen eine Sünde wert.


In einer fast mädchenhaften Aufgeregtheit, wie vor dem ersten Date, erwarte ich das leise öffnen der Tür und den vorsichtigen Schritt zu meinem Bett. Es ist jeden Morgen dasselbe Ritual und doch immer wieder neu, denn nie weiß ich wie er mich wecken wird. Nimmt er meinen Kopf in seine gepflegten, weichen Hände und gibt mir nur einen GutenMorgenKuss der nach Konfitüre schmeckt, die er zuvor genascht hat, oder wird er mich zärtlich am ganzen Körper berühren. Wird er mich seinen Atem spüren lassen der mich wie eine Frühlingsbrise auf nackter Haut streichelt, oder wird er seinen warmen Körper an den meinen schmiegen und mich sanft in seinen Armen halten in denen ich mich so geborgen fühle.  Der Gedanke daran was sein wird schürt meine Ungeduld und Erregtheit.

Ich halte meine Lider immer noch geschlossen als ich das behutsame herunterdrücken der Türklinke vernehme. Er ist da, und in freudetrunkener Erwartung flutet eine Woge der Glückseligkeit meinen Körper, denn gleich werde ich überrascht.

© margret




Wenn der Frühling Gefühle weckt



Am weit geöffneten Fenster stehe ich und schaue hinaus. Es ist noch sehr früh am Morgen und die ersten Vögel schmettern mir ein fröhliches Lied entgegen. Es erscheint, als ob sie auf mich gewartet haben. Die klare Frühlingsluft trägt ein liebliches Parfum. Es ist eine Duftkreation aus Märzenbecher, Hyazinthe und Veilchen. Einen Hauch von Flieder hätte ich mir noch dazu gewünscht. Das wäre der perfekte Duft, den man nicht besser zaubern kann. Tief atme ich ein und sauge den Wohlgeruch auf, um mich immer wieder daran erinnern zu können.
Oh Frühling, mit deiner zärtlichen Hand ziehst du mich hinaus in deinen linden Atem. Fast erleichtert folge ich dir. Ich schaue sehnsuchtsvoll in das Himmelblau und spüre das Wunder der Genesis, die bereit ist mich einzutauchen zu lassen in den sprudelnden Quell überschäumender Sinne, um mich meinen Empfindungen hinzugeben.

Weit geöffnet sind meine Arme, bereit zu umschlingen die aufgebauschten Wolken, die gefärbt sind in ein zartes Rose´. Ich möchte alles in mich aufnehmen was der göttliche Frühling an Ausstrahlungskraft aussendet. Die Wolken bilden mächtige Türme und erschaffen nie gesehenen Raum, einen Raum der geheimnisvoller nicht sein kann. Es wäre so schön zwischen den Wolkengassen hindurch schweben zu können. Mal aufgeregt flatternd wie eine Schwalbe und dann wieder ruhig gleitend wie ein Adler der seine Kreise zieht und sich die Welt von dort oben gelassen betrachtet, und stolz ist das er Raum und Zeit überwunden hat.
Ein herrlicher Sonnenstrahl trifft auf mein, langes blondes Haar, das sich in weichen Wellen wie ein Wasserfall anmutig um meine nackten Schultern schmiegt. Golden spiegelt es zurück und sendet eine geheimnisvolle Aura aus, die gefangen wird in flirrender Luft. Der Morgentau benetzt die alabasterweiße Haut und perlt langsam an ihr herunter und ein erregender Schauer lässt die Knospen der Brüste hervortreten.
So stehe ich, eine Eva die weiblicher nicht sein kann, inmitten einer Wiese mit ihren Wildblumen und Gräsern, leicht eingesunken in dem weichen Moos. Es schmeichelt meinen Füßen und lässt ein atemberaubendes Kribbeln aufsteigen.
Eine leichte Brise umwirbt mit einer grenzenlosen Sanftheit meinen Körper und lässt ihn die Faszination der Natur spüren. Er wird eingetaucht in eine glückselige Woge, verzaubert durch die zärtlichen Worte die mir der Frühling ins Ohr flüstert.

Und wieder geht mein Blick, erwartungsvoll und verklärter als zuvor in die Höhe.


© margret











Meeresrauschen


Es wird Nacht am Meer. Die Wellen plätschern sich in den Schlaf. Der Schrei der Möwen wird langsam immer leiser. Flügellahm von den vielen Sturzflügen in das Nass hocken sie erschöpft auf der Mole, die eben noch voller Leben war. Noch ein letztes hin und her tapsen, dann hat jeder Seevogel seinen Platz gefunden und steckt seinen Kopf in das klamme Gefieder. 

Einige Segelboote liegen hier vor Anker. Es ist eine beliebte Anlegestelle der Abenteurer die wagemutig die Ozeane bereisen. Längst schon sind die Segel eingeholt. Der leichte Seegang wirkt wie das liebevolle schaukeln einer Kinderwiege und bringt die Segler sanft hinüber ins Traumland. Selbst die Segelmasten scheppern sich im Winde wiegend fast zärtlich in ihre wohlverdiente Ruhe, bevor sie am nächsten wieder die an ihnen zerrende Takelage geduldig ertragen müssen.
Hier herrscht heute das blühende Leben in der Hafenortschaft, die einst der Urgewalt des tosenden Meeres ausgeliefert und dem Untergang geweiht war. Unter den „Freibeutern“ der weiten See wurde sie zu einem Geheimtipp und avancierte im Laufe der Zeiten zu einem Zentrum des Tourismus.

Die Mole schützt heute den Hafen von Fatagalien vor der Unberechenbarkeit des Ozeans. Immer wieder wurde der kleine Ort, der einst ungeschützt Neptuns Macht ausgeliefert war, von enormen Wellen überflutet. Jahrhunderte lang ergaben sich die Fatagalier ihrem Schicksal, bis eines Tages Fjore mit seinem alten Fischerboot in dem beschaulichen Hafen strandete, nicht ahnend das dies seine Heimat werden sollte und ihm einige Zeit später die Idee mit dem Schutzwall kam.Von Generation zu Generation wurde der Gedanke weiter gereicht bis …, ja bis ein Nachfahr Fjores diesen grandiosen Plan umsetzen konnte.

Fjore lief eines Tages wie immer mit Thune gut gelaunt zum Fischfang aus seinem Heimathafen aus. Zusammen haben sie immer viel Spaß. Gegenseitig spielten sie sich gern Streiche. So auch heute. Doch von einem Moment zum anderen war alles ganz anders. Völlig unvorbereitet kamen die Freunde in ein schweres Wetter und bei dem hilflosen Versuch während des Sturms Takelage einzuholen ging Thune über Bord. Ohnmächtig musste Fjore zusehen wie sein bester Freund in der tosenden See umkam. Wie ein Spielzeug wurde der alte Kahn in dem riesigen Wellengang hin und her geworfen. Der junge Fischer wusste sich nirgends festzuhalten und band sich mit letzter Kraft an an dem hölzernen Segelmasten fest und ergab sich in sein Schicksal. Sein letzter Gedanke, bevor er ohnmächtig wurde galt Neptun. Was hatte ihn so aufgebracht?! Warum holte er Thune in seine Unterwelt? Noch nie hatte Fjore solche Wellen gesehen, zuhause galt er als Held der alle Unwetter heil übersteht, doch nun scheint es so als folge er seinem Freund in das nasse Grab.

Langsam öffnen sich die salzverklebten Augenlider und schauen sonnengeblendet in ein besorgtes Gesicht. Möwengeschrei, das er sonst so sehr liebt, dringt nun störend in Fjores Ohren. Mehr und mehr erkennt der junge Fischer das es ein liebreizendes Frauenantlitz ist das sich über ihn beugt. Sanfte Hände tasten vorsichtig seinen Körper ab. Trotz der Schmerzen die Fjore ein wenig aufstöhnen lassen genießt er die Berührungen der jungen Frau. Lange hat er die Zartheit der Frauenhände vermisst. Wann bloß hat zum letzten Mal der Duft des weiblichen Körpers seiner Nase geschmeichelt oder gar der nackte Leib mit seinen Rundungen sich an ihn geschmiegt. Es ist ihm nicht mehr bewusst.

„ Ist es ein Engel, oder habe ich gar die Urgewalt des Meeres überlebt?“ schießt es ihm durch den Kopf.

„Hallo,“ hört er das zauberhafte Wesen ihn mit sanfter Stimme ansprechen.“Kannst du mich hören? Wer bist du? Tut dir was weh? Ich bin Henaia und komme aus dem kleinen Ort dort hinten. Swöre hat dich entdeckt und mich zu dir gebracht.“ Erst jetzt bemerkt Fjore den kleinen Hund der schnüffelnd neben ihm auf und abgeht. Er versucht zu lächeln doch es misslingt kläglich. Vom Kopf bis zum kleinen Zeh schmerzt ihm sein geschundener Körper, der als Spielball zwischen den steinharten Wellen hin und her flog. Doch was sind die Schmerzen schon, Fjore ist am leben. Hätten ihn die Taue am Mast gehalten, so wäre mit seinem Boot untergegangen und hätte nie die engelsgleiche Stimme gehört und das wunderschöne Antlitz gesehen. Langsam versucht der schiffbrüchige Fischer sich aufzurichten und sackt wieder in sich zusammen.
„Ich hole Hilfe aus dem Dorf. Es dauert nicht lange.“ verspricht Henaia und eilt in die Richtung die sie Fjore zeigt. Zu Swöre sagt sie sagt das er hier bleiben soll um aufzupassen. Der Hund spitzt die die aufgeregt hin und her wackelnden Ohren und legt sich beschützend neben Fjore.

Genau wie Henaia es versprochen hatte war sie kurze Zeit später mit Helfern aus dem Dorf wieder da. Sie legten vorsichtig Fjore auf die mitgebrachte Trage und schafften ihn in Hanaia´s ärmliche Behausung. Schnell entfacht sie in der Esse ein Feuer und hängt darüber einen Topf um eine Suppe zu kochen. Viel hat sie nicht, nur ein wenig Gemüse und ein kleines Stück Speck. Doch es wird ausreichen damit der junge Mann wieder zu Kräften kommt, so hofft sie es zumindest.

Fjores Husten lässt seine Retterin herumfahren und sie blickt in zwei glasige Augen. Die schweißnasse heiße Stirn verrät ihr das der Fischer sehr krank sein muss. Sein Körper glüht! Gleich morgen will sie zur Heilerin gehen und um Rat bitten. Nur mit Mühe kann die junge Dorfbewohnerin dem kranken Mann etwas Suppe einträufeln. Dann geht auch sie zu Bett. Eigentlich ist es gar kein Bett, sondern ein alter Jutesack der mit Heu und Stroh befüllt ist worauf sie ihr müdes Haupt bettet.
Es war eine sehr unruhige Nacht. Immer und immer wieder versuchte Hanaia den Körper des Mannes zu kühlen. Sein gequältes Stöhnen traf sie ins Herz und ihr Mitgefühl ist grenzenlos. Selbst Swöre schaut traurig von einem zum anderen. Er spürte genau das es um Leben und Tod geht.

Endlich war der Morgen da. Schweren Herzens lässt Hanaia Fjore allein und eilt zur Kräuterhexe Sabeia die am Dorfrand wohnt. Gott sei Dank ist sie zu Hause! Hanaia befürchtete schon das sie am Kräuter sammeln sein könnte, was Sabeia stets zur frühen Morgenstunde macht.
Klopfen muss die aufgeregte junge Frau nicht, die Heilerin hat sie schon kommen sehen und begrüßt sie schon vor der Tür.
Hanaia war so außer Atem das sie zunächst kein Wort herausbekommt. Beruhigend fährt Sabeia ihr mit der Hand über die Schultern und gibt ihr einen Tee zu trinken. Schnell erholt sich Hanaia und berichtet von dem Zustand des Fischers. Während ihrer Erzählung werkelt die Kräuterhexe mit allerhand Heilpflanzen herum und beginnt eine Sud zu kochen. Die Mixtur ist schnell fertig. Eine Paste bekommt Hanaia auch noch mit die sie dem jungen Mann auf Rücken und Brust schmieren soll. Erleichtert geht sie rasch zu dem Kranken zurück.

Nach ein paar Tagen geht es dem Schiffbrüchigen auch tatsächlich wieder besser, sodass er das Krankenlager verlassen kann. Nur noch zu Kräften muss er wieder kommen. Die Krankheit hat seinen Körper sehr geschwächt, und das ihm, der doch ein Mann wie ein Baum ist. Um seinen Zustand muss er selbst den Kopf schütteln. Doch mit Hanaias Kochkünsten wird das schon wieder werden.

So vergehen Tage und Wochen. Fjore ist wieder ganz der alte, außer das ihm sein Segelboot fehlt um auf Fischfang zu gehen. Es ist viel zu weit abgetrieben worden, unerreichbar für die kleinen Boote die ihm aus dem kleinen Ort zur Verfügung standen. Angst wieder hinaus aufs Meer zu fahren hat er nicht. Er liebt die hohe See, den Wellengang und das Meeresrauschen wenn er in der Kajüte auf seinem Lager liegt. Manchmal denkt er das sich der alte Wassergott mit ihm und die Meerjungfrauen erfreuen nur ihn mit ihrem Gesang. Wenn da nicht noch der Klabautermann wäre der ihm ab und zu Streiche spielt. Das alles vermisst er sehr. Sein einziger Trost ist seine Retterin in die er sich verliebt hat. Auch Hanaia hat ihm nach einiger Zeit ihre Liebe zu ihm gestanden. So beschlossen sie zusammen zu bleiben und zu heiraten.

Es waren glückliche Jahre. Das Paar bekam drei Kinder, sodass Fjore ein größeres Haus in der Nähe des Meeres baute. Hier hatte er einen wundervollen Platz am Rand der Klippen gefunden und das vertraute Geräusch des Meeres klang wieder in seinen Ohren. Wundervolle Musikstücke komponierte der Wellengang nur für ihn. Auch die Kinder haben die Liebe zum Wasser in die Wiege gelegt bekommen. Doch dann kam der Tag der alles verändern sollte.

Besorgt schaut Fjore hinaus auf die weite See. Irgend etwas ist anders. Was kann er nicht sagen, doch der Horizont verdunkelt sich. Sind die Götter ihnen nicht mehr wohlgesonnen? Werden sie bestraft? Doch warum? Er geht zunächst seinem Tagwerk weiter. Die Kinder gehen ihm zur Hand. Sie sind wohlgeraten und helfen auch bei den Alten im Dorf und bekommen ihr Essen dafür. Die Zeiten sind immer noch hart, doch sie haben ihr Auskommen und müssen nicht hungern, wie so viele im Dorf.
Hanaia kommt aus dem Haus ruft nach ihrer Familie, dass Abendbrot ist fertig. Es gibt altbackenes Brot und eine Rübensuppe, dazu gibt es Ziegenmilch.
Kaum das ist auf ihren Schemeln am Tisch sitzen ist leichtes Grollen zu hören und es beginnt zu regnen. Es wird immer dunkler, rechtzeitig zündet Hanaia Kerzen an. Aus dem wundervollen Meeresrauschen das Fjore so liebt wird ein tobendes Ungeheuer das riesige Wellen an die Klippen schickt. Schnell raffen sie, Böses ahnend, das Nötigste zusammen und rennen ins Dorf um die anderen zu warnen.

Gerade noch rechtzeitig schaffen es alle sich auf die Anhöhe zu retten um dabei zuzusehen wie das gefräßige Monstrum Meer sich sein Opfer holt. Jahrelang hatte es Ruhe gegeben, bis Neptun nun wieder einmal an sich erinnert. Zwei Tage und Nächte musste die Dorfbewohner bei Wind und Wetter auf dem kleinen Berg ausharren bis sich die See wieder zurück gezogen hatte.
Das Jammern und Weinen war groß, denn alles Hab und Gut war verloren. Doch sie hatte noch sich. Die gnadenlose Hand des Wassergottes konnte kein Menschenopfer mit sich ziehen.
Es dauerte lange bis alle Dorfbewohner wieder eine Herberge hatten. Fjore und Hanaia beschlossen mit ihren Kinder wieder an derselben Stelle ihr Haus aufzubauen, übergroß ist die Liebe zum Meer und seiner rauhen Stimme.

Mittlerweile sind die Kinder erwachsen geworden haben großartige Ideen und wollen ihre Heimat verlassen um ihre eigenen Familien zu gründen. Fern von dem tosenden Wasser wollen sie sich und ihre Liebsten in Sicherheit wiegen. Niemals wollen sie das noch einmal miterleben was ihre Kindheit jahrelang überschattete.
Jedem Kind das sein Elternhaus verließ gab Fjore seine Eingebung mit auf den Weg die er eines Tages hatte als er den Wellen bei ihrem Spiel zuschaute, dem Wellenbrechen an der Klippe. Ein Schutzwall müsste her, hoch genug damit sich das Wasser an ihm austoben kann! 


So kam es das die Idee um den Bau einer Mole durch die Jahrhunderte reiste bis sie eines Tages zum Schutz der Menschen und ihrer Siedlungen errichtet wurde, doch verstummt ist das dadurch Meer nicht. Immer noch bringt es seine herrlichen Klänge dar die sich in ureigenen Sinfonien verewigen.

© margret






Ein nicht verabredetes Date


Der Blick dringt durch mich hindurch, so blau, stahlblau. Es ist mir ein wenig unangenehm, ich möchte deinem Blick nicht standhalten, ihm ausweichen. Es gelingt mir nicht. Ich bin wie hypnotisiert. Was machst du bloß mit mir? Wie schaffst du es von dem Nachbartisch mich so in den Bann zu ziehen? Langsam werde ich nervös und fange an an meiner Kleidung herum zu nesteln. Die Rockfalten werden gerichtet und die Bluse wieder glatt gestreift.

Mal eben in den Taschenspiegel schauen. Mein Gott, wie sehe ich denn aus! Unwillkürlich fahren die Finger durch die Haare um die vorwitzigen brünetten Locken zu richten. Mittlerweile hatte ich auch noch vor Nervosität die Lippen abgeleckt, was sonst nur passiert wenn ich den Schaum von der Latte Macchiato abschlecke. Herr Gott noch mal, wo ist denn der Lippenstift? Aah, gefunden! Lippen wieder nachziehen, Bluse erneut runter ziehen und fertig mit dem drappieren. Gerade noch rechtzeitig, Mr.Blauauge kommt zu meinem Tisch. Was für ein Mann! Ein blonder Hüne mit traumhaften Augen. Ich glaube ich werde ohnmächtig.

„Hallo schöne Frau, darf ich mich zu Ihnen setzen?“ werde ich mit einer wundervoll sonoren Stimme angesprochen. Eigentlich eine einfallslose Anrede, doch das verzeihe ich dem Bild von einem Mann, den Adonis erblassen lässt.
„Aber ja, gerne.“ kommt stotternd von mir zurück. Mit einem charmanten Lächeln, das seine fein geschwungen Lippen hervorragend zur Geltung bringt, setzt er sich zu mir.
Verlegen, fast schon scheu, schaue ich ihn an und denke: „Das bin doch nicht ich, die sonst doch selbstbewusste Frau die mit beiden Beinen im Leben steht!“ Merkwürdig, wie kann ein Mann mich nur so aus der Fassung bringen?!

„Was darf ich Ihnen bestellen?“ holt er mich aus meinen Gedanken zurück. „Eine Latte bitte.“Au man, wie konnte ich das nur sagen! Und prompt kommt ein breites Grinsen zurück, das mich ein wenig erröten lässt. „Vielleicht ein noch Stück Kuchen dazu?“ bietet er mir höflich an. Ich überlegen nur kurz, und entscheide mich für den herrlichen Himbeerkuchen der mir vorhin schon ins Auge sprang. „Danke, sehr gerne!“

„Ich bin Thomas Schulte und habe grade Mittagspause.“ stellt er sich mir vor. „Pia Braukmann.“ erwider ich kurz angebunden. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein, wenn fremde Männer einen im Cafe´ansprechen, auch wenn er mir gut gefällt. Mal sehen was er von mir will. Warum habe ich mich überhaupt einladen lassen?! Alle möglichen Szenarien spulen sich vor meinem geistigen Auge ab. In ein paar Minuten trennen sich unsere Wege wieder. Schnell wird die Begegnung wieder vergessen sein. Doch das ich von einem attraktiven fremden Mann angesprochen wurde bringt mich total aus der Fassung. Ich muss aufpassen das ich mich nicht auch noch zu allem Überfluss beklecker, so nervös wie ich bin.
„Pia, geht es Ihnen nicht gut?“ schreckt mich dieser Thomas Schulte aus meinen Gedanken auf. Scheinbar bin ich wohl vor lauter Aufregung blass geworden und muss dann doch ein wenig in mich hinein grinsen. „Danke Thomas, alles ist bestens.“ halte ich meine Antwort schon wieder so knapp wie möglich, worüber ich mich dann doch selber ärger.

Irgendwie spürt der Fremde mein Unsicherheit und lächelt mich gewinnend an. Er legt wie vertraut seine Hand auf meine. Im ersten Reflex will ich sie zurückziehen, doch die Wärme seiner Hand und sein Charisma genieße ich, trotz meiner Bedenken. Was ist das für ein Bilderbuchmann! Nun reiß dich aber mal zusammen Pia Braukmann, er ist doch ganz nett. So, nun wird sich innerlich ein wenig zurechtgerückt, tief Luft holen, Rücken gerade und die alte Pia wieder hervor holen. Und los geht’s.

„Entschuldigung, ich hatte mich ein wenig verschluckt.“ bringe ich mit einer ein wenig heiseren Stimme stotterfrei heraus. „Wie kommt es das Sie sich gerade zu mir gesellt haben, wo doch noch einige hübsche Damen hier im Straßencafe sitzen?“ will ich neugierig wissen. Ein wenig muss ich blinzeln, die Sonne scheint mir direkt ins Gesicht.
Aufmerksam und fast ein wenig besorgt fragt er mit seiner klangvollen Stimme ob wir nicht lieber an einen beschatteten Tisch gehen wollen. Gern willige ich ein. „So ist es doch angenehmer?“ möchte er bestätigend wissen. „Sehr viel besser, danke.“ Eine kleine peinliche Stille entsteht. Ablenkend von der merkwürdigen Situation betrachte ich mir interessiert die anderen Menschen im Cafe´, die augenscheinlich ihre Mittagspause auch gern hier an dem sonnengefluteten Platz verbringen. „Sie sind mir noch ein Antwort schuldig, Thomas. Warum ausgerechnet ich?“ greife ich meine Frage noch einmal auf. „Es ist ganz einfach, Sie sind die attraktivste, charmanteste und interessanteste Person die ich je gesehen habe und wollte Sie unbedingt kennenlernen. Ich habe sie schon vor ein paar Tagen hier gesehen und beobachtet. Für mich stand fest das ich Sie unbedingt kennenlernen will und hoffte inständig auf ein Wiedersehen, liebe Pia.“

Sprachlosigkeit macht sich in mir breit. Ich hatte ihn gar nicht gesehen. Wie konnte mir entgehen das ich beobachtet wurde und denke kurz darüber nach wann das wohl war. Egal! Doch was soll ich auf die Komplimente, die ich so gar nicht gewohnt war antworten? Sicher kenne ich musternde Blicke die an mir rauf und runter gehen. Auch das prollige HinterherPfeifen ist mir bekannt. Ich weiß schon das ich ganz nett aussehe. Doch nun steigt meine Verlegenheit fast ins Unermessliche. Werde ich etwa rot?! Mir wird so heiß. Bloß kein rotes Gesicht!!

„Sie machen mich ganz verlegen, Thomas.“ etwas geistreicheres fällt mir nicht ein. Wie gut das ich gleich fliehen kann, meine Mittagspause geht zu Ende. Und doch wünschte ich der Moment würde ewig andauern. Ich muss zugeben, ich bin von dem Mann fasziniert vom allerersten Augenblick an!

„Ich muss nun wieder zur Arbeit. Meine brotlosen Künste warten schon auf mich. Ich bin Fotograf und mein Lieblingsmotiv sind Menschen.“ beendet Thomas unser nicht verabredetes Date. „Ich würde Sie morgen gern wieder sehen, hier, zur selben Zeit.“ bittet er mit seinen traumhaften blauen Augen, diesem stahlblauen mich verwirrenden Augenblick. Widerstehen? Zwecklos! Dieser Mann ist die Faszination in Person!
„Sehr gerne, ich freue mich darauf.“ sage ich zu. Sollte dies der Beginn einer Romanze sein oder doch nur eine Affäre? Doch der sanfte Händedruck und die kleine, schon fast zärtliche Umarmung zum Abschied lassen mich auf etwas ganz Schönes hoffen.

© margret




Das Hamsterrad 


Ich wache auf und fühle mich wieder wie gerädert. Was ist das? Ein Zustand in dem ich mich seit einiger Zeit befinde. Es ist mir so, als ob ich Schwerstarbeit geleistet hätte. Ich bleibe noch ein wenig liegen, mich irgendwie auf das Aufstehen vorbereiten. Doch wozu? Wieso stehe ich nicht einfach auf, so wie früher um freudig den Tag zu begrüßen.
Ach, lass doch. Es ist egal, ich bleibe noch hier, in meinem Bett und hänge meinen Gedanken nach.

Vieles schießt mir durch den Kopf, es ist ein großes Durcheinander. Es ist wie ein Hamsterrad das sich immer schneller dreht.

Nein! Ich reiße mich zusammen und stehe auf, gehe zum geöffneten Fenster und atme tief durch. Das tut gut … die frische Luft. Die aufgehende Sonne lacht mich an, ich lache zurück und denke:

'Liebe Sonne, bleib da und wärme mich!'

Doch eine kleine weiße Wolke schiebt sich davor und der Himmel verdunkelt sich etwas. Die Wolke scheint still zu stehen, aber das Rad der Zeit fängt an sich rückwärts zu bewegen. Wie war das noch … damals, als ich ein Kind war und die Welt noch in Ordnung zu sein schien?! Ich weiß es nicht mehr. Wieso kann ich mich nicht erinnern?!

Schluss damit und ab ins Bad!

Erfrischt kann ich nun mein Tagwerk beginnen, als Uhrmachermeisterin, die, die kleinen Rädchen zu einem großen Ganzen zusammenfügt.
Für mich ist es eine beruhigende Arbeit, ich muss mich gut konzentrieren und denke nicht mehr soviel nach. An damals ..., doch an welches Damals?
Irgendwann entdeckte ich meine Liebe zu Rädern, egal in welcher Art. Die Zahnräder allerdings, wenn ein Rad ins Andere greift, faszinierten mich sehr. So kam ich später auf den Beruf des Uhrmachers. Ich liebe es wenn es die kleinen Rädchen anfangen zu laufen, das Uhrwerk funktioniert und die Stille durchbricht … tick – tack. Doch wann war das, seit wann interessieren mich die Räder? War es schon in meiner Kindheit so? Ich kann mich nicht erinnern, warum nur nicht?
Aber dann wieder, wenn das Werk vollendet ist und die Uhr im Gleichklang tickt, bemerke ich die Tretmühle in der ich mich seit kurzem befinde. Wenn ich keine Aufgabe mehr habe und sich neues Wasser über das Mühlrad in meinem Kopf ergießt geht es wieder los. Das Rad in dem Gedankenkarusssel dreht sich auf´s Neue. Wie ich dieses Hamsterrad hasse indem ich laufe und laufe, und doch immer auf der Stelle trete. Was ist nur los?

Niemals werde ich mein Ziel erreichen!

Ich kann wohl die kleinen Zahnräder in Schwung bringen, doch den Absprung aus dem Laufrad schaffe ich nicht. Warum nicht! Wie kann ich das Rad bloß zum anhalten bringen? Wieso kann ich mich nicht erinnern? Was ist passiert …, in meiner Kindheit? Wer hilft mir mich zu erinnern?!

Und wieder gehe ich zum Fenster um Sonne zu tanken. Was für ein schöner Planet sie ist. Während ich sie betrachte überlege ich zu was die Sonne alles in der Lage ist, sie ist so wichtig für uns Menschen.



Die Sonne macht hell … die Sonne erwärmt … die Sonne lockt uns nach draußen … 

die Sonne kann die Seele heilen 

wundervolle Sonne

Einfach nur die Sonne, ein kleiner Stern am Himmel und doch so mächtig.

Genug der Ablenkung, denn das Rad der zeit dreht sich weiter, mir mir zusammen in meinem Hamsterrad.

Bald drehen sie sich wieder, die kleinen Zahnräder in meinem neuen Uhrwerk und machen tic-tak.

Ich darf nicht vergessen meine Medikamente zu nehmen. Sie verhindern das ich sprichwörtlich unter die Räder in meinem Gedankenkarussell komme. Vielleicht katapultiert mich das große Schwungrad meines Karussells eines Tages doch noch durchs Ziel, das weit entfernte Ziel mich zu erinnern.

© margret









Wundervolles Leben


Eine Beobachtung im Herbst

Es ist nur ein ein kleiner Fluss, doch er ist das Sinnbild allen Lebens. Die Morgensonne kommt langsam durch die Baumwipfel und hat eine Verabredung mit dem sterbenden Laub. Das kalte Wasser nimmt seinen Weg. Es umspült die Steine gekonnt …, formt sie gar. Nichts kann es aufhalten und trägt hinfort das einstmals wunderschöne und nun langsam verrottende Kleid der Flur. 

Noch hält das Blätterdach schützend die Hand über die zarten Pflanzen, die so spät noch ihre empfindlichen Kleider in aller Pracht zur Schau stellen, in einer zweiten Blüte die vollendeter nicht sein kann. Manche erinnern an ein Tutu, sehen sie doch genauso luftig und leicht aus wie der Tüll. Sie scheinen schwebend auf ihren Stängeln zu thronen, so majestätisch mit hoch erhobenem Haupt. Es ist kaum zu glauben das sie bald den naturbefohlenen Tod sterben werden, um im Frühjahr wieder aufzuerstehen wie der Phönix …, schöner denn je.

Andere wieder führen still ihr Schattendasein, scheinen ihren Glanz verloren zu haben und tragen eine dunkle Robe. Alles erinnert an einen Trauerflor. Selbst die Blüte scheint unscheinbar zu sein, doch bei näherer Betrachtung sieht man die … Magie des Unmöglichen … sie glänzen doch, ohne die Sonne zu sehen und ihre Wärme zu spüren. Nie haben sie mit ihrem gesenkten Blütenkopf das Azurblau des Sommerhimmels gesehen. Allem zum Trotz zeigen ihre Blätter das satteste Grün, schöner als jede Auwiese. Voller Stolz stehen sie kerzengerade und in ergebener Symbiose mit dem ewigen Schatten. Das ist das Wunder der Natur!

Und da ist der Quell des Lebens. Er begleitet alles Sein mit einer nie endenden Symphonie, vorgetragen von dem Chor der Elementargeister in einer Ode an die Natur.

Herrliche Welt!

©margret







Ein geschenktes Leben


Fertig, endlich ist das Studium beendet. Ich bin nun staatl. geprüfter Ingenieur für das Bauwesen.  Das Studium war eine schöne Zeit, trotz der 'Ehrenrunde' die ich drehen mußte.
Ob die Ehrenrunde meine Schuld ist?  Eigentlich nicht, Wolfgang und Stefan haben mich nur abgelenkt. Ich bin Uwe. Wir haben uns in der Uni kennengelernt und eine WG gegründet. Was hatten wir einen Spaß, doch der Preis der Feierrei war ein verpatztes Jahr. Auch die Beiden mußten das Semester wiederholen. Reue? NEIN!!

Doch nun trennen sich unsere Wege. Für jeden heißt es die Karriereleiter emporzuklettern, und auf möglichst wenig Steine zu hoffen, die von den Neidern in den Weg gelegt werden können.
Doch bevor der Ernst des Lebens beginnt, wollen wir gemeinsam Urlaub machen. Noch einmal so richtig abfeiern.
Als Urlaubsziel haben wir uns Süddeutschland vorgenommen. Stefan hat ein Auto. Wie prima! Seine Eltern fungieren als Sponsoren, und haben ihm einen VW - Käfer zur Verfügung gestellt. Klasse, so können wir das Auto mit allem was wir zum Zelten brauchen vollpacken.
Bevor es los geht steht das herrliche Wochenende mit der Abschlußfeier an. Das wir eine Sause werden! Am Sonntag dann erholen, und Montag ab in den Süden ... für zwei Wochen.
Ich freue mich auf die Berge. Die Jung´s sind genau wie ich begeisterte Naturburschen. Wir kommen allesamt aus ländlichen Regionen. Oft haben wir uns ausgemalt wie es in den Alpen zu wandern wohl sein wird.  Ein Traum der nun Wirklichkeit wird.

Endlich ist Montag, der Käfer ist voll gepackt und es geht nun los. Abenteuer, wir kommen!!

Wie gut, dass wir alle einen Führerschein haben, so können wir uns während der hunderte Kilometer langen Fahrt abwechseln. Doch weit kommen wir zunächst nicht. Plötzlich ruckelt das Auto und bleibt bockend stehen. Blöde gucken wir uns an. Stefan versucht noch einmal zu starten ... nö,  geht nicht. Und noch einmal, der Käfer bleibt stumm. Was nun?! Da kloppt Stefan sich an den Kopf, er hat vergessen zu tanken. Das bedeutet, Kofferraum ausräumen um an  den Ersatzkanister heranzukommen.

Gesagt - Getan - Kanister leer!

Au man, das geht ja gut los. Stefan als Übeltäter darf auch losmarschieren um Sprit zu holen. Weit ist es nicht, die nächste Ortschaft ist in Sichtweite. Nach einer Stunde geht es problemlos weiter.
Pfeifend und gut gelaunt kommen wir endlich in dem kleinen Ort bei Berchtesgaden an. Hier gibt es einen wundervollen Nationalpark in der Nähe der Berge. Nach kurzer Suche haben wir eine geigneten Zeltplatz gefunden. Der ist zwar ziemlich steinig, aber dafür sehr nahe der Berge.

Vor dem Aufbau der Zelte erst einmal eine Stärkung zu sich nehmen. Reichlich Proviant habe wir ja mit. Mit dem kleinen Bunsenbrenner wollen wir uns Knackwürstchen warm machen. Lecker!!
Es bleibt bei´m Wollen, die Würstchen müßen kalt gegessen werden. Wolfgang der Idiot hat das Gas vergessen, er war für den Proviant verantwortlich. Also heißt es, später in´s Dorf traben, um ein paar Kartuschen Gas zu besorgen. Meine Aufgabe  war es sich um die Zelte zu kümmern. Die habe ich mir von Freunden zu Hause ausgeliehen.
Während dem Zelte aufbauen hören wir aus unserem Transistoradio  „Satisfaction“ von den ROLLING  STONES ( Rollende Steine übersetzt, wie kommt man nur auf so einen Bandnamen? ), ein super Song.
Doch die gute Laune die wir grade während Mick Jagger´s Gesang noch hatten, ist schlagartig verschwunden. Ein Zelt ist nicht komplett, es fehlen Stangen.  Schlafen halt zwei Mann in einem Zelt.
Der Hit der auf Satisfaction folgt, wenn wir ihn nicht selber hörten könnte man es kaum glauben, ist: Waterloo … mit dem Abba letztes Jahr den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewonnen hat.
Für unseren Urlaubsbeginn sehr passend, wenn man an die verlorene Schlacht denkt. So holprig wie über Stock und Stein unsere Reise bisher auch war, so toll wird wohl die restliche Zeit werden.
Geplant ist die nächsten Tage mit rumbummeln zu verbringen. Zum ersten Urlaubswochenende dann den Nationalpark zu erkunden und vielleicht kleinere Bergwanderungen zu machen .
Mitte der letzten Woche unseres Urlaubs  geht es dann zur Klettertour, die der eigentliche Grund unseres Hierseins ist.

Bis dahin ist unser Motto: Erholung pur!


Nun sind wir schon in der zweiten Woche und gleich geht es los zu unserer Bergtour.

Die Rucksäcke mit einer kleinen Mahlzeit zwischendurch sind gepackt. Die Sonne scheint schon herrlich. Fröhliches Vogelgezwitscher begleitet uns zunächst. Doch Richtung Berge wird es immer weniger, bis es ganz aufhört. Dafür begleitet uns nun ein Adler, der mit seinen Rufen uns den Weg zu weisen scheint.
Nach Stunden, der manchmal mühseligen Kletterei, kommen wir an unserem Ziel an. Es ist ein Zwischenlager der Bergsteiger, denn höher wollen wir gar nicht. Dazu fehlt es an Ausrüstung und  Übung des Bergsteigens. Es war auch so zeitweise recht grenzwertig für uns über dieses ziemlich lockere Geröll über den schmalen Pfad zu kraxeln.
Das Panorama entschädigt für alles. Hier oben genießen wir die himmlische Ruhe und verspeisen unsere karge Mahlzeit. Am Abend wird im „Alpenblick“, dem Dorfgasthaus, ordentlich geschlemmt. Es findet ein Volksfest statt zu dem wir eingeladen wurden. Klasse, so können wir noch mal Party machen, bevor wir am Samstag wieder nach Hause fahren.
Doch was ist das? Es wird auf einmal sehr windig. Fast schon ein Sturm. Dunkle Wolken schieben sich vor den blauen Himmel. Wir schauen uns besorgt an. Das ist der berüchtigte, plötzliche Wetterumschwung in den Bergen. Wir hatten es versäumt den Wetterbericht anzuhören.

Ein Fehler! Nicht ahnend wie groß der sein sollte. Wir schauen uns um, nirgendwo ist ein Unterschlupf zu sehen! Eiligst packen wir unsere sieben Sachen zusammen und beginnen den Abstieg. Das Wetter verschlechtert sich zusehends. Mittlerweile regnet es heftig. Der steinige Untergrund ist äußerst glitschig. Mein Gott, warum haben wir nicht daran gedacht die Wetterprognose zu hören. Hoffentlich kommen wir heil unten an! 
Nun gewittert es auch noch. Blitze zerschneiden die schwarzen Wolken und der Donner hallt beängstigend zwischen den Bergwänden. Wir habe erst gut die Hälfte des Weges  hinter uns. Da passiert es. Blitze und ein fürchterlicher Donnerschlag zugleich. Wolkenbrüche prasseln auf uns hernieder. Zum Schutz drängen wir uns eng an die Bergwand, nass bis auf die Knochen und am ganzen Leib am bibbern. Hilfesuchend schauen wir uns gegenseitig an. Da kommt ein mächtiges Grollen auf. Was ist das bloß?! Ein Stein plumpst uns vor die Füße, und noch einer, und noch einer. Aus dem Grollen ist ein ohrenbetäubendes Dröhnen geworden. Mir weit aufgerissenen Augen schauen wir uns an.
Wofgang schreit: „Eine Gerölllawine kracht auf uns herunter!!“  Noch enger versuchen wir uns an die Felsenwand zu kauern, und hoffen das der kleine Vorsprung unter dem wir stehen uns genug Schutz bietet. Und schon donnern Tausende von Steinen über uns hinweg. Es dauert nur Minuten bis es zu Ende ist und eine unheimliche Stille eintritt. Wir wagen es nicht uns zu bewegen. Nach gefühlten Stunden hat Stefan den Mut einen kleinen Schritt nach vorn zu gehen um nach oben zuschauen. Er gibt Entwarnung … Wolfgang und ich machen es ihm gleich und schauen in den Himmel, der eben noch wütete. Wie von Geisterhand geschoben verschwinden die mächtigen Gewitterwolken und das Blau des Himmels kommt wieder durch.

Hörbar atmen wir auf und danken Gott das uns nichts passiert ist. Eiligst machen wir uns weiter auf den Weg den Berg hinab zu steigen. Es gelingt uns wohl in Rekordzeit und ohne weitere Zwischenfällle. Wie gut das wir wenigstens Bescheid gegeben hatten, dass wir den Berg hoch sind. Dadurch hätte man uns wohl gesucht und aus der Not gerettet.
Endlich sind wir wieder in unseren Zelten, und in Sicherheit. Schnell aus den nassen Klamotten raus und uns aufwärmen. Wir beschließen abends nur kurz zum Fest zu gehen, damit sie Bescheid wissen, dass wir nicht von der Gerölllawine verschüttet wurden. Wir hörten dann, dass man im Dorf die Lawine beobachtet hatte, und inständig hoffte, dass uns nichts passiert ist.
Wie gut das wir uns noch zwei Tage von dem Schreck erholen können, bevor es wieder nach Hause geht. Dort werden wir von unserem Abenteuer nichts erzählen. Die Eltern müssen nicht im Nachhinein noch tausend Tode sterben.

 Wolfgang, Stefan und ich werden diesen 17. Juni 1975 unser Leben lang nicht vergessen. Wir haben beschlossen uns jedes Jahr an diesem Tag zu treffen, um auf unser Wohl anzustoßen. Wie zu einem zweiten Geburtstag.

©margret





Die ergebene Verlockung




Das purpurne Haar 
umspielt nymphisch die schmalen entblößten Schultern. Die geheimnisvollen Augen müssen in Jade getaucht worden sein. Ein wundervoller Augen-Blick hat mich in seinen Bann gezogen und lädt zum träumen ein, einzutauchen in das große Meer der Wünsche
 indem Träume Wirklichkeit werden. 

Die geschwungenen Lippen, die aussehen wie der zarte Strich eines Violinenbogens der die feinsten Farbmelodien malt und die Unschuld des Mundes unterstreicht, 
laden zu einer Berührung ein.

Die atemlosen Spannung verführt zu einem zarten Kuss und der zaghafte Wimpernschlag der Wirklichkeit gewordenen Göttin öffnet das pastellig grüne Augenmeer, das ungeahntes Erflehen der Begehrlichkeit erkennen lässt.

Ein virtuoser Reigen der Sinnlichkeit kann beginnen.

In einer Feinsinnigkeit die schier grenzenlos erscheint tastet sich vorsichtig mein liebkosender Mund den schlanken Hals herab, der wie ein Kunstwerk aus Alabaster erscheint und geziert wird mit der Austernfrucht die schöner nicht sein kann. 

Ihr Glanz ist wie ein Festival der schillernsten Farben 
der nur noch übertroffen wird von der jadigen Iris meines Wirklichkeit gewordenen Traums, 
den eine Aura umwebt die zarter ist als Gaze. 

In ihr will ich lustwandeln und mich schenken mit meiner dürstenden Begierde.

Meine lüsterne Trunkenheit wird genährt von der prallen Weiblichkeit 
die mich mit ihren aufrecht stehenden Knospen in ihren Bann zieht und 
auffordern sie zu liebkosen. 

Leicht streifen meine feuchten Lippen über erregten Brustwarzen und genieße den wonnigen Körper der mit seinem süßlichen Duft an die Mandelblüte erinnert. 

Der marzipane Geschmack auf der Zunge aphrodisiert meine Sinne und läßt mich 
die Verzückung ahnen.

Erregt von dem windenden Leib und flehendem Augenfunkeln öffne ich weiter die benetzten Schenkel lasse uns in die ekstatische Glückseligkeit gleiten.
© margret




Der erste Tag im Mai



Endlich ist die Biene Träumerle in ihrem Aufgabenbereich angekommen. Ihre Chefin, die Vorarbeiterin Grimmigguck, hat sie doch tatsächlich bei dem regnerischen Wetter in den nahe gelegenen Garten zum Nektar sammeln geschickt. Der Garten gehört der lieben Frau Schönwetter und ist ein Paradies für die fleißigen Bienen.

Doch heute am 1.Mai ist es gar nicht so lustig auszufliegen, Pollen zu sammeln, sie wieder wegschleppen und die extra erbauten Waben mit ihren vielen Nischen damit zu befüllen. Alles nur weil die Menschen Honig haben wollen. Träumerle seufzt tief in sich hinein und fühlt sich ungerecht behandelt von der Grimmigguck, denn nicht eine Kollegin ist weit und breit zu sehen. Die dürfen alle bei der einzigartigen und wunderschönen Königin Hochwohlgeboren sein um ihr Gesellschaft leisten und sie umschwirren und hofieren so gut es nur geht.
Das sind immer sehr schöne Stunden. Alle tragen zusammen der Königin Lieder vor, die ein guter Zuhörer ist. Auch sonst ist die Königin Hochwohlgeboren eine sehr nette und vor allem gerechte Regentin. Wenn sie wüsste das die kleine Biene Träumerle allein ins schlechte Wetter muss bekäm mit Sicherheit die Vorarbeiterin einen Tadel. Doch in der Burg Wabenstock fällt bei dem Gesumme und Geschwirre nicht auf wenn eine Biene fehlt.

Also müht sich die kleine Biene Träumerle mit ihrem rot-weiß Regenschirmchen ab. Es ist sehr schwierig für die kleine zierliche Arbeiterin die Balance zu halten. Man kann es sich schon gut vorstellen …, in der einen Hand das aufgespannte Schirmchen und mit der anderen Hand den Nektar sammeln um diesen dann in die Pollensäcke an den Beinchen zu verstauen. Eine Sisyphosarbeit! Dem Bienchen nutzt es auch nichts das man sagt: „Mairegen bringt Segen“. Nein!,  der Mairegen flutet doch die Pollensäcke.
Hätte das Träumerle doch nur ein Regencape! Doch an dem Tag, im letzte Frühjahr war die kleine Biene sehr krank und konnte an der Verteilung der Arbeitskleidung nicht teilnehmen und die Ausgabestelle kann nur einmal im Bienenleben angeflogen werden. Da hat sie Pech gehabt, doch die beste Freundin von Träumerle hat ihr einmal gesagt das sie mit ihrem Regenschirmchen allerliebst aussieht, fast wie ein Marienkäfer. Daran denkt das Träumerle immer wenn sie ein Stimmungstief hat.


Nun muss sich die tapfere Biene entscheiden aus welcher Blume sie die meisten Pollen holt.
Wie gut das es mittlerweile aufgehört hat zu regnen und so konnte sie ihren Regenschutz zur Seite legen.
Nun hüpft sie beschwingt von einem Blütenkelch zum anderen und nimmt Kostproben. Lustig schaut es  aus und ist eine Freude ihr zuzusehen. Sie ist über und über bestäubt mit Pollen. Hoffentlich schickt Petrus kommt keinen erneuten Mairegen, das würde eine große und sehr klebrige Sauerei auf ihrem schwarz-gelben Kleidchen werden. Obwohl?!
Einer Legende nach die Träumerle einmal gehört hat soll man, wenn man sich in den Mairegen stellt noch etwas wachsen. Das wäre toll! Die fleißige Arbeiterin ist nämlich sehr klein. Die Größe von Träumerle ist auch der Grund warum die Vorarbeiterin Grimmigguck das kleine Bienchen bei dem schlechten Wetter zur Arbeit schickt. Denn einige seltene Blumen, die Frau Schönwetter in ihrem Garten hat, öffnen ihren Blütenkelch nur bei warmen und seichtem Regen, doch das ist ein Geheimnis das es zu hüten gilt.

© margret






Margret muss ins Krankenhaus



Oje, es ist mal wieder soweit. Mein kleines Problemchen macht sich wieder bemerkbar …, die Entgiftungszentrale meines Körpers begehrt vehement auf. Ihr kennt sicher alle den Spruch: 'Ich saufe, und du hast es an der Leber.' Einige Tage schon laboriere ich an mir herum. Doch ich kann machen was ich will, mein Leberchen bleibt stur und muckt weiter herum und hat andere Organe mit aufgewiegelt. Die machen mir Bauchschmerzen. Es hilft nichts, ich muss im Krankenhaus und mal wieder mittels reichlicher Infusionen aufgepäppelt werden. Erfahrungsgemäß dauert dies eine knappe Woche. Also ab dafür … da Margarete mal wieder gewartet hat bis nichts mehr ging, ist auch keine Zeit mehr eine Überweisung zu bekommen. So muss ich von meiner Tochter in die Notambulanz gekarrt werden.

Endlich dort angekommen bittet uns der notdiensthabende Arzt herein. „Oh, fit sehen sie aber nicht aus. Sie machen den Eindruck als hätten sie 5 Schlaftabletten genommen.“

'Blödmann, grummel ich in mich hinein, wäre ich sonst hier?' Ich kann es ja gar nicht haben wenn ich scheiße aussehend unter die Augen fremder Leute muss.

Er lässt sich meine Beschwerden schildern, während ich im Rollstuhl wie ein Schluck Wasser in der Kurve hänge. Ich will ins Bett!!
Was dann kam konnte ich nicht glauben. Er hält uns einen Vortrag über das Gesundheitssystem in den verschiedensten Ländern unser Erde. Gott sei Dank war es ein Kurzreferat und somit schaffte ich es ihm geduldig zuzuhören. Dann sinnierte er auf welche Station ich wohl gehöre. Leberchen ist die Innere …, die Bauchschmerzen sind aber Chirurgie. Es fehlte nur noch das er Schnick, Schnack, Schnuck spielte. Hurra, er entschied sich für die Innere. Endlich ging es weiter. Gut das ich nicht wusste was nun ablaufen würde.

Auf Station angekommen erwartete uns der diensthabende Internist. Er untersuchte mich und wagte es meinen Bauch abzutasten. Aua!! Man ey, tat das weh. „Nein, bei den Bauchschmerzen gehören sie in die Chirurgie, das scheint mir ein akuter Bauch zu sein.“ stellte er kurzerhand fest. Das Wort trieb mir das ' P ' in die Augen. „Wieso? Es ist alles wie sonst, nur ein wenig schlimmer.“ versuche ich zu widersprechen. Doch er hört nicht auf mich und ruft die Chirurgin an. Nun heißt es bitte warten … es passiert nichts. Nach einer Weile ruft der Arzt erneut an … bitte warten ... doch keiner kommt!

Verzweifelt schaut er uns an und meint sarkastisch: „ Wenn ein Internist mit einem Verdacht auf Herzinfarkt gerufen wird rennt er zum Patienten. Doch wenn ein Chirurg hört: ein akuter Bauch sagt er … ja ich komme gleich und wetzt erst einmal in Ruhe seine Messer.“

Doch dann, wider erwarten erscheint die Ärztin und eine Diskussion über meinen Kopf hinweg beginnt. Innere oder Chirurgie … Chirurgie oder Innere. Die kleine zähe Chirurgin siegt. Sie besteht zunächst auf eine Ultraschall- und Blutuntersuchung. Gesagt getan, dann war Frau Doktor gnädig und hat mich auf ihre Station aufgenommen. Danke, Danke! Ich kam auf ein kleines Zimmer. Beim hereinschieben fiel mein Blick zu allererst auf das Kreuz über der Tür. 'Bin ich hier im Sterbezimmer?' schoss es mir durch den Kopf. Meine Tochter war während dessen mit dem üblichen Procedere wie Anmeldung und Tasche auspacken beschäftigt. Dann ging alles rucki zucki, und meine Lieblingsinfusionen wurden angehängt. Ebenso bekam ich den Auftrag mich noch weiteren Untersuchungen zu stellen. Ich sollte noch geröntgt und in die 'Röhre' geschoben werden. Röntgen bekam ich so grade hin, ich konnte mich ja festhalten. Die Untersuchung in dem CT war einfach …denn, im liegen gehts ja. Problem war zuvor nur das Kontrastmittel trinken. Doch es kontrastete so gut das man sehen konnte das mein Bauch okay war. Sag ich doch … Die Leber hat die Kollegen im Bauch nur zum Streik angestiftet. Wieso hören die Ärzte nie auf den krankheitserfahrenen Patienten? Dafür durfte ich in der Nacht ständig pullern gehen, eine Herausforderung sondergleichen mit Wackelpuddingbeinen und einem Kopf der einer Matschbirne gleicht. Wie gut das ich alleine im Zimmer war, sodass ich niemanden mit meinem Schlurfgang störte. Schrecklich ist doch dieses Geräusch, wenn man die Schochen nicht hoch hebt und die Schlüffchen den Boden wienern.

Am nächsten Tag kamen zwei Götter in Weiß herein gerauscht und teilten mir ihre neue Idee um die Ursachenfindung meiner Beschwerden mit. Verstehe ich nicht … sagte ich ihnen doch das es die Schadstoffdeponie in meinem Körper ist. Die Blutwerte hatten es doch auch schon bewiesen. Also wird es eine Art ABM – Maßnahme sein. Nun gut, ich habe ja Zeit. Also auf zum MRT, ihr wisst schon, das ist die Röhre wo es ziemlich laut zugeht und man festgeschnallt wird. Auch das habe ich mit Bravour hinter mich gebracht. Das Ergebnis war schnell da … kein Gallestau. Hervorragend! Dann eben noch ein paar Infusionen und ab wieder nach Hause. Doch Flöte pfeifen. Ich hatte nicht mit den Erfindungsreichtum der Ärzte gerechnet. Sie schlugen mir noch eine weitere Untersuchung vor die mich meine Augen weit aufreißen ließen. DARMSPIEGELUNG!!! Bisher habe ich mich erfolgreich drumherum gemogelt. Aber nun gut … Schicksal nimm deinen Lauf. 

Ich sage nur: … ABFÜHREN …

Während des Aufklärungsgesprächs musste ich an die junge Ärztin denken die im Fernsehen über den menschlichen Darm mit all seinen Facetten und Eigentümlichkeiten spricht. Es wurde auch ein sehr lustiges Gespräch. Kaum war die Ärztin weg kam eine der netten Schwestern mit dem gar nicht so tollen Getränk. Augen zu ..., Nase auch und runter damit.  

Ich wähnte mich in einer Art MiniDschungelCamp. 1Liter feinstes Zitronenwasser ergoss sich in meinen nicht mehr akuten Bauch und sorgte für Rumpel Pumpel in meinen Gedärmen. Was folgte wisst ihr alle … Sprints zur Toilette, mit anschließendem AuAPoppo. Und wenn ich dachte das war´s, mitnichten. Die Krankenschwester vertraute mir an, dass ich am nächsten Morgen um fünf Uhr die gleiche Menge nochmals trinken müsste um den Darm weiter leer zu fetzen. Ich fand die Frau dann nicht mehr nett. Nun gut, auch das brachte ich hinter mich. Ich muss fürchterlich ausgesehen habe, mal wieder. Ich hatte das Mitleid der Reinigungskraft auf meiner Seite.
Kaum das ich das letzte Mal vom Thrönchen runter war ging meine Fahrt in die Katakomben auch schon los. Die Spiegelung an sich war schick … ich verschlief sie. Doch bevor es zu meinem Minutennickerchen kam hörte ich furchterregende Geräusche aus dem Untersuchungszimmer neben mir. Die Erklärung der sehr netten Assistentin war, dass ein Mann tapfer sein wollte. Das überlege man sich … ein Mann der die Tapferkeitsmedaille erringen wollte mittels einer Darmspiegelung ohne Drogen. Er hätte, wenn es möglich wäre, mit dem Kinder kriegen anfangen sollen. Das nenne ich nämlich Tapferkeit vorm Herrn … Kinder herauspressen bis nichts mehr geht. Ich hingegen wollte von vornherein die Betäubung, bin ja nicht blöd. Auch hier ist das Ergebnis ohne Befund … prima … auch das hätte ich sagen können das meine paar Meter Darm topp in Schuss sind.

Wieder auf dem Zimmer stellte ich etwas schlaftrunken fest das ich eine Mitpatientin bekommen hatte. Wie schön, da habe ich etwas Unterhaltung. Auch sie kam mit Bauchschmerzen, schnell stand bei ihr fest das sie auch eine Darmspiegelung bekommen sollte, und noch schneller stand das Gebräu auf ihrem Nachttischchen. Aber das Coolste war … nachdem sie den ersten 1/2l getrunken hatte stand ein Praktikant vor ihr um sie zum Gynokologen zur Untersuchung zu bringen. Hä? Timing ist alles … oder wenn die andere Hand nicht weiß was die andere macht. Logischerweise wurde der Frauenarzttermin verschoben.

Dann ging auf einmal alles ganz schnell. Am nächsten Morgen bei der Visite grinste der Arzt mich an und fragte mich wie es mir gehe. Selbstverständlich ging es mir gut. Da kam der ultimative Krankenhauspatientensatz: 'Sie können nach Hause gehen.' Schwupps ans Handy, Töchterchen angerufen. Dann der Stationsschwester Bescheid gesagt sie möge mir den kurzen Arztbericht, auf den man ja stundenlang warten muss, zuschicken. Eine Stunde später lag ich dann auf meiner Couch.

Fazit aus meinem 5tägigem Aufenthalt bei der 'Fremdenlegion':
Das wieder auf Touren bringen der ansonsten still vor sich hin leidenden Entgiftungszentrale hält meist ca. 1Jahr vor.
Dann habe ich endlich einmal die unangenehme Darmspiegelung, die ich schon immer im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung machen wollte, hinter mich gebracht und stelle fest: So schlimm war es auch nicht!

© margret













Ein Sommertag


Herrlich ist es barfuß über die taubenetzte Löwenzahnwiese zu schlendern. So weit das Auge reicht schaut man über die gelben Blütenköpfe des verpönten Gewächs. Manche halten es für Unkraut, doch für mich ist es eine wunderschöne Pflanze. Manche Köpfe sind nur klein und versuchen dem Himmel entgegenzustreben, andere wieder neigen ihr Haupt.
Wenn die gelbe Blüte zu sterben beginnt erwacht sie in der Pusteblume zu neuem Leben. Sobald sie in ihrer Vollendung auf der zauberhaften Wiese steht möchte man die Pollenschirmchen wie ein Kind fliegen lassen. Das ist der Moment in dem man wieder die Unbeschwertheit der verlorenen Kinderzeit spürt und sich erinnert wie man damals mit dem Samen seine Kinderträume und Wünsche mitgeschickt hat. Träume zum mitschicken gibt es immer noch:




"Fliegt ihr Schirmchen, fliegt los
und nehmt all meine Träume mit
auf die lange Reise zum Fluss mit
Milch und Honig der sich in das
ersehnte Meer Shangri - La
ergießt.






Ein Bastkörbchen habe ich mit genommen. Viel ist nicht drin, nur eine Decke, zwei Gläser, zwei Piccolo, Croissants und Marmelade zum einstippen des herrlichen Gebäcks und noch Erinnerungen.

Es wird ein schönes Rendezvous werden dort hinten unter der Trauerweide, deren Äste sich wie ein breiter Mantel verzweigt haben. Wunderbar geschützt lädt der alte Baum mit seinem dichten Blätterdach zum entfliehen aus der Wirklichkeit ein. 

Die Morgensonne mit ihrem tagesfrischen Strahlen lässt die grüne Naturterrasse unter der Trauerweide schimmern als blicke man durch ein Kaleidoskop. Zauberhafte Schattenwesen entstehen, sodass man glaubt in das Reich der Magie zu entgleiten. Ein leichter Windhauch lässt die Weidenblätter vorsichtig rascheln und hört sich an wie leiser Tusch der das Herannahen meiner Angebeteten ankündigt. Und richtig, da kommt sie! Ein Sonnenstrahl taucht die Frau meiner Träume in einen Lichtkegel der ihre Aura so unwirklich erstrahlen lässt das man glaubt ein Engel erscheine. Leichtfüßig tänzelt sie mit ihrem so eigenen, glockenreinen Lachen auf mich zu. Ihr leichtes Sommerkleid schwingt lustig hin und her und unterstreicht perfekt ihren schlanken Körper. Das lange blonde Haar wird von einem breiten, bunten Band zurück gehalten und ihre Schuhe trägt sie in der Hand.

Endlich steht sie vor mir! Ihre blauen Augen strahlen mich und ihre kirschroten Lippen fordern einen Kuss ein. Gerne komme ich der Aufforderung nach, so wie damals als wir uns hier zum ersten Mal trafen, an dem herrlichen Sommertag im Juni vor vielen Jahren und wir sofort wussten das wir zusammen gehören, für immer. Heute ist schon unser zwanzigster Hochzeitstag und einen jeden begehen wir genauso wie der Tag unserer ersten Verabredung war.

© margret




Das weite Blau



Strahlend weiße Kieselsteine knirschen unter meinen Füßen. Es ist ein merkwürdiges Geräusch und hat dennoch etwas beruhigendes an sich. Noch ein paar Mal gehe ich den sich schlängelnden Weg auf und ab. Er ist gesäumt mit wunderbar duftendem Lavendel dessen blaue Blüten weithin leuchten. Am Wegende steht eine mannshohe Skulptur. Eine weiße Venus, der ein Arm fehlt. Zu ihren Füßen steht eine Marmorbank, ebenfalls in strahlendem Weiß, so weiß dass man geblendet wird sobald ein Sonnenstrahl darauf fällt.
Hier nutze ich die frühe Morgenstimmung, Tag für Tag um zu malen. Immer und immer wieder halte ich den Sonnenaufgang fest, ausschließlich den Sonnenaufgang mit seinem fesselnd warmscheinendem Licht. 

Es ist so faszinierend das Meer der tagesfrischen Sonnenstrahlen zu beobachten. 


Sie flirren so ungestüm einher das es wie ein übermütiger Tanz aussieht. Diese beschwingte Frische und morgenneue Unschuld ist herrlich ansteckend und lädt ein zum mitmachen in der Leichtigkeit der Choreografie. Mit weiter Seele, so als ob ich die Welt umarmen möchte, lasse ich mich in dem Zauber fallen. Für einen Moment wähne ich mich im Paradies. Nein, nicht wähnen, ich bin im Paradies. Als die Welt erschaffen wurde muss der Schöpfer all seine Kraft in dieses bezaubernde Stückchen Erde gelegt haben, in die blaue Weite der Lavendelprovence.

Es war schon ein merkwürdiger Zufall hier zu stranden, hier in dem kleinen Landhaus weit im Innern des Landes.

Ich war auf einer der typischen Tourismussroute mit dem Auto durch Frankreich, als ausgerechnet mein alter knatternder VW-Bulli, ein buntes Überbleibsel der FlowerPowerÄra den Geist aufgab, den ich mir extra für die Route angeschafft hatte.
Weit und breit war keine Autowerkstatt zu finden die Ersatzteile hatte. So kam es das mich ein schon recht betagter Winzer, der den schmackhaftesten Rotwein herstellte den ich je getrunken hatte, einlud bei ihm meinen restlichen Urlaub zu verbringen. Kost und Logie hatte ich frei. Als Gegenleistung musste ich ihm nur das Haus in Ordnung halten. Da es mir hier außerordentlich gut gefiel willigte ich ein. Angehörige die unterstützen konnten hatte er nicht. Land und Haus würden nach seinem Tod in Staatseigentum übergehen, so erzählte er mir an einem der herrlichen Sommerabende an denen wir gern ein Pläuschen hielten.
Eines Tages, kurz vor Ende meines Urlaubs wurde er krank und konnte nicht mehr in seinem kleinen Weingut bleiben. Er machte mir ein so günstiges Kaufangebot dem ich nicht widerstehen konnte. Den Weinberg habe ich verpachtet und als freischaffende Künstlerin konnte mir nichts besseres passieren als dort zu wohnen wo andere Urlaub machen. Inspirationen für meine Gemälde gibt es hier aus einem Füllhorn das keinen Boden hat und meinem Galeristen eine Flut an im Bilde festgehaltener Emotionen verspricht. Gerne habe ich mein Leben in Deutschland dafür zurückgelassen. Familie, die mich vermissen würde, habe ich keine und meine Freunde können mich jederzeit besuchen kommen um in meinem Paradies für einige Wochen den Nektar der Mühelosigkeit des Lebens zu genießen.

Das ist nun schon ein paar Monate her in denen es nicht ganz einfach war sich hier als Ausländerin einzuleben, doch als Künstler hat man es etwas leichter und mittlerweile fühle ich mich auch schon als Französin. Mein Französisch, hat einen niedlichen Akzent der alle zum schmunzeln bringt.
Heute werde ich die ersten Sonnenaufgänge und ein Lavendelfeld zu meinem Galeristen nach Marseille bringen. Die Fahrt an der Küste entlang mit dem alten Renault wird wunderbar werden. Ich freue mich schon wie ein kleines Kind darauf. Ganz zu Anfang meines Urlaubs war ich einmal am Meer gewesen, dann nie wieder. Doch nun ist es endlich wieder soweit.

Ich kann das Meer schon riechen und fühle schon wie der warmen Wind mein langes Haar zerzaust, dabei bin ich noch gar nicht unterwegs. Unwillkürlich steigt eine wohlige Wärme in mir auf und eine große Zufriedenheit macht sich breit. Und ich weiß: Es war die richtige Entscheidung mein weiteres Leben hier zu verbringen und es auch hier zu beenden.

Endlich sind alle Bilder gut verpackt im Auto, Sonnenbrille auf und los geht die Fahrt. Wenn alles gut klappt bin ich in einer Stunde in der Hafenstadt. Meine Staffelei nehme ich mit, denn die Gelegenheit in der alten Stadt ein wenig zu malen lasse ich mir nicht entgehen. Motive, außer dem Sonnenaufgang über dem Meer gibt es genug. Ich könnte mir gut vorstellen das ich Dächer male, die roten Dachziegel über den uralten romantischen engen Gassen mit dem Kopfsteinpflaster. Einen geeigneten Platz mit besten Blick auf die Häuserzeilen werde ich ganz sicher am Marktplatz finden.
Doch zuerst muss ich bei Monsieur Martin´ meine Bilder abgeben. Wir haben nur eine lockere Verabredung, doch ich will ihn nicht zu lange warten lassen. Ich bin ja froh ihn gefunden zu haben, ihn, einen Galeristen der an mich kleine unbekannte Ausländerin glaubt und ihr eine Chance gibt. Von allen anderen Ausstellern bekam ich Absagen. Irgendwie hatten MM und ich, so nenne ich ihn, sofort einen guten Draht zueinander. Er wirkt so väterlich und ich spürte bei ihm zuhause zu sein.

Er sieht genau so aus wie man sich die älteren Boccia spielenden Franzosen auf den alten Plätzen unter dem schattenspendenden Blätterdach der Buchen vorstellt. Er trägt einen würdevollen Bauch vor sich her, hat immer einen Basthut auf und trägt stets weiße Slipper ohne Socken an den Füßen. Ein wenig aus der Mode gekommen ist wohl sein kleines Bärtchen über seiner Oberlippe das an Clark Gable erinnert, doch es steht ihm gut. Und wie alle Franzosen ist auch er ein Charmeur, doch ein Charmeur der alten Schule.

Es war eine schönen Fahrt über die Küstenstraße, die gesäumt ist mit prächtigen Pflanzen deren Namen ich nicht kenne. Wunderbare Blüten in den verschiedensten Farben leuchteten mir entgegen und einige schmeichelten meiner Nase und zwischendurch immer wieder das mir von weitem entgegen lächelnde Blau des Lavendel. Wie gerne streife ich an den Feldern entlang und wiege meine Hände über die ährigen Blütenköpfe. 


Es wird mir immer wieder bewusst das ich im Paradies angekommen bin. Gerne lege ich mich in den Arm der Mutter Erde mit ihrem Verwöhnprogramm und lass es mir gut gehen. Doch trotz der Herrlichkeit mit der ich hier umgeben bin muss ich ans Geld verdienen denken und stehe nun nach der kurzweiligen Anreise vor der Galerie. 


Die Eingangstür ist weit geöffnet, MM erwartet mich schon. Mit einem strahlenden Lächeln kommt er auf mich zu und umarmt mich mit der typischen Begrüßung: Küsschen links, Küsschen rechts.

„Bonjour Kleine. Ich bin gespannt was du mir mitgebracht hast.“strahlt er mich an. „Bonjour MM, ein paar Sonnenaufgänge. Nicht's als Sonnenaufgänge.“ lache ich zurück. „Komm, lass uns erst einmal einen Espresso trinken, danach laden wir die Bilder aus.“ schlägt der Galerist vor. „Gerne, ich habe heute mehr Zeit. Später will ich noch einige Impressionen von der Altstadt am Marktplatz skizzieren.“ Mein väterlicher Freund, so kann ich mittlerweile sagen, spricht ein recht gutes Deutsch worüber ich sehr froh bin. Wie er mir auf meine Verwunderung erklärte hatte er einmal eine deutsche Freundin die es ihm beibrachte. Das kommt mir sehr zugute, mein Französisch reicht gerade zum überleben. Ab und an sorge ich für Lacher wenn ich etwas falsch verstanden habe und nachfragen muss. Mein Nichtkönnen in Französisch hat dann stets amüsierenden Unterhaltungswert.

„So, mein Lieber, komm lass uns ausladen bevor die Sonne meine Sonnenaufgänge in Untergänge umwandelt. Es ist mittlerweile recht warm geworden. Trotz des Lichtschutzes könnten die Bilder Schaden nehmen.“ mahne ich Monsieur Martin´.
„Natürlich mein Kind, wie unbedacht von mir.“ entschuldigt sich mein väterlicher Freund und sprintet schon fast zum Auto. Es sieht so merkwürdig aus wie der gesetzte Mann mit kleinen, schnellen Schritten zum Auto eilt, dass ich hellauf lachen muss.
Nachdem die Gemälde im Schauraum abgestellt sind verabschiede ich mich auch sofort. „Du schaust dann allein wo sie hängen oder stehen sollen nicht wahr? Ich will doch noch auf Motivsuche gehen und ein paar Skizzen für neue Bilder anfertigen.“ erinner ich Monsieur Martin´.
„Aber ja, mach dich auf die Suche.“ gibt er geschäftig zurück und macht sich ans auspacken meiner Werke. Beim Rausgehen höre ich noch „Aahh, Ooohh, schööön … !“ Mein zufriedenes Nicken und mein Strahlen übers ganze Gesicht kann er schon nicht mehr sehen.

Nach kurzem Verfahren in der großen Stadt bin ich in dem historischen Kern der Metropole angekommen. Sehr viele der geschichtsträchtigen Bauten und kleine uralte Fischerhäuser gibt es hier zu bewundern. Auch das Kopfsteinpflaster mit den Katzenköpfen ist noch im Original mit den außergewöhnlichen Verlegemustern erhalten geblieben.

Hier herrscht so ein besonderes Flair, dass ich mich in die Lebensweise der längst vergangenen Zeiten gut hineinversetzen kann.

Ein richtiger Film über den Alltag der Menschen, aber auch der Armut, Knechtheit und Folter läuft vor meinem geistigen Auge ab. Fischer die ihre Netze zum trocknen aufhängen und die Mägde die mit ihrer Herrschaft zum Markt einkaufen gehen.
Da ist der Tagelöhner der beim Diebstahl erwischt wurde und ausgepeitscht wird.
Kinder die mit ihren Steckenpferden lustig herum hüpfen und mit Steinen nach herumstreunenden Hunden werfen.
All das wird gestört durch einen Reiter der eine Bekanntmachung weiterzugeben hat und mich so erschreckt das ich aus meinem Tagtraum erwache.

Zurück in der Gegenwart ist schnell ein guter Platz zum kolorieren der Leinwand mit einem tollen Motiv gefunden. Kreischende Möwen! Sie umsegeln den Marktplatz und werden von herumtollenden Kindern gefüttert. Ein herrliches Bild bietet sich mir! Ich wünschte ich wäre wieder ein Kind und könnte bei dem Spiel mitmachen. Sehnsüchte nach der kindlichen Unbeschwertheit erwachen, die Unterstützung von dem Rauschen des Meeres finden und dem Lavendelduft der allgegenwärtig ist Selbst vor den Häusern in großen Kübeln und den kleinen Gärten hinter den Fischerhäusern sind die aromatischen Pflanzen mit den wunderbar blauen Blütenrispen zu finden, dem Gewächs das charakteristisch für diesen Landstrich Frankreichs ist. Ich freue mich schon sehr auf der Heimfahrt, wieder an den Feldern, dem weiten, fast unendlichen scheinenden Blau vorbeizufahren.

Schnell ist die Leinwand mit buntem Leben gefüllt und mein Schaffensdrang fordert mich mit unbändigem kreativen Willen auf neues Motiv zu suchen. Das Meer zieht mich magisch an. Die Sonne weidet sich in den Wellen und zelebriert mit ihren Strahlen eine Szenerie die nicht unwirklicher sein kann. 



Es sieht im Gegenlicht so aus, als ob abertausende Sternchen gleißend dicht über dem Puls des Meeres hin und her flirren. 

Gebannt schaue ich dem Treiben zu. Für einen Moment wähne ich mich in der Unendlichkeit und bin entschlossen hierzubleiben. Ich möchte mittanzen und eintauchen in die Irrlichter die den wunderschönen Meeresglanz herbeizaubern. Schnell halte ich diese besondere fast unwirkliche erscheinende Stimmung fest. Ich denke das MM begeistert von meinen neuen Gemälden, der neuen Art zu malen sein wird. Den Umbruch der gerade passiert spüre ich deutlich. Es wird Zeit neue Wege in der Malerei zu beschreiten.

© margret

























Kommentare:

  1. Liebe Margret,
    ich habe es versprochen und das halte ich auch.

    Eine außergewöhnlich schöne Geschichte die Du hier niedergeschrieben hast.

    Viele Grüße
    Fred

    AntwortenLöschen
  2. ich meine natürlich die Geschichte von Ahörnchen :-)

    AntwortenLöschen
  3. Vielen Dank lieber Fred, es freut mich sehr das Dir die Geschichte gefällt.

    Viele Grüße
    Margret

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Margret, das mit den Leckereien kenne ich die foltern mich auch ständig ;)

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Michael,

    und dann stell Dir vor man käme wie früher in die Folterkammer. Das wäre ein nicht zu übersehendes Ausmaß. ;-)

    AntwortenLöschen
  6. Du hast wahrlich Benzin statt Blut in deinen Adern ;)

    AntwortenLöschen
  7. Aber nur ein ganz kleiner Anteil. ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Benzin gibt aber Kraft und Energie und wenn es Verbrennt wird es heiß!

      Löschen
  8. Sinnbildlich gesehen viele Frauen und wie hier die fleichgewordene Göttin der Träume. Ich dichtete der Protagonistin diese Haarfarbe an um ihre Magie und Aura zu unterstützen mit der sie den Mann in ihren Bann zieht.

    AntwortenLöschen